von Hanna Vock

 

Lange schon gibt es Einzelförderung im Kindergarten. Insbesondere bei Kindern mit Entwicklungsrückständen versuchen engagierte Erzieherinnen, sich die Zeit zu organisieren, die nötig ist, um sich genau auf das einzelne Kind einzustellen, es „da abzuholen, wo es steht“. Viele Erzieherinnen möchten hier auch mehr tun. Aber durch die Gruppengröße von 25 oder mehr Kindern werden diesem Engagement von der Bildungspolitik enge Grenzen gesetzt.

Trotzdem: Jedes Kind braucht, um freudig und effektiv lernen zu können, Anregungen und Möglichkeiten zu vielfältigen Tätigkeiten, die seinem Entwicklungsprofil und den sich daraus ergebenden Lerninteressen entsprechen.

…kurz gefasst…

Der Beitrag wirbt dafür, über den Sinn von Einzelförderung hoch begabter Kinder nachzudenken. Bedenken, einzelne Kinder aus der Gruppe hervor zu heben, werden aufgegriffen.
Der Nutzen einer vorübergehenden Einzelförderung im Kindergarten wird herausgearbeitet – für das Selbstwertgefühl des hoch begabten Kindes, für seine vertrauensvolle Beziehung zur Erzieherin und für seine Integration in die Gruppe.

Außerhalb des Kindergartens braucht das hoch begabte Kind Mentoring, was eine dauerhafte, auf sein Entwicklungsniveau zugeschnittene Einzelförderung meint.
Die Eltern zu ermutigen, dieses Mentoring in Angriff zu nehmen, kann eine Aufgabe des Kindergartens sein.

Es ist eine einleuchtende These, dass die persönlichen Interessen, die aktuellen „Neugierden“ des Kindes hinleiten zu den nächsten Lernprozessen, zu den nächsten „Stufen“, die in seinem individuellen Entwicklungsprozess sinnvoll sind und „anstehen“. Es spricht Vieles für diese These, vor allem die auf der Grundlage dieser Annahme erzielten pädagogischen Erfolge. In diesen Zusammenhang gehört die Idee von den Selbstbildungskräften des Kindes.

Diese aktuellen „Neugierden“ des Kindes nennen wir seine Spiel- und Lernbedürfnisse. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben aller Pädagogen, die aktuellen Spiel- und Lernbedürfnisse des Kindes zu erkennen, ernst zu nehmen und sich am besten schon bei der Planung der pädagogischen Arbeit davon leiten zu lassen.

Wie kann ich für eine Gruppe von 25 Kindern planen und dabei die Spiel- und Lernbedürfnisse jedes einzelnen Kindes berücksichtigen? Hier haben wir ein politisches (siehe oben: Gruppengröße, Personalschlüssel), aber auch ein methodisches Problem.

Kleine Anmerkung:
In Finnland ist es schon seit längerem so:

„Bei den Jüngsten bis zu drei Jahren werden höchstens zwölf Kinder von vier Erwachsenen betreut, in der zweiten Gruppe haben wir 21 Vier- und Fünfjährige.

Um sie kümmern sich drei Erzieher oder Lehrer und ein Absolvent des Sozialen Jahres. Oft ist noch eine Praktikantin dabei. Also fünf Personen. Die zehn Vorschulkinder haben zwei Betreuer.“

(Aus: „Stern“, 23/2009 vom 28. 5. 09)

Auch bei so guten Bedingungen muss die Frage der Hochbegabtenförderung außerdem noch pädagogisch gelöst werden.

Es ist naheliegend anzunehmen, dass auch hoch begabte Kinder intensive Einzelförderung brauchen und wollen, um ihren Entwicklungsdrang zu befriedigen – und der Begabung entsprechende außergewöhnliche Fähigkeiten zu entwickeln.

Die Einzelförderung hoch begabter Kinder soll hier bezogen auf zwei Bereiche betrachtet werden:

  1. Einzelförderung außerhalb des Kindergartens,
  2. Einzelförderung im Kindergarten.

Einzelförderung außerhalb des Kindergartens

Es gibt sie in verschiedenen Formen: Zirkusartisten beispielsweise nehmen ihre Kinder, sofern sie auch besondere artistische Begabungen zeigen, früh in die „Lehre“.

Musikalisch hoch begabte Kinder erhalten oft (wenn sie in einem entsprechenden Umfeld aufwachsen) frühzeitig intensiven Einzelunterricht. Beispiel: Die Geigerin Anne-Sophie Mutter, die im Vorschulalter Klavierunterricht erhielt und mit fünfeinhalb durchsetzte, Geige spielen zu dürfen. Mit 7 hatte sie ihre ersten Konzertauftritte, mit 13 spielte sie Herbert von Karajan erfolgreich vor. Seit Jahrzehnten tourt sie, Mutter von zwei Kindern, höchst erfolgreich durch die Welt und wirkt sehr glücklich mit ihrer Musik und ihrem sozialen Engagement.

Hinter jedem glücklichen und erfolgreichen Hochbegabten, in welchem Bereich auch immer sie oder er außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelt hat, steht mindestens ein Mensch, der sich sehr intensiv mit dem Potenzial des hoch begabten Kindes auseinandergesetzt hat – und der das Kind klug und einfühlsam  gefördert hat.

Oft sind es in frühen Jahren die Mütter, auch Väter oder Großeltern, die dies leisten, später kommen in glücklichen Fällen Lehrerinnen in der Schule oder aber  Musik- oder Tanzpädagogen, Sporttrainer, bildende Künstler, Schachlehrer usw. hinzu, die bereit sind, einfühlsam auf die besonderen Begabungen des Kindes einzugehen.

Hilfe und Anleitung beim Lernen und Denken

Was aber ist mit den Kindern, die kognitiv hoch begabt sind? Die schon in frühester Kindheit danach streben, ein immenses Wissen zu sammeln und zu erkennen, was die Welt (physikalisch, chemisch, astronomisch, philosophisch, sozial, usw.) zusammenhält?

Auch diese Begabungen erfordern Begleitung und ab einem bestimmten, sehr frühen Zeitpunkt Einzelförderung (Mentoring), wenn die Lern- und Entwicklungsprozesse zufriedenstellend für das Kind selbst (und für die Gesellschaft) gelingen sollen.

Sonst besteht unter anderem die Gefahr, dass Kinder mit 6 oder 7 Jahren eine große Menge Wissen im Kopf haben, von dem nur ein Teil einer Überprüfung standhält – und das Ganze so chaotisch anmutet wie ein nicht aufgeräumtes Kinderzimmer. Das unaufgeräumte Kinderzimmer ist harmlos gegenüber dem chaotischen Kopf.

Es ist zwar so, dass Lernen und Denken grundsätzlich nur zu einer immer stärkeren Annäherung an die Wirklichkeit und die Wahrheit führen können, aber genauso wichtig ist, dass diese Annäherung kreativ und diszipliniert geschieht.

Ein Beispiel soll dies erläutern:

Beate Kroeger-Müller berichtete von einem vierjährigen Jungen aus ihrer Kita, der ihr in einem längeren Monolog etwas über Insulin und Blutzucker sowie über deren Wirken im menschlichen Körper mitteilte.

Das Beispiel soll auch zeigen, dass hier die Möglichkeiten der Kita an ihre zeitlichen Grenzen stoßen und dass Jemand anders die Rolle des „Denkerziehers“ übernehmen muss – so wie es bei der Förderung musikalischer und sportlicher Talente unumstritten ist.

Recht unvermittelt, ohne dass dieses Thema im Raum gestanden hätte, begann Anton (Name geändert). Hier ist das wortgetreue Gesprächsprotokoll von Beate Kroeger-Müller:

„Soll ich dir das mal erklären, wie das Insulin in deinem Körper funktioniert? Das Insulin transportiert den Blutzucker in das Blut. Das heißt, wenn das Insulin im Körper fehlt, dann hat man zu wenig Blutzucker.

(Hier zum Beispiel verdreht der kleine Junge die Tatsachen…)

Darum soll man auch nicht viel Fett essen. Denn das Fett versperrt den Weg zum Insulin. Dann denkt der Körper: >Oh, es ist ja kein Fett mehr da<, und dann schüttet der Körper noch mehr Fett aus. Dann werden alle anderen Fabriken im Körper, die den Blutzucker verarbeiten, geschlossen. Dann kann der Körper überhaupt gar keinen Blutzucker verarbeiten!

Ich vermute, dass die neuen Fabriken eine Weile brauchen und sich neu gewöhnen müssen, bis sie das Fett verarbeiten können. Wenn man zu wenig an Insulin zu sich nimmt, dann gibt es auch zu wenig Schlüssel, aber zu viel an Blutzucker.

Die Folgen sind dann: Ein Schlappheitsgefühl und Müdigkeit und Lustlosigkeit, weil die Muskeln dann nicht mehr richtig arbeiten können. Die Muskeln werden so gepresst. Die Muskeln können dann keine weißen Blutkörperchen produzieren.

Alle Krankheiten, die durch Bakterien verursacht werden, kann man dann bekommen. Also Husten, Schnupfen, Heiserkeit, also alles was du so kennst.

Zum Beispiel ist in einer Flasche Ketchup 13% purer Zucker enthalten, darum solltest du nur wenig Ketchup zu dir nehmen. Oder noch ein anderes Bespiel. Die Hälfte von kaltgeschleudertem Honig ist nur reiner Zucker und die andere ist eben der Honig, der aber auch sehr süß ist und eigentlich auch Zucker enthält. Zumindestens vermute ich das.

Oder wusstest du schon, dass Zucker auch nicht schwimmt? Also wenn ich eine Flasche nur mit Zucker gefüllt in die Sieg (Fluss bei Bonn, Red.) werfe, geht diese Flasche unter. Werfe ich aber eine Flasche voll Wasser, also ohne Zuckerinhalt in die Sieg, dann schwimmt diese. Und so könnte ich dir noch ganz viele Experimente erzählen, aber ich möchte jetzt wieder mit Marco weiter spielen.“

Wenn man diesen für einen Vierjährigen ganz erstaunlichen Vortrag unter die Lupe nimmt, entdeckt man so einiges Interessante:

1. Anton hat sich für ein naturwissenschaftlich-medizinisches Thema sehr interessiert.

2. Er hat sich viele Fachbegriffe gemerkt.

3. Er hat einige Zusammenhänge begriffen, andere noch nicht (siehe Beispiel oben).

Es ist zu hoffen (und in diesem Fall anzunehmen), dass Anton in seinem familiären Umfeld Jemanden hat, der seine Interessen aufgreift, sich intensiv mit seinen Ideen auseinandersetzt, damit er weiter kommen und noch klarer werden kann.

Erzieherinnen können hohe Begabungen früh erkennen

Sie sind auf Grund ihrer beruflichen Erfahrung besonders gut in der Lage, früh hohe Begabungen wahrzunehmen und die Eltern darauf aufmerksam zu machen. Oft steigen erst dann die Eltern bewusst in die Überlegungen zur Begabungsförderung ein, wenn die Erzieherin ihnen ihre Beobachtungen und Vermutungen mitgeteilt hat. Manche Eltern brauchen Ermutigung durch Fachpersonal, damit sie sich trauen, ihr Kind in seiner Entwicklung und in seinem Lern- und Wissensdrang nicht zu bremsen, sondern es stattdessen angemessen zu fördern.
(Hierhin gehört zum Beispiel auch die Unterstützung beim frühen Lesenlernen.)

In den meisten Kindergärten ist ein breites „Basis-Fächerangebot“ vorhanden: Sozialkunde, Sprache, Religion und/oder Ethik, Kommunikation, Sport, Musik, Theater, bildende Kunst, Tanz, Handwerk, Technik, Mathe, alle Naturwissenschaften.

Das macht es möglich, ein ganzheitliches Bild vom Kind zu gewinnen und zu erkennen, wo seine außergewöhnlichen Interessen und Stärken liegen. Hinweise an die Eltern können dann zur Suche nach Mentoren führen: Diese Aufgabe können zum Beispiel ältere SchülerInnen oder StudentInnen übernehmen, die selbst besonders begabt sind und ihre Begeisterung für ihre Domäne ein Stück weit mit dem jüngeren Kind teilen wollen.

Es ist sehr sinnvoll, Eltern die Suche nach Mentoren nahe zu legen; denn alleine können sie dem Wissensdrang eines hoch begabten Kindes auf Dauer kaum gerecht werden. Oft weichen die Interessen und Talente des Kindes auch deutlich von denen der Eltern ab: Eltern, die selbst eher unmusikalisch sind, können ihr hochmusikalisches Kind kaum selber fördern. Oder wenn ein Kind sich mit fünf Jahren sehr für Computer interessiert, die Mutter aber gar nicht, dann kann eine gute Passung nicht gelingen, also auch keine gute Förderung.

Wann ist Einzelförderung im Kindergarten machbar und sinnvoll?

Ist die gezielte Förderung eines einzelnen Kindes im Kindergarten sinnvoll, und ist sie überhaupt möglich? Häufig wird entgegen gehalten, dass das Team sowieso individuell auf jedes Kind eingehe. Das ist gut, ist hier aber nicht gemeint.

Hier ist gemeint, dass

    • auf ein vermutet hoch begabtes Kind ein besonderes Augenmerk gerichtet wird,
    • in Bezug auf dieses Kind im Team besondere Überlegungen angestellt werden,
    • dem Kind besondere Anregungen und Herausforderungen angeboten werden,
    • mit seinen Eltern ein besonders intensiver Austausch gesucht wird – so wie das auch für weit unterdurchschnittlich begabte Kinder geschieht.

 

Es kann allerdings nicht erwartet werden, dass Erzieherinnen sich in den Feinheiten des Blutzucker-Stoffwechsels auskennen. Hier muss ein Mentor her.

Die Ziele einer solchen vorübergehenden Einzelförderung sollten sein,

    • ein Vertrauensverhältnis zum Kind aufzubauen, das dem Kind ermöglicht, seine besonderen Spiel- und Lernbedürfnisse im Kindergarten zu offenbaren,
    • ein stabiles Selbstkonzept unter selbstbewusstem Einschluss seiner besonderen Interessen und Spiel- und Lernbedürfnisse aufzubauen,
    • eine Einschätzung zum Potenzial des Kindes zu gewinnen.

Die Einzelförderung ist nur eine Methode der Hochbegabtenförderung. Damit Integration in die Gruppe sowie der Aufbau von Teamfähigkeit und weiterer sozialer Kompetenzen gelingt, müssen andere Methoden hinzukommen: Förderung in Kleingruppen und Förderung in (eventuell gruppenweiten) Projekten.

Die Möglichkeit der Einzelförderung ist durch die herrschenden Arbeitsbedingungen im Kindergarten (Gruppengröße, Personalbesetzung, räumliche Enge) stark eingeschränkt. (Siehe: Rahmenbedingungen verbessern.)

Manche IHVO-Kursteilnehmerinnen stellen im Kurs ihr Unbehagen dar, das sich einstellt, wenn die Aufgabe lautet, ein Kind besonders intensiv zu beobachten, was einschließt, sich mit ihm intensiver zu befassen als mit den anderen Kindern.

Im Verlaufe der Kurse überwiegen dann Berichte von zahlreichen positiven Effekten auch auf andere Kinder und die Gesamtgruppe, die den Wert und Nutzen zeitweiliger intensiver Beschäftigung mit dem einen Kind belegen.

Häufig, wenn auch nicht immer, vollzieht sich die erfolgreiche Hochbegabtenförderung der Teilnehmerinnen in drei aufeinander aufbauenden Schritten, die sich zeitlich überlappen und schließlich nebeneinander und miteinander verschränkt fortbestehen:

    • Einzelbeobachtung und -förderung,
    • Förderung in einer ausgewählten Kleingruppe,
    • Einbindung in die Förderung der ganzen Gruppe.

So lernt das hoch begabte Kind – neben den kognitiven Inhalten – immer besser, mit anderen zusammen zu spielen und zu arbeiten, ohne dass es dabei gewohnheitsmäßig frustriert wird und seine hohen Ansprüche an das Spiel verleugnen muss.

Hier geht es jetzt erstmal um die Einzelförderung.

Es fällt vielen Erzieherinnen zunächst schwer, sich dafür zu entscheiden, ihrem „Beobachtungskind“ eine Sonderrolle einzuräumen: mit ihm längere Gespräche zu führen, mit ihm allein zu spielen, ohne andere Kinder mitspielen zu lassen, mit diesem einen Kind etwas Besonderes zu machen.
Es ist immer die Not da, allen Kindern gleichermaßen gerecht werden zu müssen, obwohl eine Erwachsene für 10 bis 27 kleine Kinder gleichzeitig zuständig ist.

Klar ist, dass die Kinder wegen der Knappheit der Möglichkeiten immer wieder um die Zuwendung der Erzieherin konkurrieren und oft genau darauf achten, wie die Erzieherin ihre Zeit und Zuwendung verteilt. Je besser der Erzieherin-Kind-Schlüssel ist, desto weniger tritt dieses Problem auf.

(Siehe die Zahlenangaben für die deutschen Bundesländer im Abschnitt „Die Zeit wird immer knapper“ in: Rahmenbedingungen verbessern!)

Diese Schwierigkeit, sich auf ein Kind zu konzentrieren, formulieren IHVO-Teilnehmerinnen am Anfang des Kurses immer wieder, so zum Beispiel Margrit Bernsmann:

„Eine Gefahr, die ich allerdings sehe, besteht darin, dass Mario (Name geändert) durch meinen zurzeit sehr intensiven Kontakt zu ihm in eine Sonderstellung gerät. Andere Kinder dürfen nicht benachteiligt werden und müssen selbstverständlich die gleichen Möglichkeiten und Angebote wie Mario erhalten.

Ich merke schon, dass sich Mario seiner Sonderstellung und den damit einher gehenden besonderen Angebote bewusst ist und dass er versucht – wenn auch selten – die Angebote manchmal für sich allein in Anspruch zu nehmen. So bittet er darum, mit mir allein ins Büro gehen zu dürfen, um so ohne Störung von außen, bei geschlossener Tür meine Zeit nicht mit anderen Kindern teilen zu müssen.

Ich hoffe und glaube jedoch, dass ich mir der Gefahr bewusst bin, ihn von den anderen Kindern zu entfernen oder zu entfremden. Und dass dies dazu führt, dass ich hoffentlich professionell handle und ein gutes Maß zwischen persönlicher Einzelförderung und Integration in die Gruppe finde.“

Trotz solcher verständlichen Bedenken stellt sich im weiteren Verlauf des zweijährigen Weiterbildungskurses heraus, dass es in vielen Fällen (für die ganze Gruppe) lohnend ist, wenn sich die Erzieherin eine gewisse Zeitlang intensiv mit dem hoch begabten Kind beschäftigt.

So schreibt Arno Zucknick:

„Es kam in letzter Zeit immer seltener vor, dass andere Kinder aus der Gruppe an diesen (Einzel-) Sitzungen teilnehmen wollten, was Jeromes Konzentration sehr zu Gute kam. Ich vermute, dass diejenigen, die teilgenommen hatten, gemerkt haben, dass sie dieser Aktivität nicht viel abgewinnen konnten, da sie nicht über dieselbe Auffassungsgabe und dasselbe Interesse am konzentrierten Arbeiten mitbrachten.

Gleichzeitig sind die Spannungen, die sich in der Gruppe hinsichtlich dieser besonderen Zuwendung angedeutet hatten, sowie die Attitüden auf Seiten Jeromes wieder vollständig zurückgegangen. Die Strategie, das Angebot für die anderen Kinder zu öffnen – aber immer nur ein anderes Kind pro Sitzung –, in Verbindung damit, der Gruppe Angebote im Bereich der kognitiven Förderung zu machen, ist hier offensichtlich aufgegangen.“

 

Hier ist das Ziel erreicht, eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufzubauen.

Nun muss es weiter gehen.

Einzelförderung kann im Kindergarten keine Dauerlösung sein. Sie ist aber in manchen Fällen für eine Weile nötig, um den „Draht zum Kind“ zu knüpfen. Sie zeigt dem Kind, dass es mit seinem Anderssein ernst genommen wird.

Häufig ist der darauffolgende sinnvolle Schritt, das Kind in eine Kleingruppe mit nur wenigen, kognitiv starken Kindern einzubinden, wo es lernen kann, sein Anderssein, seine anderen Spiel- und Lernbedürfnisse immer offener zu zeigen. Indem es die Gelegenheit erhält, mit anderen kognitiv starken Kindern ungestört zu kommunizieren, lernt es, einen Sinn darin zu sehen, sich zu offenbaren.

Wichtig ist, das Geschehen in der Kleingruppe für die Gesamtgruppe transparent zu machen. So kann das hoch begabte Kind in der Gruppe ein angemessenes Ansehen erringen und sich darin wohl fühlen.

Wenn es sich mit den Kindern aus der Kleingruppe näher verbunden hat, gelingt ihm oft als nächster Schritt die Integration in die Gesamtgruppe – ohne dass es seine Eigenart und seine Interessen und kognitiven Ansprüche verstecken muss.

 

Siehe auch: Bilderbuch zu den Perchten

Siehe auch: Jasmin (4;7) schreibt eine Geschichte

Siehe auch: Jan-Hendrik will ein Römer-Lexikon schreiben

 

Datum der Veröffentlichung: Februar 2018
Copyright © Hanna Vock, siehe Impressum

 

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