Alle Kindernamen wurden verändert.

Beispiel von Edith Baur

Auch Laras großes Interesse an Zahlen fördere ich. Dazu gibt das Spiel „Sagaland“ Gelegenheit. Die Regeln des für Kinder ab 8 Jahren empfohlenen Spiels beherrscht sie. (Lara ist jetzt 4;8.) Unter anderem ist es wichtig, Würfelpunkte und Spielfelder genau zu zählen und sich zu merken.

Später – Lara ist mittlerweile 4;10 Jahre alt – zeige ich ihr die Hunderter-Tafel von Montessori. Ich erkläre ihr, dass sie u.a. die Zahlenkärtchen bis 100 in der richtigen Reihenfolge in den vorgesehenen Rahmen einlegen kann. Da an diesem Nachmittag nur noch wenige Kinder in der Gruppe sind, kann sie es wieder einmal genießen, mit mir diese Aufgabe anzugehen. „Das ist richtig schön, wenn Du mit mir das Spiel machst,“ bedankt sie sich.

Bis 30 legt sie die Täfelchen völlig richtig in den Rahmen. Dann soll ich ihr helfen: „Schau Lara, nun verändert sich die vordere Zahl noch nicht, sondern die dahinter. Nach der Null fängst Du einfach mit der Eins wieder an – es wird dann die 31. Danach kommt?“ – „Die 32“, antwortet sie lächelnd und legt dann die Zahlen bis 39. Ich erkläre ihr, dass sich nun auch die vordere Zahl verändert: „Also nach der Drei kommt?“
Lara: „Die Vier! Und die hintere Zahl ist Null, also 40!“

Datum der Veröffentlichung: April 2015

Beispiel von Hanna Vock

Zur Elternberatung brachte eine Mutter Zettel mit, auf denen ihr Sohn (4;6) morgens noch auf die Schnelle gerechnet hatte. Es macht ihm Freude, wenn ihm die Eltern Rechenaufgaben aufschreiben.
Er rechnet die Aufgaben im Kopf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… Und er liebt es auch, seinen Eltern Aufgaben aufzuschreiben:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Junge ist also bereits vertraut mit drei der vier Grundrechenarten und kann auch mit großen Zahlen operieren!

 

 

Datum der Veröffentlichung: Mai 2012

 

Beispiel von Alexa Kreitlow, Kürten

Ben (4;3) und ich sitzen am Tisch, er malt ein Osterbild. Eine Zeitlang
unterhalten wir uns über die Dinge, die er malt.

Plötzlich, ganz unverhofft: „Du Alexa, 17 und 3 sind ja ungerade Zahlen.“

Ich: „Was sind denn ungerade Zahlen?“

Ben: „Wenn du 10 hast und du nimmst die Hälfte, dann hast du 5. Aber bei der 17 und der 3 geht das nicht.“

Ganz neugierig geworden, sage ich: „Mensch, du kannst ja schon richtig rechnen! Weißt du auch, wie viel die Hälfte von 100 ist?“

Ben: „Na klar: 50 und die Hälfte von 100 000 sind 50 000 und die Hälfte von 100 Milliarden
sind 50 Milliarden.“

Ich, völlig beeindruckt: „Wo hast du das gelernt?“

Ben guckt mich ganz ernst an und überlegt: „Weißt du, Alexa, eigentlich weiß ich das auch nicht, warum ich das kann.“

– Ergänzung durch den Vater:
„Eigentlich hätte er antworten können: >Weil ich den Papa und die Mama auf jeder Autofahrt mit Zahlen zuquassel, und sie mir freundlich Antwort geben.<
Spaß beiseite, er rechnet gern und es beschäftigt ihn.“

Datum der Veröffentlichung: April 2012

 

Beispiel von Klaudia Kruszynski, Selm

Ich frage Tim (4;7), was aus der Wasserleitung geworden ist, die er gebaut hat.

Tim: „Das ist keine Wasserleitung mehr, das ist eine Raketenschiesserung. Und da ist Wasser, heißes und kaltes, wenn das Feuer von der Rakete kommt!“

Neben Tim spielt ein Vorschulkind, es baut eine Rakete. Tim beschließt auch eine zu bauen. Er baut einen langen Strang mit einer Spitze. Dann zählt er die dafür verbrauchten Steine und meint, es wäre jetzt eine Antenne. Dann baut er eine kleine Rakete und „fliegt“ um den Tisch herum.

Der große Junge baut eine Tafel für das Abzählen vor dem Raketenstart. Ich sage ihm, es heißt Countdown und es wird bis zum Start rückwärts gezählt: 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, 0 !

Plötzlich höre ich Tim: „18, 17, 16 … „. „Was machst du?“, frage ich.

„Zum Start zählen“, antwortet er und führt seinen Countdown weiter fort: „15, 14, 13, usw.,“. Dabei macht er kurze Pausen, man sieht, dass er lautlos vorwärts zählt und dann wieder umkehrt. Ab „12“ macht er keine „Nachdenkpausen“ mehr. Bei „0“ geht seine Rakete hoch.

Ich frage: „Wie schnell können eure Raketen fliegen?“

Tim: „Ganz schnell, weil sie klein sind.“

Ich: „Wieso fliegt eine kleine Rakete schneller als eine große?“

Tim: „Weil sie viel Feuer hat!“

Ich: “ ? “

Tim: „Weil sie leichter ist, sie wiegt nur 50 Kilo, eine „Fünf“ und eine „Null“.

Datum der Veröffentlichung: April 2012

Familienbeispiel (anonym)

Mit 4;1 interessiert sich Pete für kurze Zeit für Punkte verbinden nach Zahlen. Es könnte auch bis 100 gehen, denn im Zahlenraum bis 100 bewegt er sich sicher.

Pete (4;3) fragt beim Essen: „Ist 8 auch eine gerade Zahl?“
Gegenfrage: „Was ist denn eine gerade Zahl?“
Pete: „Eine, die man durch 2 teilen kann und es bleibt nichts über. Wenn ich zum Beispiel 6 Kekse habe, kriege ich 3 und mein Bruder 3 und es bleibt nichts über. Deshalb ist 6 eine gerade Zahl. … Bei 7 muss ich einen Keks durchbrechen, aber bei 8 nicht, da kriegt jeder 4.“
– „Na also, dann weißt du´s doch.“
Pete untersucht auf diese Weise auch noch erfolgreich die Zahlen 9, 10, 11 und 12.

 

Im Alter von 5;11 kann Pete nicht nur den Text der folgenden Aufgabe alleine lesen, sondern auch ohne Hilfe das richtige Ergebnis ermitteln.

Datum der Veröffentlichung: April 2012

Familienbeispiel (anonym)

Benjamin (Name geändert) ist 3;9 Jahre alt, als er sich mit dem Zifferblatt der Uhr befasst. Da die Familie außer der Küchenuhr nur digitale Uhren besitzt, orientiert sich Benjamin zwar am runden Zifferblatt, wie er es in einem Buch gesehen hat, versucht aber zunächst alle 24 Stunden des Tages darin unterzubringen.

Erst etwas später versteht er, dass die analogen Uhren nur 12 Zahlen zeigen und der Stundenzeiger jeden Tag zweimal herumläuft.

 

 

Datum der Veröffentlichung: Dezember 2011

Familienbeispiel (anonym)

Janek (2;10): „Oma, das sind 2 Bücher und auf dem Tisch das sind auch 2 Bücher, dann sind das 4, dann kann ich eins haben und Du und Opa, und mein Babybruder kann auch noch eins haben, aber Mama kann leider keins haben… Mama, ich hole gleich noch ein Buch für dich.“ – „Aber dein Babybruder braucht doch noch gar kein Buch.“ Denkt kurz nach: „Dann kann das Buch ja ich nehmen und Mama kriegt mein Buch.“ – „Wie viele brauchen wir denn dann?“ – „Vier. Das passt.“

„Welches Lied wollen wir singen?“ – Janek: „Das Laternenlied.“ – „Guck da ist ein Inhaltsverzeichnis (im Liederbuch). Da steht, auf welcher Seite wir das finden.“ Er erfasst das System sofort und sagt: – „Das ist 2-7, die Seite suche ich mal… hier ist vorne die 1, aber jetzt kommen die mit der 2 … und die 7 dahinter. Hier!“ Freut sich!

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Beispiel von Birgit Walk, Mechernich

Jonathan (4;9) wird vom Geburtstagskind ausgewählt, in der Kita beim Backen von Muffins zu helfen.

Jonathan kann Zahlen im Hunderterbereich sicher lesen, und so trägt er die einzelnen Zutaten aus dem Rezept vor und markiert die jeweils zu wiegende Grammzahl auf der Küchenwaage mit einem abwaschbaren Stift. (Die Die Zahlen sind jeweils in Hundertgrammschritten aufgeführt, dazwischen sind jeweils 20 Gramm durch kleine Striche gekennzeichnet.)

Er überwacht kritisch das genaue Wiegen.

Später stellt er die richtige Backtemperatur am Backofen ein.

Als der fertige Teig in die Muffinform gefüllt wird, höre ich, wie er Sebastian (5 Jahre alt) erklärt: „Guck mal wie viele Reihen wir mit drei Muffins vollmachen können.“ Sebastian überlegt und zählt dann vier Reihen. „Also“, folgert Jonathan „haben wir 3 + 3 + 3 + 3.“ Die Reihen hat er jeweils durch einen Fingerzeig „markiert“. Auf meine Frage: „Wie viele Muffins können wir gleichzeitig backen?“, sagt Jonathan: „12“ und Sebastian kommt durch Nachzählen auf dieselbe Summe. Beide Kinder sind stolz auf ihr Ergebnis.

Jonathan ist die innere Motivation am Umgang mit Mengen, dem damit verbundenen Schriftbild der Zahlen und am Wiegen ins Gesicht geschrieben.

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Beispiel von Hanna Vock

Ergün (2;9) interessiert sich sehr für Zahlen und kann alle Ziffern von 0 bis 9 lesen. Er sieht eine Straßenbahn an der Haltestelle und erklärt mir: „Das ist die 18, die fährt zu mir nach Hause.“ (Es halten auch andere Linien an dieser Haltestelle.)

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Beispiel Pete (anonym)

Pete spielt im Alter von 1;3 mit einem kleinen Holztopf mit Deckel und mit 3 Steinchen und 3 kleinen Halbedelsteinen.

Er räumt die 6 Teile immer wieder aus und ein. Die Halbedelsteine haben Eiform, sie kullern immer wieder weg, manchmal setzt er sich auch auf einzelne Steine drauf. Aber er ruht nicht, ehe er nicht alle 6 Teile wieder im Topf hat, er sucht sie immer alle zusammen. Erst dann fängt er wieder mit dem Ausräumen an.

Datum der Veröffentlichung: 17.6.10

Beispiel von Heike Brandt, Remscheid

Zum Ende des Morgenkreises stand das Durchzählen der Kinder an. Carl (3;10) nannte sofort namentlich drei Kinder, die an diesem Tag fehlten.

An einem anderen Tag stellte Carl zum Ende des Vormittags fest, dass jetzt nur noch 18 Kinder in der Gruppe seien. Ich fragte nach, wie er darauf gekommen sei. Er antwortete, dass ein Kind abgeholt worden sei.

Im Übrigen zeigte sich Carl vom gemeinsamen Durchzählen im Kreis gelangweilt und verweigerte sich.

Bei einem Quizspiel beantwortete er eine Frage nach der Türanzahl unserer Kita fast richtig und bemerkte sogar, dass die Nebenraumtür in seiner Gruppe fehlte. Seine Antwort wurde von der Spielleitung zunächst nicht richtig verstanden. Bei der Nachfrage rechtfertigte er sich: „Ich bin drei.“

Datum der Veröffentlichung: 17.6.10

Beispiel Mara (2;6), anonyme Familiennotiz

Seit ein paar Wochen zeigt Mara ein deutliches Interesse an Zahlen. Sie möchte nicht mehr nur die Zahlen von 0 bis 9 lesen, sondern fragt, was es denn heiße, wenn die 1 und die 0 zusammenstehen, wenn die 1 und die 2 zusammenstehen etc.

Als wir gestern die Kastanien von einer Schüssel in die andere sortiert haben und dabei gezählt haben, hat sie sofort das Prinzip verstanden, dass die Einer immer die gleichen sind und an die Zehner angehängt werden.

Sie zählt locker bis 20, und als ich dann von 21 bis 30 zählte, konnte sie selbständig von 31, 32 etc. weiterzählen, dies hoch bis 50, lediglich bei den Zehnern (30, 40, 50) stockte sie.

An unserer Waschmaschine will sie immer wissen, was denn der Schleudergang heißt (dort stehen die Zahlen 400/600/900/1200) und fragt mich dann, wie es denn heißen würde, wenn die 4 und die 0 und die 0 zusammenstehen. Des Weiteren hat sie dann Fantasiezahlen und fragt mich, wie es denn heiße, wenn die 1 und die 2 zusammenstehen, und dann fragt sie wie es denn heiße, wenn die 1, die 2 und die 3 zusammenstehen. Dann fragt sie weiter, wie es denn heiße, wenn die 1, die 2, die 3 und die 4 zusammenstehen.

Datum der Veröffentlichung: 17. 6. 10

Beispiel von Monika Meeus, Bornheim

Enno (3;11) konnte schon sehr früh Zahlen erkennen. Er kann fließend bis 100 zählen. Wenn er sich mal verzählt hat, ist er imstande, sich selbst zu korrigieren. Er hält dann kurz inne, denkt nach und sagt relativ schnell, wie es weitergeht.

Er kann alle Ziffern lesen und schreiben. Wenn ich ihm eine größere Zahl (76, 51 usw.) aufschreibe, ist er sofort in der Lage, mir die Zahl richtig zu sagen.

Kleinere Rechenoperationen kann er auch lösen. Nachdem ich ihn gelobt hatte, wie supergut er das schon kann, gab er mir zur Antwort: „Das hat mir keiner beigebracht, das hab ich einfach selbst gekonnt.“

… Wir besitzen im Kindergarten ein Steckspiel. Dieses Spiel besteht aus einer quadratischen Holzplatte, in der 10 verschieden lange Stäbe senkrecht festgeleimt sind. Dazu gibt es 10 gleich große Holzplatten, in denen unterschiedlich viele (1 bis 10) Löcher sind. Eine Platte hat 1 Loch, eine andere Platte hat 2 Löcher, usw. bis 10. Die Kinder können nun diese Platten von oben auf die Stäbe schieben. Mit der 10-Loch-Platte muss man anfangen. Einer der 10 Stäbe ragt dann nicht mehr hervor, weil er sehr kurz ist. Und so geht es weiter: Als nächstes kommt die 9-Loch-Platte, in der der zweitkürzeste Stab „versinkt“, usw.

Enno konnte mir stets auf Anhieb sagen, wie viele Stäbe und Löcher da sind, und wie viele schon weg sind. Einfach super!

Datum der Veröffentlichung: 11.9.09

Beispiel von Inge Förster, Aachen

Felix (4;8) beherrscht die Zahlenreihe bis Hundert und kann bereits zweistellige Zahlen lesen. Bei Übungen zum Verständnis von grundlegenden mathematischen Konzepten und Rechenfertigkeiten mit den Vorschulkindern benötigt er Aufgaben mit höherem Schwierigkeitsgrad. Beim Erarbeiten von Mengen- und Größenverhältnissen mit Hilfe von Gegenständen aus der Natur, erhalten die Vorschulkinder zum Beispiel die Aufgabe, an 5 Plätzen 10 Eicheln mit jeweils gleicher Anzahl zu verstecken. Felix, der trotz seines jungen Alters in dieser Gruppe mitmacht, wird aufgefordert, 20 Eicheln auf vier Plätze zu verteilen.

In einer Spielsituation vereinbaren fünf Kinder, sich um Mitternacht zu einer langen Nachtwanderung zu treffen. Als Felix abgeholt wird, erzählt er es seiner Mutter, die ihn aber darauf hinweist, dass er am anderen Tag bereits um 8 Uhr mit seiner Oma verabredet ist. Felix überlegt kurz und meint: Wenn ich nur bis 1 Uhr mitgehe, kann ich noch sechs Stunden schlafen, das ist genug Zeit. Ich stehe dann um sieben auf und frühstücke noch, bis Oma kommt.

Felix´ Interesse an Zahlen nimmt stark zu und er fordert immer höhere Schwierigkeitsstufen ein, zum Beispiel das Addieren von Längenmaßen oder Gewichteinheiten. Oder er stellt sich die Frage: Wie oft passt unsere Kirche in den Dom von Aachen Diese Frage konnte bis dato noch nicht beantwortet werden.

Datum der Veröffentlichung 1.9.09

Beispiel von Hanna Vock, Bonn

Eva konnte mit 3;6 Jahren alle Zahlen zwischen 0 und 100 lesen.

Sie begriff den Stellenwert der Zahlen (Einer, Zehner, Hunderter) auf Anhieb nach folgender Erklärung: „Ganz hinten stehen die Kleinsten; da bedeutet 4 auch wirklich nur 4. Eine Stelle weiter davor stehen die etwas Größeren; dort wird eine 4 >automatisch< zu einer 40. Und noch eine Stelle weiter vorn stehen noch Größere; da bedeutet eine 4 dann 400.

Also 444 ist vierhundert-vier-und-vierzig.“

Sie fand es putzig, dass man es >verdreht< spricht (die vier vor der vierzig!).

Die gegebene Erklärung reichte ihr, sie probierte dann sehr ausdauernd alle möglichen Dreier-Ziffernkombinationen aus.

Auch bei der Zahl 305 stutzte sie nur kurz und sagte: „Na ja, da gibt´s keinen mittleren, dann brauch ich da auch nichts zu sagen.“

Michael Hollenbach gibt in seinem Buch (siehe Literaturverzeichnis) im Klappentext ein weiteres Beispiel:

„Mit ihrem fünfjährigen Sohn Benjamin radelt Helene Wagner über den Friedhof. Die Mutter hört, wie er immer wieder Zahlen aufsagt: 86, 22, 64, 80, 3, 77 – bis sie begreift, daß der kleine Schlauberger das Lebensalter der Verstorbenen ausrechnet.“