(Legasthenie)

von Hanna Vock

 

Auch hoch begabte Kinder können von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) betroffen sein. Das heißt, sie haben große Schwierigkeiten, sich die Schriftsprache zu erarbeiten, obwohl sie zunächst hoch motiviert sind.

Die Verzweiflung ist dann groß, wenn die LRS zu spät erkannt wird, keine kompetenten Hilfen zur Verfügung sind und/oder die Schule die LRS zu wenig berücksichtigt. Zwar haben inzwischen alle Bundesländer dazu verbindliche Regelungen getroffen, aber diese (entlastenden) Regelungen sind verschieden und gehen unterschiedlich weit.

Auch für Erzieherinnen ist es wichtig, Einiges über LRS zu wissen, um schon im Kindergarten Anzeichen erkennen zu können. Bei sehr begabten Kindern beginnt der Leselernprozess früh. Falls eine LRS vorliegt, kommt er aber bald ins Stocken und das Kind resigniert. Es ist wichtig, dies zu bemerken und darauf zu reagieren.

Die Forschung erkennt immer genauer die neurologischen Besonderheiten und die genetischen Ursachen der LRS. Niemand, der LRS hat, kann etwas dafür, auch die Eltern haben nichts falsch gemacht.

Wichtig zu wissen ist, dass es verschiedene Formen gibt: Die LRS betrifft oft sowohl den Lese- als auch den Schreiblernprozess; es gibt aber auch eine Form, bei der der Leselernprozess bewältigt wird, es aber zu großen Schwierigkeiten kommt, sobald das Kind schreiben will (Isolierte Rechtschreibstörung).

Je früher eine LRS entdeckt wird, am besten noch vor der Einschulung, desto besser ist sie zu therapieren. Eine Liste von Therapeuten findet sich unter www.legasthenie.de .

Wie erkennen?

Im Kindergarten können wir uns bei besonders und hoch begabten Kindern an den Lernschritten beim Leselern-Prozess und beim Schreiblern-Prozess orientieren.

Siehe auch: Früh Lesen lernen.

Wenn auffällt, dass ein Kind – trotz besonderer Begabung und dem Wunsch Lesen zu lernen – die Lernschritte:

1. Buchstaben erkennen und dauerhaft einprägen,

2. Buchstaben den richtigen Laut zuordnen,

3. die gesehenen Buchstaben zu gehörten Wörtern zusammen ziehen,

4. den Wort- und Satzrhythmus erfassen

nicht vor dem 6. Geburtstag bewältigt, sollte genauer hingesehen werden, woran dies liegt. Wenn das Kind selbst irritiert ist, sollte auch schon früher geprüft werden, an welcher Klippe, an welchem Lernschritt es die großen Schwierigkeiten hat.

Zunächst muss selbstverständlich eine allgemeine Seh- oder Hörschwäche ausgeschlossen werden.

Dann ist zu fragen, ob das Kind eine visuelle Wahrnehmungsschwäche hat, also die Buchstabenzeichen nicht wirklich auseinander halten und sich zuverlässig einprägen kann. Wenn das so ist, dann scheitert es schon am ersten Lernschritt.

Weiter ist die phonologische Bewusstheit zu betrachten. Kann das Kind gehörte Laute fein genug unterscheiden? Hört es zum Beispiel den Unterschied zwischen einem B und einem P oder einem D und einem T sicher? Hier liegt die Klippe im zweiten Lernschritt.

Der dritte Lernschritt stellt hohe Anforderungen an die Kombination der Sinneswahrnehmungen Sehen und Hören. Möglicherweise funktioniert die „Vernetzung“ dieser beiden Wahrnehmungsarten im Gehirn nicht so reibungslos wie bei den meisten anderen Menschen.

Manche Kinder haben Schwierigkeiten mit dem Wahrnehmungsrhythmus. Für genaues und flüssiges Lesen ist es wichtig, dass die Augenbewegungen (und alle daran anschließenden Wahrnehmungsprozesse) sich dem Rhythmus des Wortes und des Satzes anpassen und nicht holpern oder überspringen.

Man kann sich vorstellen, dass ein Kind Probleme mit dem Lesen (und Schreiben) bekommt, wenn eine oder mehrere dieser Schwierigkeiten auftreten. Es braucht dann spezielle Hilfen und die psychische Entlastung, die eine klare Diagnose gibt.

Datum der Veröffentlichung: August 2011
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