von Doris Lenz

 

Entstehung der  Projektidee

Die Projektidee resultiert aus den Ergebnissen der Interessen-Fragebögen, die ich mit allen Kindern ab 3 Jahren durchgeführt habe.

Dabei stellte sich heraus, dass bei fast allen Kindern ein großes Interesse besteht, sich „um Pflanzen zu kümmern“. Mein erstes Ziel war es nun, mit einigen Kindern und natürlich mit Emma, meinem Beobachtungskind (im IHVO-Kurs), eine Gesprächsrunde zu machen. Dabei möchte ich herausfinden, ob dieses Interesse weiterhin besteht und falls ja, wie die Umsetzung aussehen könnte.

… kurz gefasst …

Die Autorin bildet zusammen mit vier fünfjährigen Kindern, die sich gern um Pflanzen kümmern möchten, eine Projektgruppe. Aufgabe der Gruppe ist es, im Kita-Außengelände ein Gartenbeet neu anzulegen. Bei der schweren Bodenbearbeitung erhalten die Kinder Hilfe von Männern des Städtischen Grünflächenamtes. Aber Planung, Einkauf und Anpflanzung übernehmen die Kinder mit viel Schwung und machen dabei wertvolle Erfahrungen.

1. Treffen

Neben Emma (5;9) gehörten Matildaa (5;11), Yılmaz (5;6) und Leonie (5;4) zu dieser Runde. Sie alle hatten im Fragebogen besonderes Interesse an Pflanzen bekundet und lassen allgemein ein durchaus großes geistiges Potential erkennen.

Wir sprachen über die Fragebögen und ich teilte ihnen mit, dass sie alle ein Interesse an Pflanzen geäußert hatten. Ich fragte sie, ob sie denn eine Idee zu diesem Thema hätten.
Matilda (5;11) meinte, wir könnten ja Pflanzen in die Räume stellen, die dann gegossen werden müssten. Leonie (5;4) sprach davon, vielleicht Kräuter in einem Topf hinzustellen. „Wir könnten auch etwas säen“, meinte Emma (5;9). Die Kinder hatten im Kindergarten schon häufiger erlebt, dass etwas gesät wurde, und es war Emma in positiver Erinnerung geblieben. Was gibt es auch Schöneres als etwas wachsen zu sehen?

Mein kleiner Frageimpuls, ob es vielleicht noch andere Möglichkeiten gibt, Pflanzen oder Kräuter zu pflanzen außer in den Kita-Räumen, brachte die Kinder schnell auf die Idee, dass wir auf dem Außengelände etwas pflanzen könnten. „Auf der Wiese“, sagte Leonie. „In einem Beet“, sagte Matilda, „das haben wir auch zu Hause“. „Wir auch“, äußerten sich Leonie und Emma.

Und die Kinder erzählten davon, wie sie kleinere Blumen eingepflanzt hatten. Matilda: „Einmal habe ich ein kleines Blumentöpfchen gefunden und dort Blumen rein gesteckt, aber die sind natürlich ganz schlecht geworden, weil die keine Wurzeln und keine Erde hatten.“

Auf meine Frage, ob wir denn ein Beet haben wollten, kam ein einstimmiges „Ja.“ Matilda wollte gerne ein Gemüsebeet, Leonie aber auch Blumen. Yılmaz äußerte sich nicht und Emma wollte auf jeden Fall Kräuter. Ich sprach mit den Kindern darüber, dass dieses Beet dann für alle Kita-Kinder, die Lust hatten mitzuhelfen, zur Verfügung stehen würde, aber dass sie die Projektgruppe seien, die mit mir das Projekt plant.

Projektplanung

Jetzt musste die Projektgruppe einige Fragen klären:

    • In welchem Teil des Außengeländes soll das Beet angelegt werden?
    • Welche Pflanzen sollte das Beet beherbergen?
    • Wie groß sollte es sein?
    • Wie legt man ein Beet an?
    • Welche Gartenwerkzeuge brauchen wir?
    • Woher bekommen wir Pflanzen?

„Wo bekommen wir denn vielleicht Antworten auf unsere Fragen?“, fragte ich die Kinder. Schnell kam die Antwort von Emma: „In Büchern“. Gesagt, getan. Im Personalraum fanden die Kinder im Bücherregal Literatur zum Thema Garten.
„Im Internet können wir auch nachschauen“, ergänzte Leonie.

Wir machten auf dem Außengelände eine Ortsbegehung, und schnell war ein geeigneter Platz gefunden. Wichtig war den Kindern dabei, dass das Beet nicht mitten auf der Wiese ist, damit diese weiterhin für platzgreifende Spiele zur Verfügung bleibt.

Die Kinder stellten fest, dass der Boden hart war und dass es gar nicht so einfach sein würde, ein Beet anzulegen. „Da braucht man Kraft, um die Wiese weg zu machen“, sagte Yılmaz. „Aber ich bin stark“. „Ich auch“, sagte Emma, was aber durchaus nicht in Konkurrenz gedacht war, sondern eher als Hilfestellung. Im Gegensatz zu bisherigen Angeboten, verhielt sich Emma während dieser Gemeinschaftsaktion sehr gelassen. Das freute mich.

Ich erzählte den Kindern, dass ich bereits im Sommer beim Grünflächenamt nachgefragt hatte, ob einige der Mitarbeiter, Experten auf diesem Gebiet, uns ein Beet anlegen könnten. Diese Arbeit könne wirklich nur von starken Erwachsenen ausgeführt werden. Aber wir könnten bestimmt mithelfen. Wir könnten ja mal beim Amt nachfragen.

Im Beisein der Kinder telefonierte ich nochmals mit dem zuständigen Bereichsleiter. Als frühesten Termin nannte man uns einen Tag im 0ktober.

2. Treffen

Bei unserem nächsten Treffen sprachen wir über die mögliche Bepflanzung. Jetzt ging es darum, welche Pflanzen zu welcher Jahreszeit wachsen. Die Kinder brachten ihr Wissen ein und erzählten mir, dass Tulpen und Schneeglöckchen im Frühling wachsen, im Herbst Äpfel und Weintrauben reif sind, dass es Rosen im Sommer gibt und dass es Efeu gibt, dass immer grün ist.

Definitiv wollten die Kinder in ihrem Gartenbeet Gemüse (Tomaten, Möhren und Paprika waren hierbei die Renner). Außerdem Rosmarin und Oregano. „Das ist immer auf Pizza“, sagte Emma. Und natürlich Blumen.

Ich fragte die Kinder, woher man denn Blumen bekommen könne. Matilda hatte die Idee, dass uns jemand vielleicht „kleine“ schenken würde. Sie meinte Ableger – das hatte sie einmal bei ihrer Mutter mitbekommen, die für den Garten von der Freundin einen Ableger geschenkt bekam.

Den Kindern erklärte ich, dass es auch spezielle Geschäfte gibt, zum Beispiel Gärtnereien oder Gartenfachmärkte, wo man alles rund um den Garten einkaufen kann.

Die Kinder waren sofort Feuer und Flamme, einmal dorthin zu fahren.

Wir redeten über Pflanzen, die nur einmal blühen, über Pflanzen, die erfrieren, wenn man sie nicht „zudeckt“ und dass man erst im Frühling in Außenbeeten etwas aussäen kann.

3. Treffen

Am Morgen des 10. Oktober warteten die Kinder auf die Mitarbeiter des Grünflächenamtes. Bald kamen dann Wolfgang, Leo und Frank. Die Männer waren schon öfters in unserer Kita gewesen. Sie sind für die üblichen Außengeländearbeiten wie Mähen, Zurückschneiden der Sträucher und Bäume zuständig.

Das Beet wird angelegt.

Die Kinder waren höchst motiviert und konnten es kaum erwarten zu beginnen. Leo, Wolfgang und Frank begannen die Erde mit ihren Spaten zu bearbeiten. Emma, Matilda, Yılmaz und Leonie legten auch Hand an, bemerkten aber schnell, wie anstrengend diese Arbeit ist und welche enorme Kraft man aufwenden muss.

Die Männer erklärten den Kindern, dass sie als erstes eine Fläche von der Wiese abtragen müssten, die für die Umrandung des Beetes zu nutzen sei. Dann sollten darauf Platten verlegt werden, damit eine bessere Abgrenzung zur Wiese gegeben ist. Anna hatte auch gleich die passende Erklärung: „Damit die Wiese nicht auf das Beet wächst.“

„Wofür sind denn die kleinen Steine?“, fragte Yılmaz, der in einer Schubkarre Lavasteine entdeckt hatte. „Bevor die Platten verlegt werden, müssen diese Steine auf die Erde gelegt werden, damit kein Wasser auf den Platten bleibt, wenn es regnet. Das Wasser kann durch die Lavasteine gut abfließen“, erklärte Wolfgang.

Dann halfen die Kinder dabei, diese Steine hinzuschütten und glatt zu streichen. Leo und Frank holten nun die Platten und verlegten sie auf die vorbereiteten Flächen. „Das ist aber schief“, sagte Leonie. Die Männer lachten und kündigten an, dass sie noch mit einem Holzhammer auf die Platten hauen würden, damit diese sich noch mehr senken. An den Stellen, wo sie zu tief im Boden liegen, wird noch Erde untergelegt. Damit man genau erkennen kann, ob alles gerade liegt, kommt zum Schluss die Wasserwaage zum Einsatz. Yılmaz hatte schon einmal eine Wasserwaage bei seinem Vater gesehen, allerdings keine Erklärung dazu erhalten, wie diese zu benutzen sei. Leo erklärte dann den Kindern die Handhabung.

Die Männer erledigten dann den Rest der Arbeit allein, da die Kinder äußerten, dass sie nun müde wären, weil die Arbeit so anstrengend gewesen ist, aber es habe Spaß gemacht.

Emma ist später nach dem Mittagessen im Theater-, und Rollenspielraum eingeschlafen. Die körperliche Arbeit hat ihr gut getan. Während sie sonst immer weiter in Aktion ist, war sie endlich einmal „ausgepowert“.

4. Treffen

Wolfgang, Leo und Frank brachten am nächsten Tag eine Kiste voll Blumenzwiebeln mit. Das war eine Freude für die Kinder. Zunächst schauten wir uns an, welche Zwiebelsorten es waren: verschiedene Tulpenzwiebeln und einige Sorten Narzissen. Da keine Bilder dabei waren, sondern nur die botanischen Namen, schauten wir im Internet nach, welche Blüte sie im Frühjahr tragen würden. Außerdem verglichen wir die Blumenzwiebeln mit normalen Speisezwiebeln. Die Kinder erkannten: Größe, Beschaffenheit und Geruch machen die Unterschiede aus.

Einpflanzen der Blumenzwiebeln

Dann pflanzten die Kinder gemeinsam mit mir die Zwiebeln an die vorgesehene Stelle im Beet ein. Die Kinder erfuhren, welche Gartenwerkzeuge dabei sinnvoll eingesetzt werden können und wie tief die Zwiebel eingesetzt werden muss.

Auf meine Frage, welche Stelle der Zwiebel nach unten und welche nach oben zeigen soll, konnte Matilda antworten. Sie stellte fest, dass an einigen Zwiebeln noch kleine getrocknete Wurzeln zu sehen waren. Ich machte noch darauf aufmerksam, dass die Stelle, die zur Oberfläche zeigen soll, etwas spitzer ist.

Die Kinder arbeiteten fleißig mit und waren hoch motiviert. Nachdem alle Zwiebeln in der Erde waren, begossen die Kinder sie mit Wasser. Dabei stellten wir fest, dass wir unbedingt noch Gießkannen für die Gartenarbeit benötigten.

5. Treffen

Besuch eines Gartenfachmarktes

Beim Ausflug zum Gartenfachmarkt fehlten leider Yılmaz und Leonie. Da aber Denise (5;9) und Fee (5;10) mitbekommen hatten, dass wir weg wollten, fragten sie, ob sie mitkommen könnten. Das war kein Problem, im Gegenteil, wir freuten uns darüber. Wir fuhren zwei Stationen weit mit dem Bus. Im Vorfeld hatten wir geklärt, was wir kaufen wollten für unser Gartenbeet: Gießkannen, Kräuter, Blumen und Gemüsepflanzen. Jedes Kind hatte die Aufgabe, für ein Produkt bei der Fachkraft nachzufragen. Den Kindern wurde sehr freundlich Auskunft erteilt.

Bei der Kräuterauswahl waren die Kinder sich schnell einig. Oregano und Rosmarin wurden in den Einkaufswagen gestellt, nachdem jedes der Kinder seine Nase vorher in die Pflanze gesteckt und geschnuppert hatte. In der Kita warteten noch Salbei und Zitronenmelisse, eine Kollegin hatte Ableger mitgebracht.

Die Auswahl der Blumen gestaltete sich etwas schwieriger. Jeder wollte etwas anderes. Ich machte darauf aufmerksam, dass wir nur eine bestimmte Geldmenge zur Verfügung hatten. So einigten sie sich auf ein Alpenveilchen, eine Christrose, weil diese auch im Winter blüht, eine Erika und eine Herbstaster.

Die Verkäuferin erklärte den Kindern noch den Begriff „winterhart“. Die Kinder fragten nach Gemüsepflanzen. Im Winter könne man keine Gemüsepflanzen in die Erde einsetzen, erst im Frühling und Sommer wieder, sagte die Verkäuferin.

Als letztes gingen die Kinder zu den Gießkannen. Die Auswahl war riesig. Aber sie wurden sich schnell über die Größe einig. An der Kasse wollte Matilda bezahlen. Gemeinsam wurde das Wechselgeld gezählt. Hier war Emma vorneweg. Sie interessiert sich für Zahlen und für Buchstaben.

Dann fuhren wir wieder mit dem Bus zurück in die Kita. Ich fragte die Kinder, ob sie die Pflanzen heute oder am nächsten Tag einpflanzen wollten. Sie entschieden sich für den folgenden Tag. Leider wurde ich krank und die Pflanzaktion musste verschoben werden.

6. Treffen

Ein paar Tage später pflanzten wir dann unsere eingekauften Pflanzen in die dafür vorgesehenen Teilstücke des Beetes. Emma und Yılmaz waren nun leider krank, dafür half Fee mit und Janne (3;1) gesellte sich dazu.
Vorab sammelten die Kinder noch das Laub ein, das sich auf den Beeten und ringsherum befand.
„Jetzt wissen die anderen Kinder aber nicht, wie die Pflanzen heißen“, sagte Leonie.“Dann schreiben wir das auf“, erwiderte Matilda. „Und worauf wollt ihr das schreiben?“, fragte ich die Kinder. „Auf ein Schild“, antwortete Matilda.
Ich sagte den Kindern, dass ich noch Holzschilder zu Hause hätte, die mein Sohn mal für mich gemacht hatte. Es seien welche übrig geblieben und ich könne sie gerne am nächsten Tag mitbringen. Die Kanten müssten nur noch abgeschliffen werden, dann könne man sie bemalen und beschriften. „Dürfen wir das machen?“, fragte Emma. „Na klar“, war meine Antwort.

7. Treffen

Schilder herstellen

Am nächsten Tag brachte ich die Holzschilder mit, die die Kinder dann in unserem „Atelierchen“ schmirgelten und danach mit Farbe bemalten. Emma und Yılmaz waren auch wieder mit dabei. Damit sie gut trocknen konnten, holten die Kinder in einem Gefäß Sand aus dem Sandkasten, in den sie die Schilder steckten. Jetzt hieß es geduldig sein und bis zum nächsten Tag zu warten. Denise (5;9) hatte sich übrigens dazu gesellt, um mit zu malen. Sie wurde von der Gruppe ohne Kommentar angenommen.

8. Treffen

Die Kinder wollten an diesem Morgen die Schilder beschriften.
Emma (5;9) gefällt mir gut in ihren Handlungen und Äußerungen. Sie wirkt gelassener als sonst und drängt sich nicht so sehr in den Vordergrund.
Nun sollte auch noch die Pflanzen auf den Schildchen abgebildet werden. Da die Kinder nicht mehr von allen Pflanzen wussten, wie sie aussehen, wurden noch mal das Internet und Bücher zu Rate gezogen. Die Kinder baten mich, die Namen der Pflanzen auf den Schildern mit Bleistift vor zu malen, da die Schilder so klein seien.

Mit Konzentration zogen die Kinder dann, was nicht ganz einfach war, die Buchstaben mit einem feinen Pinsel nach. Am Ende wurden die Materialien und der Arbeitsplatz gesäubert und alles wieder an Ort und Stelle gebracht. Am nächsten Tag wurden die Schilder dann vor den jeweiligen Pflanzen in die Erde gesteckt.

9. Treffen

Leo, Frank und Wolfgang überraschten die Kinder am nächsten Tag. Sie brachten drei Kisten Hornveilchen als Geschenk mit. Einige andere Kinder sahen, wie die Mitarbeiter des Grünflächenamtes kamen, und wollten auch gerne mitpflanzen.

Einpflanzen von Hornveilchen

lnnerhalb der nächsten eineinhalb Stunden war die Pflanzaktion eine Art Selbstläufer. Zunächst hatten Fee (5;10), Janne (3;1), Matilda (5;11) und Leonie (5;4) – Emma und Yılmaz fehlten leider wieder – einige der Hornveilchen ins Blumenbeet eingepflanzt. Die anderen Pflanzen sollten in den vorderen Außenspielbereich. Dort kamen dann viele andere Kinder mit dazu und pflanzten mit ein. lnsgesamt waren an dieser Pflanzaktion zusätzlich 18 Kinder im Alter zwischen 3;0 und 5;7 beteiligt.

Vorläufiger Abschluss des Projektes

Im Plenum – leider waren Emma und Yılmaz nicht dabei – erzählte Matilda (5;11) den Kindern, die noch nichts wussten, vom neuen Gartenbeet. Da jetzt Herbst ist und bald der Winter folgen wird, geht das Projekt sozusagen in Winterpause. Aber im Frühjahr, so planen die Kinder schon, wollen sie säen und noch mehr Blumen pflanzen.

Das Gartenbeet ergänzt und bereichert das Außengelände der Kita und bietet nun neben unserem Walnussbaum, dem Kirschbaum, den Johannisbeersträuchern, den Himbeersträuchern und dem Wein weitere Pflanzen und Kräuter, die im Kita-Alltag gut eingebunden werden können. Ich bin gespannt, was den Kindern noch alles einfallen wird.

Resümee

Die Erfahrungen, die die Kinder und ich während der Projektphase machen konnten, waren sehr vielschichtig. Die hohe Motivation der Kinder war sehr erfreulich. Yılmaz (5;6) hatte zu Beginn einige Anlaufschwierigkeiten, bevor er sich so richtig darauf einlassen konnte. Während die anderen Kinder, vor allem Emma (5;9) und Matilda (5;11) selbst schon kleinere Projekte mitgemacht hatten, war es für Yılmaz eher Neuland. Aber beim zweiten Treffen war auch er voll dabei.

Für Leonie kam die Projektarbeit gerade richtig. Sie ist in eine schwierige und sie sehr belastende familiäre Situation geraten und reagiert zunehmend mit heftigem Trennungsschmerz, wenn die Mutter oder der Vater morgens wieder gehen und sie in der Kita lassen. Sie lässt sich zwar ablenken, aber man merkt ihr doch ihre Traurigkeit an. Während der Projektphase war sie aber anscheinend mit all ihren Sinnen dabei und arbeitete motiviert und gerne mit.

Emma (5;9) reagierte auch positiv auf das Zusammenwirken mit den anderen Kindern. Sie konnte sich nun eher mal zurücknehmen. Da sie das Thema des Projektes vorab nicht kannte, erarbeitete sie gemeinsam mit den anderen den Verlauf, ohne bereits – wie sonst meistens – schon genau im Kopf zu haben, wie es laufen soll.

Die Kinder waren an manchen Tagen so motiviert, dass wir die Zeit vergaßen und die Kolleginnen die Kinder zum Essen riefen. Eine Verschnaufpause tat dann auch allen gut.

Während des Projektes erzählte ich den Kindern, wie gerne ich früher als Kind im Garten meines Opas, später im Garten meines Vaters und heute im eigenen Garten gearbeitet habe. Ich liebe die Natur und fühle mich ihr während dieser ehrlichen Arbeit sehr verbunden. Wie sehr erfreue ich mich am Wachstum der Pflanzen und am Beobachten der vielen unterschiedlichen Kleinstlebewesen. Die Arbeit, wenn sie auch körperlich manchmal anstrengend ist, gibt mir Ruhe und Entspannung und ich freue mich darauf, wenn das Frühjahr uns wieder die Möglichkeit gibt, unser Projekt weiterzuführen.

Alles in allem bot das Thema für alle eine gute Möglichkeit zu lernen, zu wachsen und sich mit vielfältigen Arbeitsabläufen auseinanderzusetzen. Sachwissen konnte angewandt, erweitert und vertieft werden. So lernten die Kinder zum Beispiel einiges Neues über den Rhythmus der Natur, über die Gartenarbeit, das Anlegen eines Beetes, das Verlegen von Platten. Sie übten sich im Sozialverhalten, waren mit Freude dabei und nahmen gerne Hilfe und Rat in Anspruch. Die Erfahrungen und die Erfolgserlebnisse, die sie hatten, stärkten ihr Selbstbewusstsein. Die betrifft vor allem Leonie und Yılmaz.

Positiv war aber auch, dass dieses Projekt nachhaltig ist und immer wieder Gelegenheit bietet, auch anderen Kindern Raum zu schaffen, nachhaltig aktiv zu lernen.

Abschlussgespräch mit Emma

Zum Abschluss sprach ich mit Emma über das Projekt. Ihre Äußerungen:

    • „Es hat mir gut gefallen.“
    • „Ich fand, dass Matilda so gute Ideen hat. Die hat einfach immer gute Ideen.“
    • „Wie man Platten verlegt, habe ich gelernt. Und dass die Lavasteine für das Wasser da sind, also das Wasser durchlassen.“
    • Dass Blumen im Winter schlafen, außer die Christrose, die kann im Winter blühen.“
    • „Wir konnten viel selber machen.“
    • „Aber das Schreiben war schwierig.“ (Sie meint die Beschriftung der Schilder.)
    • „Das Ergebnis ist mir wichtig, weil ich im Frühjahr weitermachen kann. Die anderen Kinder auch … „
    • „Denise hat es gut mit den Wörtern gemacht.“ (Sie meint die Beschriftung der Schilder.)
    • „Ich konnte gut mit den anderen zusammenarbeiten.“
    • „Dass so viel drin ist und man soviel sehen kann.“ (Sie meint die Bepflanzung des Beetes.)

 

Datum der Veröffentlichung: Januar 2015
Copyright © Hanna Vock, siehe Impressum