von Hanna Vock

Intelligenz ist ein wesentlicher Bestandteil von Begabung. Auch eine sehr begabte Tänzerin braucht eine bestimmte Intelligenz, um ihr tänzerisches Repertoire aufzubauen und zu beherrschen. Dies gilt für begabte Musiker, für begabte Techniker und selbstverständlich auch für begabte Naturwissenschaftlerinnen, Philosophinnen oder Pädagogen. Sie alle müssen ihre Domäne (= das Gebiet, in dem sie tätig sind) auf hohem Niveau begreifen, sie müssen die damit zusammenhängenden Daten und Informationen in ihrem Gehirn sinnvoll abspeichern und geistig bearbeiten können. Dazu brauchen sie Intelligenz.

Wenn eine hohe Intelligenz, wie oben gesagt, nur ein Bestandteil von Hochbegabung ist – was muss hinzukommen, damit wir von Hochbegabung sprechen?

Im Wesentlichen ist es die große intrinsische Motivation, die neben einer hinreichenden Intelligenz die Hochbegabung ausmacht.

Hier sei noch einmal auf den Artikel Begriffsbestimmung Hochbegabung verwiesen:

>Hoch begabte Kinder bringen auch eine außergewöhnlich ausgeprägte intrinsische Motivation mit. Das heißt, dass sie aus ihrem Innern heraus für ihren Begabungsbereich motiviert sind. Sie wollen sich entsprechend betätigen, sie wollen lernen, sie verspüren einen starken inneren Drang, in diesem Bereich immer Neues zu erfahren und auszuprobieren. Werden sie daran gehindert, oder erfahren sie durch die Umgebung zu wenig Anregung, spüren sie Unruhe und Frustration.

Außergewöhnliche intrinsische Motivation bedeutet, dass das Kind in einem oder mehreren Begabungsbereichen über erstaunlich lange Zeit und immer wieder aus eigenem Antrieb aktiv ist, nach neuen Herausforderungen sucht und neue, passende Herausforderungen oftmals freudig annimmt.<

Erst wenn zur hohen Intelligenz und zur großen intrinsischen Motivation als dritter Bestandteil noch die Kreativität im Denken und Handeln hinzukommt, sprechen wir von Hochbegabung. Und dann ist Hochbegabung die

psychische Disposition für außergewöhnliche, innovative Arbeit in einer bestimmten Domäne, einem bestimmten weiteren oder engeren Arbeitsgebiet.

Siehe auch:

Kreativität herausfordern

Beispiele zu: Originelle, ungewöhnliche Gedanken

Beispiele zu: Eigenwillige Lernstrategien

Diese psychische Disposition Hochbegabung ist von Geburt an individuell unterschiedlich ausgeprägt, und sie entwickelt und verwirklicht sich bis zum Lebensende – in hohem oder in geringem Ausmaß:

Günstige oder ungünstige Einflüsse der sozialen Umwelt sowie Erfolgs- oder Misserfolgserlebnisse prägen die Entwicklung dieser Disposition lebenslang.

Siehe auch: Bedingungsmodell: Entfaltung von Hochbegabung.

Unter günstigen Entwicklungsbedingungen zeigen sich bestimmte Merkmale von Hochbegabung (die sich aus dieser Disposition durch ständige Benutzung und Übung immer weiter entwickeln). Es sind dies zum Beispiel:

  • ein besonders effektives Kurz- und Langzeitgedächtnis, bezogen auf die interessierende Domäne, die die zuverlässige Speicherung der Informationen ermöglicht, die zur Beherrschung und Weiterentwicklung der Domäne nötig sind (entspringt der Intelligenz);
  • die Fähigkeit zum Infragestellen des Bisherigen (entspringt der Intelligenz);
  • eine effektive Ausrichtung der Aufmerksamkeit, ein Beharren auf vorrangiger Beschäftigung mit der Domäne (entspringt der intrinsischen Motivation);
  • große Beharrlichkeit und Ausdauer bei der Verfolgung eigener Lern- und Arbeitsziele (entspringt der intrinsischen Motivation);
  • große ursprüngliche Freude an der Beschäftigung mit der Domäne, Leidenschaft bei der Verfolgung der Ziele (entspringt der intrinsischen Motivation);
  • Mut zu Neuerungen und ungewöhnlichen Gedanken und Konzepten, (entspringt der Intelligenz und der Kreativität);
  • die Fähigkeit, die guten (eigenen und fremden) Ideen von den schlechten (eigenen und fremden) Ideen zu unterscheiden (entspringt der Intelligenz und der Erfahrung);
Albert Einstein:„Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erschien.“
  • Mut zur Auseinandersetzung mit Autoritäten (entspringt der intrinsischen Motivation).
O Wunder! Alle diese Merkmale sind im Ansatz bereits bei hoch begabten Kindergartenkindern zu beobachten.

Hinzu kommen bei glücklicher Entwicklung solche Persönlichkeitsmerkmale, die sowohl erziehungs- als auch erfolgsabhängig sind:

  • ein positives Selbstwertgefühl,
  • gute kommunikative Fähigkeiten,
  • hinreichende Fähigkeiten zur Stress- und Angstbewältigung.

Auch diese Persönlichkeitsmerkmale unterliegen von klein auf einer lebenslangen Entwicklung, pädagogischen und weiteren sozialen Einflüssen, und sie sind dem Eigenlernen zugänglich. Im Laufe des Lebens können sich dabei konstruktive und destruktive Phasen abwechseln, und es treten auch Phasen der Stagnation und des Abbaus auf. Die „Momentaufnahme“ dieser Entwicklung ist gleichbedeutend mit dem aktuellen Potenzial eines Menschen.

Besonders grundlegend und fruchtbar sind Entwicklungen (und damit auch die pädagogischen Einflüsse) in der frühen Kindheit.

Copyright © Hanna Vock 2006, siehe Impressum.
Datum der Veröffentlichung: 13.6.08

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