von Jordis Overödder

 

Im Rahmen meines zweijährigen IHVO-Zertifikatskurses ergab es sich, dass ich im Jahr 2010 nacheinander vor den Kollegien in drei Grundschulen der Region referieren konnte.

Ziel war, das Wissen und die Erfahrungen aus unserem „Integrativen Schwerpunktkindergarten zur Hochbegabtenförderung“ den Kollegien zur Verfügung zu stellen, den Austausch zum Thema Hochbegabtenförderung zu suchen und gemeinsam über Möglichkeiten der besseren Zusammenarbeit zu beraten.

… kurz gefasst …

Dieser Beitrag enthält eine Powerpoint-Präsentation, die Kolleginnen und Kollegen gerne für sich anpassen und verwenden dürfen. Die Präsentation wurde von Alexa Kreitlow und Jordis Overödder erarbeitet, um damit vor Grundschulkollegien zu referieren. Sie ist sicher aber auch bei anderen Anlässen einsetzbar.
Die Autorin schildert auch ihre Vorüberlegungen und gibt Erläuterungen zu den einzelnen Seiten der Präsentation.

Der Kontakt zu den Lehrerinnen bestand bereits durch unseren jährlichen Austausch über die Vorschulkinder. Das Interesse am Thema seitens der Schulen ist da. Wir hatten auch in den letzten Jahren bereits Fälle von Früheinschulung. Ich beginne mit der Schule, zu der wir bisher den geringsten Kontakt hatten und die auch noch keine Kinder von uns vorzeitig aufgenommen haben.

Meine Ziele

Zunächst möchte ich über das Thema Hochbegabung informieren und Gelerntes aus der Fortbildung (IHVO-Zertifikatskurs) weitergeben. Mir liegt sehr daran, eine positive und verständnisvolle Grundhaltung bei den Lehrerinnen zu wecken, sowie eine Offenheit und Aufmerksamkeit für dieses Thema zu erreichen.

Wie die praktische Arbeit mit hoch begabten oder besonders begabten Kindern aussehen kann, kann ich an Hand von Beispielen aus unserer Kita verdeutlichen. Damit mache ich auch noch mal transparent, welche Bildungsmöglichkeiten und Lernerfahrungen die Kinder bei uns kennengelernt haben.

Der Austausch über die zukünftige Zusammenarbeit wird ein zentrales Thema sein. Denn schließlich möchte ich den Kindern den Weg bereiten für einen geglückten Übergang.

Wie ich bereits im ersten Gespräch mit der Leiterin feststellen konnte, war sie zum Beispiel von Früheinschulung wenig angetan. „Das gab es bei uns noch nicht und da halte ich auch nichts von“, war ihre Aussage. Hier muss ich noch mal auf Pro- und Contra-Argumente eingehen und die Einzelfallbetrachtung bedeutsam machen.
Ebenso sehe ich an dieser Schule augenblicklich auch keine anderweitigen Fördermaßnahmen, die mich dazu bewögen, Eltern hoch begabter Kinder diese Schule zu empfehlen. Die Leiterin hat allerdings von sich aus zwecks einer Terminfindung Kontakt zu mir aufgenommen, so dass ich schon das Gefühl habe, sie sei an einer Weiterentwicklung in diesem Bereich interessiert. Die Schulen sehen mit den rückläufigen Kinderzahlen auch ihre Felle davonschwimmen.

Es ist angedacht, eine Kontaktperson aus dem Kollegium zu benennen, die sich mit dem Thema noch einmal näher befasst und die für uns als Ansprechpartner fungiert.
Dieses Treffen im Rahmen der Lehrerkonferenz bietet mir die Gelegenheit, die Resonanz des gesamten Kollegiums, die Einstellung der einzelnen Lehrerinnen und ihre Bereitschaft zur Mitarbeit zu erspüren. Wir können die Eckpunkte der Zusammenarbeit neu setzen.
Ich werde für mich zu einem klareren Bild kommen, welche Schulempfehlung ich in Zukunft ausspreche.

Meine Vorgehensweise

Einerseits spüre ich Verunsicherung, wegen des möglichen Misstrauens und der möglichen Herablassung, die mir, einer „Kindergärtnerin“, von Seiten der Lehrerinnen entgegengebracht werden könnte.
Andererseits denke ich auch, dass ich im pädagogischen Bereich und im Rahmen meiner Zusatzausbildungen und Berufserfahrungen mit ihnen auf einer Stufe stehe. Ich werde mich, falls es überhaupt so kommt, von solchem Abwehrverhalten nicht verunsichern lassen und ein kollegiales Gespräch anstreben im gegenseitigen Respekt und Anerkennung der Arbeit.
Das bedeutet auch, dass ich Kritikpunkte am Schulsystem, die ich ja durchaus sehe, nicht anprangere, sondern vorsichtig ein erstes Nachdenken anrege. Ich kann in zwei Stunden nicht die ganze Welt verändern, aber ich kann Schritte in die richtige Richtung lenken. Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Obwohl ich zunächst von einer Beamer-Präsentation absah, wegen der Umstände (Geräte mitschleppen…), habe ich mich doch dafür entschieden. Es macht einfach was her! Die Technik macht mir keine Probleme und ich fühle mich besser vorbereitet. Ich kann mich an der Präsentation „entlang hangeln“ und verliere den Faden nicht.

Powerpoint-Präsentation

Sie können diese Präsentation gerne als Grundlage für eine eigene Powerpoint-Präsentation nutzen.
Die folgenden Notizen zu den Präsentationsseiten sind zum Teil stichpunktartig.

Zu Seite 1
Begrüßung, Vorstellung.
Ausbildung: Fachkraft für Hochbegabtenförderung in der KiTa, IHVO-Zertifikat, zweijähriger, berufsbegleitender Kurs „Hochbegabtenförderung im Vorschulbereich“. Bei uns in der Kita haben vier Erzieherinnen diese Weiterbildung abgeschlossen, neben der Leitung in jeder Gruppe eine qualifizierte Fachkraft.
Unsere Kita hat seit 2009 das KiTa-Zertifikat „Integrativer Schwerpunktkindergarten für Hochbegabtenförderung“.
Dieses erhalten Kindertagesstätten nach erfolgreicher Teilnahme am zweieinhalb Jahre umfassenden IHVO-Projekt „Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung“.
Um das Kita-Zertifikat zu erlangen, muss eine Kindertagesstätte im Rahmen des Projekts weitere Voraussetzungen erfüllen.

Ausrichtung unserer Konzeption nach Freinet und Reggio – Haus mit Funktionsräumen, Möglichkeiten, Forscherraum, Werkstatt, PC, Kreativ- und Musikraum – selbstbestimmtes Lernen, Diplome, Führerscheine, große Eigenverantwortung, Projektwochen nach Themen der Kinder.
Siehe auch: Unser Fachfrauenprinzip.

Zu Seite 3 – Info über IHVO
Siehe auch: Über das IHVO.

Zu Seite 4 – Kurze Übersicht über den Inhalt der Präsentation:
Informieren über Hochbegabung
Beispiele aus unserer Arbeit in der Kita
Austausch über Zusammenarbeit
Einschulung, Fördermöglichkeiten in der Schule

Einstieg:
– Welche Erfahrungen gibt es?
– Gab es schon Kinder, die Klassen übersprungen haben?
– Gab es schon Kinder, die früher eingeschult wurden?
– Gibt es aktuelle Fälle?
– Wie ist man aufmerksam geworden? Besondere Eigenschaften, Verhaltensweisen?
– Welche Fragen haben Sie? (Darauf kann ich ggf. im späteren Verlauf verweisen und daran anknüpfen.)

Zu Seite 5 – Um welche Kinder geht es?
Siehe auch: Hinweise auf eine mögliche intellektuelle Hochbegabung

Zu Seite 6 – Ich präsentiere Ihnen die Definiton des IHVO
Siehe auch: Begriffsbestimmung Hochbegabung

Zu Seite 9 – Bereiche hoher Begabung
Hochbegabung ist in vielen verschiedenen Bereichen denkbar. Die individuelle Ausprägung variiert ebenso wie die unterschiedlichen Kombinationen.
So gibt es Spezialisten, die in einem kleinen Bereich außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen, oder Hochbegabte mit einer allgemein hohen Begabung.
Ich würde noch, über Gardner hinausgehend, die technische Begabung mit aufnehmen.

Zu Seite 11 – Begriff vorsichtig verwenden
Erwartungshaltungen werden aufgebaut, Kind gerät unter Druck, muss sich beweisen und allen seine Leistung zeigen.
Siehe auch: Den Begriff Hochbegabung vorsichtig verwenden.
Gibt es Fragen?

Zu Seite 13
Was trägt zur Entfaltung von Hochbegabung bei?
Menschen, die zu ihm stehen
Kognitive Anreize, „Turnverein für die kleinen grauen Zellen“
Freunde für Spiel und Spaß, für gemeinsames Denken und auf emotionaler Ebene.
Soziale Kompetenz heißt für Hochbegabte oft auch: Warten auf andere, Zurechtkommen mit dem System.
Das Lernen lernen, Struktur und Organisation, Selbsteinschätzung.

Siehe auch: Bedingungsmodell: Entfaltung von Hochbegabung.

Wenn das nicht gegeben ist:

Zu Seite 14 – Dauer-Frustration entsteht
Beispiel: Hühnerhof und Legebatterie/Massentierhaltung
Kind muss feststellen, dass andere seine Interessen und Denkweisen nicht teilen, es fühlt sich fremd, leidet unter dem Anders-Sein, seine Fragen werden abgetan „dafür bist du noch zu klein“, Lerninteressen werden blockiert.

Zu Seite 19
Im Folgenden bringe ich Beispiele aus unserer Arbeit in der Kita, anhand derer ich die Fördermöglichkeiten erkläre.

Ich werde evtl. noch Fotos ergänzen zur Auflockerung. Ich weise aber darauf hin, dass auf den Bildern verschiedene Kinder zu sehen sind und dass ich damit über Hochbegabungen keine Aussage mache.

Zu Seite 20 – Integration
Die Rückführung eines jeden Exkurses in den Kindergartenalltag ist wichtig. Wie wird das Gelernte integriert? Was nehmen die anderen Kinder davon mit?

Zu Seite 23
Den Fragen des Kindes Raum geben, weiterführende Fragen stellen, die zum Denken anregen, auch unangenehme Themen zulassen, Tod, Tierversuche, Krieg…
Siehe auch: Adrian entdeckt das Zeitunglesen – Fragen von Leben und Tod.

Zu Seite 27 – Fotos aus der Kita-Arbeit einfügen

Beispiel: Steinzeit (frei erzählen)
– Die Steinzeitmenschen: wie sie lebten, was sie aßen, wie sie sich kleideten, welche Tiere es damals gab.

– Waldexkursion: Welche Nahrung findet man im Wald? Welche Pflanzen sind giftig, was macht das Gift mit dem Körper? Aus manchen Giftpflanzen wird Medizin gemacht. Wie heißen die Pilze, wie wachsen sie und wie vermehren sie sich?

– Werkzeuge in der Steinzeit, wie macht man Feuer?

– Zuerst lebten die Dinosaurier, dann später gab es erst die Menschen. Woher kam der erste Mensch?
„Den hat Gott gemacht – aus Speckstein!“ – „Da ist ein Vulkan ausgebrochen und dann gab es keine Bäume mehr und die Affen mussten auf der Erde laufen, so grade, wie Menschen!“

Zu Seite 29
Austausch zur Zusammenarbeit von Kita und Schule:

Bisher Kontakt über Schulleiterin, auch Kontakt zur Klassenlehrerin?
Siehe auch: Entwicklungsberichte zum Kita-Abschluss

Wie steht man zur Früheinschulung?
Wie könnte das praktiziert werden? Mehrwöchiges Schnuppern möglich?

Einschulung auch während des laufenden Schuljahres?

Kontaktperson benennen?

Weitere Fragen, die mich hinsichtlich einer Elternberatung interessieren:

– Welche Fördermöglichkeiten gibt es in der Schule?
– Können Kinder Klassen überspringen?
– Akzeleration: Können sie in Einzelfächern am Unterricht der höheren Klasse teilnehmen?
– Wie sieht es mit Projektarbeit und Freiarbeit aus?
– Welche Räume stehen außer den Klassenräumen zur Verfügung? Wie werden sie genutzt?
– Gibt es besondere Materialien – PC, Mikroskope etc.?
– Gibt es Möglichkeiten zur Clusterbildung?

5. Fragen zur Reflektion nach dem Termin in der Schule:

– Wie ist mein erster Eindruck, mein Gesamtgefühl?
– Bin ich auf eine positive Grundhaltung und Interesse gestoßen?
– Konnte ich meine Ziele erreichen?
– Konnte ich Informationen darlegen?
– Konnte ich Fragen sicher beantworten?
– Was ist offen geblieben?
– Welche Zusammenarbeit wird es in Zukunft geben?
– Zu welchen Erkenntnissen bin ich hinsichtlich einer Elternberatung bezüglich der Schulwahl gekommen?
– Waren die eingesetzten Medien sinnvoll?
– Kam ich mit dem Zeitrahmen aus?
– Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?
– Was habe ich gelernt?

Powerpoint-Präsentation

 

Datum der Veröffentlichung: Oktober 2015
Copyright © Jordis Overödder, siehe Impressum