von Heike Miethig

 

Im Bereich der Buchstaben wie überhaupt der Sprache, wirkt Rachel (4;6) sehr interessiert. Hier wollte ich herausfinden, welche Buchstaben sie schon kennt und wie sie mit ihnen umgeht. Ausgewählt habe ich ein Buchstabenpuzzle, bei dem der Buchstabe (Anlaut) dem Bild zugeordnet werden soll, zum Beispiel A zu Apfel; nur dann passen die Puzzleteile in einander.

Ich nehme zuerst die Karten mit den Bildern zur Seite, verteile nur die Buchstaben auf dem Tisch und bitte Rachel, diejenigen Buchstaben heraus zu suchen, die sie schon kennt.

Sie sucht die Buchstaben: A, O, K, T, M, N, I, S, L, F, heraus, jeweils mit den Worten: “Das kenne ich, das kenne ich.“ Währenddessen suche ich die passenden Bilder. Dann bitte ich sie zu versuchen, die Bilderkarten den Buchstabenkarten zuzuordnen.

Die erste Karte zu dem Buchstaben – L zu Löwe – suchen wir gemeinsam heraus, und Rachel setzt sie zusammen. Sie sagt: „In meinem Namen ist auch ein L!“

Die Aufgabenstellung an sich wird von Rachel sofort verstanden.

Es fällt ihr aber schwer, die weiteren Buchstaben den Bildern zuzuordnen, so dass ich ihr Hilfestellung gebe, indem ich den Buchstaben sehr deutlich ausspreche und die jeweiligen Bilder benenne. Das mache ich dreimal. Daraufhin sucht sie die Bilder heraus und setzt Buchstaben und Bilder zusammen. Ich bitte sie, den nächsten Begriff einmal allein heraus zu suchen. Sie schaut sich die durcheinander liegenden Buchstaben- und Bilderkarten an und sagt: “ Ich glaub, ich kann das nicht . “Ich ermutige sie und sage, sie solle es noch einmal versuchen, ansonsten würden wir es gemeinsam beenden.

Sie schaut sich die Karten sehr genau an und beginnt. Sie orientiert sich dabei an der Form der Puzzleteile und setzt die Karten in kurzer Zeit zusammen, wobei ich den Eindruck habe, dass die Buchstaben jetzt völlig uninteressant sind. Sie will die Karten zusammensetzen. Es fasziniert mich, wie sie für sich eine Lösung findet (nämlich nach der Form der Karten zu gehen) um es selbstständig zu beenden.

Anschließend sagt sie: “Das ist ein K wie bei Karen.“

Als wir das Spiel gemeinsam einräumen, fällt ihr der Buchstabe Q auf, und sie fragt, was das für ein Buchstabe sei. Ich benenne ihn.

Sie sagt: “Ich finde ihn schön!“ Ich frage nach dem Grund, und sie sagt: “Weil er rund ist und einen Strich hat.“

Ich habe also herausgefunden, dass Rachel schon viele, aber noch nicht alle Buchstaben erkennt. Auch das Heraushören des Anlauts gelingt ihr. Sie interessiert sich aber stärker für die Gestalt des Buchstabens, das Kennenlernen noch unbekannter Buchstaben und das Wiedererkennen in Wörtern (Namen), deren Schreibweise ihr schon geläufig ist.

Die Aufgabe, von einem Bild zum Anlaut und dann von dort auf den Buchstaben zu kommen, bewältigt sie noch nicht – und erkennt und äußert dies selber. Das bedeutet auch, dass sie bis zum wirklichen Lesen noch einige Zeit brauchen wird, da die Verknüpfung von Hören und Sehen sich noch weiter entwickeln muss. Da sie aber zurzeit so stark an Buchstaben interessiert ist, vermute ich, dass sie „dran bleiben“ wird, bis der Sprung zum Lesen gelingt.

Siehe auch: Rachel, 4;6 Jahre alt und

Rachel: „Ich habe mir eine Geschichte ausgedacht und die zeigen wir euch jetzt!“