von Hanna Vock

 

Diese Kindergarten-Konzeption verfasste ich, als ich acht meiner zehn Jahre dauernden Arbeit im Kindergarten hinter mir hatte. Der Text gibt den Stand vom Dezember 1999 wieder. (Nur die Rechtschreibung wurde angepasst.)
Das Thema Hochbegabung war damals schon sehr vorne in meinem Kopf und Hochbegabtenförderung fand in unserem Kindergarten auch praktisch statt, etliche Handbuch-Beispiele stammen aus dieser Zeit. Es gab in unserem Kindergarten weit mehr hoch und besonders begabte Kinder, als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Dass es viele Anregungen und Herausforderungen für besonders kluge Kinder gab, war bekannt und sprach sich immer weiter herum. Auch den „Warum-Klub“, ein Förderangebot für hoch begabte Grundschulkinder, führten mein Mann und ich nach Kindergartenschluss in unserem Gruppenraum durch.
Trotzdem spiegelt sich das Thema Hochbegabung in der Konzeption, die ja für Interessierte zugänglich war, nicht wider, da das übrige Team und der Vorstand es nicht wollten.

 

Die Konzeption ist sehr umfangreich geraten und konnte nicht während der Arbeitszeit geschrieben werden. Ich hoffe aber, dass die viele Arbeit, die ich damals investiert habe, anderen Kolleginnen und Kollegen die Arbeit an ihrer eigenen Konzeption erleichtert.

Vielleicht können Andere diesen Text als Grundlage nehmen, die dann kritisch gewertet und für den eigenen Kindergarten passend umgestaltet wird.

 

… kurz gefasst …

Die Konzeption wurde 1999 in dieser Form fertiggestellt, sie enthält die folgenden Gliederungspunkte:

1.  Wozu Konzeption?
2.  Wer wir sind
3.  Unser Kindergarten – ein Ort für positives Denken
4.  Entwicklungsmöglichkeiten für das einzelne Kind
4.1  Entwicklungsziele
4.2  Bedingungen für eine glückliche Entwicklung
4.2.1  Sich einleben und eingewöhnen
4.2.2  Vom Wert des Selbstwertgefühls
4.2.3  Zeit haben zum Leben
4.2.4  Spiel, Phantasie, Kreativität
4.2.5  Den ganzen Tag in Bewegung
4.2.6  Ganzheitliches Lernen
4.3  Wie wir miteinander leben
4.3.1  Die Bedeutung der Gruppe
4.3.2  Gefühle haben dürfen, sich streiten und vertragen
4.3.3  Mädchen und Jungen, Frauen und Männer
4.3.4  Regeln in unserem Kindergarten
4.3.5  Freiheit lassen und Grenzen setzen
4.3.6  Umgang mit der Natur, mit Tieren und Pflanzen
4.4  Gesundheit und Ernährung
4.4.1  Nahrungsmittel
4.4.2  Essen und Trinken
4.4.3  Bekleidung
5.  Arbeitsweisen und Strukturen
5.1  Arbeitsweisen
5.2  Strukturen
6.  Feste und andere Höhepunkte im Jahreslauf
7.  Die Rolle der Eltern
7.1  Die Entstehung der Elterninitiative
7.2  Erwartungen der Eltern
7.3  Aufgaben der Eltern
7.3.1  Wahlfunktionen in der Elternschaft
7.3.2  Kontrolle muss sein, aber Vertrauen ist die Grundlage –
Die Eltern als Arbeitgeber
8.  Die Rolle der Mitarbeiterinnen
8.1  Arbeitsaufgaben
8.1.1  Aufgaben des Teams
8.1.2  Die Verantwortung der Leitung
8.2  Arbeitsbedingungen
8.2.1  Arbeitszeiten
8.2.2  Räumliche Arbeitsbedingungen
8.2.3  Atmosphärische Arbeitsbedingungen
8.2.4  Kommunikation

Es existiert auch eine Kurzfassung dieser Konzeption, die allen neuen Eltern und anderen Interessierten gegeben wurde.

Die Langfassung diente nicht nur als Arbeitsgrundlage für das Team und als Lektüre für besonders interessierte Eltern, sondern auch als inhaltliche Grundlage für unsere zehn pädagogischen Elternabende pro Jahr.

Ein jährlich wiederkehrendes Thema war zum Beispiel die Eingewöhnung (siehe Punkt 4.1.1). Dies interessierte natürlich besonders die neuen Eltern, aber etliche alte Eltern nutzten die Gelegenheit, ihre Sichtweisen und Erfahrungen darzulegen.

Weitere Themen für pädagogische Elternabende waren jährlich wiederkehrend:

  • Ernährung, Bewegung, Kleidung
  • Bedeutung des freien Spielens, Zeit zum Spielen
  • Unsere Regeln, ihre Begründung, ihre Einhaltung und Nichteinhaltung und ihre Durchsetzung
  • Sprachentwicklung, Kommunikation
  • Ganzheitliches Lernen im Kindergarten
  • Selbstbehauptung gegen Übergriffe von Kindern oder Erwachsenen
  • Übergang in die Schule
Zwei weitere Elternabende im Jahr wurden von den Eltern thematisch bestimmt.

Die Eltern waren zufrieden mit den jährlich wiederkehrenden Themen, da sie sie in jedem Jahr (aufgrund ihrer weiter gehenden Erfahrungen) anders erlebten und anderes beitragen konnten.

Bei jedem Elternabend wurde auch über die laufenden Projekte und Angebote berichtet und diskutiert. Dabei wurde herausgearbeitet, was die Kinder dabei getan und gelernt hatten und inwieweit sie begeistert waren.

Zu den Fotos in diesem Beitrag

Leider konnte ich die Originale nicht mehr auftreiben, sondern die Bilder nur aus der in schwarz-weiß gedruckten Jubiläumsbroschüre entnehmen. Entsprechend schlecht ist die technische Qualität. Aber die Bilder erscheinen mir dennoch aussagekräftig.

 

Hier beginnt der Text von 1999.

1. Wozu Konzeption?

Unsere Elterninitiative besteht jetzt seit über 25 Jahren. Bisher sind wir – und alle Eltern und pädagogischen Mitarbeiterinnen, die vor uns da waren und die Elterninitiative gegründet, am Leben erhalten und zum Gedeihen gebracht haben – offenbar ganz gut ohne eine schriftlich festgelegte Konzeption ausgekommen.

Oder gab es mal etwas, und wir Heutigen wissen nur nichts davon?

Vor einiger Zeit haben Vorstand und Mitarbeiterinnen beschlossen, dass die Konzeption aufgeschrieben werden soll.

Das soll dazu dienen,

  • das Leben und die Arbeit im Kindergarten für die beteiligten Erwachsenen möglichst durchsichtig zu machen,
  • die Grundlagen und Prinzipien der Arbeit möglichst klar darzustellen und zu begründen,
  • unseren Platz in der Gesellschaft und im Feld der Kindererziehung zu finden und zu beschreiben,
  • neuen Eltern und neuen Mitarbeiterinnen den Einstieg zu erleichtern,
  • die Realität im Kindergarten und die aufgeschriebene Konzeption immer wieder miteinander zu vergleichen und beides weiter zu entwickeln,
  • uns der interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Fragen, Anregungen und Kritik können dieses Papier verändern und verbessern.

Es besteht jederzeit die Möglichkeit, die Konzeption mit interessierten Eltern zu diskutieren.

Die Inhalte der Konzeption dienen auch als Grundlage für Elternabende.

2. Wer wir sind

Unsere Kindertagesstätte wurde im Jahre 1973 von engagierten Eltern gegründet. Sie blüht und gedeiht.

Die Personen:
20 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren und ihre Eltern, vier pädagogische Mitarbeiterinnen, drei davon in Teilzeit arbeitend, und ein Zivildienstleistender. Unterstützt werden wir außerdem durch eine Raumpflegerin.
Alle Kinder bleiben ganztags, essen also auch ihr Mittagessen zusammen; demnach sind wir eine Kindertagesstätte. Aber für den Alltagssprachgebrauch gefällt uns die Bezeichnung „Kindergarten“ besser.

Fröhliche Dreijährige. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Zunächst „wohnte“ der Kindergarten etliche Jahre in einem ehemaligen Bauernhaus. Nach einem nächtlichen Brandanschlag, bei dem das Gebäude weitgehend zerstört wurde, stellte die Stadt einen Schulpavillon zur Verfügung – zunächst als Provisorium, später als Dauerlösung. Die benachbarte Schule war nicht glücklich über den Verlust ihres Pavillons, aber inzwischen sind die anfänglichen Spannungen längst einem gutnachbarschaftlichen Verhältnis gewichen.

Auch heute noch ist der Träger des Kindergartens die Elterninitiative.

In jedem Jahr verändert sich die Zusammensetzung des Vereins, wenn unsere großen Kinder in die Schule gehen und neue, meist dreijährige Kinder mitsamt ihren Eltern aufgenommen werden. Dadurch gibt es immer wieder frischen Wind und neue Ideen. Die Elternschaft kümmert sich um alle Aufgaben, die ein Träger eines Kindergartens zu erfüllen hat. Dabei berät und unterstützt uns der Paritätische Wohlfahrtsverband, dem wir als Mitgliedsorganisation angeschlossen sind.

Auch wir pädagogischen Mitarbeiterinnen finden es gut, in einer Elterninitiative zu arbeiten. Zwar ist es oft unbequem und nicht so einfach, mit einer aktiven Elternschaft zusammenzuarbeiten (die teilweise auch Arbeitgeberfunktionen hat), es hat aber auch viele interessante Seiten.

Leben in der Bude ist bei uns montags bis freitags ab 7.30 Uhr. Um 16 Uhr kehrt wieder Ruhe ein, und unser dienstältestes Mitglied Else, die Wasserschildkröte, bleibt allein.

Übrigens, wir freuen uns über interessierten Besuch, kurze telefonische Voranmeldung genügt.

3. Unser Kindergarten – ein Ort für positives Denken

Als wir über die Situation der Kinder in unserer Gesellschaft nachdachten, fielen uns zunächst viele negative Dinge ein.  Wir erinnerten uns an eine Thesenliste aus einer Fortbildung. Leider wissen wir nicht, wer sie ursprünglich mal aufgeschrieben hat. Wir finden sie so treffend, dass wir sie hier aufnehmen wollen:

Wandel von Kindheit in den letzten Jahrzehnten:

1. Kindheit ist Medien-, insbesondere Fernseh-Kindheit.
2. Kindheit ist pädagogische Kindheit.
3. Kindheit ist nach wie vor sich selbst gestaltende und sich
selbst erlebende Kindheit.
4. Kindheit ist Schul- und Kindergarten-Kindheit
5. Kindheit ist Zukunfts-Kindheit.
6. Kindheit ist Kleinfamilien-Kindheit.
7. Kindheit ist verhäuslichte Kindheit.
8. Kindheit ist Stadt-/ Stadtrand-Kindheit.
9. Kindheit ist häufig multikulturelle Kindheit.
10. Kindheit ist Kauf- und Konsum-Kindheit.
11. Kindheit ist Spielplatz- und Verkehrsteilnehmer-Kindheit.
12. Kindheit ist sportive Kindheit.
13. Kindheit ist eine immer mehr von bürgerlich-
mittelständischen Lebens-  und Umgangsformen geprägte Kindheit.
14. Kindheit ist mehr und mehr emotional aufgeladene Kindheit.
15. Kindheit ist verplante, gestresste und gehetzte Kindheit.
16. Kindheit ist verinselte Kindheit.

Mit diesen Zuständen setzen wir uns in unserer pädagogischen Arbeit auseinander.

Darüberhinaus fielen uns auch die folgenden negativen, angstmachenden Schlagworte ein:

Reizüberflutung – Leistungsdruck – Hektik – Zeitmangel – Bewegungsmangel – Kopfschmerzen – psychosomatische Erkrankungen – Vereinzelung – Verinselung der Lebensräume – Aggressivität – Brutalität – Konsumhaltung – Anspruchsdenken – Sucht nach Süßigkeiten – Langeweile im Überfluss – Essstörungen – Schlafstörungen – Ängste – Neurosen – Konzentrationsschwäche – Drogenabhängigkeit – sexueller Missbrauch – Schulversagen – Egoismus – Verzweiflung…
Das sind Schreckgespenster, vor denen wir unsere Kinder schützen wollen – zuhause und im Kindergarten.

Wir wollen mit unserem kleinen Kindergarten ein zwar kleines, aber durch und durch positives Gegenkonzept gestalten. Dazu wollen wir bewusst unsere Kräfte und Ideen einsetzen.

Unser Kindergarten soll immer ein Ort sein, an dem sich Kinder und Erwachsene wohlfühlen können, wo sie gut zusammen leben und wo sich alle positiv entwickeln können.

Und so arbeiten wir uns an den Problemen ab:

  • Das Problem:
    Wir sehen, dass die Erziehung kleiner Kinder immer noch extrem unterbewertet wird. Sie ist eine wichtige und anstrengende gesellschaftliche Aufgabe, aber das wird selten entsprechend gewürdigt. Darunter leiden berufstätige Mütter, Hausfrauen-Mütter, „neue Väter“ und Erzieherinnen gleichermaßen.
    Unsere Antwort:
    In unserem Kindergarten schätzen wir die Arbeit mit kleinen Kindern hoch ein und sind stolz auf unsere gemeinsamen Erfolge. Keine Mutter soll ein schlechtes Gewissen haben, weil ihr Kind ganztags in den Kindergarten geht.
  • Das Problem:
    Wir sehen, dass Eltern und Kinder oft unter Zeitmangel leiden. Sie werden gezwungen, sich an familienfeindliche Zeitstrukturen anzupassen. Viele Familien leiden unter zu großer beruflicher Anspannung oder unter Arbeitslosigkeit. Dazu kommen verschiedene globale oder persönliche Zukunftsängste.
    Unsere Antwort:
    Wir wollen uns gegenseitig Mut machen und unterstützen. Wir wollen den Kindern im Kindergarten große, unzerteilte Zeiträume sichern und sie ausdauernd ungestört spielen lassen.
  • Das Problem:
    Wir sehen, dass auf kindliche Bedürfnisse oft wenig Rücksicht genommen wird. Das gilt zum Beispiel für den Stadt- und Wohnungsbau und für die Verkehrsplanung, für die Einrichtung von Räumen und die Gestaltung von Grünflächen.
    Unsere Antwort:

    Der Kindergarten soll ein Ort für Kinder sein, der ihren Bedürfnissen entsprechend gestaltet ist und in dem sie Gestaltungsspielraum haben.
  • Das Problem:
    Wir sehen, dass es oft schwer ist, die Isolation der Kleinfamilien zu durchbrechen. Viele Kinder verbringen dadurch insgesamt zu wenig Zeit mit anderen Kindern und Erwachsenen.
    Unsere Antwort:
    Der Kindergarten soll Kindern und Eltern Kontakte und gemeinschaftliche Erlebnisse – auch außerhalb der Betreuungszeiten – ermöglichen.
  • Das Problem:
    Wir sehen, dass Kinder im realen Leben und durch die Massenmedien oft unerfreuliche und destruktive Beziehungen zwischen Menschen beobachten müssen. Sie sehen Gleichgültigkeit, Aggressivität, Neid, Rivalität, Rücksichtslosigkeit, Angst, Demütigung.
    Unsere Antwort:
    Wir wollen, dass die Kinder in der Familie und in ihrem Kindergarten andere Erfahrungen machen. Sie sollen im Kindergarten freundliche, offene, konstruktive Beziehungen und Gruppenstrukturen kennenlernen.

4. Entwicklungsmöglichkeiten für das einzelne Kind

4.1   Entwicklungsziele

Als wir über Entwicklungsziele nachdachten, haben wir uns gefragt:

Welche Eigenschaften und Kompetenzen wünschen wir uns für unsere Kinder, damit sie
– sich in der Umwelt und der Gesellschaft zurechtfinden,
– psychisch, körperlich, moralisch und materiell bestehen können,
– befriedigende Kontakte und Möglichkeiten des Zusammenwirkens mit
anderen Menschen entwickeln können?

Wir haben aufgeschrieben, was uns dafür wichtig ist:

  • ein gutes Selbstwertgefühl haben, sich selbst mögen
  • eine gute Sinneswahrnehmung haben, gut beobachten können
  • eigene und „fremde“ Befindlichkeiten und Bedürfnisse differenziert und sicher wahrnehmen können
  • alles Lebendige achten und schützen
  • gesundheitlich stabil und körperlich stark sein
  • eigene Befindlichkeiten und Bedürfnisse eindeutig (zunächst körpersprachlich, immer besser auch sprachlich) ausdrücken können – sich nicht hinter einer Maske verstecken
  • um Rat fragen und um Hilfe bitten können
  • ein stabiles Selbstvertrauen haben, sich ein eigenes Urteil und eigene Leistungen zutrauen
  • über eine gute Selbststeuerung verfügen (sich mit Absicht ausleben oder beherrschen, loslassen oder festhalten können)
  • ein sicheres Gespür für die Angemessenheit von Reaktionen, für Möglichkeiten und Grenzen sozialer Situationen haben
  • gerecht (fair) sein können
  • ein reiches und flexibles Repertoire an sozialen Fähigkeiten zur Verfügung haben: Kontakt anbahnen sowie abbrechen und zurückweisen können; Ansprüche geltend machen sowie verzichten oder warten können; streiten, Partei ergreifen, vermitteln und sich vertragen können; teilen und zusammenarbeiten können; Regeln einhalten, erfinden und vereinbaren können; Nähe und Körperkontakt suchen und zurückweisen können; Initiative ergreifen und sich in laufende Aktivitäten einklinken können; andere für die eigenen Pläne interessieren können; hilfsbereit und fürsorglich sein können, Zumutungen abwehren können
  • eine gute grob- und feinmotorische Koordination haben
  • sich gut sprachlich und körpersprachlich ausdrücken können, auch in größeren Gruppen reden können, über Erlebnisse zusammenhängend und lebhaft berichten können, Geschichten erzählen können, auf Fragen präzise antworten können, zu einem Thema etwas beitragen können
  • die Wahrheit wissen wollen und sagen können, Fehler zugeben können
  • Entscheidungen selbstständig treffen und dazu stehen können
  • neue Eindrücke suchen, Lust am Entdecken und Verstehen haben, auf Neues interessiert reagieren können, staunen können
  • bei Alltagstätigkeiten Risiken kennen, sie immer besser einschätzen lernen, vorsichtig und umsichtig sein können
  • logisch denken können (deshalb-weil, wenn-dann), Regelmäßigkeiten, Gesetzmäßigkeiten, Strukturen, Systeme erkennen können
  • Scherz und Ernst auseinanderhalten können, sich lustvoll auf der Scherz-Ebene bewegen können
  • sich auf das, was gerade abläuft, konzentrieren können; bei interessanten oder notwendigen Tätigkeiten aufmerksam und ausdauernd sein können
  • eine begonnene Tätigkeit zu Ende führen können, eine sinnlos gewordene Tätigkeit abbrechen können, Tätigkeiten planen und organisieren können
  • Leistungen anderer anerkennen können
  • Autoritäten hinterfragen und sich notfalls angemessen gegen sie wehren können, Behauptungen hinterfragen können (kritische Ebene entwickeln)
  • begeisterungsfähig sein, Hemmungen und Ängste überwinden lernen
  • Äußerlichkeiten nicht zu wichtig nehmen, verhältnismäßig einfach leben können, bestimmte Äußerlichkeiten als überflüssig erleben können
  • sich naturfreundlich verhalten können
  • Gruppenleben positiv erleben können, Freundschaften pflegen können

Alles, was die Entwicklung dieser Fähigkeiten einschränkt und behindert, ist abzulehnen.

 

Dabei ist zu bedenken, dass wir diese Entwicklungsziele nicht nur für den Kindergarten, sondern auch für die Familie für wichtig halten.

 

Eine Dreijährige und die Autorin ganz oben auf dem Klettergerüst. Zum Vergrößern anklicken.

Drei- bis sechsjährige Kinder sollten alle diese Eigenschaften und Fähigkeiten in ihren Grundzügen entwickeln.
Die individuellen Voraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Kinder, also ihre Begabungen, sind verschieden, was zu berücksichtigen ist.

Es ist uns wichtig, dass die Kinder alle nötigen Entwicklungsimpulse bereits im Kindergartenalter erhalten, weil in diesem Alter wichtige „Weichenstellungen“ für die Entwicklung stattfinden und weil es sensible Phasen gibt, die wir nicht ungenutzt vorübergehen lassen wollen.

 

4.2   Bedingungen für eine glückliche Entwicklung

4.2.1   Sich einleben und eingewöhnen – wenn Kinder neu im Kindergarten sind

Kinder, die erst eine kurze Zeit im Kindergarten sind, brauchen Zeit und Ruhe sich einzuleben, ihre Ängste abzubauen. Sie haben einen Schutzraum: den Gruppenraum. Schritt für Schritt lösen sie sich von einer Bezugsperson. Sie erkunden und erobern den Raum nach Spielmöglichkeiten und knüpfen Kontakte mit anderen Kindern. Jedes Kind auf seine eigene individuelle Art und Weise, leise und ruhig oder bewegungsfreudig, laut oder polternd. Sie lernen und erfahren Regeln, die in einer so großen Gemeinschaft akzeptiert und eingehalten werden müssen.

Unterstützung und Hilfe bekommen die Kinder dabei nicht nur von uns Erzieherinnen. Kinder helfen Kindern! Das klappt dann, wenn Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit gelebt werden. Wir Erwachsenen haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion, wir akzeptieren die Kinder so wie sie sind, mit ihren Schwächen und Stärken, und lassen Ausgrenzung nicht zu.
Die erste Zeit im Kindergarten ist besonders spannend, aber auch sehr anstrengend. Es ist Schwerarbeit für`s Kind! Das möchten wir respektieren.

Manche Kinder haben es schwerer als andere

Wir sind froh, wenn wir ein Kind nicht zwingen müssen, schon länger im Kindergarten zu bleiben, als es seinem Gefühl nach schon verkraften kann. Wir sehen aber auch die Not mancher Eltern, die schnell wieder voll arbeiten müssen, und versuchen sie zu beruhigen: Ihr Kind hat es jetzt nicht leicht, aber es wird diese Phase letztlich bewältigen.

Die Eingewöhnungsphase gestaltet sich bei manchen Kindern dramatisch. Wir glauben, dass es zum Teil daran liegt, dass in unserer Kultur die kleinen Kinder oft sehr isoliert aufwachsen. Manche Kinder werden in der ersten Zeit – anders als in anderen Kulturen – nur von ihrer Mutter umsorgt und getröstet. Manche Kinder spielen in den ersten Jahren, ehe sie in den Kindergarten kommen, fast nur zuhause. Sie haben oft noch keine selbstverständlichen, intensiven oder dauerhaften Beziehungen zu anderen Kindern und Erwachsenen erleben können. Gelegentliche Besuche oder wöchentlich zwei Stunden in einer Spielgruppe ersetzen nicht „das Dorf, das es braucht, um ein Kind zu umsorgen“. Wenn es das erste oder einzige Kind in der Familie ist und vielleicht auch der Vater und Großeltern kaum in Erscheinung treten, tun sich die Kinder mit der so völlig anderen Kindergartensituation und der plötzlichen Ablösung von der Mutter verständlicherweise schwer. Sie haben wenig Erfahrung und Übung im Umgang mit anderen Menschen und fühlen sich nur sicher, wenn die Mutter bei ihnen ist.

Viel Neues reizt und schreckt

In der ersten Zeit gibt es für jedes neue Kindergartenkind viel Neues zu lernen:

  • sich von Mutter / Vater trennen, ohne ängstlich zu reagieren oder traurig zu sein,
  • neue erwachsene Bezugspersonen kennenlernen, sie etwas fragen, sich von ihnen bei Bedarf trösten lassen,
  • neue Kinder kennenlernen, freundlich Kontakt aufnehmen, mitspielen, laut Nein sagen können, sich wehren,
  • die unvermeidlichen Frustrationen ertragen lernen,
  • erste Spielmöglichkeiten kennenlernen (Bauecke, Maltisch, Tischspiele, Murmelbahn, einfache Puzzles, Sandkasten, Schaukel…),
  • die zeitlichen Abläufe kennenlernen,
  • im Kindergarten trinken, sich dabei selbst bedienen,
  • im Kindergarten essen, die Essenregeln kennenlernen und Zähne putzen,
  • selbstständig zur Toilette gehen,
  • die Räume und ihre Möglichkeiten kennenlernen,
  • das Außengelände erforschen,
  • ohne nahe Anwesenheit von Erwachsenen draußen spielen,
  • die Turnhalle der benachbarten Schule kennenlernen,
  • Ausflüge und Feste kennenlernen,
  • sich selbst zur Gruppe zugehörig fühlen,
  • sich gemeinsam mit der Gruppe angesprochen fühlen,
  • erfahren, dass es gerecht zugeht, dass man abwarten und teilen muss,
  • lernen, dass das Spielzeug allen gehört und dass es anderen nicht weggenommen werden darf,
  • anfangen, sich am Aufräumen und anderen Aufgaben zu beteiligen,
  • im Morgenkreis ruhig sitzen bleiben können, sich konzentrieren,
  • bei Gruppenspielen mitmachen,
  • im Morgenkreis vor allen Kindern reden,
  • mitsingen.

Wie leicht und schnell sich ein Kind eingewöhnt, hängt nicht nur von seinen Vorerfahrungen (siehe oben) ab und von der Art und Weise, wie sensibel die Erzieherinnen das Kind in der Anfangszeit begleiten, sondern auch von der ganz eigenen Gefühlsbilanz des Kindes. Wenn das Neue das Kind mehr reizt als schreckt, wird die Eingewöhnung gut gelingen, wenn aber das Zurückschrecken vor dem Neuen und die Ängstlichkeit überwiegen, ist es für das Kind ein manchmal langwieriger Prozess, bis es sich in der Gruppe pudelwohl fühlen kann.

Selbständig werden – Trennungsprobleme von Kindern und Eltern

Auch für die Eltern ist der Eintritt ihres Kindes in den Kindergarten ein großer Schritt, der oft schon vorher mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist.

(Anmerkung der Autorin: Unser Kindergarten nahm Kinder erst mit drei Jahren auf. Ich selbst stand schon in den 70er Jahren einer qualitativ hohen Krippenbetreuung von Kindern ab 6 Monaten sehr positiv gegenüber und schrieb 1977 in Göttingen darüber meine Magisterarbeit. Damals war die Betreuung unter Dreijähriger „im Westen“, also in der Bundesrepublik Deutschland, kaum ein Thema, und wenn dann wurde sie abgelehnt.)

Der Eintritt in den Kindergarten ist nach der Geburt und dem Abstillen, dem Laufen- und Greifen-Lernen, dem Erste-Kontakte-Knüpfen-Lernen und dem Sprechen-Lernen ein weiterer ganz großer Schritt des Kindes in die Selbstständigkeit.

Manchmal zeigen die Kinder beim Eintritt in den Kindergarten plötzlich Ängste und Verhaltensweisen, die die Eltern zusätzlich verunsichern. Es gibt Kinder, die wieder ins Bett oder in die Hose machen, obwohl sie schon „trocken“ waren. Manche schreien und weinen beim Abschied zum Herzerweichen.

Durch Erfahrungsaustausch können die Eltern sich in dieser Phase gegenseitig unterstützen.

Um den Kindern zu helfen, die Eingewöhnungszeit in den Kindergarten möglichst gut zu bewältigen, müssen die Eltern ihre eigenen Unsicherheiten überwinden. Sie müssen innerlich bereit sein, ihr Kind „abzugeben“. Sie müssen ihrem Kind und sich selbst zutrauen, mit der neuen Situation fertig zu werden.

Um als Erwachsene mehr Sicherheit in Trennungssituationen zu gewinnen, haben wir versucht, uns klar zu machen, was die Eingewöhnungszeit für Kinder und Eltern bedeutet.

Was bedeutet es für ein dreijähriges Kind, wenn es in den Kindergarten kommt?

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Das Kind muss einige Stunden ohne die Unterstützung von Mutter oder Vater zurecht kommen. Es kann sich verlassen fühlen.

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Es gewinnt zusätzliche Vertraute (Kinder und Erwachsene).
Es erlebtdass andere Kinder ähnliche Bedürfnisse und Probleme haben, aber auch Eigenheiten, auf die man sich einstellen kann. Es wird aus seiner „Einzigartigkeit“ befreit und gleichzeitig in ihr bestätigt.

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Anfangs schwankt das Kind zwischen Faszination des Neuen und Angst und Abwehr des Unbekannten, Anstrengenden hin und her. Es ist angespannt und evtl. überanstrengt, erkrankt leichter. Viel Unbekanntes stürmt auf das Kind ein, es muss sich erst nach allen Seiten orientieren. Allmählich wird es Sicherheitsgefühle und Verhaltenssicherheit aufbauen.

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Es entwickelt Stolz auf neue Fähigkeiten und Freundschaften, auf die neue Selbstständigkeit. Es fühlt sich schließlich die meisteZeit wohl und entspannt im Kindergarten.
Es gewinnt einen zusätzlichen Lebensbereich, es erlebt den Kindergarten als seinen eigenen Bereich, es kann zuhause etwas erzählen (wenn es will).

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Das Kind ist zunächst fremd in der Gruppe. Es steht nicht im Mittelpunkt (wie es das vielleicht bisher gewohnt ist), sondern am Rand.

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Es erlebt, wie es allmählich in die Gruppe aufgenommen wird.
Es wird gleichberechtigtes Mitglied einer Gruppe, in der man viel machen und Ideen umsetzen kann.

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Es erlebt den Selbstbehauptungswillen und die Ansprüche der anderen Kinder (und Erwachsenen) und muss erst lernen, die Signale der Anderen zu deuten

Wir haben uns verkleidet. Zum Vergrößern anklicken.

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Es lernt, sich in einer Gruppe von gleichaltrigen und älteren Kindern zu bewegen und sich wohl zu fühlen, sich auseinanderzusetzen, zu behaupten und die eigenen Ansprüche angemessen auszudrücken.

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Es möchte sich ins ungestörte Alleinspiel zurückziehen oder einen Erwachsenen „für sich“ haben.
Es erlebt, dass das im Kindergarten nur selten funktioniert.

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Es fängt an, die Bestandteile des Sozialverhaltens zu lernen, die nur in einer größeren Gruppe erlernbar sind, zum Beispiel: in einer Gruppe reden, sich nicht vordrängeln, auf die Gruppenstimmung achten, verzichten und auftrumpfen, Gruppendruck ertragen, Koalitionen schließen, die Initiative ergreifen, Verantwortung übernehmen, sich vergleichen…

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Die alten Strategien, mit denen es sich Bestätigung und Zuwendung holte, genügen unter Umständen im Kindergarten nicht mehr. Das verunsichert. Überdies sind die anderen Kinder in der Bestätigung, die sie geben, nicht so beständig, wie es das von den Eltern gewohnt ist.

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Es bezieht Bestätigung und Aufbau seines Selbstwertgefühls nicht mehr nur durch die Familie. Es wird freier und „frecher“. Es lernt, sich „im Spiegel der Gruppe“ zu sehen.

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Es fällt unter Umständen in der Entwicklung erst einmal scheinbar zurück. Es greift auf bewährte Beruhigungsstrategien zurück, es nimmt sich in seiner Aktivität zurück und wartet erstmal ab („Beobachterstatus“).

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Auch durch das intensive Beobachten und die (innere) Auseinandersetzung mit der neuen Situation entwickelt sich das Kind weiter.
Außerdem wird es durch die anderen Kinder und durch Angebote der Erzieherinnen in seiner gesamten Entwicklung angeregt, auch wenn sich Ergebnisse vielleicht nicht unmittelbar zeigen.

Die erste Zeit stellt sich im allgemeinen so dar…
Das Kind erlebt zuhause und im Kindergarten unterschiedliche Normen, Regeln und abweichende Bewertungen seines Verhaltens und kann dadurch zunächst verwirrt werden.

… und das kann im Endeffekt dabei herauskommen, wenn alles gut läuft:
Das Kind lernt, sich auf verschiedene Lebensräume einzustellen. Es hat die Chance, eine erste innere Distanz zu den eigenen Eltern aufzubauen. Eltern und Erzieherinnen müssen hier zusammen und nicht gegeneinander arbeiten.

Das Kind erlebt alle diese Anforderungen in einer frühen sensiblen Phase, was wir als außerordentlich günstig einschätzen.

Für die Eltern ergibt sich…

… in der ersten Zeit…
Sie müssen ihr kleines Kind in „fremde Hände“ geben.
Sie müssen ihren Alltag neu organisieren und evtl. neue berufliche Dinge in Angriff nehmen.

… und im Endeffekt:
Sie gewinnen Zeit und neue Möglichkeiten für sich selber. Sie werden von der pausenlosen Zuständigkeit fürs Kind entlastet.

… in der ersten Zeit…
Sie sind unsicher, ob der Kindergarten wirklich gut für ihr Kind ist.

… und im Endeffekt:
Sie lernen den Kindergarten kennen und bauen Vertrauen auf. Sie gewinnen eine (hoffentlich) kompetente Erziehungsberatungsinstanz.

… in der ersten Zeit…
Sie fühlen sich fremd zwischen den anderen Eltern.

… und im Endeffekt:
Sie erleben Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern und erhalten Anregungen und neue Kontakte.

… in der ersten Zeit…
Sie werden mit verschiedensten Vorurteilen konfrontiert:
– Dreijährige sind zu jung, um den ganzen Tag in den Kindergarten zu gehen.
– Mütter müssen für ihre Kinder da sein, niemand kann so gut auf das Kind eingehen wie die eigenen Eltern.
– Im Kindergarten „geht das Kind unter“.

… und im Endeffekt:
Sie werden darin bestätigt, dass es für ihr Kind wichtig ist, seinen Horizont zu erweitern und intensive Erfahrungen mit anderen Menschen zu machen. Das Kind lernt andere Verhaltens- und Lebenskonzepte kennen. Die Eltern erleben ihr Kind stärker als eigenständiges Wesen und sich selbst als zeitweise entbehrlich.

… in der ersten Zeit…
Sie erleben die Ängste und die Traurigkeiten ihres Kindes, die sie nicht mehr so leicht einordnen können, und werden dadurch belastet und verunsichert. Schuldgefühle
können aufkommen oder sich verstärken.

… und im Endeffekt:
Sie erfahren, dass ihr Kind jetzt auch schon ohne ihre direkte Hilfe mit Frustration, Angst und Verunsicherung fertig werden kann.

… in der ersten Zeit…
Sie haben Angst, dass die Erzieherinnen sich nicht genug um ihr Kind kümmern.

… und im Endeffekt:
Sie können die Erfahrung machen, dass im Kindergarten die Beziehungen zwischen Kind und Erwachsenen nicht so dicht sind wie zuhause – und dass dies auch positive
Seiten für das Kind hat.

… in der ersten Zeit…
Sie haben Angst, dass die Erzieherinnen ihr Kind vielleicht nicht mögen oder dass ihr Kind von den anderen Kindern abgelehnt werden könnte.

… und im Endeffekt:
Sie spüren mit der Zeit, dass die Erzieherinnen weder Kinder zurücksetzen noch bevorzugen, sondern in der Lage sind, alle Kinder in ihrer Eigenart anzunehmen – und dass ihr Kind nach einiger Zeit gut in die Kindergruppe aufgenommen ist.

… in der ersten Zeit…
Ihr Kind wird (zum ersten Mal) von anderen, die viele Vergleichsmöglichkeiten haben, eingeschätzt. Wie wird es abschneiden? Wie ernst sollen sie die Hinweise nehmen, sind sie kompetent?
Manche Eltern haben Angst, dass ihr Kind eine Erzieherin sehr lieb gewinnen könnte.

… und im Endeffekt:
Sie erhalten positive Rückmeldung über ihr Kind und damit auch über ihre Erziehungsleistung.
Sie werden durch den Kindergarten aber auch frühzeitig und deutlich auf Probleme ihres Kindes aufmerksam gemacht.
Sie erleben, dass ihre Rolle als wichtigste Bezugspersonen für ihr Kind durch den Kindergarten nicht angetastet wird.

4.2.2   Vom Wert des Selbstwertgefühls

Sich selber etwas zu zutrauen, auch Fehler machen zu dürfen, sind Grundlagen für die Entwicklung eines guten Selbstwertgefühls. „Das kann ich allein!“ ist ein wichtiger Satz unserer Kinder. Nur wenn Kinder vieles selber ausprobieren dürfen, lernen sie ihre Fähigkeiten richtig einzuschätzen.
Zum Selbständigwerden gehören Mut, Zuversicht und Selbstvertrauen. Und um offen auf andere Menschen zugehen zu können, muss man sich selbst mögen.

Was können wir Erwachsenen dazu tun?

Wir wollen die Kinder ermutigen, ihre Ideen und Pläne zu verwirklichen und nicht bei der ersten Schwierigkeit zurück zu schrecken.

Wir haben uns eine Höhle gebaut. Zum Vergrößern anklicken.

Wir finden es wichtig, die Empfindungen der Kinder ernst zu nehmen, damit sie selber sie ernst nehmen können.
Wir wollen Kindern ihre Gefühle nicht ausreden, bagatellisieren, umdeuten oder verbieten. Im Gegenteil, wir wollen, dass Kinder merken, was mit ihnen los ist.

Die Kinder sollen Kränkungen, die sie erleiden, als das empfinden dürfen, was sie sind – auch wenn es Erwachsene sind, die das Kind kränken oder missachten. Sie sollen zornig darüber sein dürfen und lernen, mit ihrer Wut  umzugehen.

Gefühle wie Stolz auf etwas Geleistetes oder Begeisterung über etwas Erlebtes wollen wir nicht übersehen oder belächeln, sondern ernst nehmen und teilen. Freundschaftliche Gefühle für andere Menschen wollen wir achten, auch wenn wir uns vielleicht andere Freunde für unser Kind wünschen würden.

 

Der Respekt vor den Gefühlen der Kinder ist ein entscheidender Baustein für den Aufbau ihrer Selbstachtung.

 

Aus unserer eigenen Erfahrung als „ehemalige Kinder“ wissen wir:

Es gibt Dinge, die Kinder in ihrem Selbstwertgefühl schwächen:

Angst – Drohungen – Unaufrichtigkeit – Ablehnung – Überbehütung – Überforderung – Kränkung – Ironie – Spott – Liebesentzug – Gewalt – Missbrauch (körperlicher oder psychischer) – Anpassungszwang – Gleichgültigkeit – Erpressung – Nichtanerkennung – Herabwürdigung – Einsamkeit – ambivalente Haltungen – unklare („doppelte“) Botschaften – Unterdrückung – Unterversorgung – Misstrauen – Missachtung der individuellen Bedürfnisse – negative Gefühlsübertragungen – Ungeduld – Benutzung des Kindes als Statussymbol – Leistungsdruck

Und es gibt Dinge, die Kinder in ihrem Selbstwertgefühl stärken:

Bestätigung – Liebe – Lob – Sicherheit – Trost – Annahme – Vertrauen – Freiräume – Anerkennung – Ermutigung – soziale Kontakte fördern – Konflikte ehrlich austragen – Orientierung anbieten – Grenzen aufzeigen – Zeit lassen – Gefühle zeigen – Gefühle zulassen – Verantwortung übertragen – Ernst nehmen – Zuhören – Mitteilen und verstehen – Toleranz – Fehler zulassen – Geduld – Humor – Gerechtigkeit – Konsequenz – Kuscheln und Zärtlichkeit – Werte vermitteln – Hilfestellungen anbieten – Erfahrungen ermöglichen

 Wir wollen die Kinder stärken!


4.2.3   Zeit haben zum Leben

Die Kindheit ist nicht die Vorbereitung auf das Leben, sondern das Leben selbst.

Kinder kommen mit ihrem individuellen Lebensrhythmus in diese Welt, in der der Tagesablauf durch wachen und schlafen, essen und trinken, sich gut oder nicht so gut fühlen bestimmt wird. Erst wir Erwachsenen geben dem Kind einen Zeitrhythmus vor, der sich nach der Uhrzeit richtet. Kleine Kinder leben jedoch ohne Uhr. Das Jetzt, die Gegenwart, die momentane Befindlichkeit sind für sie wichtig.

Sie besitzen die Gabe, den Augenblick zu genießen, die Zeit zu vergessen. Wobei sie völlig andere Vorstellungen entwickeln von dem, was für sie wichtig ist, als wir Erwachsenen.
Da muss das Spiel zu Ende gespielt werden, auch wenn es längst „Zeit“ wäre, sich auf den Weg in den Kindergarten zu machen.

Auch im Kindergarten darf die Uhr die Zeit der Kinder nicht unnötig zerstückeln. ”Leere” Zeiten wollen wir nicht. Sie entstehen, wenn zwischen zwei Aktivitäten nicht genug Zeit bleibt, um ins Spiel zu finden und es zu verwirklichen.

Eine Kollegin im Gespräch mit zwei Kindern. Zum Vergrößern anklicken.

Wenn wir Erwachsenen den Kindern zuhören und sie ernst nehmen, erhalten wir Einblicke in eine Welt, der wir vor vielen Jahren „entwachsen“ sind.

Damit Kinder im Spiel zusammenfinden, brauchen sie oft auch im Kindergarten viel Zeit. Aus einem zunächst chaotisch wirkenden hin und her Gerenne entstehen nach einiger Zeit – wenn die Erwachsenen gelassen abwarten können – oft strukturierte, intensive Spiele. Diese Spiele sind zwar manchmal kurz oder enden im Streit – oft entfalten sie sich aber auch zu nicht vorhersehbaren, phantasievollen Situationen.
Manchmal fordern die Kinder konkrete Unterstützung von Erwachsenen ein, manchmal lösen sie alle auftretenden Probleme aus eigener Kraft.
Schade ist es, wenn man so ein intensives Geschehen, bei dem die Kinder viel lernen, aus Zeitgründen abbrechen muss.
Einige Male am Tag ist dies notwendig: zum Beginn des Morgenkreises, des Mittagessens und beim Abholen.

Weitere tägliche feste Zeiten wollen wir nicht. Die Angebote der Erzieherinnen werden sanft in das Geschehen eingebettet. Es wird Rücksicht genommen auf Spielsituationen. Das kann auch bedeuten, dass das vorgesehene Angebot verschoben wird oder ausfällt, wenn die Kinder gerade intensiv und kreativ spielen.

Wir machen keine Kompromisse mit den Eltern, die glauben, dass die Kinder im Kindergarten nicht genug lernen, wenn nicht ein Angebot das nächste ablöst. Stattdessen setzen wir auf Überzeugungsarbeit. Durch viele Tür- und Angelgespräche, durch zehn pädagogische Elternabende im Jahr und durch den täglichen „Berichtszettel“ an der Tür, in den eingetragen wird, was los war, überzeugen wir die Eltern, dass ihre Kinder bei uns permanent am Lernen sind.
Auf so einem Berichtszettel kann zum Beispiel stehen: „Haben einen toten Spatzen gefunden und beerdigt. Da haben uns die Themen Tod und Beerdigung intensiv beschäftigt.“ Oder: „Waren beim Bauern, der die Kartoffeln rausgemacht hatte. Haben Kartoffeln nachgelesen, im Bollerwagen in den Kindergarten gebracht und zu Mittag gegessen. Der Rest steht zum Verkauf an die Eltern. 1 Kilo kostet 1 Mark. (Wir wollen vom Erlös eine neue Babypuppe kaufen.)“
Ein Vorteil des Berichtszettels ist: Die Eltern gewinnen konkrete Anknüpfungspunkte für das Gespräch mit ihrem Kind und müssen nicht fragen: „Und wie wars heute im Kindergarten?“

Für kleine Kinder sind Zeiträume schwer zu überblicken. Kinder orientieren sich weniger an verschiedenen Zeitpunkten als vielmehr an immer wiederkehrenden Rhythmen im Tagesablauf oder in der Woche und im Jahr. So wird die Zeit allmählich begreifbar.

Auch im Kindergarten sorgen wir für ein gewisses Maß an Regelmäßigkeit. So wird der Tag für Kinder überschaubarer, durchsichtiger, und sie wissen, woran sie sich halten können.
Wichtig ist für die Kinder und uns der Stuhlkreis am Ende der Bringezeit, der „Morgenkreis“, in dem alles Wichtige besprochen und gehört wird.

Kinder haben eine große Sehnsucht nach Regelmäßigkeit und nach immer wiederkehrenden Ritualen und Regeln. Das gibt ihnen Sicherheit.
Bei Ritualen lieben sie Wiederholungen und wollen nicht dauernd etwas Neues. Sie freuen sich, etwas Schönes immer wieder tun zu dürfen. So kann es vorkommen, dass wir ein Bilderbuch zehnmal betrachten, was zu immer anderen Gesprächen führen kann, oder ein Spiel immer und immer wieder spielen  – und es (den Kindern) dennoch nicht langweilig wird.

Trauliches Gespräch. Zum Vergrößern anklicken.

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freuen und zu lachen,
und wenn du sie nutzt, kannst du was draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit, nicht nur zum Vertreiben,
ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben,
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrauen,
statt immer nur auf die Uhr zu schauen.

Ich wünsche dir, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, in Ruhe zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit haben zum Leben.
(Elli Michler)

4.2.4   Spiel, Phantasie und Kreativität

Die Bedeutung des Spiels

Spielen ist die Haupttätigkeit kleiner Kinder. Spielen ist für sie eine wichtige Möglichkeit, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Sie drücken im Spiel Gefühle aus, bewältigen Ängste und belastende Erlebnisse, entfalten ihre Phantasie im „so tun als ob“.

Mit jedem Spiel, sei es Funktions-, Konstruktions-, Rollen oder Regelspiel, erobert das Kind ein Stück der Welt. Es übt den Gebrauch seiner Sinne und Glieder und entfaltet seine geistigen Fähigkeiten.
Wir Erwachsene sind dafür verantwortlich, dass die Kinder geeignetes Material und Zeit für erfülltes Spielen haben.

Spielen ist für die Altersgruppe der drei- bis sechsjährigen Kinder zugleich auch die höchste Form des freien Lernens. Ausgiebiges und intensives Spielen zu ermöglichen, ist damit auch ein zentraler Bestandteil des Bildungsauftrags im Kindergarten.

Für uns Erzieherinnen ist das Freispiel keine Freizeit. Manchmal werden wir ins Spiel einbezogen, manchmal haben wir dringende Arbeiten zu erledigen; ansonsten nutzen wir die Chance, den Kindern in Ruhe zuzusehen und daraus Anregungen für Angebote zu schöpfen.

Phantasie – was ist das eigentlich?

Phantasie ist eine starke Kraft, die das Leben der Menschen immer wieder aufs Neue spannend, reizvoll und kribbelig macht!
Und diesbezüglich gibt es wohl keinen Altersunterschied.

Kinder können aus einem Holzklotz einen Becher, ein Auto, einen wilden Löwen werden lassen. Sie können ganze Welten und Geschichten sehen und entstehen lassen. Ihrer phantasievollen Vorstellungskraft sind noch wenig Grenzen gesetzt. Sie sind in der Lage, im Handumdrehen in neue Rollen zu schlüpfen, sich pantomimisch auszudrücken, Gegenständen einen Geist einzuhauchen und mit ihnen als etwas ganz Realem umzugehen.  Und dabei tauchen Kinder so tief in ihre „Spielwelt“ ein, dass sich die Konturen zur umgebenden Realität für eine Weile aufheben.

Als wir uns intensiv mit dem Thema Phantasie auseinandersetzten, stellten wir fest, dass in den vergangenen Jahren ein Prozess in Gang geraten ist, der für die Phantasie unserer Kinder bedrohlich ist. Phantasie und Kreativität verlieren schon in der Kindheit an Bedeutung: vorzeigbare Leistung steht im Vordergrund. Dabei sind die Kinder von heute nicht unbedingt mit weniger Phantasie ausgestattet als die Kinder früherer Generationen, sie haben eher zu wenig Muße für eigene Phantasien. Durch zu viele und zu schnell wechselnde Bilder und Produkte der Massenmedien und der Spielzeugindustrie wird die innere Bilderwelt der Kinder oft unterdrückt und zugeschüttet – eine Entfaltung eigener Bilder verhindert.

Unsere Kinder haben es heute schwerer, vorgefertigte Phantasiebilder von der Realität zu unterscheiden und gleichzeitig die Möglichkeiten der eigenen Phantasie auszuschöpfen.
Darum braucht Phantasie als lebensnotwendige Grundlage und mächtige Kraft Raum, Anregung und viel Zeit.

Einen Ansatz bietet das bildnerische Gestalten. Die Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen, heißt sich kreativ mit ihr auseinandersetzen. Unsere Kinder beginnen, sie zu formen und zu gestalten. Wir bieten ihnen die Möglichkeiten zu experimentieren. Diese Phase steht vor jedem angeleiteten Tun.

Sie sollten sich nicht anpassen, sondern ihre eigenen Empfindungen und Wahrnehmungen auf vielfältige Weise ausdrücken lernen.

Jedes Kind zu selbstständigem, kreativem Handeln zu befähigen, das ist das Ziel.

Es ist wichtig, dass jedes Kind lernt, sich mit dem Material und seinen eigenen inneren Bildern auseinanderzusetzen. Dazu ist es hilfreich, nach und nach verschiedene Techniken zu erlernen. Es erfährt Stärkung (zum Beispiel werden seine Kunstwerke im Kindergarten ausgestellt), es wird angenommen und kann auch sein Fühlen und Denken darstellen.
Nicht nur das Produkt ist wichtig, sondern auch der Weg dorthin.

Ein anderer Ansatz, mit dem wir die Kreativität und Phantasie der Kinder unterstützen wollen, ist die Beschränkung des Spielmaterials. Weniger ist oft mehr. Wir fragen uns vor Neuanschaffungen immer kritisch:

Brauchen die Kinder das wirklich?

Wir wollen nur so viel Spielmaterial haben, wie die Kinder überblicken (und auch selber „verwalten“, also aufräumen) können. Dauernd etwas Neues vorzufinden, verhindert die gründliche Beschäftigung mit den Dingen, die schon da sind. Außerdem möchten wir sicherstellen, dass die Kinder zu den Dingen auch gefühlsmäßige Bindungen herstellen können; auch das erfordert Übersicht und Beständigkeit.

Und der dritte Ansatz ist, den Kindern natürliches Spielmaterial und Dinge aus dem Haushalt zur Verfügung zu stellen: Steine, Stöcke, Blätter, Holzklötze, Knöpfe, Pappschachteln, usw.

Kinder entwickeln im kreativen Spiel nicht nur ihre Phantasie,
sondern auch ihren Realitätssinn.

Sie lernen zu planen, zu beobachten, die Eigenschaften des Materials zu berücksichtigen, Regeln aufzustellen und Absprachen zu treffen.  Diese Seite ist uns genauso wichtig, und wir glauben, dass kreative Phantasie und kreativer Realitätssinn sich gut miteinander vertragen.

Für die Zukunft werden „wache“, gut informierte und aktive Menschen gebraucht, die „noch etwas merken“, etwas gestalten wollen und entsprechend handeln können, anstatt nur zu konsumieren.

4.2.5    Den ganzen Tag in Bewegung

Toben, springen, drehen bis zum Umfallen erscheinen uns zunächst als einfaches Spiel. Für die kindliche Entwicklung ist dieses Spiel aber von grundlegender Bedeutung.
Bewegung gibt dem Bedürfnis des Kindes Ausdruck, die Welt auf vielfältige Weise sinnlich zu erfahren. Lernen im frühen Kindesalter besteht in erster Linie aus Lernen über Sinneserfahrungen.

Vielseitige Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen sind die Grundlagen für eine gesunde, harmonische Persönlichkeit.

Klettern, rutschen, schaukeln und toben brauchen alle Sinne des Kindes und fördern die Koordination von Gefühl, Körper und Verstand. Das Kind erprobt das Zusammenspiel von Sinneseinheiten und deren Verarbeitung und schafft so die Grundlagen für alle späteren Denkleistungen.

„Sinnes- und Bewegungshandlungen bilden die Basis für die Entwicklung der Intelligenz und den Aufbau logischen Denkens.“ (Jean Piaget)

Wir wollen dem natürlichen Bewegungsdrang des Kindes ein vielfältiges Angebot bieten, um ihm die Möglichkeit zu geben, Bewegungs- und Sinneserfahrungen zu machen. Bewegungsspiele, die die Kinder selbst entwickeln, erscheinen ihnen sinnvoll und haben so besondere Bedeutung für ihre Entwicklung.

Nach der Eingewöhnungszeit und bei Einhaltung aller wichtigen Regeln dürfen die Kinder auch alleine draußen im Garten spielen.

Wir bieten den Kindern eine Umwelt zum Bewegen, Anfassen und Erkunden und geben ihnen Zeit, darin im eigenen Tempo zu probieren und zu üben.

Unsere Tische, Bänke und Stühle sind auch Spiel- und Turngeräte. Die Kinder bauen, turnen und spielen intensiv mit diesen Möbeln.

Wir sind kein „Sitz-Kindergarten“. Wenigstens vor der Schule sollen die Kinder ihren natürlichen, riesigen Bewegungsdrang ausleben können.

Wir geben den Kindern, falls nötig, draußen und drinnen gezielte Anregungen für alle wichtigen Bewegungsarten: laufen, hüpfen, springen, klettern, turnen, radfahren, fangen, ausweichen, tragen, balancieren…

Damit wollen wir dem Bewegungsmangel vorbeugen. Uns ist bewusst, dass Bewegungsmangel im Vorschulalter zweierlei schädliche Folgen hat:

1. körperliche Folgen:

Es gibt Kinder, die schon im Vorschulalter Haltungsschwächen oder sogar Haltungsschäden haben.
Viele Kinder haben schon mit drei Jahren schwach entwickelte Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder, weil die physiologischen Entwicklungsreize für diese Organe bisher zu schwach gewesen sind. Deshalb sind wir froh, wenn die Kinder viel laufen, rennen, klettern, springen und fast den ganzen Tag in Bewegung sind. Wir finden es auch wichtig, längere Strecken mit den Kindern zu Fuß zu gehen.

Außerdem läuft bei Bewegungsmangel der Stoffwechsel der Kinder „untertourig“, die Atmumg wird flacher und die Kinder kommen zu selten ins Schwitzen.

2. psychische Folgen:

Die Kinder lernen zu wenig Bewegungsmöglichkeiten, sie entwickeln zu wenig Bewegungsfähigkeiten, sie erwerben zu wenig Sicherheit und Vertrauen zum eigenen Körper. Das führt dann später dazu, dass sie keine Lust oder keinen Mut zu bewegungsreichen Tätigkeiten und Sportarten haben…

Das Vorbild und Mitmachen der Erwachsenen ist auch in diesem Bereich wichtig. Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur ungeeignete Kleidung.

 

4.2.6   Ganzheitliches Lernen

Ganzheitliches Lernen bedeutet, neuen Erfahrungen mit der ganzen Persönlichkeit entgegen zu gehen. Gerade Kinder sind in der Lage, auf alles Neue mit allen Sinnen, mit dem ganzen Körper und mit all ihren intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten zu reagieren.

Ganzheitliches Lernen ist intensives und dauerhaftes Lernen und Begreifen. Ganzheitlich gelernte Inhalte werden auch emotional integriert, sie sind nicht bloßes „Kopfwissen“, sie wirken sich auch auf das Verhalten und auf die Ausstrahlung der Persönlichkeit aus.

Für unsere Arbeit ist es ein wichtiges Ziel, den Kindern zu ermöglichen, auf diese Art zu lernen.

Kleine Kinder lernen, indem sie etwas tun – spielen, zusehen, zuhören, etwas unternehmen.

Am schnellsten und nachhaltigsten lernen sie, wenn sie etwas tun, was sie wirklich aktuell interessiert.

Die Aufgabe des Kindergarten ist es, viel intensives und ungestörtes Spiel zu ermöglichen und die Kinder für wichtige Themen zu interessieren und zu begeistern.

Die Kinder lernen im Kindergarten viele wichtige Fertigkeiten, die sie brauchen, um selbst etwas zu machen, eigene Ideen umzusetzen. Sie lernen zum Beispiel:

  • ganz viele kommunikative und soziale Fähigkeiten,
  • den Umgang mit Wasser, Feuer, Sand, Erde, Abfällen,
  • Malen mit Stift, Kreide, Pinsel,
  • Formen mit Knete,
  • Schneiden und Kleben, Basteln, Drucken,
  • Farben und Formen,
  • Grundformen der Bewegung,
  •  Zählen.

Diese wichtigen allgemeinen Fähigkeiten können an beliebigen Inhalten entwickelt werden. Es ist egal, ob ein Kind das Zählen mit Hilfe von eigens dafür entwickelten Spielen lernt oder beim Bereitstellen der Stühle für den Morgenkreis.

Fensterbank. Ein schöner Platz zum Bilderbuch-Lesen. Zum Vergrößern anklicken.

Es gibt aber eine „kulturelle Grundbildung„, die im Kindergarten erworben wird.
Dazu gehören bestimmte Spiele, Lieder, Geschichten, Märchen, Bilderbücher, und es gehört auch dazu ein Grundwissen zu bestimmten Themen.

 

 

 

Wir wollen durch echte Erlebnisse die Neugier der Kinder wecken und fördern und ihnen Freude am Lernen vermitteln: eine wichtige Voraussetzung für jede weitere Lernmotivation.

Lernen soll Spaß machen, damit es von den Kindern selber als etwas Schönes, Angenehmes bewertet wird.

In unserem Kindergarten bilden wir innerhalb der Gruppe von 20 Kindern drei altershomogene Gruppen: Die „Sonnen“ sind in ihrem ersten Kindergartenjahr, die „Monde“ im zweiten und die „Sterne“ im dritten. (Früher hatten sich die Kinder mal selber die Gruppennamen „Gespenster“, „Drachen“ und „Monster“ gegeben, das mochten aber einige Eltern nicht mittragen.)

Für jede dieser Untergruppen gibt es neben den allgemeinen Gruppenaktivitäten altersspezifisch angelegte Angebote und Impulse. Dies zieht sich auch durch unsere Projektarbeit.
Dabei ist das Lebensalter des Kindes nur der erste Anhaltspunkt. Wichtiger sind der tatsächlich erreichte Entwicklungsstand und die Interessen des einzelnen Kindes. So ist es inzwischen längst selbstverständlich, dass manche vierjährige Kinder bei Angeboten für die ältesten Kinder mitmachen (vielleicht auch schon ganz zu den „Sonnen“ wechseln) und dass manche Kinder etwas länger „bei den Kleinen“ bleiben. Dies ist von uns immer pädagogisch zu begründen. Nach anfänglichem Aufruhr unter den Eltern (vor acht Jahren) ist es auch längst akzeptiert – und das Verständnis dafür, dass wir zum Wohle der Kinder entscheiden, wird von den alten an die neuen Eltern weiter gegeben.

Die folgende Darlegung bietet also Anhaltspunkte. Manche Kinder durchlaufen diese „Stufen“ schneller, andere langsamer, ohne dass die Kinder es als Zurücksetzung oder Bevorzugung auffassen.

Lernen im ersten Kindergartenjahr

Um sich in einer Gemeinschaft außerhalb der Familie entfalten zu können, muss das Kind etliche neue Dinge bewältigen. Neues reizt und schreckt, auch nachdem die mehr oder weniger lange Eingewöhnungsphase für beendet erklärt werden kann. Manche Kinder brauchen auch gar keine nennenswerte Eingewöhnung: sie kommen freudig und sind da und erobern sich problemlos und zügig das neue Lebensumfeld.

Aber immer ist es doch eine Anstrengung. Das Kennenlernen der Spielmöglichkeiten, der Aufbau von Beziehungen, das Kennenlernen des Jahreslaufs und der Feste bestimmen das erste Kindergartenjahr.
Insgesamt vollzieht sich im ersten Kindergartenjahr ein wichtiger geistiger Sprung: vom nur ich-bezogenen zum auch gruppenbezogenen Denken – sich in andere hineinversetzen lernen – begreifen, dass die Anderen etwas anderes fühlen, denken oder wollen.

Im ersten Jahr lernen die Kinder die Lieder und Spiellieder der Gruppe kennen, die einfacheren werden in der Kleingruppe intensiv mit ihnen geübt, damit sie tatsächlich Lieder bald vollständig und sicher mitsingen und mitspielen können.
Sie lernen die Gruppenspiele und Bilderbücher für ihre Entwicklungsstufe kennen, ebenso die ersten Mal- und Basteltechniken.

Wasserfarben auf Papier und Gesicht. Zum Vergrößern anklicken.

Im ersten Jahr liegt auch der Schwerpunkt der Verkehrserziehung, da alle Kinder Ausflüge und Erkundungsgänge machen, bei denen sich die Verkehrserziehung „nebenbei“ anbietet.

Die“Sonnen“ haben ein wöchentliches Turnangebot zusammen mit den jüngeren „Monden“. Und sie gehen natürlich von Anfang an mit in den Wald (siehe unten).

 

 

 

 

 

Was die Entwicklung der sozialen Kompetenzen angeht, lernen die Kinder im ersten Jahr Folgendes: 

  • Ich darf andere nicht angreifen. Wenn ich andere Kinder schlage, trete usw., tut ihnen das weh. Dann sind sie böse auf mich und spielen nicht mit mir.
  • Wenn ein anderes Kind mich angreift, dann darf ich mich aber wehren und laut schreien.
  • Wenn ich etwas will, kann ich es laut und deutlich sagen. Ich kann ja schon gut sprechen.
  • Wenn ich etwas nicht will, kann ich es auch laut und deutlich sagen.
  • Wenn ein Kind nicht aufhört, mich zu ärgern, dann gehe ich zu den Erwachsenen und hole mir Hilfe.
  • Ich kann die anderen Kinder fragen, ob ich mitspielen darf. Auch mit einem Nein muss ich fertig werden.
  • Wenn ich weinen muss, wenn ich traurig bin, trösten mich die anderen. Ich kann auch schon andere trösten.
  • Wenn ich Hilfe brauche, helfen mir andere. Ich kann auch schon helfen.
  • Wenn mir etwas kaputt geht, wenn etwas verschmutzt ist, sage ich den Erwachsenen Bescheid.
  • Manchmal kommen alle Kinder dran, manchmal nicht.
  • In der Gruppe kriegen alle was ab.

Lernen im 2. Kindergartenjahr:

Im zweiten Jahr erleben die Kinder viele Dinge zum zweiten Mal, zum Beispiel die Feste und ihren eigenen Geburtstag im Kindergarten. Sie kennen sich schon aus und können aktiver eingreifen und das Geschehen auf neue Weise erleben.

Die Bildungsinhalte, Gespräche, Spiel- und Bastelangebote, Bilderbücher werden ihrem Entwicklungsstand angepasst. Auch die Anforderungen an Mithilfe im Haushalt des Kindergartens steigen.

Die Erweiterung der sozialen Kompetenzen sollte im zweiten Kindergartenjahr Folgendes umfassen:

  • Ich erkenne meine eigenen Grenzen und kann größere Kinder oder Erwachsene um Hilfe bitten.
  • Wenn ich etwas wissen will, frage ich nicht automatisch Erwachsene, sondern wende mich auch an andere Kinder.
  • Ich kann mich verabreden.
  • Ich kann Regeln überschauen und verstehen und schon recht verlässlich einhalten.
  • Ich kann mich entscheiden, ob ich mich in einen Konflikt hineinbegeben will, und kann steuern, wie weit ich gehen will.

Lernen im 3. Kindergartenjahr:

Die Erweiterung der sozialen Kompetenzen sollte im dritten Kindergartenjahr Folgendes umfassen:

  • Ich kann Konflikte voraussehen und im Vorfeld klären.
  • Ich fühle mich für die Gesamtgruppe mitverantwortlich.
  • Ich kann Dinge gerecht aufteilen.
  • Ich kann mich positiv einmischen, wenn jüngere sich streiten.
  • Ich kann Schwächere beschützen.
  • Ich kann Kleine immer mal wieder mitspielen lassen.
  • Ich kann großzügig sein und verzichten, wenn es nötig ist.
  • Ich kann mich dafür entscheiden, auch mal einen Konflikt mit Mehreren einzugehen (mit Mehreren und auch gegen Mehrere), auch gegen Erwachsene („den Aufstand proben“).

Im dritten Kindergartenjahr kennen sich die Kinder in ihrem Kindergarten sehr gut aus, sie nutzen die Spielmöglichkeiten „virtuos“.

Es gibt keine älteren Kinder mehr in der Gruppe, von denen sie lernen könnten, die sie nachahmen und denen sie nacheifern könnten. Diesen Nachteil versuchen wir Erzieherinnen wett zu machen, indem wir besonders viele Angebote für die ”Großen” machen.

Unser Außengelände ist zwar ungewöhnlich groß und abenteuerlich – trotzdem wird es allmählich für sie zu klein, es gibt nicht mehr so viel Neues zu entdecken und auszuprobieren wie für die Kleineren, und die wachsende Selbstständigkeit der 5-bis 6-Jährigen macht es auch möglich, dass eine Erzieherin häufig mit einigen Kindern auszieht, um die weitere Umgebung des Kindergartens zu erkunden.

Kinder brauchen Abenteuer!!!

Im letzten Jahr vor der Schule machen die meisten Kinder (viele auch vorher schon) wieder einen wichtigen geistigen Sprung: von nur konkret-anschaulichem zu immer mehr abstrakt-logischem Denken – Zeichen und Zahlensysteme interessieren sie immer stärker.

Die Schule rückt in ihr Blickfeld und wird zum wichtigen Thema.

Viele neue wichtige soziale Fähigkeiten erwerben und üben auch die ältesten Kinder dadurch, dass sie sich Tag für Tag in der gesamten Gruppe bewegen, zusammen mit den jüngeren Kindern.

Sorgen der Eltern
Viele Eltern werden im letzten Jahr vor der Schule unruhig und fragen sich, ob der Kindergarten genug für die Vorbereitung der Kinder auf die Schule tut. Oder sie entwickeln allgemeine Ängste, ob ihr Kind den schulischen Anforderungen gewachsen sein wird, und geraten dann in Versuchung, die Erzieherinnen unter Druck zu setzen, mehr oder anderes mit den Kindern zu tun. Der Ruf nach Vorschulerziehung wird dann häufig laut.
Wir verstehen diese Verunsicherung von Eltern. Da wir aber während der ganzen Kindergartenzeit mit den Eltern im Gespräch sind, glauben wir, dass wir die Eltern auf mögliche Defizite oder Entwicklungsrückstände ihrer Kinder rechtzeitig hinweisen.

Unsere Aufgabe ist es, zu vermitteln,

  • dass die Kinder in allen drei Jahren eine intensive Förderung in unserem Kindergarten erfahren,
  • dass unser Verständnis von Lernen ein sehr effektives ist,
  • dass wir gezielt auf die Entwicklungsbedürfnisse der 5-und 6-jährigen Kinder eingehen,
  • dass es wichtig ist, allgemeine Fähigkeiten, die in der Schule gebraucht werden, zu entwickeln und dass wir das in hohem Maße tun,
  • dass die Kinder auch das spezielle Wissen und Können, das von Schulanfängern erwartet wird, in unserem Kindergarten erwerben.

Dabei ist es wichtig, auf Fragen, Ängste und Zweifel der Eltern einzugehen und konkrete Anregungen der Eltern aufzugreifen, die in unsere Konzeption und in unseren Zeitrahmen passen.

Zum Beginn des Kindergartenjahres wird ein Termin für alle Eltern angeboten, deren Kinder schulpflichtig werden oder eventuell als Antragskinder in die Schule kommen. Dort werden Fragen des Übergangs in die Schule besprochen und Erfahrungen ausgetauscht.

Das Thema Schule

Das Thema Schule beschäftigt die Kinder vor allem im zweiten Halbjahr (nach Weihnachten) immer intensiver. Vage Vorstellungen über die Schule vermischen sich mit Stolz, freudiger Erwartung und vielleicht auch mit Beklemmungen. Die Kinder spüren, dass im Zusammenhang mit der Schule etwas ganz Neues von ihnen erwartet wird, das allgemein als schwierig und vielleicht auch als belastend gilt.

Wir wollen dazu beitragen, die Vorfreude der Kinder zu stärken und eventuellen Sorgen und Ängsten der Kinder vorzubeugen.

Erste-Hilfe-Kurs mit echt eingegipsten Armen zum Abschluss. Zum Vergrößern anklicken.

Wir machen deutlich, dass wir uns mit den Kindern freuen, dass sie in die Schule kommen, dass sie schon so groß sind und schon so viel können.
Wir verbergen auch nicht, dass uns der Abschied nicht leicht fällt. Aber so selbstverständlich, wie wir sie anfangs angenommen haben, wollen wir sie auch am Ende ihrer Kindergartenzeit unbeschwert und froh gehen lassen.

 

 

 

Viel Zeit für die Großen

Den ältesten Kindern ist die “Sternen-Schule“ besonders wichtig.

Und uns auch, denn da können wir konzentriert die folgenden allgemeinen Lernziele ansteuern:

  • kleine Aufträge und Aufgaben konzentriert ausführen,
  • die Feinmotorik in Richtung Schreiben entwickeln,
  • das Zahlen- und Mengenverständnis entwickeln,
  • das Geschichtenverständnis entwickeln,
  • Kritikfähigkeit entwickeln,
  • etwas Schwieriges üben, Ausdauer entwickeln,
  • etwas so lange ausprobieren, bis es klappt,
  • genau arbeiten,
  • aktiv fragen, wenn man etwas nicht verstanden hat, sich etwas von anderen zeigen und erklären lassen,
  • über etwas nachdenken und gemeinsam darüber reden: Wissen erinnern, austauschen, zusammentragen, kombinieren,
  • lernen, dass es nicht nur richtig und falsch, sondern oft mehrere gute Lösungen für ein Problem gibt (= wichtiger Bestandteil von Kreativität),
  • zusammenarbeiten üben, die Arbeit aufteilen, zuverlässig sein, seinen Teil beitragen,
  • die eigene Leistung von Anderen beurteilen lassen, Kritik ertragen können, zu dem eigenen Ergebnis stehen,
  • erleben, dass Andere manches besser können und manches nicht so gut können wie man selbst, und damit umgehen lernen,
  • erfahren, dass man nicht alles auf Anhieb können muss, dass manches seine Zeit braucht,
  • lernen, bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben, sondern um Hilfe zu fragen,
  • Streit mit Worten schlichten,
  • Kompromisse schließen,
  • Verabredungen einhalten,
  • sich auch bei Wut und Enttäuschung beherrschen.

Was wir nicht wollen:

Wir möchten uns nicht einseitig darauf konzentrieren, bestimmte Fähigkeiten zu trainieren. Das Lernen soll sich auch im Jahr vor der Schule ganzheitlich vollziehen.

Wir wollen Schulstress, Leistungsdruck und unsolidarisches Konkurrenzverhalten nicht in den Kindergarten vorverlagern.

Ein wichtiges Mittel, um an diesen Zielen zu arbeiten, sind unsere Vorschulmappen.

Diese „Vorschulblätter“, die wir sorgfältig ausgesucht haben, führen die Kinder spielerisch an eine wichtige Arbeitsform in der Schule heran: Die Kinder sitzen am Tisch, haben einen Stift in der Hand und ein Blatt Papier vor sich auf dem Tisch. Sie sollen zu einer genau definierten Aufgabe ein Ergebnis vorweisen. Das ist für die meisten Kinder eine reizvolle Herausforderung, bringt manche Kinder aber auch in Schwierigkeiten, die wir behutsam und vorgreifend (es ist ja noch nicht so ernst wie in der Schule, und wir sind in einer kleinen, vertrauten, überschaubaren Gruppe) mit den Kindern bearbeiten wollen.

Darüberhinaus geht es in der “Sternen-Schule” um altersspezifische Angebote, die aus allen Tätigkeitsbereichen stammen können:

Spiele, Experimente, Exkursionen, Rollenspiel, Theater, Lieder, Basteln und Bauen, Gartenarbeit, Kochen, Geschichten, Bücher…

Arbeiten lernen

Neben dem ausgiebigen Spielen wird in den drei Kindergartenjahren das angeleitete Lernen immer wichtiger. Lernen beim Tun (learning by doing) ist auch für kleine Kinder die beste Lernform.
Wir stellen fest, dass viele Kinder zu wenig können. Sie sind vielleicht schon im Flugzeug geflogen und mehrmals im Ausland gewesen – aber einen Tisch abwischen, ohne ein Chaos anzurichten, das überfordert sie. Gerade die einfachen häuslichen Tätigkeiten sind es aber, bei denen die Kinder unserer Altersstufe sehr viel lernen können.

Früh genug damit anfangen!
Mit zwei bis vier Jahren zeigen die meisten Kinder große Lust, Erwachsenen zu helfen.

Diese Phase geht vorüber, und wir sollten sie auch im Kindergarten nutzen, um den Kindern nicht nur Dinge wie mit der Schere schneiden, sondern auch Grundfertigkeiten im Haushalt beizubringen.

Erst wenn sie bestimmte Grundfertigkeiten geschickt und automatisiert ausführen können, gewinnen sie einen Überblick über kompliziertere Arbeitsabläufe. Mit fünf und sechs Jahren können sie dann anspruchsvollere Arbeiten ausführen.

Früher spielten sich diese Lernvorgänge beim selbstverständlichen und angeleiteten (!) Mithelfen im Haushalt, auf dem Bauernhof oder in der Werkstatt ab.

Wir erkennen auch immer wieder, wenn Kinder zuhause Möglichkeiten haben, im Haushalt, im Garten oder beim Heimwerken ernsthaft zu helfen. Sie erscheinen weitaus geschickter und souveräner als die Kinder, die nicht helfen dürfen und nur bedient werden.

Wir möchten dabei mit den Eltern eng zusammenarbeiten, Anregungen und Erfahrungen austauschen.

Ein anderer Grund, weshalb wir Arbeiten lernen für unsere Kinder wichtig finden, ist die Verwöhnung, die wir bei vielen Kindern feststellen und die wir im Kindergarten noch verfestigen, wenn wir sie dauernd bedienen.

Für die soziale Entwicklung der Kinder erscheint es uns sinnvoll, wenn sie im Prinzip alles, was sie physisch und psychisch schon lernen können, auch selber tun. Arbeitsteilung und bewusstes mal verwöhnen lassen, die Arbeit abgenommen kriegen, aber auch: anderen mal die Arbeit abnehmen und andere mal verwöhnen sind weitergehende wichtige Erfahrungsbereiche. (Die späteren Partner und vor allem Partnerinnen unserer Kinder werden es uns danken, wenn wir in diesem Bereich jetzt gute Grundlagen legen.)

Aus diesen Überlegungen heraus achten wir auf Tätigkeiten, die in unserem Alltag wichtig sind, immer wiederkehren und von den Kinder gelernt und selber gemacht werden können:

  • Frühstückstisch decken, abräumen, Geschirr in die Spülmaschine räumen,
  • Mittagstisch decken, abräumen, Tische nach dem Essen abwischen, Kompostschüssel hinausbringen,
  • Handtücher wechseln, Müll sammeln, Treppe fegen, Staub wischen in der Puppenecke,
  • unsere Schildkröte füttern.

4.3.  Wie wir miteinander leben

4.3.1   Die Bedeutung der Gruppe

Zu einer funktionierenden und frohen Familie ist eine funktionierende und frohe Gruppe eine ideale Ergänzung. Wenn die Familie nicht so gut funktioniert und kein froher Ort ist, wird die Gruppe besonders wichtig für das Wohlbefinden und die Entfaltung des Einzelnen. Das gilt für Kinder wie für Erwachsene.

Die Erfahrung, dass Beides wertvoll und möglich ist und wie es funktionieren kann, macht Menschen im guten Sinne anspruchsvoll für ihre spätere Lebensgestaltung. Sie haben ein Modell im Kopf, das ihnen wichtige Leitlinien gibt.

Die Erfahrung, dass eine gute Gruppe fehlendes Familienglück teilweise ausgleichen kann, ist in Zeiten zerfallender Familien und Partnerschaften für den Einzelnen beruhigend und stärkend.

Manche wichtigen sozialen Fähigkeiten lassen sich nur in einer Gruppe lernen, andere lassen sich in der Gruppe leichter lernen als zuhause. Auf die Entwicklung dieser Fähigkeiten konzentriert sich unser Kindergarten.

Wichtig sind:

  • Gruppenerlebnisse,
  • Gruppendynamik,
  • Gruppenatmosphäre.

Manche individuelle Förderung dagegen lässt sich in der Familie oder in anderen Institutionen besser verwirklichen.

Hier stößt der Kindergarten an seine Grenzen:
Detaillierte Wissensvermittlung, Training bestimmter Fähigkeiten (Schleife binden!), Verarbeitung von Erlebnissen, Bearbeitung von Traumen, spezielle Talentförderung, Ausgleich von schweren Entwicklungsstörungen oder –rückständen, Ausgleich von schweren Behinderungen, intensive Einzelzuwendung.

Die Kinder erziehen sich gegenseitig. Was steckt hinter dieser Feststellung?

Erwachsene sind Vorbilder für Kinder, aber nur in der Phantasie. Die Kinder spüren genau, dass ihre Lebensaufgaben, ihr Alltag, ihre aktuellen Bedürfnisse, ihre Fähigkeiten, ihr Wissen von dem der Erwachsenen noch weit entfernt sind. Etwas ältere Kinder sind dagegen für die Kinder reale Vorbilder, denen sie tatsächlich unmittelbar nacheifern können.

An Gleichaltrigen können sie sich selber messen, sie werden unabhängiger von den Urteilen der Erwachsenen. ”Das dürfen Kinder nicht“, „Das können Kinder nicht“, „Andere Kinder tun das nicht”; solche Sätze werden für die Kinder überprüfbar.

Die Nervosität vieler Kinder, die den Erwartungen ihrer Eltern nie ganz gerecht werden können, verringert sich dadurch. Die Gefahr, dass die Kinder ein negatives Selbstkonzept aufbauen, wird dadurch kleiner.

Auf den Schaukeln. Zum Vergrößern anklicken.

Kinder, die sich gegenseitig in einer Gruppe stärken, können dazu kommen, selber zu formulieren oder zumindest den Erwachsenen deutliche Anhaltspunkte zu geben, was sie brauchen, was gut und sinnvoll und wirklich kindgemäß ist.

Das Verhalten des einzelnen Kindes wird auch durch die anderen Kinder bewertet. Wenn zum Beispiel ein Kind andere nachhaltig beim Spielen stört, weil es vielleicht schlechte Laune hat, dann erfährt es die Reaktion der anderen Kinder sehr direkt. Es kommt auch vor, dass sich die ganze Gruppe gegen ein Kind wendet, weil es sich schlecht benimmt. Diese Erfahrung ist schmerzlich für das Kind, aber ungleich wirksamer als alle ”Predigten” der Erwachsenen. Mit viel Verantwortungs- und Fingerspitzengefühl können erfahrene Erzieherinnen diese Wirkung der Gruppenmeinung für die Erziehungsarbeit nutzen.

Kinder benehmen sich oft, wie Eltern immer wieder erzählen, im Kindergarten weitaus besser, beherrschter, konstruktiver, zugänglicher als zuhause. Das hängt zum guten Teil damit zusammen, dass das Kind sich im Kindergarten immer im Spiegel der anderen, der Kindergruppe sieht. Es möchte vor den anderen nicht schlecht da stehen, nicht sein Gesicht verlieren, nicht von Gleichaltrigen kritisiert werden – alles Aspekte, die im viel intimeren und großzügigeren Familienrahmen eine geringere Rolle spielen, vor allem dann, wenn das Kind schon in dem Glauben lebt, dass die Eltern sowieso oft nicht mit seinem Verhalten zufrieden sind.

4.3.2   Gefühle haben dürfen – sich streiten und vertragen

Es ist unter Erwachsenen keine Selbstverständlichkeit, über Gefühle zu reden oder Empfindungen zu zeigen. Sie werden oft unterdrückt und hinter einem „Lächeln“ oder einer Maske versteckt. Kinder zeigen ihre echten Gefühle, wenn man sie lässt.

Wohlfühlen, Freundschaft fühlen. Zum Vergrößern anklicken.

Kinder freuen sich bis „in die Füße“, und Traurigkeit spüren sie „im Bauch“. Ihre Ganzheitlichkeit sieht man ihnen an. Es ist uns wichtig, diese Ganzheitlichkeit zu erhalten. Freude, Trauer, Wut, Zorn und Glücksgefühl eines jeden Kindes sind ernst zu nehmen. Es hat ein Recht auf diese Gefühle und auch darauf, sie anderen mitzuteilen.

Wenn ein Kind weint, weil es sich weh getan hat, findet es bei uns Trost und Zuspruch. Es darf sein Leid zeigen und äußern. Wir werden es nicht unterdrücken, indem wir sagen: „Jetzt kommt ein Pflaster darauf und dann ist es wieder gut.“

Es ist wichtig, dass Kinder ihren eigenen Empfindungen trauen dürfen. Kinder, die in dieser Hinsicht verwirrt werden, sind in Gefahr, ihre eigenen Gefühle abzulehnen. Die Gefühle können dann keinen angemessenen Ausdruck finden und suchen sich destruktive Ausdrucksformen, zum Beispiel: andere ärgern, quälen oder verprügeln; aber auch: Bettnässen, Kopfschmerzen, Flucht in Krankheiten, usw.

So wie Kinder ihre Zuneigung zueinander ausdrücken können, sollen sie auch die Möglichkeit haben, ihre Abneigungen und Differenzen zu äußern und am gegenseitigen Widerstand ihre Erfahrungen zu sammeln. Konfliktsituationen enden auch manchmal mit Tränen. Diese Gefühle wollen wir nicht abblocken.

Das Verhalten der Kinder ist in Konfliktsituationen je nach Persönlichkeit recht verschieden. Die einen überfahren einfach bullig alles, was sich ihnen in den Weg stellt, andere geben resigniert auf, bevor sie nur einen einzigen Versuch gemacht haben, ihre Vorstellungen durchzusetzen.

Manche wiederum provozieren mit sticheligem Gezänk den Streit, andere brausen heftig auf, wieder andere greifen zu Argumenten oder Fäusten, und einige lassen die Angreifer leerlaufen oder geben sofort nach.

So unterschiedlich wie die Kinder selbst sind, so unterschiedlich sind auch ihre Reaktionen bei Streitigkeiten. Es ist für die Kinder wichtig, die verschiedenen Reaktionen der anderen Kinder kennenzulernen und sich damit auseinanderzusetzen.

Dabei ist jedes Kind zunächst mal für sich selber verantwortlich.

Kinder brauchen die Chance, Konflikte allein bewältigen zu dürfen, nach Lösungen zu suchen, sich zu arrangieren. Nur zu leicht lassen wir Erwachsenen uns ihre Probleme aufbürden: „Der oder die .. hat mir das Auto weggenommen,“ und dahinter steht die Erwartung: „Lös‘ mal für mich das Problem.“ Aber wann lernen Kinder, ihre Konflikte selbst zu lösen? Unsere Antwort würde zunächst so lauten: „Versuche es mit … zu regeln“ und im zweiten Schritt: „Das kannst du mit … schon alleine klären.“

Diese Vorgehensweise bedeutet für uns, die Kinder zu beobachten, sie zu begleiten, die Sicherheit zu geben, dass sie, falls sie alleine zu keiner guten Lösung kommen, auf unsere Hilfe zählen können, um zu ihrem Recht zu kommen. Wir halten es für wichtig, dass Kinder erfahren, dass sie selbst verantwortlich sind, dass sie in der Lage sind, Wege zu finden, zu einem Miteinander – zum Streiten und zum Vertragen. Häufige Beobachtungen dieser „Friedensverhandlungen“ haben uns gezeigt, dass Kinder bei Konflikten durchaus in der Lage sind, miteinander zu reden, sich gegenseitig zu helfen und Toleranz zu üben, dass auch „negative“ Gefühle zu ihnen gehören, dass sie sich gegenseitig Unterstützung holen und geben können.

Dieser wichtige Prozess kann jedoch nur dann passieren, wenn wir Erwachsenen ihn zulassen.

Was ist die Rolle der Erwachsenen dabei?

Konflikte durchstehen und lösen ist etwas, das die Kinder ja erst lernen müssen. Sie brauchen, wie bei vielen anderen Dingen auch, Anregungen und Anleitung. Manche Kinder brauchen mehr Hilfen, andere weniger; manche brauchen mehr Zeit und Gelegenheiten zu üben als andere… Es gibt auch in diesem Bereich verschieden große Talente.

Wenn deutlich zu spüren ist, dass die Kinder von der Situation überfordert sind oder sie ihre sozialen Grenzen nicht mehr spüren, mischen wir Erzieherinnen uns ein. Wir versuchen, ihnen ihr Handeln und seine möglichen Folgen deutlich zu machen. Wir zeigen ihnen, wie es gehen kann, aus einem Konflikt herauszukommen, spielen Möglichkeiten durch – gehen müssen sie den von ihnen gewählten Weg jedoch alleine. So erfahren sie, ob es eine Lösung für das Problem ist oder ob sie einen anderen Weg suchen müssen.

Kinder streiten und vertragen sich oft an einem Tag mehrfach. Für unerfahrene Erwachsene kann das verwirrend sein. Streit unter Kindern muss sein, er ist ein wichtiges Übungsfeld für soziales Verhalten.

Eine schreckliche Situation, die im Kindergarten nie entstehen darf, ist Mobbing / Unterdrückung / Terror. Glaube keiner, dass es das in Kindergärten nicht gibt. Als ich (die Autorin) vor acht Jahren in diesen Kindergarten kam, herrschte „Wildwest“. Die stärksten Kinder zeigten sich weitgehend rücksichtslos, besetzten die besten Spielplätze und das beliebteste Spielzeug – und die anderen Kinder gingen dieser Bande sorgsam aus dem Wege, einige zeigten deutliche Angst.

Es brauchte einen monatelangen pädagogischen Kampf, bis sich die Verhältnisse änderten. Die zu beobachtende sichere, freundliche, faire und heitere Atmosphäre, die seitdem in unserem Kindergarten herrscht und von neuen Eltern und Außenstehenden immer mit Verwunderung wahrgenommen wird, ließ sich erst herstellen, als die ältesten Kinder, die in „Wild West“ groß geworden waren, in die Schule kamen.

In einer solchen Terror-Situation kann nicht gelten, dass die Kinder alleine damit fertig werden sollen.

Stattdessen sind massive und gut überlegte Interventionen von seiten der Erzieherinnen nötig.

Manche Kinder müssen erst lernen, auch mal ”Nein” zu sagen und dabei zu bleiben – gegenüber anderen Kindern und anderen Erwachsenen. Deutlich und bestimmt Nein sagen können, klare Grenzen setzen können ist eine wichtige Fähigkeit, besonders für kleine Mädchen – nicht nur gegenüber dem ”fremden Onkel”, sondern auch gegenüber den Spielpartnern und dem späteren Lebenspartner…

4.3.3   Mädchen + Jungen, Frauen + Männer

Entwicklung der Geschlechtsrollenidentität

Im 4. und 5. Lebensjahr merken die Kinder, dass Mädchen und Jungen nicht nur körperlich verschieden sind. Sie entwickeln sich psychisch in Richtung auf Männlichkeit oder Weiblichkeit, sie entwickeln teilweise unterschiedliche Spielinteressen und Spielweisen. Ihre Kommunikation untereinander verändert sich und nimmt mehr weibliche oder männliche Formen an.

Wieweit diese beobachtbaren Unterschiede kulturell hervorgerufen sind, können wir nicht beurteilen. Wir sehen aber, dass gerade frei aufwachsende Kinder sich ab etwa vier Jahren aus eigenem Antrieb in nach Geschlechtern getrennten Spielgruppen bewegen.

Die Mädchen finden in den meist viele Stunden verfügbaren Müttern und den Erzieherinnen im Kindergarten ”Muster” für ihre geschlechtsspezifische Entwicklung.

Den Jungen fehlen oft ausreichende männliche Verhaltensmuster in ihrer täglichen Umgebung.

Die Jungen finden aber genügend weibliche Erwachsene, in denen sie sich in ihren männlichen Verhaltensanteilen und ihrer männlicher werdenden Ausstrahlung spiegeln können. Diese Möglichkeit fehlt oft den kleinen Mädchen, was sie unzufrieden und unsicher macht.

Die fehlenden Spiegelungsmöglichkeiten für die Mädchen und die fehlenden Vorbilder für die Jungen lassen für uns nur einen Schluss zu: wir möchten eine größere Präsenz der Väter für die Kinder und wir wünschen uns mehr männliche Erzieher in Kindergärten.

Wir sind deshalb froh, dass wir ständig einen Zivildienstleistenden (Zivi)  im Kindergarten haben. Er wird in besonderer Weise von den Jungen belagert, deren Väter nicht mit ihnen zusammenleben.

Gleichberechtigung im Kindergarten

Mädchen wie Jungen sollen sich im Kindergarten frei entfalten können.

Dazu gehört, dass es keine Vorrechte oder unterschiedliche Regeln für Mädchen oder Jungen gibt. Zum Beispiel achten wir darauf, dass alle auch tatsächlich überall spielen können.

Dazu gehört aber noch viel mehr.

Squaw, sanft. Zum Vergrößern anklicken.

Häuptling, sanft. Zum Vergrößern anklicken.

Harter Cowboy und wilde Squaw. Zum Vergrößern anklicken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Entwicklungsziele, die wir in Punkt 4.1 formuliert haben, gelten für beide Geschlechter. Mädchen wie Jungen sollen sowohl ihre “wilden” wie auch ihre “lieben” Anlagen entwickeln dürfen.

Da Mädchen und Jungen aber immer noch unterschiedliche Bedingungen und Rollenvorbilder vorfinden, ist es unsere Aufgabe als Erwachsene, darauf gezielt einzugehen.

Wir sehen zum Beispiel bei kleinen Mädchen negative Einstellungen und Strategien, die als “typisch weiblich” und bei kleinen Jungen negative Verhaltensweisen, die als “typisch männlich” gelten. Im Endeffekt führt beides zur eigenen Unzufriedenheit und erschwert das Miteinander:

Als „typisch weiblich” gilt zum Beispiel:

  • Ich bin ängstlich, scheue das Risiko und weiche vor jeder Aggression zurück.
  • Ich bin klein, niedlich und brav, ich tue nichts Böses und mir darf man auch nicht böse sein.
  • Ich bin hilflos, mach mal alles für mich.
  • Ich bin diensteifrig und deshalb liebenswert.
  • Meine Aggressionen und Angriffe führe ich heimlich und verdeckt durch.
  • Ich bin ein süßes kleines Mädchen und möchte hofiert werden.

Auch durchaus selbstbewusste Mädchen greifen teilweise zu diesen Strategien, wenn sie ihre Ziele damit bequem erreichen können.

Als „typisch männlich” gilt zum Beispiel:

  • Was ich will, ist das Wichtigste und wird durchgesetzt.
  • Ich muss siegen, sonst bin ich der Unterlegene.
  • Ich muss körperlich stark sein, es ist wichtig zu wissen, wer der Stärkste ist. Denn der ist der Bestimmer.
  • Für manche Dinge bin ich als Junge nicht zuständig.
  • Eine weibliche Rolle kann ich nicht übernehmen.

Manche Jungen, die diese Ideen eigentlich (wenn man mit ihnen spricht) gar nicht so gut finden, passen sich in der Jungenclique an.

Ein Geschwisterbaby wird begrüßt. Ein paar Jungen wurden noch gerufen und waren dann auch sehr interessiert. Zum Vergrößern anklicken.

Diese negativen Ideen und das daraus resultierende Verhalten möchten wir den Kindern offenlegen, damit sie die Chance haben, sie zu überwinden.

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt bei beiden Geschlechtern auch die typischen positiven Anlagen, die wir stärken wollen:

  • Fürsorglichkeit,
  • Ablehnung von Gewalt,
  • Gefühlsoffenheit,
  • “charmante” Durchsetzungsstrategien,
  • Durchsetzungsfreude, feste Ziele,
  • Mut zum Konflikt.

Unser erzieherisches Vorgehen besteht darin, solche Prozesse zu erkennen, uns einzumischen, zu erklären und unsere Bewertung abzugeben, negatives Verhalten abzublocken und positives Verhalten zu unterstützen.

Das ermutigt auch die Kinder, ähnlich vorzugehen und sich so gegenseitig zu erziehen.

Rollenspiele, Bilderbücher und Geschichten mit entsprechenden Inhalten (selbstbewusste Mädchen/Frauen, fürsorgliche Jungen/Männer, Arbeitsteilungen, die Klischees durchbrechen) sind dabei hilfreich und werden von uns unter diesen Gesichtspunkten ausgewählt.

 

4.3.4   Regeln in unserem Kindergarten

In unserem Kindergarten gelten Regeln, die für das Zusammenleben wichtig sind. Diese Regeln wurden von den Erzieherinnen aufgestellt und werden mit den Kindern und Eltern genau besprochen.

Wir wollen vermeiden, unsinnige Regeln aufzustellen. Dabei können wir uns irren. Deshalb ist es nötig, unsere Kindergarten-Regeln immer wieder zu überprüfen und in gewissen Abständen zu überarbeiten. Es gibt noch einen anderen Grund, sich ab und zu damit zu befassen: Veränderte Situationen im Kindergarten können alte Regeln überflüssig oder neue nötig machen. Es wäre schlimm, wenn wir starr an überholten Regeln festhalten würden.

Die Regeln sollen uns und den Kindern helfen, im Kindergarten eine gute Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen können. Und es geht darum, dass die Kinder auch im Kindergarten lernen können, ihre Gefühle und Bedürfnisse angemessen auszudrücken – auch die unvermeidlichen Gefühle wie Wut, Enttäuschung, Verlassenheit, Langeweile sowie das oft begrüßenswerte Bedürfnis, etwas durchsetzen, einen Plan verwirklichen zu wollen.

Spontan entwickeln viele Kinder aus dem Bedürfnis, eigene Ideen und Pläne durchsetzen zu wollen, aggressives, rücksichtsloses, gewalttätiges Verhalten.
Was genauso schlimm ist: Als Reaktion auf die Aggressivität anderer entwickeln manche Kinder Resignation und Vermeidungsverhalten (ich versuchs erst lieber gar nicht, ich gehe der ganzen Situation am besten aus dem Wege).

Wir möchten den Kindern helfen, andere (offene, nicht rücksichtslose und trotzdem befriedigende) Verhaltensmöglichkeiten einzuüben.

Bei uns soll nicht das „Recht des Stärkeren und Rücksichtsloseren“ gelten, wir wollen aber auch nicht eine künstlich „heile Welt“ mit lauter Engelchen.

Dieses sind die zur Zeit gültigen Regeln:

Gerechtigkeit und Wohlbefinden in der Gruppe

1.
Absichtliches Wehtun ist verboten.
Wir wollen erreichen, dass die anderen Kinder sich empören, wenn das vorkommt.

2.
Nicht-absichtliches Wehtun kann passieren.
Man muss dann deutlich machen, dass es keine Absicht war und dass es einem Leid tut. Helfen, trösten, entschuldigen…

3.
Beschimpfen, Verächtlichmachen, Verspotten, Auslachen sind verboten. Man darf es nicht zulassen.
Aber: Bescheid sagen, sich bei den Erwachsenen beschweren, wenn sich Kinder
Übergriffe erlauben, das ist kein „Petzen“, sondern erlaubt und erwünscht.

4.
Man darf andere, die sich auf eine Tätigkeit konzentrieren (spielen, arbeiten, essen, sich ausruhen, miteinander sprechen…) nicht leichtfertig stören.

5.
Wenn Kinder zusammen spielen, kann man freundlich fragen, ob man mitspielen darf. Die anderen antworten freundlich. Eine Absage muss man akzeptieren.

6.
Es ist gut, anderen zu helfen oder sie zu trösten. Aufdrängen soll man sich dabei nicht.

7.
Schon besetzte Spielräume und gerade „besetztes“ Spielzeug ist zu achten. Vertreiben oder Wegnehmen sind verboten. Man kann freundlich fragen, muss aber eine Absage akzeptieren.

8.
Persönliches Eigentum (gemalte Bilder und ähnliches, Kleidung, von zuhause mitgebrachte Sachen) ist zu achten.

9.
Körperliche Nähe kann sehr schön sein, ist aber manchmal auch lästig oder unerwünscht. Man muss das jedes Mal herausfinden und sich danach richten.

Mal laut, lustig, übermütig – aber dann auch ruhig und rücksichtsvoll

10.
Beim Essen soll eine ruhige Atmosphäre sein, sodass jedes Kind in Ruhe essen und sich mit seinen NachbarInnen unterhalten kann. Schreien, laut sein, rumlaufen, grob herumalbern ist verboten – erzählen, lachen, scherzen in „Tischlautstärke“ ist erwünscht.

11.
Beim Mittagessen warten wir, bis alle ihr Essen auf dem Teller haben. Wir fassen uns dann an den Händen, warten bis es ganz ruhig geworden ist und wünschen uns guten Appetit.

12.
Wer mit dem Essen fertig ist, bringt sein Geschirr weg. Beim Mittagessen setzt man sich dann wieder hin und steht erst auf, wenn zum Zähneputzen aufgefordert wird. (Das passiert, wenn etwa die Hälfte der Kinder mit dem Essen fertig ist.)
Die anderen essen in Ruhe weiter.

13.
Tische, Stühle und Bänke dürfen als Spiel- und Turngeräte benutzt werden.

14.
Toben, rennen, lärmen im Gruppenraum ist erlaubt, solange es Andere nicht stört. Wenn es dann stört, werden die „lauten Wilden“ aufgefordert, nach draußen zu gehen, um sich dort
auszutoben.

Gesundheit, Sicherheit

15.
Wir sind viel draußen. Wenigstens einmal am Vormittag gehen alle raus – wenn es nicht „junge Hunde regnet“.

16.
Barfußlaufen und Wasser rausholen müssen ausdrücklich erlaubt werden.

17.
Die Kinder fragen oft an noch recht kalten Tagen, ob sie ohne Jacke, Mütze usw. rausgehen können. Die Parole „Jackenzeit“ bedeutet, dass kein Kind ohne Jacke rausgehen darf. Die Gegenparole heißt „jackenfreie Zeit“. Dazwischen, an weder warmen noch kalten Tagen, entscheiden die Kinder selbst.

Die Kletterseile werden immer wieder auf neue, andere Art verknotet. Zum Vergrößern anklicken.

18.
Geklettert werden darf am Klettergerüst und am Baum hinterm Häuschen. Die Bäume vor dem Haus sind keine Kletterbäume!

19.
Kein Kind darf das Gelände während der Betreuungszeit ohne Erzieherin verlassen, es sei denn eine Erzieherin hat es ausdrücklich erlaubt.

20.
Bei Spaziergängen und Ausflügen gilt: nicht voraus laufen. Absoluter Stopp vor jeder Straßenüberquerung. Dreijährige gehen nach Einschätzung der Erzieherinnen an gefährlichen Stellen an der Hand.

 

 

 

21.
Eine Erzieherin allein nimmt höchstens vier Kinder mit nach draußen.

22.
Was von Erwachsenen für „tabu“ erklärt wird, darf nicht berührt werden. (Nur im Notfall anwenden!)

23.
Die Kinder dürfen keinerlei Süßigkeiten (einschließlich Kaugummi) mit in den Kindergarten bringen.

In Unordnung läßt sich’s schlecht leben

24.
In den Aufräumzeiten räumen alle gemeinsam alles auf.
Bei den Abholzeiten sollen die Eltern mit darauf achten, dass ihr eigenes Kind vor dem Nachhausegehen drinnen die Dinge, mit denen es gerade gespielt hat, aufräumt. Wenn es gerade draußen spielt, achten die Eltern bitte mit darauf, dass ihr Kind einige Teile entsprechend dem Alter (zum Beispiel Dreijährige 3 Teile) ordentlich ins Häuschen räumt.

25.
Wenn es draußen feucht und patschig ist, ziehen die Kinder drinnen Hausschuhe an.

26.
Wer kleckert, was vollschmiert, umschüttet, runterwirft, bringt es sofort in Ordnung oder sagt Bescheid. Wenn das Klo schmutzig wird oder etwas kaputtgeht, sofort selber Bescheid sagen.


4.3.5   Freiheit lassen und Grenzen setzen
– oder wie setzen wir die Kindergarten-Regeln durch?

Regeln begreifen und einhalten will gelernt sein

Die Regeln, die im Kindergarten gelten, setzen den Kindern Grenzen. Wie gehen wir damit um, wenn Kinder die Regeln verletzen?

Wenn wir wollen, dass die Regeln in der Gruppe fast immer eingehalten werden, müssen zunächst mal wir Erwachsenen dafür sorgen, dass die Kinder die Regeln kennenlernen, dass sie sie verstehen und ihren Sinn erfassen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass die Kinder unsere Regeln als notwendig begreifen und akzeptieren können. Sie erkennen mit der Zeit, wie angenehm es ist, wenn alle die Regeln einhalten. (Es gab aber auch schon mal eine Regel, die die Kinder so permanent und eifrig übertreten haben, dass wir gemerkt haben, dass sie unsinnig war. Das war die Regel: Bilderbücher, Puppen und Kuscheltiere dürfen nicht mit raus genommen werden – wir befürchteten zu große Verschmutzung und übersahen, wie schön es ist, draußen mit Puppen zu spielen und zu „lesen“.)

Die neuen Kinder kriegen sehr schnell mit, dass es bestimmte Regeln im Kindergarten gibt, und zwar

– durch Beobachtungslernen. Sie beobachten, wie andere Kinder in Konflikt mit einer Regel kommen und wie darauf reagiert wird (von Kindern und Erwachsenen). Wenn es sich um ältere Kinder handelt, wird die Regel allerdings meist nicht erklärt oder begründet, sondern als bekannt vorausgesetzt!

– durch Erfahrungslernen. Das Kind selbst gerät in Konflikt mit einer Regel, oft ohne sich dessen bewusst zu sein, und erfährt die Reaktionen der Kinder und Erwachsenen.

Für die neuen Kinder ist es natürlich wichtig, dass solche „Vorfälle“ nicht zu großer Empörung unsererseits und von seiten der Kinder führen, sondern zum behutsamen und geduldigen Erklären. Wichtig ist auch Wege zu zeigen, wie man es besser machen könnte.

– durch Lernen durch Einsicht (zum Beispiel wenn wir gelegentlich eine Regel im Morgenkreis besprechen). Dies ist allerdings vor allem für die 5-bis 6-Jährigen nützlich, vor allem wenn sie eine Regel selbst erklären.

Wir beobachten immer wieder, dass manche Kinder (Mädchen überwiegend) sich die Regeln hauptsächlich durch Beobachtungslernen aneignen, manche (Jungen überwiegend) durch Erfahrungslernen.

Dass Kinder die Regeln genau kennen, bedeutet natürlich noch nicht, dass sie auch schon in der Lage sind, sich immer danach zu verhalten.

Dies ist eine Anforderung, die außer Wissen und Einsicht vor allem eine zuverlässige Selbststeuerung verlangt. Die Kinder müssen ja erst allmählich lernen, bestimmte Hemmungen aufzubauen und ihre Affekte zu kontrollieren.

Für uns ist es wichtig, dass die Kinder ihre Gefühle nicht einfach unterdrücken und verlernen. Wir wollen ihnen helfen, ihre Gefühle wirksam, aber sozialverträglich, konstruktiv und immer bewusster auszudrücken. (Wir wollen keine „braven“ Kinder!)

Die Kinder kommen mit sehr unterschiedlich starken Affekten und auch einer sehr unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeit zur Selbststeuerung in den Kindergarten. Manche haben auch schon verlernt, ihre Gefühle offen auszudrücken.

Es fällt nicht allen Kinder gleich leicht, eine angemessene Selbststeuerung aufzubauen. Es gibt auch in diesem Bereich besondere Talente und auch Kinder, die sich besonders schwer tun. Dies müssen wir berücksichtigen. Ein und dasselbe sichtbare Verhalten kann bei dem einen Kind einen großen, mit Mühe erreichten Lernfortschritt anzeigen und bei einem anderen Kind einen Rückfall in frühere Unbeherrschtheit oder sogar den Beginn einer „asozialen“ Strategie.

Wir Erwachsenen sind es, die dafür die Verantwortung tragen, dass die Regeln nicht nur auf dem Papier stehen, sondern wirklich das Zusammenleben der Gruppe regeln.

Das können wir nur erreichen, wenn wir uns die Mühe (!!!) machen, wirklich immer zu reagieren, wenn wir einen „Regelverstoß“ bemerken.

 

Wie werden die Regeln durchgesetzt?

Selbstverständlich gelten die Regeln auch für die Erwachsenen im Kindergarten. Von ihnen kann natürlich (im Unterschied zu den Kindern) erwartet werden, dass sie diese Regeln ganz zuverlässig einhalten. Beispiel: Der Zivi wollte zu viel Eis.

Hier liefern die Erzieherinnen Verhaltensvorbilder. Auch Eltern, die Elterndienst im Kindergarten machen, müssen in dieser Hinsicht ganz zuverlässig sein.

Das Eingreifen muss differenziert geschehen. Es ist manchmal durchaus möglich und sinnvoll, stillschweigend oder auch ausdrücklich und erklärtermaßen auf die Einhaltung einer Regel zu verzichten, wenn das Bestehen auf Einhaltung der Regel eine Überforderung für das Kind bzw. die Kinder bedeuten würde.

Da wir Erzieherinnen oft sehr schnell und vielfältig handeln müssen – oft ohne die Entwicklung der Situation beobachtet zu haben – sind Irrtümer, die zu Ungerechtigkeit oder Überforderung führen, natürlich möglich. Dass dies selten geschieht, dabei helfen uns unsere Ausbildung und Erfahrung. Seltene „schwache“ Reaktionen der Erzieherinnen sowie nicht allzu häufige „Ausrutscher“ der einzelnen Kinder toleriert die Gruppe. Die Kinder können sehr bald das Grundverhalten und Einzelvorkommnisse auseinanderhalten.

 

Formen des Eingreifens können sein:

  • Sich hinbewegen, Interesse zeigen,
  • die eigene Einstellung und Gefühle zeigen,
  • erklären, mit Worten eine Situation klarer machen,
  • einen Perspektivenwechsel nahelegen,
  • eine klare Forderung stellen,
  • auf Durchführung bestehen (notfalls das Kind festhalten),
  • sich nur in Diskussionen begeben, wenn es sinnvoll erscheint,
  • natürliche oder logische Folgen eintreten lassen.

Wenn die Regeln sinnvoll sind und das tägliche erzieherische Verhalten der Erwachsenen stimmt, tragen die Kinder selbst dazu bei, dass Alle die Regeln auch einhalten.

Je länger die Kinder im Kindergarten sind und je älter sie werden, desto klarer nehmen sie das Vorhandensein von Regeln positiv und interessiert auf.

Wo man sich sicher fühlt, kann man auch mal einschlafen. Zum Vergrößern anklicken.

Denn das „Regelwerk“ gibt ihnen

  • Sicherheit im Verhalten,
  • Befriedigung, es zu schaffen, sich danach zu verhalten,
  • Hilfe, sich zurechtzufinden,
  • das Gefühl, Gleiche/r unter Gleichen zu sein,
  • die Sicherheit, nicht Willkür und Ungerechtigkeiten ausgesetzt zu sein,
  • viel Erfahrung mit Entscheidungsfreiräumen.

 

 

Insofern – und weil Kinder einen direkten und starken Gerechtigkeitssinn haben – sind die Größeren sehr darauf aus, Regelverstöße nicht durchgehen zu lassen.

Oft können sie aber noch nicht angemessen und differenziert reagieren. (Um das zu lernen, brauchen sie wieder das deutliche Vorbild der Erwachsenen.) Oft müssen wir abschwächend eingreifen, wenn es sich um ein kleines und/oder neues Kind handelt. Manchmal ist es aber auch angebracht, die Kinder zu einer offenen und eindeutigen Reaktion zu ermutigen, wenn es sich um ein starkes Kind handelt, gegen dessen Regelverstöße sich die anderen nicht genügend wehren. Beispiel: Und da waren die Geschenke hin.

4.3.6   Umgang mit der Natur, mit Tieren und Pflanzen

In Zeiten großangelegter Umweltzerstörung ist es besonders wichtig, dass die Kinder eine tiefverwurzelte Achtung vor der Natur und allem Lebendigen entwickeln können.

Wir möchten, dass die Kinder erkennen können, wie der Mensch in natürliche Kreisläufe eingebunden und von ihnen existenziell abhängig ist. Das reicht aber nicht. Damit Gefühle wie Achtung entstehen können, muss Natur als Erlebnis- und Erkundungsraum erfahrbar sein. Natur ist für kleine Kinder ein gewaltiges und aufregendes Geschehen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich der Natur rechtzeitig und ausgiebig mit allen Sinnen (sinnlich) zu nähern.

Den großen Kreislauf von Erde, Wasser, Licht, Pflanzen, Tieren, Menschen sowie den Wechsel der Jahreszeiten sollten sie in diesen frühen Jahren ganz urwüchsig und grundlegend erfahren können. Das ist in städtischer Umgebung nicht so einfach und muss organisiert werden.

Wir legen daher größten Wert auf unser naturnahes Außengelände, bei dem die Kinder ohne Rücksicht auf ihre Sauberkeit agieren können.

Das bedeutet: kein Zierrasen, keine Ziersträucher, keine planierten Flächen, keine saubergeputzten Wege. Die Nutzung des Außengeländes unterliegt Regeln, zum Beispiel gibt es einerseits Kletterbäume und –sträucher und andererseits Beerensträucher und Obstbäume, die zur eigenen Nutzung und für die Tiere geschont werden.

Ebenso ist es im Wald. Auch dort wollen wir uns wild, aber in bestimmter Hinsicht auch rücksichtsvoll (Tierwohnungen, junge Bäume, Pilze…) benehmen.

Viele Kinder können kaum erfahren, dass fruchtbare Erde die Bedingung und der Ursprung aller Nahrungsmittel ist. Wir sehen es als wichtige Aufgabe, ihnen diesen Zusammenhang begreifbar zu machen.

Gartenbeet. Zum Vergrößern anklicken.

In erster Linie nutzen wir dafür unsere Beete, auf denen die Kinder säen und pflanzen und Kompost einarbeiten können. Sie erfahren, dass die Pflege der Pflanzen Verantwortung und Arbeit bedeutet.

Außerdem besuchen wir einen gut erreichbaren Bauernhof und sehen uns das Wachsen, Reifen und Ernten auf den Feldern an.

 

Die beliebtesten Tiere im Kindergarten sind Else, unsere Schildkröte, die von den Kindern gefüttert wird, sowie Regenwürmer, Marienkäfer und anderes Kleingetier, das die Kinder finden und beobachten.


4.4  Gesundheit und Ernährung

4.4.1  Nahrungsmittel

Ist das nicht praktisch? Die Kinder brauchen nichts in den Kindergarten mitzubringen. Und sie sollen es auch nicht.
Spielsachen haben wir mehr als genug. Die Gummistiefel, die Turnschuhe und das Zahnputzzeug hat jedes Kind im Kindergarten stets parat. Taschentücher liegen im Flur bereit. Ersatzwäsche und -kleidung besitzt der Kindergarten durch Elternspenden in allen Größen.
Das Mittagessen für alle und das Frühstück für die Kinder, die im Kindergarten frühstücken, kauft der Kindergarten ein. Trinkwasser können sich die Kinder den ganzen Tag über selbst nehmen. Und Süßigkeiten sind verboten.

Die Zahnärztin freut sich jedes Jahr. Zum Vergrößern anklicken.

Zum Frühstück gibt es Vollkornbrot, Milch, Butter und Müsli vom Bioladen, außerdem Käse, Möhren, Gurken, Äpfel, Bananen oder ähnliches und zweimal in der Woche Marmelade und Honig.
Zum Mittagessen gibt es Tiefkühlkost oder Selbstgekochtes: viel Gemüse, Kartoffeln, Salate, Quarkspeisen, Rohkost-Gemüse.

Jede Familie bringt etwa alle 6 bis 8 Wochen etwas Leckeres aus der Familienküche mit: einen familientypischen Salat oder die Lieblingsnachspeise.

Zuhause ernähren sich die Familien recht unterschiedlich, aber im Kindergarten gilt:
Wurst gibt es bei uns nicht; Geflügel oder Fisch gibt es ein-bis zweimal in der Woche zum Mittagessen.

Abgesehen von Marmelade, Honig und zu den Festen Kuchen, gibt es im Kindergarten keine Süßigkeiten und keinen isolierten Zucker. Das halten wir nicht nur mit Rücksicht auf die Zähne so, sondern auch damit der Blutzuckerspiegel der Kinder normal und stabil bleibt.

Drastische Schwankungen des Blutzuckerspiegels durch viel Zucker beeinträchtigen das Wohlbefinden der Kinder, ihre Bewegungslust, ihre Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit und die Sicherheit, mit der sie sich bewegen. Das muss ja nicht sein! Unsere Erfahrung ist, dass die Kinder wunderbar ohne Süßigkeiten über den Kindergarten-Tag kommen. Auch so mancher unsinnige Streit über Mitgebrachtes fällt so einfach aus.

 

4.4.2   Essen und Trinken

Wie gehen wir Erwachsenen mit diesen Grundbedürfnissen der Kinder um?

Situation: Mittagessen

Wenn alle Kinder am Tisch sitzen, gehen wir mit den Schüsseln herum und fragen jedes Kind, wieviel es haben möchte. Was das Kind sagt, wird akzeptiert.
Ausnahmen:
– Wenn ein Kind ganz viel auf einmal haben will, geben wir weniger und fordern es auf, nachzunehmen, wenn es noch mehr essen will.
– Wenn etwas Bestimmtes knapp ist, gibt es eine für alle gleiche, von uns geschätzte Höchstmenge pro Kind.

Jedes Kind kann nachnehmen, solange der Vorrat reicht.
Kein Kind muss etwas essen, das es nicht essen will.
Kein Kind muss aufessen, was es auf dem Teller hat.
Wir drängen die Kinder auch nicht und versuchen auch nicht, sie zu überreden.

Was auf dem Teller bleibt, kratzt das Kind auf den Reste-Teller.
Je nach Situation wird das Kind auch ermutigt, nicht aufzuessen, oder wir geben unser Missfallen zum Ausdruck, dass es sich zu viel genommen hat.
Erfolg: Wir haben ganz wenig Reste. Die Kinder lernen schnell, ihr Ess-Bedürfnis im voraus einzuschätzen, wenn sie es täglich üben.

Es kommt vor, dass ein Kind zum Beispiel nur Kartoffelbrei isst, weil es das übrige Essen nicht mag oder nicht kennt. Wir finden das im Einzelfall nicht schlimm und lassen das Kind in Ruhe.

Wir bieten den Kindern ständig an, von einem bestimmten Essen eine sogenannte Probier-Portion zu nehmen. Das ist ein wirklich ganz kleiner Klecks. Diese Möglichkeit der Probier-Portion wird manchmal genutzt (längst nicht immer!). Das Kind entscheidet dann, ob es mehr davon essen will.
Erfolg: Im Laufe der Zeit erweitern die Kinder ihren Geschmack. Wir lassen ihnen die Zeit dafür.

Sie mag die Suppe nicht und isst gleich ein Butterbrot. Zum Vergrößern anklicken.

Wenn ein Kind das angebotene Essen überhaupt nicht mag, kann es Butterbrot essen. Das wird gern angenommen. Wir hatten schon Tage, an denen sechs oder sieben Kinder sich verabredet hatten, dass sie lieber Brot essen wollten. Die meist berufstätigen Eltern freuen sich dann, wenn wir ihnen das dadurch übrig gebliebene Essen zum Mitnehmen anbieten.

Erfolg: Die Frage, was und wie viel gegessen wird, ist kein Kampffeld zwischen Kindern und Erwachsenen, die ganze Situation ist entspannt. Die Kinder werden zur Wahrnehmung ihrer Bedürfnisse und zur Selbstregulation ermutigt. Wir vertrauen darauf und machen immer wieder die Erfahrung, dass die Kinder, wenn sie in dieser Frage nicht unter Druck stehen und ein vernünftiges Angebot vorfinden, sich ausreichend und vernünftig ernähren.

Situation: Hunger zwischendurch

Zwischen Frühstück und Mittagessen sowie nach dem Mittagessen bis zur Abholzeit gibt es auf Nachfrage trocken Brot – außer unmittelbar vor und nach den Mahlzeiten.

Wir halten das für eine sehr gesunde und einfache Regelung, mit der nach unserer Beobachtung alle gut zurechtkommen.

Situation: Trinken

Zum Frühstück gibt es Milch, ab und zu zusätzlich Kräutertee oder Malzkaffee. Zum Mittagessen gibt es nichts zu trinken. Vor dem Essen werden alle Kinder daran erinnert, zur Toilette zu gehen und zu trinken. Das wird sehr zahlreich wahrgenommen. (Den Kindern ist diese Erinnerung wichtig. Wenn wir es mal vergessen, sind sie sauer.)

Den ganzen Tag über steht im Gruppenraum Mineralwasser bereit, die Kinder trinken nach Bedarf. Jedes Kind hat sein persönliches Glas, das sich von den anderen Gläsern unterscheidet und das den Tag über auf dem Tablett stehen bleibt.
Auch hier werden sie angehalten, sich nur so viel einzugießen, wie sie auch trinken wollen.

4.4.3   Bekleidung

Im Laufe des langen Tages müssen viele Kinder – wie auch wir sensible Erwachsene – oft mehrfach die Bekleidung unseren (Wärme-) Bedürfnissen neu anpassen.

Die Fähigkeit, hier selber zu entscheiden, ist stressmindernd für alle Beteiligten.

Die drei- bis sechsjährigen Kinder haben nach unserer Erfahrung alle psychischen Voraussetzungen, um diese Selbstständigkeit zu lernen.

Richtschnur ist: nur so viel Kleidung wie nötig, um sich warm und behaglich zu fühlen. Total überwärmt eingepackte Kinder findet man bei uns nicht.

Unser Anspruch, die Kinder vor Erkrankungen zu schützen, die durch Unterkühlung oder Überhitzung entstehen können, bedeutet, dass wir diese Lernprozesse sehr aufmerksam begleiten müssen.

Also legen wir einen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Wahrnehmungs-Fähigkeit der Kinder. Sie sollen lernen, ihre eigenen Empfindungen ernst zu nehmen und darauf zu vertrauen. (Wie sollen sie das können, wenn wir ihnen einreden, wann sie zu frieren haben?!)

Unsere Aufgabe ist, sie immer wieder auf das Problem Wärme-Kälte aufmerksam zu machen und ihre Empfindung abzufragen.

Außerdem sind praktische Hilfestellung und konkrete Anregungen, was sie aus- oder anziehen könnten, bei den Jüngsten noch ganz wichtig.

Erfolg: Wenn die Kinder spüren, dass ihre Empfindungen ernst genommen werden, geben sie auch ohne Probleme zu, wenn sie frieren oder ihnen heiß ist. Die Bereitschaft, das Spiel kurz zu unterbrechen und „Maßnahmen zu ergreifen“, ist bei unseren Kindern sehr hoch.

Bewährte Anregungen:

  • „Komm wir gucken mal, dass wir einen Pullover für Dich finden.“
  • „Renn dreimal ums Haus, dann gucken wir, ob die Hände immer noch kalt sind.“
  • „Ihr könnt ja jetzt mal ohne Jacke raus gehen, bis wir ‚Jackenzeit‘ rufen.“
  • „Lass mal Deine (nackten) Füße fühlen, ob die kalt sind.“
  • „Ich glaube, Du brauchst heute keine Handschuhe. Wenn die Hände kalt werden, kannst Du sie ja holen.“
  • „Brauchst Du eine lange Hose?- Nein? Wenn Dir kalt wird, sag mir Bescheid. Dann gebe ich Dir eine. – Brauchst Du immer noch keine lange Hose? Erstaunlich, ganz warme Beine, und ich frier mich heute tot. Das kommt bestimmt, weil Du Dich so viel bewegst.“
  • „Die Strümpfe sind zu nass. Komm, die hängen wir über die Heizung, dann kannst Du die nachher wieder anziehen. Jetzt gebe ich Dir trockene.“
  • „Nein, heute können wir nicht barfuß laufen. Guck mal, sogar ich habe heute Wollsocken (in den Sandalen) an.“ (Ein absolut schlagendes Argument.)
  • „Was hast Du denn noch drunter? Ja, da kannst Du die Oberhose doch ausziehen. Willst Du nicht? Na, dann nicht.“
  • usw., usw. Jeden Tag aufs Neue.

Ein weiterer Schwerpunkt ist, dass die Kinder Zusammenhänge erfahren und bewusst erkennen lernen zwischen:

  • Kleidung und Wärme,
  • Bewegung und Wärme,
  • Stimmung und Wärme,
  • Anpassung und Wärme,
  • Nässe und Kälte,
  • Kälte/Nässe/Hitze/Sonne und Erkrankungsgefahr,
  • Stimmung und Erkrankungsgefahr.

Wichtig ist, dass auch wir Erwachsene uns immer wieder neu diese Zusammenhänge bewusst machen und unsinnige, anerzogene Ängste überwinden. Die eigene frühere Erziehung spielt uns da oft einen Streich. Beispiel: Draußen ist uns unbehaglich kalt (bin doch sowieso schon erkältet!). Was tun?

Reingehen? Wärmer anziehen? Mehr bewegen? Andere Stimmung erzeugen?  Da zeigt sich dann die Vorbild-Wirkung der Erwachsenen.

Bei Hitze gibt es fast nichts Besseres als ein Schlammbad. Zum Vergrößern anklicken.

Wir finden es schade, dass es Bereiche gibt, in denen es nicht mehr möglich ist, den Empfindungen zu trauen. So müssen wir die Kinder in den Schatten schicken, weil die Sonneneinstrahlung wegen der abnehmenden Ozonschicht so viel stärker geworden ist. Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass die eingecremten und behüteten Kinder dann doch von selbst irgendwann in den Schatten oder ins Haus gehen. Sie merken oft selber, wenn sie genug Sonne und Wärme gehabt haben.

 

5. Methoden und Strukturen

 

5.1  Arbeitsweisen

Freispiel

Es kann Rollenspiel sein, spontane Funktionsübung, Regelspiel, Malen, Basteln, usw.

Der besondere Wert des Freispiels liegt darin, dass die Mitspieler, das Thema, der Raum, die Zeit, das Material, der Verlauf und auch das Ende des Spiels von den Kindern selbstständig gewählt und untereinander ausgehandelt werden. Dabei entwickeln sich die sozialen Kompetenzen.

Die Aufgabe der Erzieherin ist: Unterstützen, beobachten, evtl. notwendige Grenzen setzen,
Anregungen aufgreifen.


Ein abgeerntetes Maisfeld ist ein toller Spielplatz. Zum Vergrößern anklicken.

Gemeinsame Aktivitäten

Die Kinder erleben die Gesamtgruppe bei Festen, Gruppenausflügen und vor allem beim Mittagessen und beim täglichen Morgenkreis.

Der besondere Wert: Gemeinschaftserleben, Gemeinschaftsgefühl, sich in eine Gruppe einfügen, Sicherheit durch Immer-wieder-kehrendes, emotionale Höhepunkte.

Aufgabe der Erzieherin: Organisieren, Regeln finden und durchsetzen, Ideen der Kinder berücksichtigen.

 

 

 

Offenes Angebot an alle (die Höchstzahl bestimmt sich durch die Art der Tätigkeit) – teils im Rahmen eines Projektes, teils aus einem bestimmten Anlass.

Der besondere Wert: Die Kinder erhalten neue Anregungen für ihr Spiel, erweitern ihren Horizont.

Aufgabe der Erzieherin: sich mit einer Grundidee zusammen mit den Kindern offen auf eine Tätigkeit einlassen. Im Verlauf des Angebots, das sich auch über mehrere Tage erstrecken kann, werden gruppendynamische Prozesse und der Erkenntnisprozess der Kinder
beobachtet und bei der weiteren Durchführung und Planung berücksichtigt.

Gezieltes Angebot an eine Kleingruppe

Anders als beim offenen Angebot wird hier versucht, ganz bestimmte Kinder zum Mitmachen zu motivieren, zum Beispiel um gerade diesen Kindern (generell oder in einem bestimmten Bereich) Erfolgserlebnisse zu schaffen. Es gibt altersspezifische, aber auch altersübergreifende Kleingruppenangebote.

Manche Angebote richten sich auch gezielt an die Kinder, die die in den angesprochenen Entwicklungsbereich besonders weit entwickelt sind und besondere Fähigkeiten und Interessen zeigen (Begabungsförderung).

Arbeiten

Die Kinder werden in Tätigkeiten einbezogen oder es werden ihnen Tätigkeiten übertragen, die in der Tagesstätte anfallen.

Der besondere Wert:
– Hebung des Selbstwertgefühls,
– soziale Verantwortung in einem überschaubaren Bereich,
– Überwindung momentaner Unlust.

Aufgaben der Erzieherin sind: auf gerechte Einbeziehung aller Kinder achten, Hilfen
geben, bestätigen.

Projekte

Fast ständig läuft ein größeres Projekt, das die Kinder manchmal über etliche Wochen beschäftigt, obwohl die Kinder sich damit nicht nur einmal in der Woche, sondern viel häufiger, manchmal mehrere Tage hintereinander befassen.

Im Projekt kommen alle anderen Arbeitsformen vor: Diskussionen, Kleingruppenarbeit, Widerspiegelungen im Freispiel – und oft endet ein Projekt in einem Fest.

Siehe auch:
Förderung in Projekten (Kap. 4.1).

 

5.2  Strukturen

Aufgaben

Laut dem Kindertagesstättengesetz in NRW haben Kindergärten die Aufgabe, die Kinder zu betreuen, zu erziehen und zu bilden.

Unserer Ansicht nach werden wesentliche Teile dieses dreifachen Auftrags durch die Gruppe (durch die Wirkung einzelner Kinder wie auch der Gruppenstrukturen) geleistet. Der Kindergarten soll ein Ort für die Kinder sein, an dem sie Kinder sein dürfen und ihre kindlichen Lebensbedürfnisse ausleben können. Wenn wir das schaffen, ist die wichtigste Grundlage für eine gute Entwicklung der Kinder gegeben.

Wir sehen einen engen Zusammenhang zwischen einem glücklichen, vielfältigen, aktiven Kinderleben in einer Freundschaftsgruppe und einer bestmöglichen Förderung.

Alle drei Bereiche (Betreuung, Erziehung, Bildung) werden verantwortlich durch das pädagogische Personal erfüllt.

Zeitliche Strukturen, der Tagesablauf

Wir brauchen, um uns geborgen zu fühlen, vertraute Abläufe und angenehme Erlebnisse, die wir schon kennen und die mit einiger Verlässlichkeit immer wiederkehren. Deshalb halten wir es auch für wichtig, dass sich im Kindergarten Traditionen herausbilden und dass der Tagesablauf eine grobe zeitliche Struktur hat, in der sich die Kinder zurechtfinden können.

Gleichzeitig ist es wichtig, nicht zu viele Zeiträume zu verplanen, sondern Zeit zu lassen für spontanes Spiel, spontane Ideen (sowohl der Kinder als auch der Erwachsenen), spontane Aktionen, die Zeit brauchen, um zu entstehen und sich zu entwickeln.

Der tägliche Morgenkreis

Ein wichtiger Orientierungspunkt im Tagesablauf ist der Morgenkreis. Alle Kinder und die Erzieherinnen versammeln sich und machen etwa eine halbe Stunde lang konzentriert etwas Gemeinsames:

  • Überblick über die Gruppe – wer ist warum nicht da?
  • Besprechen, was alle oder Kleingruppen machen wollen.
  • Evtl. Orientierung auf den nächsten Tag oder auf bevorstehende „Großereignisse“.
  • Gemeinschaftsspiele, Rollenspiele.
  • Singspiele, Singen, neue Lieder lernen.
  • Besprechen von wichtigen Dingen (Neuigkeiten, Konflikte, Erfreuliches).
  • Gespräche zu einem Thema – die Kinder erzählen dann, was ihnen dazu einfällt.
  • Ratespiele
  • Vorstellen neuer Bücher und Spielsachen
  • Geschichten erzählen

Teppichversammlungen

Sie sind immer dann angesagt, wenn etwas Besonderes passiert, wenn etwas anders ist als sonst, oder wenn besonders scharfe Konflikte auftreten. Dann werden alle Kinder zusammen gerufen, egal was sie grade tun.
Da die Kinder wissen, dass es um etwas Besonderes gehen muss, strömen sie recht schnell auf dem großen Teppich im Gruppenraum zusammen.

Teppichversammlung. Zum Vergrößern anklicken.

Häufig machen wir auch vor dem Mittagessen eine Teppichversammlung, in der die Kinder über schlechte und gute Erfahrungen des Vormittags sprechen können.

Freies Tun

Wir zwingen oder drängen die Kinder nicht, an bestimmten Angeboten oder Spielen teilzunehmen, „um ihre Entwicklung zu fördern“. Alles, was Kinder genötigterweise tun, bleibt ziemlich unfruchtbar für ihre Entwicklung.

Was die Teilnahme an Projekten, Angeboten und Gemeinschaftsaktionen angeht, motivieren und ermuntern wir die Kinder, laden sie ein mitzumachen. Aber wir können auch aufgrund unserer Erfahrung gelassen abwarten, bis das Kind sich dann selber zum Mitmachen entschließt.

Regeln einhalten

Wir verlangen von den Kindern, dass sie sich bemühen, die Regeln des Kindergartens einzuhalten. Um die Regeln immer wieder neu durchzusetzen, müssen wir sie immer wieder erklären; notfalls wenden wir auch die Form des Gruppendrucks an. (Siehe: Und da waren die Geschenke hin.)

Individualität und ihre Grenzen in der Gruppe

Die Kinder kommen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen in die Gruppe. Wir bemühen uns, dem gerecht zu werden, und stützen Kinder, denen eine Außenseiter-Rolle droht.

Wir versuchen auch, die individuellen Eigenheiten der Kinder zu achten – im begründeten Einzelfall werden auch „Extrawürste gebraten“.

Die Wahrnehmungsmöglichkeiten und Eingreifmöglichkeiten der Erzieherinnen sind nicht unbegrenzt. Ebenso ist es nicht in dem Maße wie zuhause möglich, jederzeit auf die Befindlichkeiten einzelner Kinder einzugehen. In dieser unabänderlichen Tatsache liegt ein wichtiger positiver Erziehungsfaktor:

Die Kinder lernen, mit Schwierigkeiten und negativen Stimmungen selbstständig fertig zu werden und sich gegenseitig zu helfen, wozu sie immer wieder angeregt werden. Vieles löst sich dadurch, dass die Kinder untereinander oft sehr empathisch sind, dass sie spüren, wenn ein anderes Kind ein Problem hat, und dass sie dann versuchen zu helfen.

Der Kindergarten hat offene Grenzen

Um unser Gelände herum gibt es einen Zaun. Die Kinder dürfen das Gelände nicht allein verlassen. Das ist wichtig für ihre Sicherheit.

Gleichzeitig wollen wir ihnen so viel Freiheit geben wie möglich.
Freiheitsgrade:

Die Kinder dürfen sich im Haus und im Gelände (nach einer Eingewöhnungszeit) jederzeit frei bewegen, solange das nicht ausdrücklich und begründet eingeschränkt ist. Sie sollen allerdings Bescheid sagen, bevor sie aus dem Haus gehen.

In jedem Herbst locken die Früchte des Walnussbaums, der etwas abgelegen auf dem Nachbargrundstück der Realschule steht. Die Schüler beachten die Nüsse nicht, umso eifriger sammeln unsere Kinder. Dazu dürfen sie auch den Kindergarten verlassen.

Wir gehen auf Erkundungsgänge, zum Einkaufen, zur Bücherei…Hierbei üben die Kinder alles, was sie im Rahmen der Verkehrserziehung vor der Schule lernen müssen, vor allem das aufmerksame Verhalten zusammen mit mehreren Kindern (Ablenkung).

Eine Erzieherin darf höchstens vier Kinder mitnehmen. Ausnahme: die „Sternengruppe“ der Vorschulkinder.

Sonnen, Monde, Sterne

Die Gruppe ist groß (20 Ganztagskinder) und braucht eine Struktur. Viele Dinge kann man in dieser großen Gruppe nicht mit allen gleichzeitig tun. Entwicklungsmäßig liegt eine riesige Spanne zwischen den gerade Dreijährigen und den schon Sechsjährigen.

Wir finden es gut, dass wir die meisten Kinder schon mit drei Jahren aufnehmen können. So erleben sie etwa drei Jahre im Kindergarten.

Später aufgenommene Kinder werden altersentsprechend eingeordnet. Jedes Jahr hat wiederkehrende Abläufe, die die Kinder im ersten, zweiten und dritten Jahr ganz unterschiedlich erleben.

Die Einteilung hilft ihnen, ihren eigenen altersmäßigen Platz in der Gruppe zu finden und auch zu wissen, wer zu den Kleinen, den Mittleren und Großen gehört. Es hilft ihnen, ihre Ansprüche aneinander zu differenzieren.

Den Blickwinkel der Kinder einnehmen

Wir nehmen die Mal- und Bastelprodukte der Kinder ernst und messen sie nicht vorrangig an ästhetischen Vorstellungen Erwachsener. Für uns ist ausschlaggebend, dass die Kinder das, was sie tun, konzentriert und mit Freude tun. Wir wollen sie nicht mit unangemessenen Erwartungen entmutigen, sondern sie ermutigen, sich so auszudrücken, wie sie es eben können.

Denn nur dadurch, dass sie viel und oft malen und basteln, entwickeln sich ihre Fähigkeiten. Unsere Vorgaben und Anregungen sollen an dem Fähigkeitsprofil der Kinder anknüpfen. Wir wollen keinen von Erzieherinnen sorgfältig bebastelten und dekorierten Kindergarten.

Wir lassen auch die Dreijährigen an die Fenster malen und finden ihr Werk großartig, weil es für Dreijährige großartig ist, ein großes Fenster zu bemalen, und weil sich ihre unmittelbare Freude am Gestalten ausdrückt.

Das tägliche Rausgehen

Abgesehen von starkem Dauerregen und Sturm kennen wir kein Wetter, das uns am Rausgehen auf unser schönes Freigelände hindern könnte. Wichtig sind hier die Einstellung und das Vorbild der Erzieherinnen und der Erwachsenen überhaupt. Unseren selbstverständlichen Umgang mit Kälte, Hitze, Wind, Nässe und Matsch halten wir für wichtig, um die Kinder naturnah zu erziehen, gesund zu erhalten und um ihrem Bewegungs- und Lärmdrang gerecht zu werden.

Über Nacht haben wir eine Eisbahn entstehen lassen. Zum Vergrößern anklicken.

Kinder wie Erwachsene sollen lernen, ihre Kleidung dem Wetter anzupassen (Wohlfühl-Kleidung).

Auch draußen malen, basteln, essen gehören dazu. Erfahrung: im Prinzip kann man fast alles, was man drinnen machen kann, auch unter freiem Himmel tun.

Unser Freigelände hat „wilde“ Bereiche: unebenen Wiesenboden, dichtes Gebüsch, Brennesseln und andere Wildpflanzen…

Der monatliche Waldausflug

ist die Steigerung des täglichen Rausgehens und bietet viele zusätzliche Spiel-, Bewegungs- und Erlebnismöglichkeiten. Die Kinder erfahren den Wald gründlich und lernen ihn aufgrund vieler spannender Erlebnisse hoffentlich auch gründlich lieben – als Grundlage für späteres Lernen zum Thema Naturschutz.

Artikel „Einmal im Monat ab in den Wald„, erschienen 1997 in der Kita aktuell.

Bewegungsfreiheit und Bewegungsreichtum

Wir wollen kein „Sitzkindergarten“ sein. Kinder sitzen viel zu viel, was für ihre körperliche Entwicklung und für ihre psychische Ausgeglichenheit schädlich ist. Die Kinder können sich in unseren Räumen frei bewegen, was nicht heißt: rücksichtslos.

Unsere Höhle. Sie hat an einer Seite eine Treppe, an der anderen eine Rutsche – und sie ist innen komplett hohl. Zum Vergrößern anklicken.

Sie dürfen neben unserer „Höhle“ auch unsere robusten Tische, Stühle und Bänke und die zahlreichen Polster und Matten als Spiel- und Turngeräte benutzen.
Des Öfteren bauen die Kinder die Inneneinrichtung nach ihren aktuellen Spiel- und Bewegungsbedürfnissen weitgehend um.

 

 

Theaterspielen und Tanzen

machen wir immer wieder, angefangen beim einfachen, spontanen Rollenspiel bis hin zu konzentrierten Proben und Aufführungen. Wichtig ist, dass wir auch pro Jahr zwei Theateraufführungen und Puppentheateraufführungen besuchen.

6.  Feste und andere Höhepunkte im Jahreslauf

Das Kindergartenjahr braucht auch deutliche Höhepunkte, die sich aus dem Alltag herausheben. Jedes Fest hat seinen besonderen Charakter, allen gemeinsam ist, dass sie die Beziehungen innerhalb der Gruppe sowie die Beziehungen der Eltern, Geschwister, Freunde und Großeltern zum Kindergarten festigen. Gemeinsam Spaß haben und sich etwas Besonderes gönnen ist die Grundlage des Feierns. Deshalb sehen wir auch keinen Sinn darin, die Vorbereitungen in negativen Stress für alle Beteiligten ausarten zu lassen.

Karneval

Das erste Fest im Jahr ist die Karnevalsfeier (ohne Eltern). Schon in den Wochen vorher erarbeiten wir ein Motto, der Gruppenraum wird nach und nach von und mit den Kindern entsprechend umgestaltet. Am Tag der Feier kommen die Kinder in ihrem Karnevalskostüm – und wenn sie wollen geschminkt – in den Kindergarten. Im Mittelpunkt stehen Musik und Tanz, Fantasie und Ausgelassenheit. Karneval ist das Fest, bei dem es laut zugeht und mehr erlaubt ist als sonst.

Statt Frühstück und Mittagessen gibt es an diesem Tage ein kaltes Büffet, das liebenswürdigerweise die Eltern beisteuern. Es beinhaltet Herzhaftes und Süßes und steht den Kindern während des ganzen Tages zur Verfügung.

 

Frühlingsfrühstück und Ostereiersuche im Wald

Am Donnerstag vor Ostern gibt es ein gemeinsames Frühstück mit den Eltern. Jeder bringt was mit, die Kinder überraschen die Eltern mit etwas Selbstgemachtem (bemalte Eier oder Eierbecher…).

Direkt nach Ostern fahren Erzieherinnen und Kinder in den Wald und suchen Ostereier. Hier hat es sich bewährt, dass die Kleinen einen deutlichen Vorsprung bekommen, die Älteren müssen eine Weile warten, damit sie nicht in Windeseile alles „abgrasen“ und die Kleinen das Nachsehen haben. Dann wird alles (!) in einen großen Korb gesammelt und anschließend von einem der älteren Kinder ganz genau und gerecht verteilt. Die Großen wissen, was es gibt: für jedes Kind ein gekochtes Ei, ein Schokoladenei und eine kleine Schokofigur.

 

Übernachtung im Kindergarten

Ende Mai oder Anfang Juni übernachten alle Kinder zusammen einmal im Kindergarten (ohne Eltern). An diesem Tag werden die Kinder nach dem Mittagessen abgeholt und kommen abends gegen 18 Uhr mit Schlafzeug und Sack und Pack wieder in den Kindergarten.

Luftmatratzen werden aufgeblasen, die große Frage: wer schläft wo neben wem ist zu klären… Endlich mal gemeinsames Abendessen, spielen und draußen rumgeistern bis zum Abwinken. Die Kinder gehen schlafen, wann sie wollen. Manche sind fit bis nach Mitternacht, andere ziehen sich schon gegen neun Uhr auf ihr Nachtlager zurück und schlafen schon tief, wenn die anderen über sie rüber klettern, um an ihren Schlafplatz zu gelangen.

Spätestens um sechs Uhr sind die ersten wieder munter und alsbald hungrig, was den verschlafenen Zivi freut. Toll, alle sind schon da, es kann sofort wieder gespielt werden. Und überhaupt: man hat sich getraut… Aber dann kommt doch bei allen die Müdigkeit „nach der Party“, und der Vormittag zieht sich in die Länge. Jetzt haben alle erstmal genug vom Trubel und wünschen sich nur noch, dass Mama oder Papa bald kommt. Um halb zwölf Uhr wird Mittag gegessen, und um 12 Uhr werden die Kinder abgeholt, die ganz Kleinen natürlich auch früher.

In acht Jahren wollten genau zwei Kinder (in ihrem ersten Kindergartenjahr) nicht übernachten. Und abends oder nachts bei den Eltern anrufen, weil ein Kind weint, mussten wir bisher überhaupt noch nicht.

 

Jugendherbergsfahrt der Schulanfänger

Die Kinder, die im Sommer den Kindergarten verlassen, um in die Schule zu gehen, machen im Mai oder Juni gemeinsam mit „ihren“ Erzieherinnen und „ihrem“ Zivi eine Fahrt in die Jugendherberge (mit Übernachtung von Samstag auf Sonntag). Dabei können die Großen ein aufregendes Erlebnis mit ihren alten Freunden so richtig abfeiern (mal ohne Rücksicht auf die Kleinen nehmen zu müssen). Lagerfeuer und Nachtwanderung gehören dazu, wie auch eine große Schnitzeljagd im Wald.

Sonntag mittags holen die Eltern ihre Kinder an der Jugendherberge ab, und es wird noch ein Abschiedsfoto von allen gemacht. Die Kosten für das Wochenende tragen die „betroffenen“ Eltern, die Kosten für die Mitarbeiterinnen übernimmt der Kindergarten.

 

Das Sommerfest

Das Sommerfest zeichnet sich durch seine besondere Öffnung nach außen aus. Hierzu werden auch die Ehemaligen aus 25 Jahren eingeladen, sofern ihre Adressen noch bekannt sind. Sie kommen zahlreich. Wir wollen zwanglos zusammen feiern, essen und trinken, spielen, tanzen, lachen, reden…uns an manches schöne Erlebnis und an alte Freunde erinnern.

Es ist eine gute Tradition, dass dieses Fest bei uns stark von den Eltern mitgetragen und vorbereitet wird. Besonders die Eltern der Kinder, die schon lange dabei sind und bald in die Schule kommen, geben zum Abschied nochmal ihr Bestes.

Das Sommerfest findet dicht vor oder nach der Sommerschließung statt, damit auch die „Neuen“ schon Lust kriegen mitzumachen. Gerade in der Vorbereitung und beim Aufräumen hinterher lernt man sich gut kennen. Und für die Kinder wird gleich sichtbar, dass die Eltern mitwirken.

Martinsfest

In den Wochen vorher basteln die Kinder mit viel Eifer Laternen. Es gibt jedes Jahr verschiedene Arten, dem Bastel-Können der Kinder entsprechend.

St. Martin. Zum Vergrößern anklicken.

Auch das Martinsfest ist wieder geeignet, Verwandte und Freunde mitzubringen. Wir treffen uns in der Dämmerung am Kindergarten und ziehen mit den Laternen durch die umliegenden Straßen. Bei der Rückkehr im Dunkeln erwartet uns ein Martinsfeuer, um das wir uns alle versammeln und singen.

Die Kinder spielen die Geschichte vom St. Martin. Danach gibt es Glühwein, Kinder-Glühwein und Weckmänner.

 

 

 

 

 

Nikolaus

Alle Kinder bringen einen Socken von zuhause mit. Der Nikolaus füllt die Socken mit Äpfeln, Nüssen und Keksen und hinterläßt regelmäßig eine verdächtige (Mehl-) Spur, die zu den Socken führt. Ein gemeinsames Frühstück schließt sich an.

Adventskalender

Im Dezember darf jedes Kind ein Päckchen öffnen. Die Reihenfolge wird ausgelost. In den Päckchen befinden sich ein großer selbstgebackener Keks, eine Überraschung (zum Beispiel etwas zum Anhängen an den Weihnachtsbaum) und ein Zettel. Auf dem Zettel steht, was das Kind Besonderes machen darf, zum Beispiel alleine beim Supermarkt (150 Meter Entfernung, 1 Fußgängerampel) einkaufen gehen.

Die Auslosung muss am Tag vorher stattfinden, damit der Frühdienst die Chance hat, den richtigen Zettel in das anstehende Päckchen zu stecken. Außerdem hat das ausgeloste Kind so die Chance auf Vorfreude.
Wir bemühen uns, für jedes Kind etwas zu finden, was ihm besonderen Spaß machen könnte. Die “Abarbeitung” der Zettel dauert meistens bis weit in den Januar.

Weihnachtsfeier

Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Mitarbeiter beginnen die Weihnachtsfeier mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken. Die Kinder haben Geschenke für ihre Eltern, danach gibt es ein gemeinsames Singen und Spielen im Gruppenraum, bis der Weihnachtsmann kommt.

Der Weihnachtsmann sagt nur Gutes über die Kinder. Zum Vergrößern anklicken.

Er sagt zu jedem Kind ein paar liebe Worte, die die Eltern in den Tagen vorher in das Goldene Buch geschrieben haben, und überreicht jedem Kind ein Geschenk.

Die Eintragungen der Eltern werden von ihnen manchmal nach Diskussionen mit uns noch einmal geändert, zum Beispiel wenn doch etwas Negatives darin enthalten ist oder nichts anderes als „kann schon schön ihr Zimmer aufräumen“. Also ehrlich!

Der Weihnachtsmann wird mit einem Lied verabschiedet, damit ist die Weihnachtsfeier zu Ende.

 

 

 

Geburtstagsfeiern

An seinem Geburtstag steht das Kind im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Viele Kinder genießen das sehr, manche mögen es auch nicht so gern. Die Eltern bringen für das gemeinsame Frühstück (ohne Eltern) etwas Leckeres mit.

Bei der Teppichversammlung vor dem Frühstück singen wir dem Geburtstagskind ein Lied, und es sucht sich zwei Tischnachbarn aus. Durch die Geburtstagsbrücke hindurch geht’s zum festlichen Frühstückstisch. Ein Kind fragt das Geburtstagskind, was es möchte. Traditionellerweise gibt es ein Wunschlied, Geschenk suchen und “Raketen” (ein lautes Gemeinschaftsspiel).
Die Geburtstagsbrücke entsteht dadurch, dass sich alle paarweise in einer Reihe aufstellen. Die Paare wenden sich einander zu, recken die Arme hoch und fassen sich bei den Händen. So entsteht ein Tunnel, durch den zuerst das Geburtstagskind und dann, den Tunnel von hinten aufrollend, alle anderen krabbeln.

7. Die Rolle der Eltern

7.1  Entstehung der Elterninitiative

Bis weit in die sechziger Jahre gingen nur wenige Kinder überhaupt in einen Kindergarten. Wenn ein Kind in den Kindergarten „musste“, hatte das oft einen peinlichen Beigeschmack, und viele Mütter schämten sich deswegen. Obwohl es auch damals schon sehr engagierte Kindergärtnerinnen gab, die die Kinder gut betreuten und ihnen vieles beibrachten, hatten die Mütter oft ein schlechtes Gewissen – und viele zogen es vor, ihr Kind von Großmüttern oder von älteren Geschwistern betreuen zu lassen, wenn sie arbeiten gingen. Die begüterteren Leute zogen es vor, privat jemanden für die Kinderbetreuung einzustellen.
Anfang der siebziger Jahre gab es dann eine große Diskussion um vorschulische Förderung, insbesondere auch um die Förderung des Sozialverhaltens. Der Kindergarten geriet ins Blickfeld von Pädagogen, Soziologen und Politikern.

Kommunen und Kirchen bauten zahlreiche Kindergärten, es setzten sich neue und bessere Standards für die Gruppengröße, die räumliche und materielle Ausstattung und für die Ausbildung des Personals durch.
Kurz und gut, es gab einen gewaltigen Aufschwung in der Entwicklung der Kindergärten, und bald meldeten Eltern ihre Kinder aus pädagogischen Gründen dort an.

Viele, die sich in der allgemeinen Diskussion um Vorschulerziehung engagiert eingemischt hatten, waren mit den Ergebnissen nicht zufrieden. Sie wollten ihre Erkenntnisse über Erziehung radikaler umsetzen. Junge Eltern – darunter viele Studenten – wollten selber gestaltend eingreifen.

Aus diesem Drang heraus wurden in vielen Städten – ausgehend von Westberlin und Frankfurt/Main – „Kinderläden“ aufgemacht. Der Name erklärt sich daraus, dass viele dieser Elterninitiativen zunächst innerstädtische Läden anmieteten, die der Konkurrenz der Supermärkte erlegen und deshalb relativ billig zu haben waren.

Auf unseren Schaukeln. Selten, dass mal eine nicht besetzt ist. Zum Vergrößern anklicken.

Diese Kinderläden waren Orte, in denen viel gearbeitet, diskutiert und experimentiert wurde. Es ging sehr lebendig, oft chaotisch und meist sehr anstrengend für alle Beteiligten zu. Es gab wenig Geld und viel Improvisation. Das alles machte die Kinderläden für honorige Bürger suspekt, zumal viele der Aktivisten sich politisch der linken Szene zuordneten.

Auch unsere Elterninitiative ist so entstanden und hat eine bewegte Geschichte.

Manche Überspitzungen, manches Chaos ist inzwischen überwunden. Aber auch viel Engagement von Elternseite ist inzwischen verloren gegangen.

Trotzdem sind wir Heutigen der Meinung, dass wir von den Erfahrungen der „Damaligen“ viel profitieren und viel Bewährtes bewahren wollen.

Wir unterscheiden uns immer noch in einigen wesentlichen Punkten von städtischen oder kirchlichen Einrichtungen.

Auch heute bringen die meisten unserer Eltern ihr Kind bewusst in eine Elterninitiative.

Welches diese wesentlichen Punkte sind, die uns von anderen unterscheiden, spiegelt sich in den Erwartungen der Eltern wider.

7.2  Erwartungen der Eltern

Die folgenden Erwartungen äußern Eltern, wenn sie ihr Kind anmelden, manche nennen nur einen dieser Punkte, andere fast alle.

Unsere Eltern wollen etwas anderes, als es in vielen Kindergärten üblich ist.

Sie wollen

  • bei der Gestaltung des Lebens im Kindergarten stärker mitwirken;
  • mehr erfahren über den Alltag und über die pädagogische Arbeit im Kindergarten und sich damit auseinandersetzen (zehn gut besuchte pädagogische Elternabende pro Jahr!);
  • andere Schwerpunkte in der Arbeit der Erzieherinnen. Sie sollen keine besondere professionelle Distanz zu den Kindern haben, sondern mit ihnen leben;
  • keine konfessionell ausgerichtete Pädagogik, (weil sie selbst nicht konfessionell gebunden sind oder weil sie eine andere Religion haben oder weil sie die religiöse Erziehung ihrer Kinder selber gestalten wollen);
  • einen anderen Erziehungsstil: partnerschaftlicher, zugewandter, gewährender;
  • eine kleinere, überschaubarere Gemeinschaft;
  • andere Beziehungen zu den beteiligten Menschen: respektvoll, aber persönlicher;
  • positivere Einstellung der Erzieherinnen zur Ganztagsbetreuung;
  • mehr Verantwortung, die sie auch wirklich (zum Beispiel als Vorstand) übernehmen wollen.

Die Situation der Eltern ist kurz so zu beschreiben:

Die Eltern geben ihr Kind zum ersten Mal in eine „andere Welt“. Damit sind Hoffnungen, Wünsche, mehr oder weniger konkrete Vorstellungen darüber verbunden, was im Kindergarten geschehen soll.

Es sind damit aber auch Ängste verbunden:

  • Wird mein Kind klarkommen?
  • Wie fühlt es sich?
  • Wird es optimal gefördert?
  • Ist es sicher aufgehoben?.

Die Kinder bewegen sich zum ersten Mal in einer Gemeinschaft von anderen Menschen, ohne dass Mutter oder Vater für das Kind etwas regeln, Vermittler- und Beschützerfunktion übernehmen können.

Es taucht bei den Eltern die Unsicherheit auf, ob das Kind dem (schon) gewachsen ist. Haben die Erzieherinnen genügend Verständnis für die „Kleinheit“ und die individuellen Besonderheiten meines Kindes? Kommt es im Vergleich zu den anderen Kindern auch nicht zu kurz? Mit diesen Ängsten müssen sich Eltern auseinandersetzen, wenn sie ihr Kind in den Kindergarten geben.

Berufstätige Eltern müssen zwei Aufgabenfeldern gerecht werden, die oft nur schwer zu vereinbaren sind: Kind und Beruf. Kränkelt das Kind oder will es manchmal nicht in den Kindergarten, geraten die Eltern unter Stress und brauchen das Verständnis des Teams.

 

7.3  Aufgaben der Eltern

7.3.1 Wahlfunktionen in der Elternschaft

1. und 2. Vorsitzende/r teilen sich die folgenden Aufgabenfelder:

Personalfragen

Dazu gehört sicher zu stellen, dass jederzeit genügend Personal im Kindergarten anwesend ist. Bei Fehlzeiten von Mitarbeitern organisiert sie/er bei Bedarf und in enger Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen Elterndienste bzw. Aushilfskräfte.

Sie kümmern sich darum, dass alle Eltern mindestens einmal hospitieren.
Alle Eltern sollten (möglichst nach etwa nach drei bis sechs Monaten) einen ganzen Tag im Kindergarten verbringen, um die Abläufe, die Atmosphäre, die Arbeitsweisen der Erzieherinnen und nicht zuletzt die anderen Kinder und das Gruppengeschehen besser kennenzulernen. Das ist eine wichtige Grundlage, um über das Leben im Kindergarten mitreden zu können.

Interesse und Aktivitätsgrad der Elternschaft sind entscheidend und sehr wichtig für das gute Funktionieren einer Elterninitiative. Die Vorsitzenden achten darauf und arbeiten daran mit, dass die Elternschaft alle Informationen erhält, um mitwirken zu können. Sie versuchen, Eltern zu motivieren, Aufgaben im Verein zu übernehmen. Sie ermutigen Eltern, Initiative zu ergreifen. Sie verstehen sich als Vermittler zwischen Elternschaft und Mitarbeiterteam. Sie wollen „Hüter der guten Stimmung“ sein und spürbare Missstimmungen schnell thematisieren.

Weitere Aufgaben der Vorsitzenden sind Mitwirkung bei den Neuaufnahmen und Betreuung der neuen Eltern. Nach Bedarf finden Aufnahmegespräche statt. An diesen Gesprächen nehmen teil: die Eltern mit dem angemeldeten Kind, ein Mitglied des Vorstands und die Leiterin.

Nach dem Gespräch wird in Abwesenheit der Familie über die Aufnahme beraten. Die Leiterin hat dabei ein Vetorecht, das sich darauf gründet, dass sie das aufzunehmende Kind in bezug auf seine Kindergartenreife beurteilen muss.

Die Vorsitzenden benachrichtigen die Familien, ob sie einen Platz erhalten, schließen mit Eltern den Betreuungsvertrag. Die Leiterin spricht mit den Familien die Aufnahmemodalitäten ab.

Wenn die Kinder dann in den Kindergarten kommen, unterstützen die Vorsitzenden die neuen Eltern bei der Kontaktaufnahme und helfen ihnen, sich in die Elternschaft des Kindergartens einzufinden.

Bei all diesen Aufgaben sollte der Vorstand von den Eltern aktiv unterstützt werden.

Kassierer/in

Der Aufgabenbereich ist sehr umfangreich. Eine gute Einarbeitung durch die/den Vorgänger/in ist wichtig.

Zu den Aufgaben gehören:

  • die Überweisung der Gehälter und sonstigen Personalabgaben
  • das Bezahlen anfallender Rechnungen
  • das Einziehen und Überprüfen der Beitragszahlungen der Mitglieder
  • das Kontrollieren der Handgeldkasse
  • der Überblick über den gesamten Finanzrahmen
  • die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater

7.3.2  Kontrolle muss sein, aber Vertrauen ist die Basis – die Eltern als Arbeitgeber

Auch bei allerbestem Einvernehmen: Die Eltern sind im Verhältnis zu den Erzieherinnen nicht nur Partner bei der Erziehung der Kinder und vielleicht gute Bekannte, sondern sie müssen auch teilweise die Arbeitgeberrolle ausüben.

Die Arbeitgeberaufgaben sind folgende:
Der von den Eltern gewählte Vorstand entscheidet über die Besetzung freiwerdender Stellen im Kindergarten.

Er erfüllt alle Pflichten, die sich aus den Arbeitsverträgen ergeben. Er kontrolliert, ob die Mitarbeiterinnen ihre Pflichten aus den Arbeitsverträgen erfüllen.

Natürlich ist es nicht sinnvoll und auch keiner Mitarbeiterin zuzumuten, dass alle 40 Elternteile Kontrollfunktion ausüben. Dafür ist der Vorstand zuständig.

Auszugehen ist davon, dass die Mitarbeiterinnen in hohem Maße motiviert sind, das bedeutet, sie treiben sich selbst zur Arbeit an.

 

8.  Die Rolle der Mitarbeiterinnen

8.1  Arbeitsaufgaben

8.1.1  Aufgaben des Teams

Als Grundlage für die pädagogische Arbeit dient die vorliegende Konzeption. Das beinhaltet eine ständige Beschäftigung, Auseinandersetzung und ein kontinuierliches Hinterfragen der hier beschriebenen Inhalte und Methoden.

Die praktische Umsetzung erfordert ein sehr enges und verlässliches Zusammenarbeiten im Team, einen umfangreichen Informationsaustausch und ein offenes und vertrauensvolles Klima.

Hohe Motivation und initiativreicher Arbeitseinsatz werden dadurch und durch eine klare und sinnvolle Arbeitsteilung am besten gewährleistet.

Probleme der Zusammenarbeit werden unverzüglich innerhalb des Teams und im Rahmen der Supervision geklärt.

Neben der im Vordergrund stehenden Arbeit mit den Kindern haben die Information und der Austausch mit den Eltern und die Zusammenarbeit mit dem Vorstand eine große Bedeutung.

Das Team kauft (bei aussergewöhnlichen größeren Ausgaben in Absprache mit dem Vorstand) Bastel- und Verbrauchsmaterial, Spielzeug und Haushaltsgegenstände im mit dem Vorstand abgesprochenen Finanzrahmen ein.

 

8.1.2  Die Verantwortlichkeit der Leitung

Koordination der Arbeit der Mitarbeiterinnen im Kindergarten

Die Leiterin ist verantwortlich dafür, dass die pädagogischen Mitarbeiterinnen im Sinne der Konzeption des Kindergartens arbeiten.

Sie ist verantwortlich für einen guten Informationsfluss und sorgfältige Absprachen im Team und für die Durchführung der wöchentlichen Teamberatungen.

Die Leiterin ist vonseiten des Teams aus verantwortlich für eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand.

Sie ist vonseiten des Teams aus verantwortlich für die Information der Eltern über das pädagogische Geschehen.

Die Leiterin achtet verantwortlich darauf, dass das im Kindergarten zubereitete Frühstück, die von Eltern erstellten Speisepläne für das Mittagessen sowie die von Eltern gelieferten Speisen den Ernährungsgrundsätzen des Kindergartens entsprechen, wie sie in der Konzeption festgelegt sind.

Sie ist verantwortlich dafür, die Konzeption zu vertreten, zu vermitteln und ggf. in Absprache mit dem Vorstand und dem Team daran weiterzuarbeiten.

Verwaltungsaufgaben

Die Leiterin sorgt dafür, dass die Anwesenheitsliste für alle Kinder geführt wird.

Sie führt eine dem Vorstand zugängliche Übersichtsliste für alle Mitarbeiter, in der Anwesenheit sowie Abwesenheit wegen Urlaub, Sonderurlaub, Krankheit, Dienstbefreiung  verzeichnet sind.

Sie ist verantwortlich dafür, dass bei Verdacht auf ansteckende Krankheit bei einem Kind eine ärztliche Unbedenklichkeitserklärung von den Eltern gefordert wird.

Bei Neuaufnahmen wirkt die Leiterin verantwortlich mit. Sie ist bei den Aufnahmegesprächen anwesend und achtet auf eine ausgewogene Altersstruktur der Gruppe. Sie erläutert den interessierten Eltern das pädagogische Konzept der Einrichtung und entscheidet mit über die Aufnahme der Kinder. Insbesondere achtet sie darauf, dass das Kind die erforderliche Kindergartenreife besitzt.
Sie fordert das kinderärztliche Attest vor der Aufnahme an.

Die Leiterin regt die Mitarbeiterinnen an, Fortbildungsveranstaltungen wahrzunehmen.

Die Leiterin erledigt die Korrespondenz mit dem Landesjugendamt (das die staatliche Aufsicht über den Kindergarten führt). Sie füllt die Heimbögen (=Übersicht über die Personalbesetzung und die aufgenommenen Kinder) aus.

Sie hält den Kontakt zum Stadtjugendamt, zum Gewerbeaufsichtsamt und zum DPWV (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband). Sie stellt nach Möglichkeit die Teilnahme an den DPWV-Regionalkonferenzen sicher.

Die Leiterin kontrolliert die Handgeldkasse. Sie veranlasst geringfügige Reparaturen und beantragt größere Reparaturen beim Vorstand.

Dienstplangestaltung

Die Leiterin erstellt in Absprache mit dem Team und dem Vorstand den Dienstplan. Dabei werden die Öffnungszeiten, die Arbeitszeiten der Mitarbeiterinnen, die Erfordernisse der Aufsichtspflicht berücksichtigt und mit pädagogischen Schwerpunktsetzungen koordiniert.

Die Leiterin kann und sollte Teile ihrer Leitungsaufgaben an Mitarbeiterinnen delegieren, denen dann die erforderliche Zeit im Dienstplan einzuräumen ist.

Die Leiterin hat die Aufgabe, bei allen Mitarbeiterinnen auf angemessenen rechtzeitigen Freizeitausgleich für Überstunden zu achten.


8.2  Arbeitsbedingungen

8.2.1  Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten der pädagogischen Mitarbeiterinnen richten sich nach dem BAT (Bundesangestellten-Tarif).

Die Arbeitszeit des Zivildienstleistenden ist (entsprechend dem Leitfaden für den Zivildienst) der in der Einrichtung üblichen Arbeitszeit angeglichen und beträgt somit 38,5 Stunden.

Die konkrete Ausgestaltung des Dienstplanes der Einrichtung ist Aufgabe der Leiterin.

Die Leiterin kann bis zur Hälfte ihrer Arbeitszeit für Arbeiten ausserhalb der Kindergruppe verwenden.

Die pädagogischen Mitarbeiterinnen sollen, um ein hohes Niveau der pädagogischen Arbeit zu sichern und die Ordnung in der Einrichtung zu gewährleisten, eine Verfügungszeit in Anspruch nehmen, die etwa 25 % der Arbeitszeit ausmacht (entsprechend den Richtlinien des Landesjugendamtes).

Diese Verfügungszeiten sind für Tätigkeiten vorgesehen wie

  • Planung und Reflexion der pädagogischen Arbeit,
  • Vor-und Nachbereitung von Festen, Ausflügen, Projekten,
  • Kurzbesprechungen im Team,
  • Vor- und Nachbereitung sowie Durchführung von Elternabenden und Elterngesprächen,
  • Dienstgespräche mit dem Vorstand,
  • Zweistündige wöchentliche Teamsitzung,
  • Arbeit an der Konzeption des Kindergartens,
  • Teilnahme an regionalen Arbeitskreisen,
  • Zusammenarbeit mit Institutionen,
  • Öffentlichkeitsarbeit,
  • Interne Fortbildung (Sichten von Fachliteratur, Erlernen
    neuer Spiele, Lieder usw.),
  • Supervision,
  • Besorgung von Material,
  • Aufräum- und Pflegearbeiten.

Die Verteilung dieser Zeiten regelt das Team im Rahmen der Wochenplanung.

Arbeit am Bergwerk. Den Berg haben die Eltern aufgeschüttet. Danke! Zum Vergrößern anklicken.

Überstunden werden nach Notwendigkeit geleistet. Die Leiterin kann Überstunden im gesetzlichen Rahmen anordnen, wenn es der Betrieb der Einrichtung dringend erforderlich macht. Ansonsten werden Überstunden im dienstlichen Interesse nur geleistet, wenn die betroffenen Mitarbeiter/innen damit einverstanden sind.

Die Einrichtung muss jeder Mitarbeiterin ermöglichen, geleistete Überstunden spätestens im folgenden Monat durch Freizeit auszugleichen. Dies ist möglich durch stundenweises „Abbummeln“ oder durch Zusammenfassung zu einem freien Tag. Wünsche der Mitarbeiterin sind nach Möglichkeit zu berücksichtigen.

8.2.2  Räumliche Arbeitsbedingungen

Die Kinder haben vergleichsweise gute räumliche Bedingungen. Dies kommt auch der pädagogischen Arbeit der Mitarbeiterinnen zugute. Die beiden separaten Gruppenräume erlauben, dass die Kinder sich räumlich verteilen, und ermöglichen eine ungestörte Kleingruppenarbeit bei Angeboten der Erzieherinnen.
Das große und gut gegliederte Freigelände ist für eine vielfältige pädagogische Arbeit nutzbar.

Da das Gebäude nicht als Kindergarten geplant worden ist, gibt es aber auch einige räumliche Nachteile, die für die Mitarbeiterinnen die Arbeit erschweren:

Der Eingangsbereich mit der Kindergarderobe ist beengt. Es gibt dort oft eine drangvolle Enge, wenn sich die Kinder an- oder ausziehen. Da es keinen Windfang gibt, sind die Mitarbeiterinnen hier oft ständiger Zugluft ausgesetzt.

Für eine wirkungsvolle Präsentation der Arbeitsergebnisse der Kinder fehlt der Platz. Das erschwert es den Mitarbeiterinnen, ihre Arbeit mit den Kindern darzustellen.

Der Waschraum ist sehr eng und erschwert ein geordnetes Händewaschen und Zähneputzen.

Die Tatsache, dass für 20 Kinder nur eine Toilette vorhanden ist, führt dazu, dass Kinder häufig die Personaltoilette benutzen müssen.

Es gibt keinen Abstellraum und keinen Keller. Das Personal muss in dieser Hinsicht sehr viel improvisieren.

Die Küche ist klein. Wenn der Zivi darin arbeitet, ist sie fast voll.

Das Büro ist unzureichend, was Größe, Ausstattung und Beleuchtung angeht.

Es gibt keinen Personalraum. Damit fehlt für die Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, sich für eine Pause oder für Vorbereitungsarbeiten oder Gespräche zurückzuziehen.

 

8.2.3  Atmosphärische Arbeitsbedingungen

Für die Erzieherinnen ist der Kindergarten ihr Arbeitsplatz. Sie haben zunächst eine berufsmäßige Beziehung zu Kindern und Eltern. Die Tatsache, dass sie zufällig oder auch ganz bewusst in einer Elterninitiative arbeiten, bedeutet erstmal nicht, dass sich auch in der Freizeit ihr persönliches soziales Engagement auf den Kindergarten richten muss; dies kann sich in ganz anderen Feldern abspielen. Diesen wichtigen Unterschied sollten sich Eltern bewusst machen, die sich entschieden haben, sich ein paar Jahre lang nebenberuflich für den Kindergarten zu engagieren.

Der Beruf der Erzieherin besitzt ein niedriges Sozialprestige, was sich auch in der niedrigen Bezahlung und in den fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten ausdrückt.

Engagierte Erzieherinnen empfinden diese Tatsache als unangemessen; denn:

Der Beruf erfordert eine 4-jährige Ausbildung (1 Jahr Vorpraktikum, 2 Jahre Fachschule für Sozialpädagogik mit Prüfung, 1 Anerkennungsjahr mit schulischen Anteilen und abschließender Prüfung). Er ist mit seinen verschiedenen Arbeitsbereichen sowohl praktisch als auch theoretisch sehr vielfältig.

Die Mitarbeiterinnen haben eine fachliche Kompetenz und berufliche Erfahrungen für die ganz spezielle Arbeit in einer Kindertagesstätte erworben. Sie haben den ständigen direkten Ein- und Überblick über das Geschehen im Kindergarten. Sie lernen die Kinder in ihrer selbstständigen Rolle in der Kindergruppe kennen und haben ständig direkte Vergleichsmöglichkeiten, was das Verhalten und die Entwicklung der Kinder angeht. Folglich sind sie die Experten auf diesem Gebiet.

Sie haben ihre fachlich und auf Erfahrung begründeten Vorstellungen. Sie haben darauf basierend ihren persönlichen Erziehungsstil entwickelt. Sie schaffen auf dieser Grundlage im Team ein bestimmtes Erziehungsklima und bestimmte Traditionen und Gewohnheiten in „ihrem“ Kindergarten.

Jedes Jahr kommen etwa vier bis zehn neue Kinder mit ihren Eltern. Diese neuen Eltern können nicht erwarten, dass die Diskussionen immer wieder bei Null begonnen werden, sondern sie müssen die gewachsenen Dinge erstmal überblicken und verstehen lernen.

Erzieherinnen erleben häufig eine Nicht-Akzeptanz ihres Berufes.

Obwohl die Arbeit im Kindergarten anspruchsvoll, vielschichtig, anstrengend und nervlich belastend ist, drückt sich das keineswegs angemessen im sozialen Ansehen des Berufs und in der Bezahlung aus.

Die Arbeit erfordert die tägliche und ganztägige Bereitschaft, sich 20 verschiedenen kleinen Menschen zuzuwenden und sich auf die Bedürfnisse der kleinen Kinder einzulassen. Dazu kommen täglich ebenso viele Eltern, die Aufmerksamkeit und Entgegenkommen erwarten.

Erzieherinnen erleben immer wieder, dass Eltern die Komplexität und Belastung der Arbeit unterschätzen. Dies ist ein weiterer Stress-Faktor in der Beziehung zwischen Eltern und Erzieherinnen.

Weitverbreitet ist die (meist nicht ausgesprochene) Auffassung, Kinder beschäftigen und erziehen kann doch fast jeder. Der Beruf wird manchmal in der Nähe „natürlicher“ Fähigkeiten auf dem Niveau eines Anlernberufes gesehen.

In unserem Kindergarten findet eine intensive Elternarbeit statt. Durch die Intensität und Komplexität der Beziehungen in einer Elterninitiative passiert es immer mal wieder, dass Probleme einzelner Eltern negative Auswirkungen auf das Gesamtklima mit sich bringen. Der Umgang mit solchen komplizierten Situationen stellt hohe fachliche und psychische Anforderungen.

Es erfordert viel Kraft und viel Liebe zum Beruf, um nicht auszusteigen: Die meisten Erzieherinnen verlassen ihren gelernten Beruf frustriert lange vor Erreichung der Altersgrenze.

Das finden wir sehr schade, denn gerade in unserem Beruf ist langjährige Erfahrung sehr nützlich und wichtig. Kinder und Eltern profitieren davon. Also sind wir sehr daran interessiert, es noch lange in unserem Beruf auszuhalten.

Dazu muss die Atmosphäre stimmen.

8.2.4  Kommunikation

Zum Wohl der Kinder ist eine respektvolle, lebhafte und offene Kommunikation zwischen Eltern und Erzieherinnen wichtig.

Spinnennetz aus viel alter Wolle. Die Mutter will ihr Kind abholen und hat Humor. Zum Vergrößern anklicken.

Möglichkeiten dafür sind die täglichen „Tür- und Angel-Gespräche“ und die monatlich stattfindenden Elternabende.

Wenn Eltern oder Erzieherinnen Probleme bei einem Kind sehen, wird Zeit für Einzel-Elterngespräche gefunden.

 

 

Die Erzieherinnen sind offen für Fragen und Anregungen.
Konstruktive Kritik ist jederzeit erwünscht.

 

Datum der Veröffentlichung: Dezember 2012
Copyright © Hanna Vock, siehe Impressum.

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