Eine Mutter stellte ihre Aufzeichnungen für die Veröffentlichung zur Verfügung, die ich sortieren, redigieren und kommentieren durfte. Herzlichen Dank.

Kommentare von Hanna Vock.

Der kleine Junge Pete zeigte folgendes Verhalten:

0 Jahre, 3 Monate, 11 Tage:

Innerhalb von 24 Stunden fixierte er über seinem Bettchen oder seiner Strampeldecke aufgehängtes Spielzeug (leicht bis heftig strampelnd, hochkonzentriert, freudig) über lange Dauer:

von 3.10 Uhr bis 4.07 Uhr (57 Minuten),

von 9.12 Uhr bis 9.38 Uhr (26 Minuten),

von 15.06 Uhr bis 16.21 Uhr (75 Minuten),

von 21.33 Uhr bis 22.18 Uhr (45 Minuten).

Das ergibt eine selbst gewählte „Arbeitszeit“ von 3 Stunden, 23 Minuten – nicht eingerechnet die Arbeitszeit „Trinken“.

Während dieser Zeiten, in denen er Sehen übte, fixierte er das Spielzeug fast durchgängig, nur unterbrochen durch kurzes, konzentriertes Rundumblicken mit Drehen des Kopfes. Die Hände zuckten immer wieder leicht in Richtung des Spielzeugs, ohne es zu erreichen.

Es entstand bei der Beobachterin der Eindruck, dass etwas gewollt wurde, was motorisch noch nicht gelang.

Kommentar:

Und im Gehirn bildeten sich während dieser konzentrierten Aktivitäten vermutlich verhältnismäßig zügig die notwendigen neuen Nervenbahnen und Programme, die das gezielte Berühren des Spielzeugs schließlich ermöglichten.

Einen Tag später war erstes gezieltes Greifen (mit einer Hand) zu beobachten. Bei Erfolg (der zunächst nur bei wenigen Versuchen eintrat) lächelte das Baby verstärkt. Auch diese „Greifübungen“ wurden mit derselben hochkonzentrierten Ausdauer über lange Zeiträume wiederholt. Wurde das Baby aus dieser Tätigkeit „gerissen“ (hoch genommen), reagierte es sehr verärgert und empört.

Kommentar:

Hier zeigen sich (im Vergleich zu anderen, gleichaltrigen Babys) eine beachtliche intrinsische Motivation und eine große Ausdauer bei Tätigkeiten, die im Grenzbereich der Fähigkeiten liegen und eine hohe (geistige) Herausforderung darstellen.

Die große Ausdauer führt zu viel Übung und infolgedessen zu schnellem Erfolg.

Außergewöhnlich große intrinsische Motivation ist laut unserer Definition ein wichtiger Bestandteil von hoher Begabung.

Beobachtungen zu Musik.

1. Beobachtung, 11 Monate, 20 Tage:

Ich sitze mit Pete auf dem Fußboden, er sucht aus einem Spielzeugkorb „Rasseln“ heraus. Das sind leere Cremedosen mit leuchtend rotem Deckel, die äußerlich alle genau gleich aussehen. Jede Dose ist mit einem anderen Rasselmaterial gefüllt: Münzen, trockene Erbsen, Steine, 1 großer Holzknopf, 7 kleine Wäscheknöpfe.

Er schüttelt die Dosen, manchmal hat er dabei auch in jeder Hand eine Dose, und horcht sehr interessiert und hochkonzentriert auf die leicht unterschiedlichen Geräusche, die er mit diesen Rasseln erzeugen kann. Er schüttelt die Dosen, weil er zurzeit gewohnheitsmäßig alles schüttelt, was ihm in die Hände kommt, und achtet auf die Wirkung, die er damit erzielt.

Die rhythmischen Rasselgeräusche gefallen ihm anscheinend gut.

2. Beobachtung, 1 Jahr, 2 Monate, 9 Tage:

Pete findet die Rasseldosen in seiner Spielzeugkiste wieder. Er probiert sie systematisch und konzentriert lauschend nacheinander aus. Jedes neue Rasselgeräusch wird von einem freudigen Quietschen aus seinem Munde beantwortet. Als er alle ausprobiert hat, greift er sich einzelne noch einmal und lauscht geradezu verzückt.

Kommentar:

Jetzt kann er schon auf sein Wissen aus der ersten Begegnung mit den Dosen zurückgreifen, d. h. auch: er erinnert sich bereits aktiv an die Dosen und weiß, dass er mit ihnen Rasselgeräusche erzeugen kann.

Er schüttelt die Dosen jetzt, um die Geräusche wieder zu erzeugen. Er handelt mit Absicht, und es ist ein systematisches Ausprobieren zu beobachten.

Vor zwei Monaten stand noch die neu erworbene motorische Strategie im Mittelpunkt seines Lernens: alles zu schütteln, was ihm in die Finger kam – und damit seinen Erfahrungsschatz und sein Wissen zu erweitern.

Diese Lernstrategie beherrscht er jetzt schon gewohnheitsmäßig und souverän und kann sie absichtlich einsetzen: Einerseits verschafft er sich damit weiterhin Wissen über neue Dinge – und andererseits vertieft und verfeinert er damit sein Wissen über bekannte Dinge.

Diese Strategie wird ihm sein Leben lang erhalten bleiben und er wird sie einsetzen können, wenn es ihm sinnvoll erscheint, aber er wird sie nur noch verhältnismäßig selten brauchen, da sich sein Strategienschatz noch ungeheuer erweitern wird.

3. Beobachtung, 1 Jahr, 1 Monat, 0 Tage:

Pete zeigt schon seit einigen Wochen Interesse an dem Windspiel aus Metall. Er lauscht den vielfältigen Klängen, die das Windspiel erzeugt, wenn ich es berühre.

Schon beim ersten Mal berührte er es auch selbst und freute sich über die erzeugten Töne. Welche Metallröhren er jeweils traf und mit welcher Heftigkeit dies geschah, erschien jeweils zufällig. Er beachtete aber die verschiedenen Effekte immer genauer.

Er strebte immer wieder zu dem Windspiel hin, und auch das dafür ihm gegenüber benutzte Wort „Klingklong“ allein erfreute ihn und ließ ihn dahin drängen.

Heute nun kam ich endlich darauf, das Windspiel so aufzuhängen, dass er es kniend ohne Mühe und ganz selbstständig betätigen kann.

Er war sofort dabei, und ich konnte folgendes beobachten. Über 14 Minuten lang spielte er konzentriert mit dem Windspiel und probierte es aus: Zunächst schlug er einige Male heftig dagegen, dann berührte er die Metallröhren nur sacht und lauschte auf die leisen Töne, danach variierte er etwa 9 Minuten lang seine Berührungen des gesamten Instrumentes, fasste eine oder mehrere Röhren gleichzeitig an, schlug mit dem Holzteil gegen die Röhren…

4. Beobachtung, 1 Jahr, 2 Monate, 12 Tage:

Intermittierendes Zusammenspiel mit den schon bekannten Rasseldosen:

Er wartet, bis ich aufhöre zu rasseln, rasselt dann selbst, hört nach etwa derselben Zeitdauer von selbst auf, sieht mich auffordernd an und macht eine zufriedene Miene, als ich rassele, beobachtet und wartet ab, setzt sofort ein, als ich aufhöre. So geht das sieben- oder achtmal hin und her.

5. Beobachtung, 1 Jahr, 7 Monate, 13 Tage:

Pete hat im Planschbecken und im See gebadet, es ist sommerliches Wetter, jetzt ist Abend und er läuft nur mit Windel bekleidet glücklich durch die Wohnung (Eltern und Großeltern sind da und spielen mit ihm).

Er und ich machen Musik: Ich klopfe auf eine Keksdose, er rasselt mit Rasseldosen. Er hält den Takt. Er schüttelt mit ganzem Armeinsatz. Er gerät in Begeisterung und beginnt zu tanzen, sich zu wiegen und um sich selbst zu drehen, zu laufen, dabei vergisst er nie das rhythmische Rasseln.

Über eine halbe Stunde lang wirbelt er so rasselnd, tanzend und lachend durch die Wohnung, auch aus unserem Blickfeld heraus und kommt dann zurück, registriert jedes Mal erfreut, wenn ich mit einer anderen Rassel, mit Holzstöcken oder Fingertrommeln auf der Keksdose in seinen Rhythmus einfalle. Dann intensiviert er seine Bewegungen und seine Lautstärke jedes Mal.

Beobachtung zu frühem Humor: Schuh an Lampe ?

11 Monate, 30 Tage

Pete hat viele Male unter den beiden Wandlampen geschlafen, an denen die ersten Stiefelchen seiner Mutter und seines Onkels zur Erinnerung baumeln. Er hat sie oft betrachtet, vor allem aber das Licht der Lampen.

Heute komme ich mit ihm auf dem Arm ins Zimmer. Er sieht die Stiefel, will sie wie immer einmal anfassen und lacht plötzlich laut. Er blickt hinüber zu der anderen Lampe und lacht wieder laut.

Ganz offensichtlich findet er es jetzt auf einmal sehr komisch, dass Schuhe an einer Lampe hängen.

Kommentar:

Früher war Pete das Absurde, Ungewöhnliche an dieser Kombination noch nicht bewusst geworden. Er hat es hingenommen wie so viel Unerklärliches in seiner Umgebung.

Nun verfügt er schon über Konzepte und Erfahrungen, an denen er das Gesehene messen kann. Er hat einen Begriff von Lampen. Man kann sie aus- und anknipsen, dementsprechend sind sie dunkel oder leuchten hell. Aber was haben Schuhe damit zu tun?

Er weiß inzwischen auch, was ein Schuh ist. Und er weiß, wo Schuhe sich normalerweise befinden: an Füßen, auf dem Fußboden oder in einem Regal.

Jetzt sieht er: Hier ist es anders, unerwartet. Wie lustig!

 

Spiel mit der Matroschka-Puppe

11 Monate, 27 Tage

Pete spielt zum ersten Mal mit der Matroschkapuppe.

Das ist ein Set aus 7 russischen Holzpuppen, die alle in einander passen. Jede, mit Ausnahme der kleinsten Puppe, ist innen hohl und lässt sich in zwei Teile zerlegen. Dabei erscheint dann immer die nächst kleinere Puppe.

Pete und ich sitzen auf dem Fußboden. Ich nehme die Puppe vor Petes Augen einmal auseinander und baue sie wieder zusammen.

Pete wirft die Puppe auf den Boden, die äußere Puppe öffnet sich. Er schiebt die Teile der größten Puppe beiseite, ergreift die Puppe Nr. 2, in der noch vier kleinere verborgen sind (die beiden kleinsten Puppen wurden wegen Verschluckgefahr vorher herausgenommen).

Er schüttelt die Puppe Nr. 2, lacht und versucht die beiden Teile von Puppe Nr. 2 auseinander zu ziehen. Dank der großen Kraft in seinen Händen gelingt ihm das auch. Er ist begeistert, als Puppe Nr. 3 sichtbar wird.

Auf diese Weise zerlegt er die Puppe vollständig.

Er betrachtet die verschieden großen, herumliegenden Teile, nimmt sie in die Hand, versucht sie zusammenzustecken, was ihm aber nicht gelingt. Eher beiläufig versucht er, einzelne Teile ineinander zu stecken, schafft das nicht und wendet sich anderem Spielzeug zu.

1 Jahr, 3 Monate

Ich sitze mit Pete auf dem Boden. Er hat die Matroschka wiederentdeckt und spielt damit 38 Minuten lang äußerst konzentriert. Er versucht die größte Matroschka zu öffnen, es gelingt ihm nicht, sie ist sehr fest aufeinander gesteckt. Er gibt sie mir, mit aufforderndem Blick.
Jetzt wiederholt sich Folgendes, bis die allerkleinste der 7 Puppen erscheint: Er freut sich jedes Mal, wenn eine Puppe in der größeren auftaucht, nimmt sie heraus und gibt sie dann mir, damit ich sie aufmache.

Als schließlich alle Puppen in Einzelteilen auf dem Boden liegen, sucht er sich die beiden zusammenpassenden Teile einer Matroschka heraus und gibt sie mir. Er ist zufrieden, wenn ich sie wieder zusammenstecke. Beim Heraussuchen der passenden Teile irrt er sich nur einmal, merkt aber seinen Irrtum sehr schnell, als er die Teile dicht nebeneinander sieht und korrigiert sich.

Als alle Puppen wieder zusammengebaut sind, nehme ich zwei Puppen und stecke sie langsam, sozusagen Schritt für Schritt, ineinander. Pete sieht mir fasziniert zu. Die restlichen 20 Minuten arbeitet er daran, herauszubekommen, wie das funktioniert, dass alle Puppen wieder in der großen verschwinden. Er schüttelt die Puppen, um festzustellen, ob noch was drin ist oder ob sie leer sind. Seine selbst gestellte Aufgabe, die Puppen wieder alle ineinander zu bauen, kann er noch nicht lösen.

Er hat aber trotzdem sichtlichen Spaß am Tun und baut immer wieder Puppen zusammen und auseinander. Wenn er dann eine kleinere erwischt, öffnet er die größere wieder und versucht, die kleinere hineinzustecken. Oft versucht er aber ein Ober- in ein Unterteil zu stecken. Er merkt, dass das nicht passt, findet aber die Lösung nicht, erscheint verwirrt und wendet sich den anderen Puppen zu.

Dies wiederholt sich mehrmals. Zwischendurch rollt er die Puppen oder versucht Türme zu bauen, wobei er sich aber zum Nachteil des Ergebnisses auch nicht auf die Unterteile der Puppen konzentriert, sondern auch Oberteile verbauen will, die aber keine plane Fläche haben und deshalb abrutschen.

Früher Mengenbegriff

1 Jahr, 3 Monate, 12 Tage

Pete spielt mit einem kleinen Holztopf mit Deckel und mit 3 Steinchen und 3 kleinen Halbedelsteinen.

Er räumt die 6 Teile immer wieder aus und ein. Die Halbedelsteine haben Eiform, sie kullern immer wieder weg, manchmal setzt er sich auch auf einzelne Steine drauf. Aber er ruht nicht, ehe er nicht alle 6 Teile wieder im Topf hat, er sucht sie immer alle zusammen. Erst dann fängt er wieder mit dem Ausräumen an.

Planmäßiges Handeln, Gedächtnis

1 Jahr, 7 Monate, 13 Tage

Vor etwa 4 Monaten hatte ich ihm den Kinderhocker in der Ferienwohnung, der ganz anders aussieht als der bei uns zuhause, einmal vor das Waschbecken geschoben, um zu sehen, ob er sich so selber die Hände waschen kann. Aber der Hahn und der Wasserstrahl waren zu weit entfernt und so gab es keine weiteren Versuche, und der Hocker wurde nicht mehr benutzt.

Nun sind wir wieder in derselben Ferienwohnung angekommen. Pete soll Zähne putzen, läuft vor ins Badezimmer und kommt mit zwei Zeitschriften in der Hand zurück ins Wohnzimmer und hält mir die Zeitschriften hin. Sie hatten auf dem Hocker gelegen und ihn fast verdeckt. Ich nehme sie ihm ab, er läuft zurück ins Bad und stellt den Kinderhocker vors Waschbecken, als hätte er das so schon immer getan. Er ersteigt den Hocker, lässt sich die Zähne putzen, stellt den Hocker zurück, läuft zu mir ins Wohnzimmer und sieht mich auffordernd an (Geste: Hand öffnen und schließen). Als ich ihm die Zeitschriften hinhalte, bringt er sie zurück auf den Hocker.

1 Jahr, 7 Monate, 13 Tage

Beim Einkaufen sitzt er im Einkaufswagen. Ich gebe ihm jedes Teil, das gekauft werden soll, in die Hand. Er betrachtet es, wiegt es in der Hand und legt es nach einmaligem Vormachen (mit Mühe) vorsichtig hinter sich in den Wagen, auch den Pappkarton mit den 6 Eiern. Am übernächsten Tag, als wir wieder einkaufen, fordert er dieses Muster wieder ein.

1 Jahr, 7 Monate, 13 Tage

Beim Abräumen des Frühstückstisches bringt er Sachen, die in den Kühlschrank gehören, zum Kühlschrank. Ich muss jedes Mal wieder die Tür öffnen, er legt die Sachen hinein und schließt die Tür wieder. Benutztes Geschirr stellt er auf den Geschirrspüler. Ich öffne die Klappe, und er räumt ein. Käserinde und Aprikosenkerne nimmt er in die Hand und sieht sich in der Küche um. Ich zeige ihm den Abfalleimer, er sagt „be“ (= kann man nicht essen, muss man wegwerfen).

Dann sieht er sich um, ob noch etwas herumsteht, zeigt am Spüler auf die Stelle für den Reinigungs-Tab. Ich schüttele den Kopf, sage ihm, dass der Spüler noch nicht voll ist, er sieht sich das an, schüttelt ebenfalls den Kopf, zeigt auf eine Stelle, wo noch nichts ist, sagt „eer“ (= leer) und schließt die Klappe. Er hat den Impuls, den Startknopf zu drücken, lässt aber davon ab, als ich den Kopf schüttele und „warten“ sage, wendet sich ab und sucht sich etwas anderes zum Spielen.

„Gastgeber“

1 Jahr, 9 Monate

Die Eltern gehen abends aus, die Großeltern sind zum Babysitten da. Pete drückt sich noch überwiegend durch Körpersprache aus, er lernt täglich neue Worte aktiv zu benutzen, er artikuliert aber noch sehr verwaschen. Erste Ansätze zu Sätzen:

Bei Bilderbuchbetrachtung: „Miau nam-nam“ (Die Katze frisst). Oder: „Opa uhl itse“ (Opa soll auf dem Stuhl sitzen). Für ihn war die Lautsprache anscheinend bisher nicht von großer Funktionslust begleitet (er hat im Vergleich mit anderen Babies sehr wenig lautiert). Jetzt entdeckt er sie als Möglichkeit der erweiterten Kommunikation, ist aber derzeit vielleicht gehandicapt durch mangelnde Artikulationsübung.

Kommentar:

Kinder, die keine besonders frühe oder schnelle Sprachentwicklung durchlaufen, werden selten als besonders begabt erkannt. Aber Pete zeigt auch ohne beschleunigte Sprachentwicklung, dass er geistig sehr weit ist.

Allerdings konnte er von ganz klein an immer sehr gut deutlich machen, was er will.

Heute fühlt er sich anscheinend als Gastgeber; diese Situation: Betreuung durch die Großeltern in der elterlichen Wohnung erlebt er zum ersten Mal.

Er geleitet die Oma zu seinem kleinen Maltisch und schlägt mit der flachen Hand auf den Stuhl neben sich. (Oma, setz dich hierhin.) Oma und Pete malen, Opa kommt herein und setzt sich in einen Sessel. Pete blickt zu ihm, steht auf, geht zum Regal und bringt dem Opa ein Spielzeug, sagt „Da“ (hast du auch was zum Spielen), setzt sich dann wieder an den Tisch und malt mit der Oma weiter.

Kurze Zeit später erwähnt die Oma das Wort Bett („Na, nun gehst du ja bald ins Bett“). Pete steht auf, nimmt die Oma an der Hand, sieht sie freundlich-auffordernd an und führt sie fürsorglich ins Schlafzimmer. Dort klopft er mit der flachen Hand auf Mamas Bett und sagt „Oma“ (hier kannst du schlafen). Der Opa kommt hinterher, Pete sieht ihn an und klopft auf Vaters Bett und sagt „Opa“.

Babypuppe

1 Jahr, 9 Monate, 3 Tage.

Pete erhält eine Babypuppe geschenkt. Ich halte sie vor ihn, so dass er sie betrachten und sich ihr nähern kann, wenn er möchte.

Er lächelt und sagt „Baby, Baby“.

Dann sagt er „Ütze“, nimmt dem Baby die Mütze ab und betrachtet den (kahlen) Kopf. Danach sagt er „Acke“ (Jacke) und versucht der Puppe die Weste auszuziehen.

Er will, dass die Puppe läuft, und hält sie entsprechend. Ich sage ihm, dass das Baby noch nicht laufen kann. Er lächelt mich an und sagt: „Baby tap tap nein“. Dann sieht er die Puppe an und sagt „Pat“ und lächelt. Mit seinem Cousin Patrick (Name geändert) war er vor Wochen für ein paar Tage zusammen im Kurzurlaub. Patrick kann auch noch nicht laufen. Seitdem heißt die Puppe Pat.

Als ich die Puppe spielerisch ins Bett legen will, protestiert Pete heftig. Mögliche Erklärung: Er will ja noch mit der Puppe spielen, dann kann die doch nicht schlafen gehen. Diesen Zusammenhang (wer schlafen gegangen ist, der steht nicht als Spielgefährte zur Verfügung) kennt er sicherlich aus der Kita.

Er setzt die Puppe auf einen Kinderstuhl an den Maltisch. Die Puppe sitzt darauf zu tief, der Kopf ragt kaum über die Tischkante. Ich sage: „Die Puppe ist zu klein“, und lege ihr eine zusammengefaltete Decke unter den Po. Pete nimmt einen Stift und malt und bedeutet mir mit Gesten, dass ich der Puppe auch einen Stift zum Malen geben soll. Ich sage (unüberlegt!): „Die Puppe kann noch nicht malen, die ist noch zu klein.“

Pete sieht zur Puppe hin, steht auf und bringt mir mit aufforderndem Blick eine weitere Decke zur Stuhlerhöhung…

Die Puppe soll auch Xylophon spielen. Pete ist erst zufrieden, als ich mit der Puppe so tue als ob.

Er spielt mit der Puppe „hoppe reiter“, tröstet sie und pustet und macht ei,ei (mit bedröppeltem Gesicht), nachdem er die Puppe fallen gelassen hat.

Farben

1 Jahr, 9 Monate, 1 Tag

Pete malt mit gelber Kreide auf Pappe. Mit großen Schwüngen von links nach rechts und wieder zurück malt er ein Kritzelbild, betrachtet es und sagt erfreut „Nane“ (=Banane).

1 Jahr, 9 Monate, 12 Tage

Pete unterscheidet und benennt die folgenden Farben:

ott (rot)

güün (grün)

lau (blau)

nane oder gäh (gelb)

bau (braun)

Auf meinen Hinweis hin nimmt er ange (orange) in seinen aktiven Wortschatz auf.

Außerdem unterscheidet er (im Zimmer und draußen)

ell (hell) und unkel (dunkel).

Er unterscheidet auch spontan zwischen oa (groß) und ein (klein), muss aber noch länger über die Relativität dieser Begriffe nachdenken. Guckt verwirrt, wenn man ihm ein und denselben Bauklotz einmal als klein (gegenüber einem größeren) und dann als groß (gegenüber einem kleineren) präsentiert.

1 Jahr, 11 Monate

Pete unterscheidet und benennt jetzt auch Weiß, Grau, Schwarz, Lila und Rosa.

Ja und Nein

1 Jahr, 9 Monate, 12 Tage

„Nein“ verwendet er schon länger, zum Beispiel:

„Bist du fertig mit Essen?“ – „Nein, nein.“ (Was auch immer genauso gemeint ist.)

Jetzt sagt er auch „Ja“ (und es ist auch immer genauso gemeint).

Er antwortet auch sinngemäß, wenn man fragt, wo etwas ist. Und er hat dabei einen erstaunlichen Überblick. Aber die folgende Szene zeigt, dass er bei Wo-Fragen noch unsicher ist:

Ich betrachte mit ihm ein Foto, auf dem der Spielfreund von Pete schaukelt. Die Szene ist in unserem Garten aufgenommen.

Pete sagt: „Silli aukel.“ (Silvio schaukelt.)

Ich frage: „Wo schaukelt er denn?“ Pete zeigt auf das Foto und sagt: „Da.“
Ich: „Ist das denn bei Oma und Opa?“ „Nein.“
„Ist das denn in der Kita?“ „Nein.“
„Wo ist das denn?“ „Da.“
„Ist das denn im Garten?“ „Ja.“

Kommentar:

Er weiß also, wo Silvio geschaukelt hat, aber er kann sich für die Beantwortung noch nicht zuverlässig und sicher vom Bild lösen.

Im Alter von 2;4 treten bei Pete erstmals Warum-Fragen auf.

 

Datum der Veröffentlichung: 18.5.10
Copyright © Hanna Vock 2010, siehe Impressum.