von Kornelia Eppmann

 

Auch bei meiner 4. Praxisaufgabe im IHVO-Zertifikatskurs will ich an den Interessen meines Beobachtungskindes Felix (4;3) ansetzen:
Was ist der Erdkern? Was ist ein Vulkanausbruch?

Das will ich tun:

1. Felix darin unterstützen, Gruppen übergreifende Kontakte zu adäquaten Spielpartnern zu knüpfen und festigen.

2. Ein Kleingruppen-Projekt durchführen, das in Experimente zu einem Vulkanausbruch mündet.
Das Alter der teilnehmenden Kinder ist 4;3 / 5;6 / 6;2 / 6,3 Jahre. Die Namen habe ich geändert oder anonyme Anreden verwendet.

Mehr Projekte mit Felix:

Mit dem Förster im Wald

Felix und das Fotografieren

Ziel 1: Kontakte zu adäquaten Spielpartnern Gruppen übergreifend knüpfen

Zunehmend konnte ich beobachten, dass Felix sich älteren Kindern zuwandte, indem er ihr Spiel beobachtete und es dann mit seinem Freund diskutierte.

Situation 1 – Felix findet Leo toll

Felix: „Wollen wir mal fragen ob wir mitmachen dürfen?“
Sein Freund: „Ich glaub nicht, die sind viel schneller als wir.“
Auf dem Spielplatz spielten die älteren Jungen Fußball, Felix setzte sich an den Rand und feuerte seinen Favoriten von den älteren Jungs an: „Los, schieß den Ball ins Tor“ und klatschte Beifall dazu.
Am Mittagstisch erzählte mir Felix (4;3) dann, dass er den (sechsjährigen) Leo aus der lila Gruppe toll findet. „Der hat immer so gute Ideen und lässt mich manchmal mitspielen.“

 

…kurz gefasst…

Die Autorin bildet Gruppen übergreifend eine Kleingruppe von vier Kindern, die alle „geologisch interessiert“ sind. Der vierjährige besonders begabte Felix kann mit den älteren Jungen gut mithalten, er findet in ihnen adäquate Spiel- und Lernpartner.
Durch viele gute, auf die Ideen der Kinder eingehende Fragen steuert die Autorin den Lernprozess der Kinder. Höhepunkt der Beschäftigung mit natürlichen Phänomenen ist das Vulkan-Experiment, das nicht isoliert da steht, sondern in die gemeinsame geistige Auseinandersetzung der Kinder eingebettet ist.

Situation 2 – Frag ihn doch mal!

Ich sagte ihm: „Geh doch mal in seine Gruppe und frag ihn, ob ihr vielleicht etwas gemeinsam spielen könnt. Leo kann nicht wissen, dass du gern mit ihm spielen würdest.“
Felix: „Hm, wenn wir mit dem Essen fertig sind, gehe ich in die lila Gruppe und frag ihn mal.“

Es dauerte eine Weile. Als Felix zurück kam, sagte er voller Stolz und mit Freude: „Ich  darf mitspielen, wir gehen raus in den Sand. Vorher müssen wir noch zwei Freunde von Leo aus der grünen Gruppe abholen, die wollen auch mitspielen.“

Situation 3 – Sandkastengespräch

Als ich auf den Spielplatz kam, buddelten die vier Jungs voller Eifer. „Was macht ihr da?“, fragte ich.
Leo: „Wir graben nach Bodenschätzen und dem Erdkern“.

In einem Sandkastengespräch mit Felix und den drei Jungen aus den anderen Gruppen fragte ich nach, wer denn diese Idee hatte und wie sie auf den Erdkern gekommen seien.
Darauf erwiderte Leo: „Ich hab von meiner Oma ein neues Buch geschenkt bekommen und darin sind viele Sachen über die Erde erklärt. Meine Mama liest mir jeden Abend was daraus vor und da stand, die Erde hat einen Kern.
Mama hat es aber nicht zu Ende vorgelesen, weil es schon zu spät war, vielleicht liest sie es heute zu Ende vor – jetzt versuchen wir nach dem Erdkern zu graben.“

Ich bemerkte: „Da bin ich aber gespannt, ob ihr den finden könnt. Das ist wirklich interessant!“
Plötzlich rief Felix: „Guck mal, ich habe einen Schatz gefunden!“
Alle drehten sich um, zeig mal her.
Felix hielt ein Stück weißes Plastik in der Hand. Als Leo den Sand abgewischt hatte, sagte er: „Nein, das ist von einem alten Plastikbecher, einfach nur Müll.“
Felix: „Ach so, vielleicht finde ich einen Edelstein, wenn ich weiter grabe.“

Einer der älteren Jungs fragte Felix: „Weißt du überhaupt, wie Edelsteine aussehen?“ Felix: „Ja, ich habe welche zu Hause, die hab ich am Rhein mit meinem Freund bei einer Schatzsuche gefunden, als er Geburtstag hatte.“
Sein Freund kam in dem Moment gerade raus auf den Spielplatz. Felix rief ihm zu: „Komm schnell hierher, wir graben nach Bodenschätzen!“
Dieses Wort beeindruckte ihn und er gebrauchte es an diesem Tag noch häufig.

Felix fragte die Jungen: „Darf mein Freund auch mitmachen?“
Die Jungs drehten sich um und stimmten zu: „Na gut, aber jetzt wird’s ganz schön eng hier im Loch.“

„Wisst ihr denn, was Bodenschätze sind?“ fragte ich die älteren Kinder.
„Ja klar“, gab einer der Jungs zur Antwort, „zum Beispiel Kohle, Edelsteine und Gas.“

„Das stimmt“, erwiderte ich.
Felix: „Kohle sieht schwarz aus, aber der Sand hier nicht.“
„Kohle befindet sich ganz tief in der Erde“, erklärte ich Felix, „und muss mit großen Geräten abgebaut werden. In einem Werk wird sie dann geformt, so wie wir die Kohle in einzelnen Stücken kennen.“

„Gas ist doch Luft?“ sagte Felix. „Das haben wir in unseren Experimenten gesehen, oder Konny?“
Ich antwortete: „Na ja, die Luft ist gasförmig und besteht aus mehreren Stoffen. Und in der Erde gibt es noch andere Gase.“

Darauf rief Leo: „Ich habe ein Buch, wo das erklärt wird.“
Felix: „Kannst du das morgen mal mitbringen?“
„Oh ja“, sagte ich, „wir könnten uns ja morgen nach dem Frühstück gemeinsam in der Quasselbude treffen, um dein Buch anzusehen.“
Die Kinder stimmten zu und buddelten weiter. Felix fand dabei eine Tonscherbe: „Guckt mal, was ich hier gefunden habe!“

Die Kinder begutachteten den Fund und meinten, es sei eine Tonscherbe, Felix‘ Freund sagte: „Die ist bestimmt von den Rittern.“

„Wie kommst du darauf?“ fragte ich seinen Freund.
„Na, ich habe eine Ritterburg und ein Ritterbuch, die hatten früher solche Schalen und Krüge aus Ton, hat meine Mama gesagt, vielleicht waren hier früher auch mal Ritter.“

Situation 4 – Am nächsten Morgen / Leos Buch

Als Felix am nächsten morgen in die Kita kam, stürzte er auf mich zu, sagte Guten Morgen und im gleichen Atemzug: „Ich muss mal schnell zu Leo in die lila Gruppe, ob der sein Buch mitgebracht hat“, und lief los.

„Ja, der hat es dabei“,sagte Felix, als er zurück kam. „Wir können uns nach dem Frühstück in der Quasselbude treffen.“ Was wir dann auch taten.

Situation 5 – In der Quasselbude mit Leos Buch

Leo zeigte uns sein Buch und gab Erklärungen dazu, zum Beispiel, dass es Millionen Jahre gedauert hätte, bis die Bodenschätze entstanden waren.
„Ich überlege gerade“, fügte ich ein, „wie wir das genauer rausfinden können“.
Da rief Felix: „Vielleicht mit dem Computer? Mein Papa guckt da immer nach, wenn er etwas wissen will.“

Leo sagte: „Ja, bei Google, wir können die Susi (Erzieherin) in meiner Gruppe fragen, denn wir haben einen Computer in der Gruppe.“
„Wer von euch kann sie mal fragen gehen?“, sagte ich.
Felix: „Ich kann das machen!“, und er stürmte los. Er war schnell zurück und sagte: „Wenn Susi aus der Mittagspause kommt, können wir in der Gruppe an den Computer.“

Wir blätterten im Buch weiter und entdeckten eine Abbildung der Erde im Querschnitt sowie eine Abbildung der Planeten.

„Guck mal“, sagte Felix, „ist das der Erdkern?“
Ich bejahte seine Frage: „Die Erde brennt ja innen, das ist eine glühende Masse.“
„Ist es deshalb so warm im Sommer?“ fragte Felix.
„Nein“, sagte ich, „das hat damit nichts zu tun. Die Erde ist eine Kugel, sie ist geschlossen wie ein Ball und besteht aus mehren Schichten, die den Erdkern umschließen, wie du es hier auf der Abbildung siehst.“

Kommentar der Kursleitung:
Dies wäre eine gute Gelegenheit gewesen, das eigene Schlussfolgern der Kinder zu fördern: Der Gedanke, dass die Wärme im Sommer auf die Hitze im Erdinneren zurückzuführen ist, entbehrt ja nicht jeder Logik, sondern lässt nur ein paar (wenn auch entscheidende) Details außer Acht. Du hättest jetzt gut nachfragen können, warum es denn dann im Winter nicht so warm ist, ob dann vielleicht das Erdinnere ‚ausgeschaltet‘ ist, oder ob es vielleicht noch einen andern Grund gibt, warum es im Sommer warm sein könnte. Man wäre vielleicht darauf gestoßen, dass die Sonne höher steht und die Tage länger sind, sodass mehr Sonnenstrahlen die Erde aufwärmen.

Leo: „Guckt, da ist der Erdmantel außen herum, der ist ganz hart und fest, so kann die glühende Masse nicht heraus.“
Felix` Freund blickte auf die nebenstehende Abbildung der Planeten: „Guckt, die Sonne ist viel größer als die Erde, dort kann niemand hin, sonst verbrennt er.“

Wir verabredeten uns nach dem Essen in Leos Gruppe. Susi suchte im Internet heraus, welche Bodenschätze es gibt und wie sie entstanden sind, und las den Kindern vor, unter anderem, dass die Bodenschätze auf der ganzen Erde verteilt zu finden sind.

Als ich in die Runde fragte: „Weiß einer von euch, welche Bodenschätze wir in Deutschland haben?“ sagte einer der Jungs: „Nicht so genau, weil es so viele gibt. Aber Kohle gibt es, denn mein Papa hat mir erzählt, dass manche Baggerseen alte Kohlegebiete waren, jetzt sind die voll Wasser.“

Leo sagte: „Ich habe einen Kinderatlas zu Hause, dort kann man sehen, wo es in Deutschland Bodenschätze gibt.“
Felix fragte: „Kann ich mal zu dir nach Hause kommen? Dann können wir den Atlas gemeinsam anschauen.“
Leo: „Da muss ich erst mal meine Mutter fragen, wann du mal kommen kannst, ich habe manchmal noch einen Termin, dann geht es nicht.“
„O.k.“, sagte Felix.

Situation 6 – Quasselbude / Weltkarte / Bodenschätze

Einige Tage später verabredeten wir uns zu einer offenen Gesprächsrunde in der Quasselbude, ich hatte eine Weltkarte mitgebracht.

Als ich nachfragte, wie weit sie denn mit ihrer Suche nach dem Erdkern seien, sagten sie, wir schaffen es nicht.
„Wieso?“ fragte ich. „Wir haben nur Beton gefunden, da konnten wir dann nicht weiter graben.“
Leo: „Den hat ein Maurer gemacht und der ist so hart, das geht mit den Kinderschippen nicht.“

„Was hast du da mitgebracht?“ fragte Felix.
„Was meint ihr?“ fragte ich in die Runde.
„Eine Weltkarte“, sagte einer der Jungen.
Sofort zeigte jeder mit einem Finger auf Länder, die er schon mal auf einer Landkarte gesehen hatte.
„Da war mein Papa zum Hochseeangeln in Norwegen“, zeigte eins der Kinder.
„Hier kommt meine Oma her und im Sommer fliegen wir dahin in den Urlaub“, sagte ein weiteres Kind.

„Weißt du auch, wie dieses Land heißt?“ fragte ich den Jungen.
„Ja, Italien“, sagte er und ich fragte:
„Habt ihr auch gesehen, was für eine lustige Form das Land hat?“
Felix: „Es sieht lang und dünn aus, guck mal“ – er fuhr mit dem Finger entlang. Leo: „Wie ein Stiefel, das hat meine Oma mir gezeigt.“
Felix: „He, ist ja lustig!“

„Da ist Deutschland“, fand einer der Jungen schnell heraus.
„Richtig“, bestätigte ich.
„Wo denn?“ fragte Felix.
Leo: „Hier der kleine Punkt. Schau mal genau hin, so klein!“
„Weil unser Land so klein ist, müssen wir Bodenschätze, die wir brauchen, von anderen Ländern einkaufen“, fügte ich hinzu, „zum Beispiel Öl.“
Felix: „Für die Autos, die brauchen Öl, sonst geht der Motor kaputt.“

Die Kinder benannten noch einige Länder, die sie kannten, und Felix war erstaunt, wie viel Wasser es gibt.
Einer der Jungen fragte: „Konny, hast auch von dem Vulkanausbruch auf Island gehört?“

Ich nickte. „Ja, das ist eine Naturerscheinung. Vulkane gibt es schon ganz lange.“

Ziel 2: Erklärung von Zusammenhängen, mit Hilfe von Experimenten zu einem Vulkanausbruch

Ich habe dieses Thema aufgegriffen, um mit dieser Kindergruppe einige Experimente dazu durchzuführen.

Situation 7 – Quasselbude / Leos Zeitungsausschnitt

In einem weiteren Treffen in der Quasselbude hatten wir gemeinsam einige Dinge zum Thema Vulkane und Vulkanausbruch zusammen getragen.
„Da explodiert der Berg, das sieht dann aus wie ein Feuerwerk“, meinte Felix.

Leo hatte einen Zeitungsausschnitt mitgebracht, den wir uns anschauten.
„Felix, guck mal, so eine dicke Wolke, warum sieht die denn so grau aus?“ wollte ich wissen.
„Das ist Asche“, erwiderte Leo, „die hat der Vulkan nach oben geschossen.“
„Wie mit einem Gewehr?“ fragte ich in die Runde.
„Nein“, sagten alle gemeinsam.
Leo: „Weil in der Erde ein Druck ist. Der explodiert dann und sprüht dann Asche und Lava aus dem Vulkan.“
„Aha“, sagte ich, „wisst ihr, was Asche ist?“
Felix: „Wenn die Grillkohle gelöscht ist, bleibt nur noch Asche übrig.“

„Hast du schon mal Asche angefasst?“
Felix: „Nein, das durfte ich nicht.“
Ein anderer Junge aus der Gruppe sagte: „Das ist wie feines Mehl. Wenn man hinein pustet, fliegt es durch die Luft.“
„Das hast du gut erklärt“, fügte ich hinzu.

„Aber was ist denn ein Druck?“ fragte ich.
Einer der Jungen sagte: „In den Autoreifen, da ist Luftdruck, sonst hat man einen Platten und kann nicht damit fahren.“
„Richtig“, bestätigte ich. „Was meint ihr, womit könnten wir versuchen, einen Druck herzustellen?“
„Aah“, sagte Leo, „mit einem Luftballon, den pustet man auf, bis er platzt. Wenn die Luft keinen Platz mehr hat, peng, knallt er.“

„Das wäre eine Erklärung, Leo, ich habe schon etwas für ein Experiment vorbereitet.“

Situation 8 – Das Luftballon- und das Rasen-Experiment

Auf dem Tisch lagen: ein Luftballon, etwas Mehl und ein Trichter sowie eine kleine Papprolle.
„Ihr habt doch gesagt, die Asche schießt aus dem Vulkan. Das versuchen wir jetzt mit dem Luftballon, in den ich etwas Mehl fülle. Wofür soll das Mehl eigentlich sein?“ fragte ich.
„Na, bestimmt die Asche“, gab Leo zur Antwort.
„Warum stecke ich diesen Ballon in die Papprolle, bevor er aufgepustet wird?“
„Soll das etwa der Vulkan sein?“ bekam ich zur Antwort.
„Genau so hatte ich mir das gedacht, mal sehen, ob es funktioniert. Leo, möchtest du vielleicht den Ballon aufpusten?“
„Nee, lieber nicht, wenn er platzt, tut es im Gesicht weh.“

„Wer möchte es dann probieren?“

„Du kannst das doch bestimmt“,
sagte Felix zu mir.

Na gut, also musste ich dicke Backen machen.
„Was passiert, wenn ich den Ballon jetzt aufpuste?“, fragte ich.
Felix: „Der explodiert und das Mehl fliegt durch die Luft.“
Ich pustete, bis der Ballon platzte, das Mehl flog nach allen Richtungen und rieselte langsam zu Boden, die Kinder lachten sich natürlich darüber schlapp, wie ich danach aussah.

Zwei Jungen hielten ihre Ohren zu: „Das ist ja so laut!“
„Könnte es bei einem Vulkanausbruch so ähnlich sein?“, fragte ich.
„Ja, ich glaube schon“, sagte einer der Jungen, „aber da kommt viel mehr Asche herunter, die Menschen können dann nicht mehr atmen, deshalb tragen sie Atemschutzmasken und die Tiere dürfen auch nicht mehr auf die Wiesen. Meine Mama hat gesagt, die würden bis an die Knöchel in der Asche stehen.“
„Da hat deine Mutter Recht“, bestätigte ich, „das habe ich auch im Fernsehen gesehen. Wir können das mal ausprobieren in unserem nächsten Experiment.“

Dazu gingen wir nach draußen und holten uns ein kleines Stück vom Rasen. Mit einem Messer stach ich ein Stück (ca. 15 x 15 cm) ab und legte es auf ein Tablett.
Felix: „Den dürfen wir nicht kaputt machen, wir wollen doch noch auf dem Rasen spielen.“
„Richtig, Felix“, sagte ich, „aber ich habe vorher gefragt: und nach unserem Experiment kommt das Rasenstück in die Biotonne, diese Abfälle werden dann wieder aufgearbeitet. Hier habe ich ein Küchensieb, eine Tüte Mehl und ein kleines Pferd aus unserer Tierkiste bereitgestellt.“

Alle Kinder fassten das Mehl an, um zu fühlen, wie Asche sich anfassen könnte, und pusteten etwas von der Hand.
„Da muss man ja aufpassen, dass man es nicht in die Augen und Nase bekommt“, sagte Leo.

Dann siebte eines der Kinder reichlich Mehl auf das Wiesen-Stückchen, bis die anderen „stopp“ riefen. Felix nahm das Pferd und stellte es auf die mit „Asche“ übersäte Wiese.
„Stimmt“, meinte er, „da können die Tiere kein Gras mehr sehen und fressen.“

In meiner Büchersammlung hatte ich noch ein Buch gefunden, in dem ein Vulkan im Querschnitt ganz deutlich und in Farbe zu sehen war. Das brachte ich zu unserem nächsten Treffen in der Quasselbude mit.

Situation 9 – Quasselbude / Buch vom Vulkan im Schnitt / Bild malen

Wir schauten uns das Bild sehr genau an und die Kinder äußerten: „Da fließt die Lava den Berg hinunter.“
Einer der Jungen meinte: „Und ganz unten das nennt man Magma.“
„Ja“, erwiderte ich, „und wenn dann der Druck von unten zu groß wird, explodiert der Vulkan es kommt zu einem Ausbruch. Ich habe ein Experiment gefunden, wie wir selbst einen Vulkan bauen können.
Ich muss noch einige Sachen dafür einkaufen, dann legen wir los, aber vielleicht könnte jeder ein Bild von einem Vulkan malen bis zu unserem nächsten Treffen?“

Die Kinder waren einverstanden. „Können wir dann zu dir in die Gruppe kommen?“ „Natürlich. Sagt mir Bescheid, wenn ihr Zeit habt.“
Sie überlegten dann, dass sie mit Wasserfarben malen wollten, welche Farben sie bräuchten und dass sie auch welche mischen müssten.

Felix, der eigentlich ein Mal-Muffel ist, hat in Zusammenarbeit mit den anderen Kindern ein super Bild gemalt, was er mir nicht überlassen wollte, weil er so stolz darauf war. Er nahm es mit nach Hause und seine Mutter hat es eingerahmt.

Situation 10 – Das Vulkan-Experiment

Nachdem ich nun alle Sachen beisammen hatte, lud ich die Vier zum Experiment ein. Die Kinder waren voller Elan bei der Sache.
„Schaut mal welche Materialien ich bereit gestellt habe.“

Sie zeigten und benannten:
„Das ist Essig“, sagte Felix, „den darf man nicht trinken, sonst verletzt man den Hals und Magen.“
Das ist gefährlich, wir stimmten seinen Äußerungen zu.
„Das ist Ton“, sagte Leo, „damit formen wir bestimmt etwas.“
„Ja und was?“ fragte ich.
„Bestimmt den Vulkan“, gab er zur Antwort und ich nickte.
„Das ist rote Farbe“, sagte einer der Jungen.
„Ja, weißt du, wie man diese Farbe nennt, man kann sie auch essen?“
„Ah meinst du die, womit wir Ostereier gefärbt haben?“
„Ja“, sagte ich.
Er meinte: „Nein, das hab ich vergessen wie die Farbe heißt.
Leo ergänzte leise: „Lebensmittelfarbe“.
„Ja, stimmt“ sagte er.“

„Das kennt ihr doch bestimmt alle?“ fragte ich und hielt eine Flasche Geschirrspülmittel hoch.
„Na klar“, sagten alle, „das ist zum Geschirr spülen.“

Felix: „Konny, warum liegen denn hier Spritzen auf dem Tisch?“
„Weil wir die gleich brauchen, um eine Flüssigkeit in unseren Vulkan zu tropfen.“
(Die Einweg-Spritzen hatten wir mal beim Erste Hilfe Kurs für Kinder geschenkt bekommen, sie eignen sich prima zum Tropfen.)

„Das Backpulver haben wir auch zu Hause“, meinte einer der Jungen.
„Kannst du vielleicht schon lesen?“ fragte ich.
„Nein, aber meine Mutter hat auch so eine Packung gekauft.“
„Den Bleistift brauchen wir, um ein Loch, den Schlot, in unseren Vulkan zu machen“, erläuterte ich.
„Ach so“, sagte Leo, „ich hab schon gedacht, wir sollen malen, aber ich konnte keine Blätter sehen.“

„Jetzt bekommt jeder einen dicken Kloß Ton, den ihr wie einen Kegel, also einen spitzen Berg, formt. Anschließend nehmt ihr den Bleistift und drückt ihn bis zur Markierung oben in den Kegel hinein, das ist dann unser Schlot.“
Während die Kinder emsig ihren Vulkan formten, mischte ich Lebensmittelfarbe mit Essig in einem Gefäß.
„Fertig!“ riefen sie nach und nach. Sie schauten sich ihre Meisterwerke an.

„Nun nehmt ihr eure Spritze und versucht, Luft rein und raus zu machen. So prüfen wir, ob sie funktionieren, denn wenn eine von ihnen klemmt, können wir keine Tropfen heraus bekommen.“
Als das erledigt war, gab ich die nächsten Anweisungen:
„Jetzt zieht ihr vorsichtig die gefärbte Essiglösung bis zum 1. Strich in die Spritze und legt sie neben euch.“ Das klappte ganz prima.

„Was müssen wir jetzt tun?“ fragte ich. „Was ist noch übrig an Material?“
„Backpulver“, sagte Felix.
„Ja, wozu brauchen wir das, zum Kuchen backen?“ witzelte ich.
„Nein!“ riefen alle im Chor und kicherten.
„Vielleicht sollen wir es in den Vulkan tun“, meinte Leo.
„Ja“, antwortete ich, „und was danach?“
Felix: „Die Essiglösung.“
„Dann probiert es aus.“

Nun tauchte eine Schwierigkeit auf. Das Backpulver darf nur bis zur Hälfte in den Schlot eingefüllt werden, ich hatte einen kleinen Messlöffel und einen Trichter mitgebracht, aber vergessen, die Sachen auf den Tisch zu legen.
Als die Jungen nun versuchten, das Backpulver einzufüllen, protestierten sie:
„Das geht nicht, es fällt ja alles daneben und man kann auch nicht sehen, wo die Hälfte vom Schlot ist“, sagten die Jungen.

„Oh, Entschuldigung, ich habe vergessen, den Trichter, der ganz wichtig ist, den Messlöffel und einen Pinsel für das Spülmittel auf den Tisch zu legen“, sagte ich und holte die Sachen.
Die Vulkane reinigte ich mit dem Pinsel, damit die Kinder es nochmal probieren konnten. Der Messlöffel fasste die Menge an Backpulver, die sie brauchten.

„Endlich hat es geklappt“, sagte Leo.
„Sollen wir jetzt den Essig eintropfen?“ fragte einer der Jungen.
„Nein“, sagte ich, „mit dem Pinsel tropft ihr das Spülmittel auf den Krater.“
Sie taten es.
„Und nun gebt ihr 6 Tropfen Essiglösung dazu – ihr könnt doch schon bis 6 zählen, oder?“ fragte ich.
Alle kicherten: „Ha ha, ist doch babyleicht.“

Dann warteten sie gespannt.

Felix:
„Guck, guck, bei mir kommt schon rote Lava aus dem Vulkan!“

„Cool!“ meinten die anderen Jungen, „Es hat funktioniert!“

Sie probierten es noch mit Brausepulver statt Backpulver und waren fasziniert von dem Ergebnis.
„Wisst ihr denn, warum es aus eurem Vulkan sprudelte?“ fragte ich nach.
„Wegen dem Backpulver“, sagten zwei Jungen, „wenn da Flüssigkeit dran kommt, bilden sich Bläschen, es wird größer.“
„Sehr gut beobachtet“, sagte ich ihnen. „Und woher kommt der Schaum, der dann aussieht wie Lava?“
„Na, vom Spülmittel.“
„Ja, richtig.“
„Weißt du“, sagte einer der Jungen, „das haben wir doch bei dem Experiment mit dem Feuerlöscher auch mit Backpulver und Essig gemacht.“
„Das stimmt“, sagte ich.

Reflexion der Experimente

Die Kinder hatten großes Interesse an den Experimenten und arbeiteten im Team zusammen, sie ergänzten sich gegenseitig, tauschten Wissen untereinander aus, planten gemeinsame Aktionen und zeigten Freude über ihre geleistete Arbeit, wofür sie Anerkennung bekamen, als sie in ihren Gruppen davon erzählten.

Mir selbst hat es viel Spaß gemacht zu sehen, mit wie viel Ausdauer und auf welchen Wegen sie sich mit diesem Thema auseinandersetzten. Es geht natürlich noch weiter, da der Vulkan in Island noch tätig ist. Wir sind gespannt.

Eine Mutter berichtete mir, dass ihr Sohn am Nachmittag mit seinen Freunden aus der Nachbarschaft das gleiche Experiment noch einmal durchgeführt hat – und alle staunten über ihn.

Ich glaube, dass ich durch gesetzte Impulse meine gestellten Ziele erreicht habe. Felix spielt jetzt oft mit den älteren Kindern und profitiert von ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten, die er wiederum in der eigenen Gruppe im Spiel und Gesprächen einbringt.

Kommentar der Kursleitung:
Es war vermutlich kein Zufall, dass Felix sich den zwei Jahre älteren Leo als Spielpartner gewünscht hat; Leo erwies sich ja im Projekt als kluger Junge, der schon viel weiß.

Siehe auch:

Spielgefährten und Freunde hoch begabter Kinder

 

Datum der Veröffentlichung: März 2015
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