Alle Kindernamen wurden verändert.

Beispiel von Ute Bleienheuft, Köln

In der Bauecke spielten mehrere Kinder, unter anderem auch ein sechsjähriger hoch begabter Junge. Er beobachtete einen kleinen Jungen, der sich in eine leere Holzkiste setzte. Der ältere Junge war darüber anscheinend so empört, dass er seine Stimme richtig erhob und erklärte: „Du darfst dich nicht in die Holzkiste setzen, denn dann geht die kaputt. Dann muss der Kindergarten wieder Geld für eine neue ausgeben, die Kiste muss neu gebaut werden, dafür muss Holz gesägt und zusammengebaut werden und außerdem muss dafür ein großer, alter Baum im Wald gefällt werden .“

Der kleine Junge blieb ganz ruhig und stieg sofort aus der Kiste. Die anderen Kinder in der Gruppe waren auch ganz still geworden, und alle hatten den Erklärungen mit großem Staunen zugehört.

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Beispiel von Hanna Vock, Bonn

Jeden Tag kam der fünfjährige Sven mit einer anderen Frage oder Aussage auf seine Erzieherin zu:

„In dem Krieg werden auch Kinder umgebracht. Erwachsene bringen Kinder um.“

„Die haben eine Brücke gesprengt. Jetzt können die Menschen nicht mehr über den Fluss, auch wenn einer plötzlich krank ist, der kann dann nicht schnell ins Krankenhaus.“

„Warum können die nicht aufhören mit dem Krieg?“

„Kann nicht wer kommen und die alle zwingen, aufzuhören und schnell wieder alles wieder aufzubauen?

„Tun denen denn die Kinder nicht Leid und die Babies?“

Also, Sven beschäftigte sich täglich mit dem Ereignis „Krieg, Tod und Zerstörung“, obwohl die Eltern sich bemühten, ihn von Nachrichten abzuschirmen. Sie wollten mit ihrem Sohn nicht über Krieg reden, weil sie glaubten, dass er dafür noch zu klein wäre. Sven konnte aber schon lesen, las irgendwo die Schlagzeilen der Zeitungen, und vor allem stellte er sich vieles selber vor und dachte darüber nach.

Diese „großen Erwachsenen-Fragen“ waren in Svens psychischer und geistiger Entwicklung früh aufgetaucht, und er wollte Antworten für sich finden. Das ließ sich nicht aufhalten oder zurückdrehen. Und er war weitgehend allein damit.

Mehr zu diesem Beispiel lesen Sie im Beitrag Zum Denken und Fühlen hoch begabter Vorschulkinder.

Datum der Veröffentlichung 2.8.10

Beispiel von Nazlı Baykuş, Remscheid

Die Gruppe sitzt im Morgenkreis. Wir sprechen über Sankt Martin und den armen Mann. Meine Kollegin fragt: „Gibt es jetzt immer noch arme Menschen, die auf der Strasse leben und betteln?“ Einige Kinder rufen: „Ja!“

Ich frage: „Was heißt denn arm sein?“ Ein Kind aus der Gruppe sagt: „Wenn man kein Geld hat.“ Ich frage: „Wo kommt denn das Geld her?“ Peter (5;9) antwortet: „Von der Sparkasse. Da ist es auf dem Konto. Auf das Konto tut das der, wo man arbeitet, drauf.“

Ich sage: „Ja, das stimmt. Und was ist, wenn man nicht arbeitet? Bekommt man dann Geld?“ – „Ja. Dann gibt die Sparkasse das Geld“, sagt Peter.

Ich sage: „Nein, leider verteilt die Sparkasse nicht einfach so das Geld, wenn keiner es auf das Konto tut. Habt ihr schon mal vom Arbeitsamt gehört?“

Das Gespräch entwickelt sich immer mehr zwischen Peter und mir. Peter setzt sich aufrecht. Er stellt seine Füße hoch und setzt sich darauf. (Wir sitzen auf dem Boden.) Er beantwortet die Frage: „Ja, die suchen Arbeit für Leute, die keine Arbeit haben.“ Ich sage: „Ja, das stimmt. Die Menschen, die beim Arbeitsamt arbeiten, helfen anderen Menschen Arbeit zu finden. Bis sie Arbeit gefunden haben, bekommen die Menschen Geld vom Arbeitsamt. Das nennt man Arbeitslosengeld. Das Geld ist weniger, als wenn man arbeiten geht. Und wenn die Menschen nach einem Jahr immer noch keine Arbeit gefunden haben, gibt es das Sozialamt. Da bekommt man noch weniger als beim Arbeitsamt.“

Peter guckt mich an. Er öffnet seine Augen weiter als sonst.

Wir beenden den Morgenkreis. Die Kinder stehen auf. Peter sagt:

„Nazlı, dann ist es doch besser, wenn die Menschen arbeiten. Da bekommen sie nämlich mehr Geld und können sich mehr Essenssachen und Anziehsachen kaufen.“

Datum der Veröffentlichung: 8.7.10