Examples of: Advancement in Small Groups

This is a collection of articles from the manual in which small group work at kindergarten is described.
As different as the children, the kindergarten teachers and the framework and working conditions are, as different are the offers and projects described.
However, the aim is always to make use of the possibilities and advantages of small group work.

See: Advancement in Small Groups – Possibilities and Advantages

 

 

Project „Letters“ – Activity for Small Groups

Alena (4;6) Leading a Small Gymnastics Group

Alena (5;10) and a Small Group Are Becoming Experts of the Learning Workshop 

Murat and Our Project „My Body“ (German version)

Extraordinarily Talented Children at the English-Club (German version)

Rabbit, Dog and Black Rat – A Pet Project (German version)

The Theatre Play „Little Red Riding Hood“ (German version)

Soccer and Newspaper

Newspaper Club with Sarah (German version)

Three Boys Exploring Time (German version)

René (5;4) Is Learning How to Read (German version)

Janna and the Tale of a Princess (German version)

A Hen’s Egg

Pablo (4;5) Is Already Interested in Reading Too (German version)

Isabel (3;8) Finds Adequate Playfellows for Number-Games

Felix and His Photography (German version)

Experiment „Vulkan“ (German version)

A 3-Years-Old Girl Wants to Write (Abridged Version) (German version)

Three Little Girls Are the „Mind Group“ (German version)

„Peter and the Wolf“ and the Fine Arts

Experimenting with a Candle Flame

Butterfly-Club

Selin Is Underchallenged (German version)

Mathematical Advancement in a Group of 2 (German version)

Experiments with Magnets

Making Friends in the Researchers‘ Club (German version)

Number Detectives Are Taking Measurements (German version)

Club der starken Mädchen

Power Girls‘ Club

The Mountain Club (German version)

A Car Wash for Bobby Cars (German version)

Children Interpreting a Painting by Dalí

Chess Club

Five Children Form a Group and Follow Their Interests

 

Date of publication in German: 2021, February
Copyright © Hanna Vock

Beispiele zu: Förderung in Kleingruppen

Hier sind die Beiträge aus dem Handbuch zusammengetragen, in denen Kleingruppenarbeit in Kitas geschildert wird.
So verschieden die Kinder, die ErzieherInnen und die Rahmen- und Arbeitsbedingungen sind, so unterschiedlich sind auch die beschriebenen Angebote und Projekte. Immer geht es aber darum, die Möglichkeiten und Vorteile der Kleingruppenarbeit auszunutzen.

 

 

Datum der Veröffentlichung: Februar 2021 / Version: August 21
Copyright © Hanna Vock

 

 

 

Malte, 5;0

von Martina Werner

 

Ein deutlich hoch begabtes Mädchen aus meiner Gruppe zog leider kurz vor Beginn meines IHVO-Fortbildungskurses in eine andere Stadt. Da musste ich mich dann schnell für ein anderes Kind entscheiden.

Bei drei weiteren Kindern in meiner Gruppe vermute ich eine höhere Begabung. Ich habe mich dann für das „auffälligste“ dieser Kinder entschieden, das meiner Meinung nach am nötigsten Unterstützung benötigt. Das Problem bei diesen drei Kindern ist jedoch, sie wechseln im Sommer alle in eine andere Gruppe, weil dort die Vorschulkinder zusammengefasst werden. Daher weiß ich noch nicht, wie ich mit meinem Beobachtungskind in Zukunft zusammen arbeiten kann.

Trotzdem habe ich mich entschieden für: Malte (jetzt fast 5 Jahre). Er besucht unsere Einrichtung seit zwei Jahren, die Familie hat 25 Stunden gebucht, das heißt, er ist ungefähr von 7:30 Uhr bis 12:30 Uhr bei uns. In der Strolchengruppe gibt es zur Zeit 19 Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren.

Malte ist schwierig, aber auch klug

Malte ist in vielerlei Hinsicht „auffällig“. Er hat wenig Freunde, er hat oft Streit und auch handgreifliche Auseinandersetzungen, er spielt oft den Clown, er spielt am liebsten mit Erwachsenen, er kann sehr hilfsbereit und zuverlässig sein, er speichert schnell großes Wissen, wenn ihn etwas interessiert,… Mit ihm möchte ich mich nun näher befassen.

Für mich gab es schon vor einem Jahr eine bemerkenswerte Beobachtung: Malte war damals  wieder mal durch Möbel umschmeißen und handfesten Streit mit anderen Kindern aufgefallen und ich wollte dies unterbrechen, indem ich ihm ein schwierigeres Lernspiel („Heinevetters Zehnertrainer“) angeboten habe.

Zu diesem Zeitpunkt war er noch keine vier Jahre alt und konnte nur die ersten drei Zahlen lesen. Das Spiel ging aber bis 20. Da er die Zahlen nicht lesen konnte, hat er einfach jedes mal abgezählt. Er musste Plättchen mit geschriebenen Zahlen auf eine Karte sortieren, die verschiedene Symbole in verschiedenen Mengen enthielt. Außerdem spielten noch Farben eine Rolle: rot von 1-14, blau von 1-14 und schwarz von 1-20. Die Plättchen waren in einer schwierigen Anordnung vorsortiert. Er musste also erst mal diese Sortierung erkennen, dann die Farbe behalten, die Symbole abzählen, dann in der richtigen Farbe die Plättchen abzählen, das vorher gezählte behalten,…

Das alles erforderte jedenfalls ein hohes Maß an Denkvermögen. Ich habe ihm nur  einmal einen Tipp geben müssen, Informationen wurden sofort abgespeichert und umgesetzt. Er hat sich sein System selber erfunden und zeigte große intrinsische Motivation und Ausdauer. Inzwischen hatte die Abholzeit begonnen und seine Mutter hat geduldig gewartet. Ihm war allerdings wichtig, dass ich dabei blieb, um ihn eventuell doch zu unterstützen.

Seitdem beobachte ich ihn viel genauer und habe
viel mehr positive als negative Seiten an ihm entdeckt.

Ich meine, hier zeigt er:
Freude an geistiger Tätigkeit und am Erkennen von Zusammenhängen, schnelle Informationsaufnahme und –verarbeitung, logisches Denken, selbstständiges Problemlösen und Ausdauer bei interessierenden Themen.

Zahlen und Buchstaben

Von Januar bis März habe ich Malte besonders intensiv beobachtet (4;10 bis 5;0 Jahre). Sein Interesse an Zahlen hat sich bestätigt. Als ich einen Wannentisch mit Sand und Zahlen aus Holz gefüllt hatte, hat Malte die Zahlen im Sand gesucht und konnte sie alle von 0 bis 9 benennen. Er konnte sie auch in die richtige Reihenfolge legen, indem er immer wieder bei 1 begonnen hat zu zählen. Eine Kollegin hat ihm dann gezeigt, wie sich die Zahlen über die 9 hinaus zusammensetzen, zum Beispiel, dass die 10 aus einer 1 und einer 0 besteht. Das System hatte er schnell verstanden und konnte weitere Zahlen legen. Um zu prüfen, ob er das System verinnerlicht hat, habe ich am nächsten Tag mit diesen Holzzahlen eine Übung für das Portfolio gemacht. Dort konnte er das wiederholen. Zählen kann er mittlerweile bis 30.

Er hat großes Interesse an Zahlen, er ist neugierig, weitere Zahlen kennen zu lernen, und zeigt eine schnelle Auffassungsgabe und eine gute Gedächtnisleistung. Er beschäftigt sich gerne und lange mit Zahlen, meist aus eigenem Antrieb.

Malte hat auch Interesse an Buchstaben. Im Februar hat ein Kollege eine „Reimwerkstatt“ angeboten. Er ist zu den interessierten Kindern persönlich hingegangen und hat gefragt, ob sie mit ihm etwas reimen möchten. Malte war gerade in ein Spiel mit Autos vertieft und so hat mein Kollege sich zu ihm gesetzt und angefangen mit ihm in Reimform zu erzählen. Malte zeigte zwar Interesse, wollte sein Spiel aber nicht unterbrechen. Im gemeinsamen Gespräch kam dann doch langsam ein Gedicht zustande. Malte vernachlässigte sein Spiel immer mehr und wandte sich immer intensiver dem Reimen zu. Mein Kollege Sinan hat das Gedicht in Großbuchstaben mitgeschrieben und am nächsten Tag haben sie es gemeinsam in den Computer eingegeben.

Geplant ist ein Gedichtband, den auch die Eltern einsehen können. Auch beim Schreiben am Computer hatte Malte großes Interesse. Zu Beginn hat Sinan ihm die einzelnen Buchstaben gezeigt, nach kurzer Zeit hat er erste Buchstaben von alleine wieder gefunden, er hat gesehen, dass Sinan zwischen den Wörtern die Leertaste benutzt hat, er hat mitbekommen, wie man in die nächste Zeile kommt,… und am Ende hat er das Gedicht alleine abgeschrieben. Es fiel ihm allerdings schwer, um Hilfe zu bitten. Stattdessen hat er so lange einen Buchstaben gezeigt, bis Sinan ihn bestätigt hat. Nach beiden Angeboten hatte er noch den Wunsch, eine Geschichte vorgelesen zu bekommen.

Gedicht:
Lars lebt auf dem Mars,
und spielt gern mit Cars
oder mit dem Gras.

Er hat auch einen Hasen,
der heißt Haas.
Das war´s!

Auch hier sieht man wieder seine schnelle Auffassungsgabe, wenn er am Ende das Gedicht schon alleine schreibt.
Er zeigt Eigenmotivation und lange Ausdauer, besonders wenn er mit Erwachsenen zusammen arbeitet. Es zeigen sich außerdem sein Sinn für Wortspiele, sein großer Wortschatz und seine gute Ausdrucksweise. Hier sieht man aber auch, dass er hohe Ansprüche an sich selbst hat. Er zeigt nicht gerne, dass er etwas nicht kann.

Dafür habe ich noch andere Beispiele:

Er macht auch gerne mit einem Erwachsenen zusammen Mini-LÜK. Er sucht sich dann die Aufgaben selber aus und wählt eher leichte Aufgaben, die er problemlos kann. Wenn ich ihm schwerere Aufgaben hinlege, fragt er gerne bei jedem Plättchen so lange nach der richtigen Position, bis ich ja sage.

Oder bei AGen meldet er sich gerne an, er ist neugierig für alles Neue, aber er macht erst mal nicht mit. Er setzt sich dabei und guckt zu.

Meine Vermutung ist, dass er sehr hohe Ansprüche an sich selber hat und erst mitmacht, wenn er sich sicher ist, dass er alles kann.

So hat er das zum Beispiel auch bei der musikalischen Früherziehung gemacht, die eine externe Kollegin in unserer Kita anbietet.

Ich habe sie um Informationen zu Maltes Verhalten und Können gebeten. Ihrer Einschätzung nach hat Malte keine besonderen Fähigkeiten, er sei gut, rage aber nicht heraus. Dafür habe er große Defizite im Sozialverhalten. Er stört oft die anderen, hält sich teils nicht an Regeln, macht manchmal gar nicht mit,… Das sind genau die Beobachtungen, die ich auch gemacht habe.

Aber ich glaube, dass bei näherem Hinsehen eben mehr in Malte steckt!

Unsere Anerkennungspraktikantin hat noch während der Schulzeit das therapeutische Reiten ins Leben gerufen, was sie derzeit weiter betreut. Dort konnten sich die vierjährigen Kinder anmelden. Malte hat sich sehr darauf gefreut und ist beim ersten Mal auch begeistert mitgegangen. Dort angekommen, hat er sich wieder sehr zurückgehalten und erstmal nur zugeschaut. Aber auch dabei hat er erstaunlich viele Informationen und Details behalten. So wusste er beim nächsten Ausflug noch, dass der Teil vom Huf, den man auskratzen soll, „Strahl“ heißt. Auch die anderen Kinder haben bemerkt, dass er viel weiß und fragen ihn, wenn sie etwas nicht wissen. Er ist sozusagen der „Experte“.

Malte hat eine besondere Gedächtnisfähigkeit und Beobachtungsfähigkeit. Er speichert Wissen nachhaltig ab. Er zeigt auch großes Wissen über naturkundliche Themen.

Er braucht zusätzliche Herausforderungen

Obwohl ihm das Reiten mittlerweile gut gefällt, wollte er vor kurzem nicht mehr mitgehen, das hatten mir die Eltern erzählt. Einen Grund konnte er ihnen nicht nennen. Laura, unsere Anerkennungspraktikantin, hat dann mit ihm darüber gesprochen und herausgefunden, dass Malte nicht gerne abwechseln möchte beim Reiten. Er möchte lieber die ganze Zeit zum Reiten nutzen. Es gehen aber immer 10 bis 12 Kinder zusammen mit drei Pferden in den Wald oder die Halle, so dass es ohne Abwechseln nicht geht. Laura und Malte konnten sich dann darauf einigen, dass er zwischendurch der „Fotograf“ sein könnte. Er ist jetzt also für das Fotografieren zuständig. Als Laura Malte die Einführung mit der Kamera gegeben hat, konnte ich wieder beobachten, wie schnell er Neues lernt. Laura hat mir hinterher berichtet, dass er sehr gut und nur mit wenig Hilfe mit der Kamera umgehen konnte. Beim nächsten Mal war zufälligerweise der Akku des Fotoapparates leer, so dass er keine Aufgabe in der Wartezeit hatte. Er hat sich dann kaum an Regeln halten können und den Ablauf des gemeinsamen Angebotes massiv gestört. Das ist wieder seine andere Seite!

Er hat also auch Interesse an technischen Abläufen, aber auch an naturkundlichen Themen, wie zum Beispiel am Reiten, am Fotografieren oder auch an Kaninchen.

Traurig über den Tod der Kaninchen

Wir haben in unserer Kita Kaninchen, die von den Kindern versorgt werden können.
Ich war krank geschrieben und bin am Karnevalsfreitag zu Besuch in den Kindergarten gekommen. Malte war als einziges Kind aus der Strolchengruppe da und wurde an diesem Tag mit in der Riesengruppe betreut (U3-Kinder). Die Kolleginnen erzählten mir, dass Malte weder gefrühstückt hatte noch spielen oder reden wollte. Als ich dann kam, hat er sich sehr gefreut und sofort ein Gespräch mit mir angefangen.

Er hatte an diesem Tag einen weißen Kuscheltier-Eisbären mitgebracht und sagte mir, den hätte er beim Karnevalszug gefangen. „Zu Hause habe ich den Bären in der Erde vergraben“, erzählte er. Ich fragte ihn: „In echt, aber der Bär ist doch weiß und er sieht noch ganz sauber aus, dann müsste er doch schmutzig sein.“ Darauf antwortete Malte: “Nein, nur im Spiel, weil unser Anton gestorben ist.“ „Wer ist denn Anton?“ „Unser Kaninchen zu Hause, das ist tot“, sagte Malte.
Er erzählte mir dann genau, was passiert war. Das Kaninchen ließ sich abends nicht einfangen und sie haben es über Nacht draußen gelassen. Ein Marder hatte das Tier gefangen, getötet und blutig auf dem Trampolin liegen lassen. Die Familie hat dann das Kaninchen zusammen beerdigt und sogar ein kleines Kreuz aufgestellt. Auch im Kindergarten ist vor kurzem ein Kaninchen gestorben, „Mo“. Diese beiden Geschichten haben ihn wohl schwer beschäftigt, so dass er das Erlebte zu Hause nachgespielt hat. Er konnte mir auch noch sagen, dass er über den Tod der beiden Kaninchen sehr traurig war.

Er beschäftigt sich nicht nur mit naturkundlichen Themen, sondern ist auch sensibel im Umgang mit Tieren. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Tod“ gehört zu den philosophischen Beschäftigungen.

Interesse an naturkundlichen Themen und die Beschäftigung mit der Umwelt zeigen sich auch an folgendem Beispiel: Malte spielt sehr gerne Rollenspiele, z.B. Polizei, Feuerwehr und besonders gerne Müllabfuhr. Er bringt oft sein Playmobil-Müllauto von zu Hause mit und dann werden zum Beispiel Holzbausteine zu Müll umfunktioniert. Genau so gerne spielt er Müllabfuhr im Nebenraum. Dann werden die Spielsachen der Puppenecke zu Müll, der in einer Ecke gehortet wird, und selbst die Möbel werden für den „Sperrmüll an die Straße gestellt“. Auch einfache leere Kartons oder Schleichtiere werden für dieses Spiel umfunktioniert. Er bindet seine Spielgefährten in dieses Spiel mit ein und da er auf diesem Gebiet großes Wissen hat, ist er in der Regel der Spielführer.
Auch zu Hause hat er schon bewusst ein Spielzeug von sich aussortiert, es an die Straße gestellt, gewartet und beobachtet, bis der Sperrmüll es abgeholt hat. (Dummerweise ist ihm einmal ein anderes Kind zuvorgekommen. Es hat das Spielzeug für sich mitgenommen, worüber sich Malte sehr aufgeregt hat (Erzählung der Eltern).

Beim Frühstück hat er mich oft gefragt, in welchen Mülleimer der Abfall, zum Beispiel der Joghurtbecher, gehört. Ich habe ihm dann die Mülltrennung erklärt: Der Joghurtbecher gehört in den gelben Mülleimer, weil er einen grünen Punkt hat. Ich habe ihm verschiedene Produkte mit dem grünen Punkt gezeigt und ihm auch Papiermüll und Restmüll erklärt. Der grüne Punkt hat ihn besonders interessiert.
Er hat zu Hause weitere Produkte gesucht und ein paar Tage später habe ich mitbekommen, wie er auch einem etwas älteren Kind den grünen Punkt erklärt hat, er war wieder der „Experte“.

Auch hier zeigen sich wieder eine schnelle Auffassungsgabe, ein gutes Gedächtnis, große intrinsische Motivation und Beschäftigung mit ökologischen Problemen. Außerdem zeigt sich hier seine künstlerische Originalität, er benutzt viele Alltagsmaterialien für sein Spiel und funktioniert sie um. Er besorgt sich umfassendes Wissen, indem er weiter nachfragt und Alltagssituationen nachspielt. Er zeigt Interesse an technischen Abläufen, was ihn über einen langen Zeitraum beschäftigt.

Seine aggressive Seite

In gewisser Weise zeigt er auch Führungskompetenz, da er die anderen Kinder anleitet bei seinem Spiel. Das Problem bei seiner Art der Führung ist jedoch, dass er alles bestimmen will und den anderen Kindern dabei keinen Handlungsspielraum lässt. Er achtet nicht auf die Signale anderer Kinder oder auch Erwachsener. Das führt oft zu Konflikten, die sogar handgreiflich werden können.

Ich kann mich an eine Situation erinnern, als Malte mit seiner Freundin Sarah (1 Monat älter als Malte) im Raum unter der Treppe etwa eine und eine halbe Stunde zusammen gespielt hat: Sie haben für Schleichtiere ein Gehege gebaut, anschließend ein „Restaurant“ für die Tiere und haben dann ein erfundenes Menü für die Tiere zusammengestellt. Sie hatten viel Spaß.

Nach einer Weile wechselten sie gemeinsam auf den großen Teppich und begannen getrennt etwas mit Duplo zu bauen. Da die Abholzeit bevorstand, habe ich sie gebeten aufzuräumen. Das haben sie auch gemacht, dabei aber weiter ihr jeweiliges Spiel verfolgt. Jeder hatte eine Kiste, in die die Duplo-Teile hinein sollten. Sarah ist dann aufgestanden und hat in Maltes Nähe ein Teil aufgehoben. Davon fühlte sich Malte so gestört, dass er aufgesprungen ist, sie mit ihrem Namen angeschrien und ihr mit einem großen Duplo-Teil mitten ins Gesicht geschlagen hat. Sarah fing völlig verwirrt an zu weinen, und ich musste sie erst einmal trösten. Anschließend bin ich mit Malte unter die Treppe gegangen, damit Sarah in Ruhe aufräumen und ich mit Malte in Ruhe reden konnte. Auf meine Frage, warum er Sarah weh getan hat, antwortete er, dass Sarah ihn geärgert habe. Aber muss man dann jemandem wehtun oder kann man mit dem reden? Sowohl er als auch ich waren traurig darüber, dass ich mit Malte schimpfen musste. Er wollte dann auch alleine unter der Treppe aufräumen, obwohl ich ihm meine Hilfe angeboten hatte. Vielleicht war das seine Art der Wiedergutmachung.

Malte möchte möglichst viel selber bestimmen und verhält sich manchmal aggressiv, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen verläuft. Bei Konflikten oder Aufgaben, die er nicht mag, kann er meistens genau erklären, was ihn gestört hat. Regeln werden dann auch schon mal wörtlich ausgelegt und so umgangen.

Er spielt auch gerne den Clown, so lässt er sich zum Beispiel manchmal extra fallen und singt dabei, woran vor allem die jüngeren Kinder Spaß haben. Das macht er aber auch im Stuhlkreis oder Morgenkreis, wo es andere stört.

Morgenkreis-Leiter

Ich vermute, dass ihn die Kreise langweilen, da er die Antworten alle kennt. Er muss sich oft sehr zurückhalten, damit ihm die Antwort nicht rausplatzt. Die jüngeren Kinder wissen die Antworten eben noch nicht so schnell. Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er einmal Morgenkreisleiter sein möchte. Die Idee fand er toll. Ich habe ihm dann den Vorschlag gemacht, das für die Wunschtafel aufzumalen. Das hat er sofort umgesetzt, indem er die Kerze und die Morgenkreistafel aufgemalt hat und ich musste noch dabei schreiben, was er sich gewünscht hat. Das hat er dann ausgeschnitten und an die Tafel gehängt.

Ein paar Tage später war es soweit, Malte durfte Morgenkreisleiter sein, mit meiner Unterstützung, die hatte er sich ausdrücklich gewünscht. Er saß also neben mir und ich habe die Kolleginnen darüber informiert. Er hat dann quasi die „Kommandos“ gegeben, zum Beispiel: alle die Hände geben oder wer anzählen darf. Wenn ich merkte, dass er etwas nicht wusste, habe ich ihn flüsternd unterstützt. So brauchte er sich mal nicht so zurück zu nehmen, sondern konnte selber entscheiden, ob und wie er den Kindern hilft. Leider waren meine Kolleginnen ziemlich ungeduldig und haben ihm einiges vorweggenommen. Wir hatten vorher wohl zu wenig darüber gesprochen.

(Das Beispiel anderer Jungen, die ihre Unzufriedenheit mit den Morgenkreisen zeigten, finden Sie im Beitrag Passgenaue kognitive Förderung, und zwar in den Abschnitten über Malte – es ist ein anderer Malte! – und Daniel.)

Malte spielt im Kindergarten lieber mit gleichaltrigen oder jüngeren Kindern, eigentlich sind nur zwei Kinder seine Freunde: Sarah (1 Monat älter) und Till (1 Jahr jünger). Aber auch die ziehen sich öfter mal von ihm zurück. So langsam beginnt er auch mit etwas älteren Kindern zu spielen, da hilft ihm sein Fachwissen in vielen Bereichen. Er wird als „Experte“ geschätzt und gesucht.

Vermutlich fehlen ihm Kinder mit gleichen Interessen und Wissensstand.

Malte spielt daher gerne mit Erwachsenen. Aber auch denen gegenüber ist er manchmal grenzüberschreitend, so zieht er mir zum Beispiel im Vorbeigehen so feste am Schal, dass mir einen Moment die Luft weg bleibt, oder er rennt anderen Eltern so feste gegen den Bauch, dass es sie schmerzt. Ist das Übermut oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit? Alle seine Verhaltensweisen kann ich noch nicht einordnen.

Malte zeigt Stärken

Andererseits kann er sehr zuverlässig sein, wenn er Aufträge für Erwachsene erledigt. Er hilft gerne im Frühdienst und holt alleine Rohkost, die er selber bestimmen darf, oder bringt das Telefon zurück in eine andere Gruppe. Da kann man ihn gut selbstständig agieren lassen.

Ich habe des Weiteren noch ein Beispiel für gutes Abstraktionsvermögen: Da die Kinder wieder großes Interesse an Autos hatten, habe ich eine ganze Kiste voll herausgeholt. Zusätzlich habe ich noch ein Poster an der Wand angebracht, das verschiedene Modelle verschiedenen Alters zeigt. Malte hat dann angefangen, Autos auszusortieren. Ein großer Teil kam in eine Ecke und ein paar andere in eine Kiste. Ich habe ihn erst nur beobachtet und nicht verstanden, was er da vorhatte. Dann fragte er mich, ob ich ein Auto kaufen wollte. Man konnte die Modelle kaufen, die auf dem Poster zu sehen waren. Er hatte die Autos ausgewählt, die den Bildern am ähnlichsten waren. Wenn es kein ähnliches gab, stimmte zumindest die Farbe. Ich war erstaunt und habe gleich zwei Autos „gekauft“. Mit denen durfte man dann auf dem Autoteppich spielen. Weitere Kinder kamen hinzu und wollten auch Autos kaufen. Es wurde auch darüber diskutiert, ob die Autos denn wirklich gleich aussehen. Aber er hat alle überzeugen können und alle Autos „verkauft“. Tolle Idee!

Da sieht man, wie gut er sich Sachen vorstellen kann, wie kreativ er sein Spiel gestaltet und wie gewandt er im Umgang mit Sprache ist.

Auch für seine musikalische Intelligenz habe ich noch ein Beispiel: Rico hatte beim Mittagessen mit einem Löffel gegen eine Flasche gehauen und so „Musik“ gemacht. Er fand heraus, dass sich eine leere Flasche anders anhört, als eine volle. Da wir nach dem situationsorientierten Ansatz arbeiten, habe ich dieses Thema am nächsten Tag spontan aufgegriffen und bin mit unseren ältesten Kindern in unseren Forscherraum gegangen, im Gepäck einen Eimer Wasser, für jedes Kind eine leere Flasche, Löffel, Trichter und Messbecher. Wir haben uns um einen Wannentisch versammelt, und Rico hat erzählt, was er am Vortag herausgefunden hatte. Dann bekamen die Kinder den Auftrag ihre Flaschen unterschiedlich hoch mit Wasser zu befüllen. Das vorletzte Kind hatte seine Flasche ganz voll gemacht. Zufälligerweise war Malte das letzte Kind und stand nun vor dem Problem, wie viel Wasser er in die Flasche füllen sollte. Er hat sich alle Flaschen genau angeschaut und eine Menge gefunden, die zwischen den anderen noch fehlte. Ich hatte es leichter, meine Flasche blieb leer. So hatten wir 6 Flaschen befüllt. Jeder durfte jetzt nacheinander seiner Flasche Töne entlocken und dann haben wir verglichen. Jede Flasche hörte sich anders an. Als nächstes haben wir gleichzeitig „Musik“ gemacht und dann hatte einer die Idee, dabei zu singen, „Guten Morgen, Frau Sonne!“, damit die Sonne auch mal endlich raus kommt (Dieser Winter war schon sehr düster!). Alle waren sich einig, dass sich das sehr schön anhört. Ich hatte noch die Idee „Alle meine Entchen“ zu spielen, die Anzahl der Flaschen und Töne war zufällig dafür geeignet. Ich habe es den Kindern vorgesungen und gespielt, und alle wollten es einzeln nachmachen. Manche brauchten Unterstützung, indem ich auf die Flaschen gezeigt habe aber Malte hat durch das Beobachten bei den anderen Kindern das Lied auf Anhieb alleine und richtig nachspielen können. Ich war erstaunt.

Auch hier zeigt sich wieder seine schnelle Auffassungsgabe und große Merkfähigkeit. Er zeigte besondere Aufmerksamkeitsdauer und intrinsische Motivation.

 

Damit war dieses besondere Erlebnis aber noch nicht vorbei. Mir kam dann noch die Idee, unser gelerntes Lied und unsere selbst gemachten „Instrumente“ im Stuhlkreis vorzuführen. Es war schließlich Freitag, da versuchen wir immer einen Stuhlkreis zu machen. Die Kinder waren begeistert. Gesagt, getan! Wir haben zusammen die Stühle gestellt, einen Tisch in die Mitte geholt und alle „Instrumente“ vorbereitet. Die anderen Kinder waren gespannt. Da Rico der Initiator gewesen war, durfte er als erstes etwas vortragen. Aber auch Malte hat alleine „Alle meine Entchen“ vorgetragen, als einziger ohne Hilfestellung und fehlerfrei. Sogar von den jüngeren Kindern wollten welche das ausprobieren und es wurden sogar noch selbst erfunden Lieder gespielt und gesungen.

Meine Kollegin hatte dann noch den Gedanken, Weingläser dazu zu holen, mit Wasser zu füllen und mit nassem Finger über den Rand zu streichen. Die Kinder waren ganz fasziniert von den Geräuschen und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Einige Kinder haben dann versucht diese Geräusche auch zu erzeugen und waren überwältigt, wenn es ihnen gelang, darunter auch Malte.

Ich muss sagen, das war einer meiner schönsten Kindergartentage überhaupt. Nichts davon war geplant oder verfolgte ein bestimmtes Ziel. Es gab einfach nur Zeit und Raum zum Experimentieren und Erproben. Alles war möglich und am Ende gab es überraschende Erkenntnisse.

Im Hinblick auf Malte war ich erstaunt, wie gut er sich auf dieses Thema einlassen konnte, und er hat zu keiner Zeit den Clown spielen wollen. Ich glaube, das Geschehen hat ihn gefesselt und er war hoch konzentriert und engagiert. Hier fühlte er sich sicher und konnte vor der gesamten Gruppe etwas vortragen.

Malte hat auch einen guten Blick für Details. Wir haben mit vielen Kindern Feuerwehrautos gebastelt und sie in der Garderobe aufgehängt. Er wusste nicht, wie er das Auto basteln sollte, und hat sich zur Vorlage ein Buch geholt. Dann hat er sich die für ihn wichtigsten Details rausgesucht und losgelegt. Sein Auto war aus roter Pappe, die Lichter oben drauf waren blau, die Leiter musste silbern sein und die Fenster waren auch an einer bestimmten Stelle,… Wir zwei haben dann noch eine Straße für die Feuerwehrautos gebastelt. Ich wollte den Streifen auf der Fahrbahn mit schwarzer Pappe machen. Das durfte ich aber nicht, schließlich ist der in echt weiß!

Malte nimmt seine Umwelt sehr aufmerksam wahr und merkt sich Details.

Vor kurzem habe ich mit Malte zusammen einen Fragebogen ausgefüllt. Zufällig kam die Erzieherin der Räubergruppe dazu, die ihn im nächsten Kindergartenjahr betreuen wird, und ist mit ihm den Fragebogen noch mal durchgegangen. Dabei stellte sich heraus, dass ich einmal etwas falsch verstanden hatte. Er findet es nicht nur blöd, wenn sein Gebautes kaputt gemacht wird, sondern wenn überhaupt irgendetwas kaputt gemacht wird. Und als Berufswunsch hatte er „Krankenwagen“ angegeben. Ich habe, ohne nachzudenken, Krankenwagenfahrer aufgeschrieben. Das war auch nicht korrekt. Er meinte speziell den Sanitäter, der die Verletzten hinten in den Wagen schiebt und versorgt. Das konnten wir dann zusammen klären. Ich habe daraus gelernt, wie wichtig es ist, mit dem Kind zusammen im Dialog zu bleiben und nicht gleich eigene Interpretationen anzustellen.

Ich war erstaunt, wie genau Malte wusste, was er mir gesagt hatte. Hier sieht man noch mal seine erstaunliche Gedächtnisfähigkeit.

Was kann ich für Malte tun?

Ich habe geplant, mit Malte und einigen weiteren vermutlich höher begabten Kindern, eine Gruppe zu bilden, die sich regelmäßig ein mal die Woche trifft. Malte soll mit Kindern in Kontakt kommen, die ähnlich „funktionieren“ und ähnliche Interessen haben. Wenn er entsprechend gefordert und gefördert wird, erhoffe ich mir im sozialen Bereich eine Besserung, so dass sein Verhalten anderen Menschen gegenüber weniger aggressiv wird. Das ist sein Verhalten, mit dem er auffällt und in Verbindung gebracht wird, sozusagen „seine Schublade“, in die er gesteckt wird.

Nach Absprache im Großteam haben wir uns auf insgesamt 4 Kinder geeinigt. Um ihre gemeinsamen Interessen herauszufinden, lasse ich die Kinder einen Fragebogen ausfüllen. Bei zwei Kindern habe ich dies bisher gemacht.

Zusätzlich kam mir noch die Idee, Malte als „Streitschlichter“ auszubilden und einzusetzen. Schließlich kennt er die Regeln ganz genau und sie sind ihm wichtig. Noch dazu hat er das sprachliche Können, sie richtig zu vermitteln. Vielleicht erlangt er darüber mehr Empathie und kann auch seine eigenen Konflikte besser lösen.

Begabungen entdecken

Bei dieser ersten Praxisarbeit (im IHVO-Kurs) sollten wir uns im Besonderen mit dem Beobachtungsbogen nach Joelle Huser beschäftigen: Hohe Begabungen entdecken, Beobachtungsbogen für den Kindergarten

Zusammenfassend würde ich folgende Punkte aus diesem Beobachtungsbogen für Malte ankreuzen:

A Allgemeine Merkmale

    • Allgemeiner Entwicklungsvorsprung, großes Interesse an Buchstaben und Zahlen, (z.B. Zehner-Trainer, Reimwerkstatt)
    • Schnelle Auffassungsgabe und Neugierde, (z.B. Grüner Punkt)
    • Orientierung an Erwachsenen, (z.B. Reimwerkstatt)
    • Verblüffende Gedächtnisfähigkeit, (z.B. Fragebogen)
    • Lange Aufmerksamkeitsdauer und starke Eigenmotivation, (z.B. Zahlen)
    • Kritische Einstellung zur eigenen Leistung – hohe Ansprüche an sich selbst, (z.B. bei AGen)
    • Drang nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, (z.B. Erwachsenen helfen)
    • Beschäftigung mit sozialen, philosophischen, politischen und ökologischen Problemen, (z.B. Tod von „Anton“)
    • Das „Wörtlich-nehmen“ und die Forderung nach Erklärungen, (z.B. Konflikte)
    • Innovativer Gebrauch von Materialien – künstlerische Originalität, (z.B. Müllabfuhr)
    • Sinn für Humor und Wortspiele, (z.B. Reimwerkstatt)

B Merkmale von unterforderten Kindern

    • Aggressives, forderndes oder clownhaftes Verhalten, (z.B. Morgenkreis)

C Sprachliche Intelligenz

    • Großer Wortschatz, (z.B. Reiten)
    • Gute Ausdrucksfähigkeit, (z.B. Autos)

D Mathematisch – logische Intelligenz

    • Vorliebe für ordnende und zählende Tätigkeit, (z.B. Mini-LÜK)
    • Gutes Abstraktionsvermögen – räumliches Denkvermögen, (z.B. Autos)

E Inter- und intrapersonale Intelligenz

    • Besonders gute Beobachtungs- und Wahrnehmungsfähigkeit, (z.B. Basteln)
    • Führungskompetenz, (z.B. Morgenkreisleiter)
    • Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn – hohe Sensibilität, (z.B. Konflikte)

F Naturalistische Intelligenz

    • Informationstiefe und Informationsbreite, (z.B. Müll)
    • Großes Wissen über naturkundliche Themen, (z.B. Tiere)
    • Großes Wissen über und Interesse an physikalischen, technischen und chemischen Abläufen, (z.B. Fotografie, Müll)

Insgesamt hätte Malte damit eine Punktzahl von 22 und würde damit in den Bereich eines höher begabten Kindes fallen.

Aus Interesse habe ich den Eltern auch einen Elternfragebogen mit nach Hause gegeben. Sie haben ihren Sohn ähnlich eingeschätzt und haben am Ende folgende Fragen:

  • Ist unser Kind überdurchschnittlich begabt?

  • Was ist in diesem Fall zu tun?

  • Was müssen wir beachten?

Die erste Frage habe ich schon mit ja beantwortet, er ist auf jeden Fall ein höher begabtes Kind. Die Beantwortung der anderen Fragen hoffe ich im Verlauf der weiteren Weiterbildung zu erfahren. Außerdem möchte ich Malte helfen, im sozialen Miteinander mehr Kompetenzen zu erwerben, da braucht er am dringendsten Hilfe und Unterstützung.

Wie es mit Malte weiter geht, lesen Sie in Fünf Kinder bilden eine Gruppe und folgen ihren Interessen.

Datum der Veröffentlichung: April 2021
Copyright © Hanna Vock, siehe Impressum.

Fünf Kinder bilden eine Gruppe und folgen ihren Interessen

Martina Werner

 

Meine 2. Praxis-Aufgabe im IHVO-Zertifikatskurs lautete:
– Erweitere dein Bild vom Beobachtungskind mit Hilfe der Fragebögen.
– Entwickle daraus ein Angebot in Einzelarbeit oder in einer Kleingruppe.
– Dokumentiere den Verlauf.
– Nenne Ausblicke auf weitere Angebote und Vorgehensweisen.

Für die Zusammensetzung der Kleingruppe hatte ich schon Ideen im Kopf und habe dann im Großteam unserer Kita die Auswahl der Kinder besprochen.

Wir haben uns für vier Kinder entschieden, die Merkmale zeigen, die eine höhere Begabung vermuten lassen und die zum Teil etwas abseits stehen (ein fünftes Kind habe ich dann noch dazu genommen).

1. Malte:
Malte ist nun Zeit 5;5 Jahre alt und mein Beobachtungskind im Zertifikatskurs.
Durch meine intensiven Beobachtungen (beschrieben in: Malte, 5;0 Jahre) habe ich festgestellt, dass Malte besondere Interessen zum Beispiel an Umweltthemen hat.
Er hat besondere Probleme im sozialen Umgang mit anderen Kindern und bei der Konfliktbewältigung. Zum Teil ist er, meiner Meinung nach, auch unterfordert. Ich hoffe, dass ihm das Angebot viele interessante Themen bietet, dass er neue Freunde findet und damit seine sozialen Kompetenzen erweitern kann. Ihn werde ich immer wieder gründlicher zwischendurch beschreiben.

Mehr zu Malte erfahren Sie hier: Malte, 5;0 Jahre

… kurz gefasst …

Dieser Beitrag ist unter anderem eine Werbung für Kleingruppenarbeit! Die Autorin beschreibt ausführlich, wie es gelungen ist,
fünf besonders lernfreudige Kinder zu einer Gruppe zusammen zu fassen, die sich über längere Zeit gemeinsam mit verschiedenen Themen beschäftigt.
Alle Kinder kommen nacheinander mit ihren zur Zeit vordringlichen Interessen zum Zuge. Es zeigt sich in diesem Beitrag wieder einmal, dass eigentlich ziemlich verschiedene Kinder konzentriert, ausdauernd und sozialverträglich arbeiten, wenn sie sich kognitiv auf einem ähnlichen Niveau befinden.

Außerdem beginnt hier die praktische Förderung eines „schwierigen“ Jungen.
Hanna Vock

2. Pascal:
Er ist 4;10 Jahre alt. Er fällt besonders auf durch motorische Defizite und Sprachprobleme in Form von Stottern. Er hat keine festen Freunde, spielt aber gerne mit Kindern, die nicht so wild sind, wie es sich ergibt. Er hat wenig Selbstvertrauen in seine Tätigkeiten. Trotz seines Stotterns verblüfft er mich immer wieder mit seinen Fähigkeiten beim Reimen, seinem ungewöhnlichen Wortschatz oder seiner Fähigkeit, Buchstaben selbst im Vorbeifahren mit dem Bus aus Werbeplakaten zu erkennen und zu benennen. Schreiben kann er sie durch seine motorischen Schwierigkeiten noch nicht.
Auch in anderen kognitiven Bereichen erstaunt er mich immer wieder, zum Beispiel bei kleinen Rechenaufgaben, die er im Kopf löst.
Ich habe Pascal ausgewählt, weil ich ihn besser kennen lernen möchte, was steckt in ihm? Ich möchte ihn über seine Stärken fördern und ihm damit auch mehr Selbstvertrauen geben und eventuelle Ängste abbauen. Neue Freundschaften könnten sich ergeben.

3. Rico:
Rico ist 5;4 Jahre alt. Ihn habe ich erst kurz vor Beginn meines Angebotes noch spontan dazu genommen. Ich habe mit seiner Mutter ein Elterngespräch zum Entwicklungsstand gemacht – und dabei fielen mir viele Kriterien ins Auge, die auf eine höhere Begabung schließen lassen, zum Beispiel sein besonderes Interesse Lesen und Schreiben zu lernen, seine große Fantasie, seine etwas andere Sicht der Dinge oder auch sein momentaner Unwille, in den Kindergarten zu gehen. Sein Kommentar: „Hier ist es langweilig!“ (Er war übrigens derjenige, der die Idee hatte, mit den Wasserflaschen Musik zu machen.) Ich glaube, er ist unterfordert, und dem sollte man schnell entgegenwirken.
Daher möchte ich ihm gerne Angebote machen, die wirklich seine Interessen treffen, damit es ihm weniger langweilig ist.

4. Nora:
Nora ist 5 Jahre alt, von ihrer Gruppenleiterin habe ich die Informationen bekommen, dass Nora in vielen Bereichen eine überdurchschnittliche Begabung zeigt, zum Beispiel beim Umgang mit Zahlen. So hat sie den „Heinevetter 10er-Trainer“, ein Lernspiel, den eines unserer höher begabten Kinder frustriert zur Seite gelegt hatte, mal eben alleine, im Vorbeigehen, beendet. So macht sie das immer, mal eben, ohne sichtbare Mühe, ohne Lob zu erwarten. Auch sie ist eher eine Einzelgängerin und passt auch von daher in diese Gruppe.
Ihr würde ich auch gerne besondere Herausforderungen bieten und die Möglichkeit, neue Freundschaften zuschließen.

5. Naomi:
Sie ist 4 Jahre alt und ist in derselben Gruppe wie Nora. Auch bei ihr wurde mir im Großteam von besonderen Fähigkeiten berichtet, so kann sie zum Beispiel schon Schleifen binden und zeigt besondere Interessen im feinmotorischen Bereich. Beim Bogenschießen am Sommerfest hat sie sich besonders geschickt angestellt.
Somit hat auch Naomi besondere Fähigkeiten, die ich gerne fördern möchte. Vielleicht kann sie auch als Expertin im Bereich Motorik fungieren und Pascal so unterstützen.

Alle fünf Kinder sind im nächsten Kindergartenjahr Vorschulkinder, so dass sie öfter miteinander zu tun haben werden. Sie zeigen besondere Fähigkeiten und Interessen, die sie vor allem in die Vorschulgruppe einbringen können. Ich möchte ihnen die Möglichkeit geben, ihre ganz speziellen Wünsche zu befriedigen und ihnen dafür die entsprechende Zeit geben.

In dieser Kleingruppe finden sie gleichgesinnte Spielpartner und man kann intensiver miteinander arbeiten! Dadurch kann man ihre Motivation und Neugierde hoch halten. Mein Ziel ist es, dass alle gemeinsam davon profitieren können und neue Freundschaften entstehen und Außenseiterrollen vermieden werden.
Ich möchte sie persönlich beobachten und teils besser kennen lernen, höher begabte Kinder brauchen unsere besondere Aufmerksamkeit. Ich akzeptiere und wertschätze damit ihre besonderen Fähigkeiten. Dafür möchte ich alle Bildungsbereiche nutzen und mit Experten zusammen arbeiten.

Fünf Kinder – fünf Interessen

Mit allen fünf Kindern habe ich den Interessen-Fragebogen ausgefüllt, um aus ihrem eigenen Mund ihre Interessen heraushören zu können.

Ich habe mich mit jedem Kind zu zweit zurückgezogen, so dass wir ungestört waren.
Mit meinem Beobachtungskind Malte habe ich den Fragebogen zuerst ausgefüllt. Zufällig kam die Erzieherin der Nachbargruppe dazu, die ihn in diesem Kindergartenjahr betreuen wird, und ist mit ihm den Fragebogen noch mal durchgegangen. Dabei stellte sich heraus, dass ich zweimal etwas falsch verstanden hatte. Er findet es nicht nur blöd, wenn sein Gebautes kaputt gemacht wird, sondern wenn überhaupt irgendetwas kaputt gemacht wird. Und als Berufswunsch hatte er „Krankenwagen“ angegeben. Ich habe, ohne nachzudenken, Krankenwagenfahrer aufgeschrieben. Das war auch nicht korrekt. Er meinte speziell den Sanitäter, der die Verletzten hinten in den Wagen schiebt und versorgt. Das konnten wir dann zusammen klären.

Ich habe daraus gelernt, wie wichtig es ist, mit dem Kind zusammen im Dialog zu bleiben und nicht gleich eigene Interpretationen anzustellen.

Ich war erstaunt, wie genau Malte wusste, was er mir gesagt hatte. Hier sieht man noch mal seine erstaunliche Gedächtnisfähigkeit.

Die Auswertung der Fragebögen ergab – (Da ich Rico erst später spontan dazu genommen habe, ist er in dieser Auswertung nicht dabei.):
Das mögen die Kinder gerne, entsprechend haben sie in der Tabelle den lächelnden Smiley angekreuzt:

Malte

Pascal

Naomi

Nora

Theater

x

x

x

x

Lesen

x

x

x

Fremdsprachen

x

x

Malen und Zeichnen

x

x

x

Pflanzen

x

x

x

x

Musik

x

x

Computer

x

x

x

Geschichten

x

x

Cassetten hören

x

x

x

Schreiben

x

x

x

x

Kochen und Backen

x

x

x

x

Rechnen

x

x

x

Tanzen

x

x

x

x

Turnen

x

x

x

x

Basteln

x

x

x

x

über Fragen nachdenken

x

x

x

x

Rätsel lösen

x

x

x

x

Daraus ergibt sich ein gemeinsames Interesse in den Bereichen: Theater, Pflanzen, Schreiben, Kochen und Backen, Tanzen, Turnen, Basteln, über Fragen nachdenken und Rätsel lösen.

Hier die Antworten auf die offenen Fragen:

Malte

Pascal

Naomi

Nora

Gesellschaftsspiele

Uno

Monopoly, Mau Mau

Umweltthemen

Müllabfuhr

Häuserbau, Gummistiefel, Bäume

Spielmaterial

Autos

Bücher Lego, Kuscheltiere/ Rollenspiele, Basteln

Puppen

Pferde, Trampolin, Salto, Turnübungen

Sammeln

Nüsse

Muscheln

Kastanien

Süßigkeiten

Was kannst du
besonders gut?

Fahrradfahren, Lernen, Morgenkreis- Leiter

Fahrradfahren, reimen, alles

Ballett, Turnen

Trampolin, Malen

Was möchtest du
lernen?

Skateboard fahren, Gewinnen, Schreiben

Papierflieger basteln, Flugzeug malen

Buchstaben schreiben, Lesen

Salto

Was gefällt dir im
Kindergarten nicht?

Ärgern, Kaputt machen

Schubsen, Hauen, Boxen

Hauen, Kratzen, Kneifen, Spucken, Schubsen

Hände waschen, im Kiga rausgehen

Was ist dein
Lieblingsspielzeug?

Hasi, Kuscheltiere, echte Katzen und Hasen

Kuschelkatze

Puppe „Günther“

Bücher

Feuerwehr, Wimmelbücher, „Mama Muh“

Piraten, Hexen

Einhörner

Fernsehen

Sendung mit

Cars,

Pocahontas,

Pippi

der
Maus, Sponge Bob

Sesamstraße

Emil und die Wildgänse

Langstrumpf, Wicki, Sponge Bob, Bibi Bloxberg

Berufswunsch

Polizist, Sanitäter, Koch

Lehrer

?

?

Manche Aussagen der Kinder waren wirklich spannend. So mag Nora zum Beispiel das Händewaschen und das Rausgehen aufs Freigelände nicht, während alle anderen sich einig waren, Hauen, Schubsen, usw. ist blöd. Oder Nora sammelt Süßigkeiten, da hat sie bestimmt an Karneval oder St. Martin gedachte. Jedenfalls fällt da ihre andere Art zu Denken auf.
Und ausgerechnet das Kind, das stottert, möchte Lehrer werden. Ich habe vor kurzem einen Roman bzw. eine Lebensgeschichte gelesen, wo auch ein Junge, der gestottert hat, Lehrer geworden ist. Vielleicht ist das ja eine gute Therapie, wer weiß?
Malte hatte jedenfalls zu jeder Frage ganz konkrete Antworten. Die mich in meinen bisherigen Beobachtungen bestärken.

Mit Rico habe ich den Fragebogen auch noch kurzfristig ausgefüllt. Er war besonders interessiert am Lesen- und Schreibenlernen und am Bogenschießen.

Nach den Beobachtungen, nach den Fragebögen und nach den Besprechungen im Team wollte ich die Arbeit so anlegen:

    • Kleingruppenarbeit
    • Themen vorbereiten
    • Themenauswahl zusammen mit den Kindern
    • Name für die Gruppe
    • Regelmäßige Treffen

1. Treffen – Themen finden

Nach Absprache im Großteam habe ich mich mit den fünf Kindern am 6. Juni um 9.00 Uhr zum ersten Mal im Forscherraum zusammengesetzt. Wir saßen am Tisch und haben uns kurz vorgestellt, und ich habe den Kindern erklärt, dass wir uns demnächst öfter treffen, weil wir gemeinsam besondere Interessen haben.

Auf einem Tisch hatte ich verschiedene Gegenstände zurechtgestellt, die jeweils symbolisch für eine Sache stehen sollten. Wir haben diese Gegenstände zusammen erklärt und gemeinsam überlegt, wofür sie stehen könnten:

Grünpflanze:
Alle Kinder hatten Interesse, sich um Pflanzen zu kümmern oder etwas über sie zu lernen.
Auto der Müllabfuhr:
Malte hat schon lange besonderes Interesse am Thema Müllabfuhr und auch die anderen Kinder zeigen Interesse an Umweltthemen.
Bogen:
Mehreren Kindern hat das Bogenschießen beim Sommerfest so gut gefallen.
Seil:
Das Seil stand stellvertretend für Schleifen und Knoten binden, woran Naomi besonderes Interesse hatte.
Kochtopf:
Alle Kinder fanden Kochen und Backen gut.
Kuscheligel:
Alle Kinder mögen gerne Kuscheltiere oder Puppen, auch im Rollenspiel.
Pferd von Schleich:
Die Kinder waren alle mit auf dem Reiterhof und mochten gerne reiten.
Rätselheft:
Das war Noras besonderes Interesse.
Musik-CD:
Alle Kinder haben angekreuzt, dass sie gerne Musik mögen.
Schere:
Die Schere stand für Bastelangebote.
Gesellschaftsspiel:
Auch das machen alle Kinder gerne.
Holzbuchstabe:
Besonders Rico, Nora und Pascal interessieren sich für Buchstaben, Schreiben- und Lesenlernen.
Holzzahl:
Auch Rechnen war bei mehreren Kindern von Interesse.
Pinsel:
Die Mädchen und auch Rico malen gerne Bilder mit vielen Details.
Verbandspäckchen:
Laut den Erzieherinnen der Nachbargruppe spielen die Mädchen dort gerne Doktorspiele und haben Interesse an einem 1.Hilfe-Kurs angemeldet.
Blatt mit Turnübungen vom Sommerfest:
Einige Kinder, wie zum Beispiel Nora haben Interesse, besondere Kunststücke wie einen Salto zu erlernen.

So hatte ich, glaube ich, für jeden etwas dabei.
Jedes Kind konnten sich dann einen Gegenstand aussuchen. Ich habe die Kinder dann mit diesem Gegenstand fotografiert, zum einen um ihre Wahl festzuhalten und zum anderen für eine Dokumentation im Portfolio-Ordner.

Dann habe ich die Kinder gefragt, was sie sich Besonderes wünschen zu ihrem gewählten Thema. Dabei konnte jeder seine Ideen einbringen. Das habe ich auf einem weißen Blatt mitgeschrieben, auf das später noch das Foto kam.

Malte hat sich, wie nicht anders zu erwarten, die Müllabfuhr ausgesucht. Er wollte gerne mit diesem Auto spielen, Rollenspiele dazu machen und aus einem Karton ein Auto basteln und die Bauklötze zu Müll umfunktionieren. Er möchte eine echte Müllabfuhr besichtigen, ein echtes Müllauto sehen und die „Anlage, wo sortiert wird, auf dem Band“. Er möchte zu einer Müllverbrennungsanlage.

Pascal hat die Musik-CD gewählt. Er möchte gerne Musik hören, Musikinstrumente spielen, z.B. Gitarre oder Trommel, Singen, Tanzen und dann hatte er noch die Idee, ein Lied zu singen und aufzunehmen.

Rico hat sich den Bogen ausgesucht. Er wollte Bogenschießen, mit Mama und Papa zu einem Turnier gehen und einen Bogen selber bauen.

Naomi hat das Seil genommen. Sie möchte damit gerne Schleifen binden, Knoten machen, Seilchen springen, Tau ziehen und Gegenstände ziehen, z.B. eine Kutsche.

Nora hat das Rätselheft in die Hand genommen, weil sie was lernen möchte, nämlich Nachmalen, Rätsel, Striche machen, Schreiben, Rechnen und Fehler suchen.

Bei diesem ersten Treffen spielte Malte den Clown. Er hat Grimassen gemacht, gerülpst und Quatsch erzählt. Rico fand das lustig und hat begeistert mitgemacht. Sie konnten auch schlecht still sitzen bleiben. Die anderen Kinder fühlten sich dadurch massiv gestört. Da die Themen aber für alle interessant waren, da es ja „ihre“ Themen waren, konnte ich sie immer wieder zum Zuhören animieren.

Das Treffen hat dann ca. 30 Minuten gedauert. Das ist schon eine lange Zeit, um sich zu konzentrieren.
Rico hat dann noch die Kinder gezählt, die mitmachen, und Naomi hat von ihren Erfolgen beim Bogenschießen am Sommerfest berichtet, „Ich habe ins Gold getroffen!“
Am Ende haben wir uns noch auf eine Reihenfolge einigen können, mit welchem Angebot wir beginnen und wie es dann weitergeht.

Alle wollten anfangen, außer Naomi. Sie hat gesagt, sie möchte Letzte sein. Sofort kamen von den anderen Kindern Ideen, wie man eine Reihenfolge festlegen könnte. Dann wollte Malte in der Mitte sein und Pascal wollte hinter Malte sein. Nora wollte immer noch erste sein und Rico hat sich bereit erklärt, zweiter zu sein. So hat ein Kind den Anstoß gegeben, das Problem zu lösen. Das zeigt besondere soziale Fähigkeiten, die ich noch weiter beobachten möchte.
Daraus ergibt sich folgende Reihenfolge:
1. Nora: Rätsel
2. Rico: Bogenschießen
3. Malte: Müllabfuhr
4. Pascal: Musik
5. Naomi: Seil

Drei der von den Kindern gewünschten Themen
konnte ich im Rahmen dieser Hausarbeit „abarbeiten“:
Rätselheft, Bogen und Müllabfuhr.
Die beiden restlichen folgen in der nächsten Hausarbeit.

Damit endete das 1. Treffen, später fiel mir ein, dass wir vergessen hatten, uns einen Namen zu geben. Damit wollte ich den Zusammenhalt unserer Gruppe stärken.

Um auch den Eltern unsere Arbeit transparent zu machen, habe ich einen Elternbrief geschrieben und ihn mit Erklärungen weitergereicht.
_______________________

Liebe Eltern!

Alle Kinder sind einzigartig und haben besondere Fähigkeiten und Interessen!
Um diese zu unterstützen, haben sich fünf Kinder Anfang Juni zum ersten Mal in einer Kleingruppe getroffen, Nora und Naomi aus der Räubergruppe, und Malte, Pascal und Rico aus der Strolchengruppe. Wir möchten zusammen regelmäßig besondere Themen bearbeiten, Projekte gestalten, Neues erkunden,…
Nach einer intensiven Befragung der Kinder, konnte ich verschiedene gemeinsame Themen herausfiltern und den Kindern in Form von Gegenständen, wie beispielsweise ein Buchstabe aus Holz, einen Bogen, ein Kuscheltier, eine Musik-CD, ein Müllauto, ein Seil, eine Zahl aus Holz,… zur Auswahl stellen.
Bei ihrem ersten Treffen haben sie sich folgende Bereiche ausgesucht:

Rätsel
Bogenschießen
Müllabfuhr
Musik
Seil, Knoten und Schleifen

Die Kinder hatten auch schon einige Ideen, was sie zu diesen Themen machen möchten, z.B. einen eigenen Bogen bauen, zur Müllverbrennungsanlage fahren, Gitarre spielen oder Seilchen springen.
Vielleicht brauchen wir bei der Ausführung unserer Projekte auch manchmal Ihre Unterstützung, wie z.B. Fahrgemeinschaften bei Ausflügen oder Hilfe bei der Erledigung von „Hausaufgaben“.
Außerdem werden wir uns vielleicht noch einen eigenen Namen geben, lassen sie sich überraschen.

Wir werden Sie über unsere Projekte auf dem Laufenden halten und freuen uns auf eine spannende Zeit!

Martina Werner

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Auch das Team habe ich von meinem Treffen informiert und um Mithilfe gebeten, so haben wir Tage herausgesucht, an denen wir uns treffen können. Beim Bogenschießen und bei der Musik bekomme ich Unterstützung von weiteren Fachkräften. Außerdem habe ich erste Materialien besorgt, wie Rätselhefte, Schnürsenkel oder Bögen.
Dann habe ich mit meinem Bogensportverein gesprochen und vereinbart, dass die Kinder in der Ferienzeit beim Training auf dem Außengelände sonntags zuschauen können. Auch dafür gab es einen Elternbrief. Mein Schwager ist bei der Müllabfuhr und der hat mir Tipps gegeben, wo man Autos besichtigen kann. So kann man außenstehende Experten mit einbinden.

2. Treffen – Rätselei

Beim 2. Treffen haben wir dann einen Namen gesucht. Das war nicht einfach, da die Kinder tausend Ideen hatten: Igel-Gruppe, Skelett-Gruppe, Gespenster-Gruppe, Stern-Gruppe, Feuerwehr-Gruppe, Müllabfuhr-Gruppe, … Sie konnten sich nicht einigen, da habe ich sie darauf hingewiesen, was sie sich denn ausgesucht haben. Als Erzieherin muss man manchmal Impulse setzen, um eine Einigung zu erzielen oder um die Kinder nicht zu überfordern.

Dann kamen wir auf die Idee, unsere Anfangsbuchstaben zu nehmen oder die der gewählten Themen. Das klappte auch nicht. Dann hatte Nora die Idee, dass wir „Truppe“ anstatt Gruppe heißen sollten. Und ich hatte die Idee, dass wir Rätsel-Truppe heißen, wenn wir mit dem Thema Rätsel beschäftigt sind und Bogenschießtruppe, wenn wir mit Bogenschießen beschäftigt sind, … Wir haben abgestimmt und bis auf Malte waren alle dafür. Er wollte nur Müllabfuhr-Truppe heißen. Das fand Naomi ungerecht und die anderen gaben ihr Recht. Da war wieder ihr besonderes soziales Gespür.

So konnten wir dann als Rätsel-Truppe weitermachen.
Auf der Empore im Gruppenraum der Strolchengruppe stehen verschiedene Tische und Stühle und ein Fotokopierer. Dort hatte ich verschiedene Rätselhefte, Kreuzworträtsel, Vorlagen zum Schreiben oder Mandalas bereit gelegt. Die Kinder konnten sich etwas aussuchen und dann fotokopieren. Nach kurzer Zeit hatten sie den Fotokopierer durchschaut und konnten ihn mehr oder weniger alleine bedienen.

Sie haben sich die unterschiedlichsten Sachen ausgesucht:
Nora hat sich besonders schwierige Sachen ausgesucht, wie z.B. Zahlen verbinden oder Reimen und Schreiben. Sie brauchte wenig Hilfe und hatte sehr viel Ausdauer. Sie hat noch weitergemacht, als alle anderen Kinder längst weg waren, ca. 2 ½ Stunden (!) insgesamt.

Malte war besonders von Fehlersuchen fasziniert oder Blättern, in denen größere oder kleinere Zahlen unterschieden werden mussten. Auch er war konzentriert bei der Sache, wollte aber immer wieder Hilfe von mir haben oder seine Handlungen bestätigt haben. Er hat aber auch den anderen geholfen. So konnte er seine Fähigkeiten positiv nutzen.

Naomi wollte rechnen und den Weg durch einen Irrgarten malen. Sie hat sehr selbstständig gearbeitet, hatte aber wenig Interesse und ist früh wieder in ihre Gruppe zurück gegangen.

Pascal wollte Zahlen verbinden. Er hatte zwar motorische Schwierigkeiten, ließ sich davon aber nicht entmutigen. Er hat alles ganz langsam und in Ruhe gemacht und war hinterher stolz, weil ich ihn für seine Gründlichkeit gelobt habe und dafür, dass er die Reihenfolge der Zahlen richtig hatte. Nebenbei hat er noch den anderen Kindern geholfen. Dabei konnte ich wieder merken, dass er kognitiv große Fähigkeiten hat, diese aber motorisch schwer umsetzen kann. Dabei helfen dann solche Angebote, wo er über seine Interessen auch die Motorik übt.

Rico hat sich auch für Zahlen verbinden, Irrgarten und Schlangen ausmalen entschieden. Bei ihm merkte man, dass er solche Lernhefte oft zu Hause macht. Er war geübt und hatte immer nur eine kurze Frage: „Was muss man da machen?“ Dann legte er schon los und war schnell fertig. Er hat die meisten Blätter gemacht.

Um die Eltern von der Namenswahl und vom Fortgang des Projekts zu informieren, habe ich folgenden Brief verfasst:

Hallo liebe Eltern!

So, jetzt wissen wir endlich, wie wir heißen!
Als wir gerätselt haben, hießen wir „Rätsel-Truppe“, jetzt sind wir mit Bogenschießen beschäftigt und heißen „Bogenschieß-Truppe“, wenn wir uns demnächst mit dem Thema Müllabfuhr beschäftigen nennen wir uns „Müllabfuhr-Truppe“, dann kommt noch das Thema Musik also „Musik-Truppe“ und zuletzt das Thema Seil also „Seil-Truppe“.
Dafür haben sich Malte, Rico, Pascal, Naomi und Nora entschieden.

Zur Zeit beschäftigen wir uns mit Bogenschießen. Wir haben Pfeile neu befiedert und den Ort aufgebaut, wo wir demnächst schießen wollen. Mit einem einfachen Plastikbogen haben wir unsere „Schießanlage“ schon getestet. Ab Montag wollen wir dann die richtigen Bögen ausprobieren. Geplant ist auch noch der Bau eines eigenen Bogens, mal schauen!

Ein Teil der Kinder hatte außerdem den Wunsch, mal bei „richtigem“ Bogenschießen zuzuschauen. Diese Gelegenheit haben sie in den Ferien jeden Sonntag beim Training von 10.00 bis 12.00 Uhr bei den Bogensportfreunden Lindlar auf dem Außengelände. Sie finden uns in Lindlar direkt neben dem Volksbank Parkstadion. Ganz in der Nähe sind auch das Schloss, ein Abenteuerspielplatz und das Freilichtmuseum.

Wir würden uns über einen Besuch sehr freuen!
Ihre „Bogenschieß-Truppe“

Bei Fragen wenden sie sich bitte an Martina Werner aus der Strolchengruppe

________________________

Allen Kindern hat der Rätsel-Tag Spaß gemacht. Jetzt wusste ich, welche Blätter den Kindern besonders gefallen und habe auch den anderen Kindern, sowohl Strolchen als auch Räubern, diese angeboten. Auch etliche andere Kinder hatten großes Interesse. So können sie von den besonderen Interessen der höher begabten Kinder profitieren.

Malte verhielt sich im Kindergarten seit Anfang Juli besonders auffällig. Er hatte ständig einen ganz bösen Gesichtsausdruck, als hätte er einen „Hass auf die ganze Welt“, anders lässt sich das nicht beschreiben. Er hat sich oft mit einem anderen Jungen angelegt, der zwar 7 Monate jünger ist, ihm aber körperlich überlegen. Sie haben sich oft wegen Kleinigkeiten, etwa wer gerade das Laufrad fahren darf, geprügelt oder heftig an den Haaren gezogen. Die meisten Kinder haben Angst vor Malte, so dass er keinen Widerstand kennt. Ich war bei diesen Gelegenheiten nicht dabei, meine Kolleginnen haben mir davon berichtet und mit ihm ein Portfolio-Blatt gemacht: „Mein soziales Ziel!“ Sie haben schriftlich festgehalten, dass er andere Kinder nicht verletzen darf. Bei weiteren Vergehen wird er auf die Vereinbarung hingewiesen.

Wir bemühen uns zur Zeit besonders, ihm Alternativen zu seinem aggressiven Verhalten anzubieten, indem wir ihn bei Konflikten unterstützen und ihm verschiedene Lösungsvorschläge bieten, so dass er eine Wahl hat und selber darüber nachdenken kann. So war letztens eine Situation in der Turnhalle, wo alle Kinder eine Mauer gebaut haben und ein Kind dann nicht mehr mitmachen wollte. Timo wollte lieber mit zwei Bausteinen einen Computer bauen. Malte hat sich empört bei einem Erzieher Hilfe geholt und der hat ihn gefragt: „Warum gibst du ihm die beiden Teile nicht und ihr baut mit dem Rest weiter?“ „Ach so, auf die Idee bin ich nicht gekommen!“, antwortete Malte dann.

3. Treffen – Bogenschießen

Als nächstes haben wir uns als „Bogen-Truppe“ getroffen. Das Wetter war schön, alle waren draußen und so haben wir spontan mit den Vorbereitungen für das Bogenschießen begonnen. Drei Erzieherinnen kennen sich mit diesem Sport aus, unter anderem auch ich. Wir Drei haben z.B. die Pfeile neu befiedert. Die Kinder, nicht nur von der Bogen-Truppe, saßen interessiert dabei. Sie haben gefragt, warum wir das machen. Das waren gespendete Pfeile, an denen Reparaturen vorgenommen werden mussten. Sie wollten auch wissen, wie das Befiederungsgerät funktioniert und wann wir endlich schießen. Wir haben einiges an Material gespendet oder geliehen bekommen und einen Teil auch gekauft. Bei Interesse möchten wir das Bogenschießen als festes Angebot in unserem Kindergarten anbieten, sowohl material- als auch personaltechnisch sind wir jetzt gut ausgerüstet. So können alle wieder von den besonderen Wünschen der höher begabten Kinder profitieren.

Als nächstes haben wir die Anlage aufgebaut. Dafür brauchten wir ein Sicherheitsnetz, die Kinder haben geholfen es aufzuhängen. Dann brauchten wir die Zielscheibe, die haben die Kinder an die richtige Stelle gerollt, und eine Absperrung aus Stöcken und Fähnchen, damit keiner zwischen die Pfeile laufen kann. Die Kinder haben die Stöcke gesucht und die Fahnen aufgehängt. Dabei haben auch viele andere Kinder mitgeholfen. Einige Kinder haben sich Stühle hingestellt, um als Zuschauer alles beobachten zu können.

Erst mal haben wir nur zwei einfache Plastikbögen ausprobiert, da die anderen noch bei der Kollegin zu Hause waren. Einer war von mir und einen hatte Naomi mitgebracht. Später haben wir auch mit richtigen Langbögen aus Holz geschossen. Da der Fingerschutz für die Kinder zu groß war, haben wir uns kurzerhand noch eigene gebastelt.
Am ersten Tag gab es viele Zuschauer und auch Kinder, die selber schießen wollten.
Rico durfte anfangen, da es sein Wunschthema war. Er stellt sich schon recht geschickt an beim Schießen und hat viel Ausdauer. Aber am besten konnte es einer von den Vorschulkindern, den habe ich kurz entschlossen zu meinem Assistenten gemacht und er hat dann den anderen Kindern alles vorgemacht. Er hat sich, wie ich, vor die Kinder gestellt und alles genau erklärt.

Naomi wollte ein Mal nicht mitmachen, weil sie am Computer saß. Auch diesen Wunsch gilt es dann zu akzeptieren. Beim nächsten Mal war sie intensiv dabei. Sie kann den Bewegungsablauf schon sehr gut und trifft.
Und Pascal hat sich getraut mitzumachen, obwohl er mit dem Bewegungsablauf Mühe hatte. Leider kamen öfters weniger schöne Kommentare von den zuschauenden Vorschulkindern, so dass er beim nächsten Mal nur zuschauen wollte. Das hat die Bogentruppe teilweise entmutigt. Daher haben wir beschlossen, nach den Ferien weiter zu machen, wenn die Großen in der Schule sind.

Malte war besonders intensiv bei der Sache und hat sich geschickt angestellt. Er hätte gerne ohne Unterbrechung geschossen, sah aber ein, dass alle mal schießen wollten. Er konnte sich gut an die Regeln halten. Dafür habe ich ihn gelobt, was ihn sichtlich gefreut hat. Einmal haben wir das Schießen abgebrochen, weil es zu heiß war.
Nicht nur die Bogen-Truppe war sehr begeistert bei der Sache, auch viele andere Kinder waren fasziniert.

Nachdem die Vorschulkinder weg waren, ging das Interesse am Bogenschießen stark zurück, weil drei Kinder der Bogentruppe in Urlaub waren und die anderen beiden, Rico und Malte, nach dem Gruppenwechsel erst mal ihre neue Gruppe kennen lernen wollten. Dann folgten drei Wochen Schließungszeit und im September begann dann die Eingewöhnung neuer Kinder. So gab es erst mal eine Pause.

Mittlerweile ist der Platz fest aufgebaut, Material vorhanden und es braucht nur wenige Handgriffe, um schießen zu können. Bogenschießen erfordert eine intensive Beschäftigung mit seinen motorischen Fähigkeiten. Kleinste Bewegungen ergeben auf der Zielscheibe große Veränderungen! Es ist außerdem eine sehr ruhige Sportart, die gleichzeitig mentales Training ist. Man kann abschalten und wird ruhiger. Ich habe das mit den Kindern in den letzten Tagen viel gemacht. Bei einem neuen Kind, 5 Jahre alt, das uns mit motorischen Schwierigkeiten beschrieben wurde, konnte ich feststellen, dass sie besonders gut schießen kann. Sie hat den Bewegungsablauf sehr schnell verstanden und kann alles gut umsetzen. Das habe ich auch den Eltern berichtet und sie haben sich sehr darüber gefreut und wollen sie vielleicht bald im Verein anmelden. Bogenschießen kann man ab 6 Jahren im Verein machen. So ist aus dem Wunsch „Bogenschießen“ eine feste Einrichtung in unserer Kita geworden, von der alle profitieren.

Jetzt kommt Malte mit seinem Thema dran: Müll!

Da Malte immer wieder nachgefragt hat, wann wir endlich zur Müllabfuhr fahren, haben wir uns dann nach der Schließungszeit seinem Wunsch gewidmet. Das war nicht so einfach, da er ja jetzt nicht mehr in meiner Gruppe ist und die Eingewöhnungszeit neuer Kinder sehr viel Energie und Zeit braucht.
Trotzdem hat sich die „Müllabfuhr-Truppe“ auf den Weg gemacht!

Ich habe mich noch mal mit meinem Schwager verständigt, und der hat mir eine Firma ganz in der Nähe genannt. Anfang September habe ich mich dann mit Malte getroffen, um bei der Firma Neuenhaus in Kürten anzurufen und einen Termin zu vereinbaren, bzw. erst mal zu fragen, ob eine Besichtigung überhaupt möglich ist.
Nachmittags, als alle neuen Kinder weg waren, sind wir ins Büro gegangen und haben uns die Telefonnummer aus einem Telefonbuch rausgesucht. Malte hat das Buch anhand eines kleinen Hörers, der auf dem Buchrücken gemalt war, erkannt. Dann hat er das K für unseren Ort Kürten gesucht und schließlich das N für die Firma Neuenhaus. Er hat den Namen auf einen Zettel geschrieben, ich sollte ihm die Buchstaben nennen. Die meisten kannte er bereits, andere habe ich ihm auf Wunsch vorgeschrieben. Die Telefonnummer habe ich ihm vorgelesen und er hat mitgeschrieben, die Zahlen konnte er schon. Ich habe dann automatisch zwischen die Vorwahl und die eigentliche Nummer noch einen Schrägstrich gesetzt. Da hat er mich gefragt, wofür der ist. Ich habe ihm erklärt, dass es die gleiche Nummer in verschiedenen Städten geben kann und man deshalb eine Vorwahl braucht, damit der Anruf auch in der richtigen Stadt landet. Er hat nach Beispielen gefragt und ich habe ihm einige genannt:  02268 für Kürten, 0221 für Köln oder 040 für Hamburg.

Da Malte den Wunsch mit der Müllabfuhr hatte, durfte er auch dort anrufen und selber Fragen stellen. Ich wollte ihn so viel wie möglich in sein Projekt mit einbinden, damit auch wirklich seine Interessen getroffen werden.
Wir haben uns dann am nächsten Nachmittag einen ruhigen Raum gesucht und das Telefon mitgenommen. Rico wollte auch mitmachen. Ich habe Malte gefragt, ob er selber mit den Leuten sprechen möchte und welche Fragen er denn hat. Er hatte dann die Idee, dass ich seine Fragen aufschreiben sollte, damit wir nichts vergessen.
Das waren seine Fragen:

    • Wann können wir da hinkommen?
    • Haben Sie da Mülltrennung?
    • Haben Sie ein ganz großes Band zum Sortieren?
    • Wo ist eine Müllverbrennungsanlage?
    • Kann man ein echtes Müllauto anschauen, auch von innen?
    • Können wir Müll mitbringen, den wir da sortieren dürfen?
    • Gibt es eine Müllauto-Waschanlage? (Auf diese Frage wäre ich nie gekommen, aber ist doch logisch, oder? Schließlich werden Müllautos ja dreckig und müssen irgendwann auch mal wieder sauber gemacht werden. So lernt man nie aus, sondern mit den Kindern mit!)

Beim ersten Anruf hatte niemand Zeit für uns. Am nächsten Tag haben wir den zweiten Versuch gestartet, Malte war die ganze Woche sehr aufgeregt und kam immer wieder zu mir und hat nachgefragt, wann wir weitermachen. Diesmal waren sie bei der Firma Neuenhaus vorbereitet und wir haben alle Fragen stellen können und einen Termin vereinbart. Dafür haben wir am Telefon den Lautsprecher angemacht, damit Rico und ich mithören konnten. Malte hat mich dann immer wieder leise gefragt, was er noch mal fragen wollte. Der Mann am anderen Ende hat sich viel Zeit genommen und ausführlich geantwortet. Dabei ergaben sich für Malte auch wieder neue Fragen, die er sofort geäußert hat. Ganz schön mutig, mit einem Fremden selber zu telefonieren! Er war während des Gesprächs hoch konzentriert, sehr ernst, sicher und selbstbewusst. Rico war nur kurz bei der Sache und hat vom eigentlichen Gespräch wenig mitbekommen, er hat gespielt.

Hinterher war Malte ganz aufgeregt und hat mir jeden Tag vorgerechnet, wie viele Tage es noch bis zur Besichtigung sind. Wir haben dann die Kinder der „Müllabfuhr-Truppe“ gefragt, wer mitkommen möchte. Sie sollten ihre Entscheidung selber fällen. Pascal wollte nicht mit. Er ist, seitdem er bei den Räubern ist, gegen alles. Er traut sich wohl erst mal nicht so viel zu und muss erst mal bei den Räubern richtig ankommen. Die Anzahl der Kinder war wegen des Verkehrsaufkommens auf dem Gelände der Firma Neuenhaus auf 8 beschränkt. Wir haben dann noch die Vorschulkinder gefragt, so dass schließlich 7 Kinder mitkamen. So konnten wieder weitere Kinder von den Ideen und Wünschen der höher begabten Kinder profitieren. Wobei eigentlich auch jüngere Kinder gerne noch mit wollten, vielleicht können sie mit zur Müllverbrennungsanlage, mal sehen.
Am nächsten Tag kam Malte zu mir in die Gruppe und meinte, ihm wäre langweilig. Er könnte doch Müll suchen, um ihn zur Müllabfuhr mitzunehmen, meinte ich daraufhin. Sofort war er Feuer und Flamme und wir haben 4 Mülleimer im Kämmerchen (Abstellraum) aufgestellt und mit Schildern versehen, die Malte selber gemalt und beschriftet hat:
– Papier,
– Grüner Punkt (damit kannte er sich schon aus),
– Restmüll,
– Plastikflaschen (das hatte er am Telefon erfahren).

Damit wurde für ihn die Wartezeit spannender. Er hat jeden Tag Müll gesammelt, alle Erzieherinnen um Mithilfe gebeten, bei der Köchin in der Küche nachgefragt und den Mülleimer aus dem Büro geleert. Jeden Tag kam er und fragte, ob ich noch was hätte. Er hat sogar meine Wasserflasche ausgekippt, damit er endlich eine Plastikflasche hatte. Darüber war ich dann weniger begeistert, was ich ihm auch deutlich gesagt habe. Er hat das auch eingesehen und war bestürzt über meine Reaktion, anschließend war er noch fleißiger bei der Sache. Schließlich muss man trotzdem klare Grenzen setzen.
Er hat jedenfalls alle angesteckt und jeder hatte dann besonderen Müll, wie z.B. einen kaputten Globus oder große Kartons. Viele haben an ihn gedacht und waren offen für seine Wünsche.

Auch hierzu habe ich wieder einen Elternbrief geschrieben und zwei Eltern gebeten, mich zur Müllabfuhr begleiten. Wegen der Eingewöhnungszeit sollte der Ausflug nachmittags stattfinden und es konnte nur eine Erzieherin mit.

Malte war in dieser Zeit oft bei uns Strolchen zu Besuch. So wollte er auch an einer Geburtstagsfeier teilnehmen. Da er sich nicht an vereinbarte Regeln gehalten hat, durfte er nicht mitmachen. Er war geknickt. Insgesamt habe ich ihn aber in dieser Zeit sehr entspannt erlebt und er hat toll mit unseren Kindern am Nachmittag gespielt. Dabei hat er sich nun gut an die Regeln halten und hat nicht über das Tun der Kinder bestimmt. Auch aus der Räubergruppe habe ich die Rückmeldung bekommen, dass er dort einer von vielen ist und nicht mehr diese Angst verbreitende Rolle hat, die er bei den (jüngeren) Strolchen hatte.

Die anderen Kinder in seiner neuen Gruppe kümmern sich einfach wenig um seine Wünsche und haben keine Angst. Das konnte ich gestern noch beobachten. als er draußen etwas bauen wollte und Hilfe brauchte. Er musste lange rufen, bis jemand ihm geholfen hat, und keiner hat sich von seiner bestimmenden Art in seinem Spiel unterbrechen lassen. Trotzdem hat er sein Ziel erreicht, ohne jemanden zu „verletzen“. Wenn Malte irgendwo neu ist, macht er erst mal wenig mit, ist zurückhaltend und beobachtet, wie was funktioniert. Das hat er bei den Räubern wohl auch gemacht, langsam fällt er aber doch in gewohnte Muster zurück und will das Kommando übernehmen. Er hat beispielsweise draußen sein Spiel gefunden: Er hat das Kommando über das Spielehäuschen übernommen und gibt den Kindern Spielzeug raus, bzw. sammelt es wieder ein, ähnlich wie bei der Müllabfuhr. Nach einigen Erklärungen von mir wird das von den Kindern akzeptiert und Malte fühlt sich sichtlich wohl in dieser Rolle.

Und dann waren wir bei der Müllabfuhr

Erst mal haben draußen alle gewartet und ich bin mit Malte ins Büro gegangen, um uns anzumelden. Nachdem wir Warnwesten angezogen hatten, ging es zum Sortierband. Einige Mädchen haben sich erst mal die Nase zugehalten und gesagt: “Hier stinkts!“ Die Jungen haben sich interessiert umgeschaut und die großen Maschinen bestaunt.

Den von Malte gesammelten Müll hatten wir natürlich auch dabei. Nach dem Sortierband haben wir uns eines der Fahrzeuge näher angeschaut. Wir durften den Papiermüll hinten reinschmeißen und zusehen, wie er zerdrückt wird. Malte war der erste, der ins Führerhaus durfte, und konnte dann über einen Monitor die Kinder hinter dem Auto stehen sehen.

Er ist während der ganzen Zeit – die Führung dauerte eine Stunde – dem Mann, der uns alles gezeigt hat, nicht von der Seite gewichen. Der hat ihm viel Zeit gewidmet und alle seine Fragen beantwortet. Und das waren viele, für Malte ergaben sich ständig neue Fragen, die er sofort geklärt haben wollte. Man konnte ihm förmlich beim Denken zuschauen.
Leider habe ich kaum Fragen mitbekommen, weil es sehr laut war, ich auch auf die anderen Kinder achten musste und Fotos gemacht habe.

Er hat zum Beispiel gefragt, warum das Auto beim Rückwärtsfahren piepst. Er hat auf alle Fragen eine Antwort bekommen. Das muss toll für ihn gewesen sein, so ernst genommen zu werden! Am nächsten Tag habe ich den Mitarbeitern noch ein kleines Dankeschön vorbeigebracht und sie meinten, ob sie schon mal einen Arbeitsvertrag aufsetzen sollten. So ein interessiertes Kind, das auch schon so viel weiß, hätten sie noch nie erlebt. Das habe ich Malte und seinem Vater erzählt, sie haben sich beide gefreut und ganz stolz geschaut.
Von oben haben wir einen großen Container-Platz beobachtet und bekamen eine Reifenschreddermaschine erklärt, die Granulat für Sportplätze vorbereitet. Interessant!

Weiter ging es in die große Halle. Dort waren verschiedene große Stapel Müll sortiert. Malte durfte dann unseren gesammelten Müll auf die entsprechenden Stapel werfen. Er wusste sofort, was wohin gehört. Die Plastikflaschen waren zu Ballen gepresst und Malte wollte dann wissen, was damit weiter passiert.
Am besten aber hat allen der große Bagger gefallen, also der Müllgreifer, wie Malte mich sofort verbessert hat. Das hatte er unseren Führer schon gefragt. Der Müllgreifer hat den Papiermüll in eine Presse geworfen, so dass auch dort gepresste Ballen entstanden. Malte durfte dann mal eine einzelne Pappe in die Hand nehmen, die war ganz leicht. Dann sollte er einen gepressten Ballen versuchen anzuheben, das ging nicht. Der hatte 350 kg.

Und Malte durfte tatsächlich in die Kabine des Müllgreifers einsteigen und hochfahren, so dass er von oben alles erkennen konnte. Er bekam die Hebel erklärt und konnte sie sogar bedienen. Ich war so gerührt bei seinem strahlenden Gesicht, dass mir fast die Tränen kamen. Für ihn ging ein Traum in Erfüllung! Ich habe ihn noch nie so zufrieden, hoch konzentriert, motiviert, wissbegierig,… mir fehlen weitere Worte, erlebt. Toll, das zu sehen!

 

Die LKW-Waschanlage konnten wir leider nicht sehen, weil dort gerade der TÜV war. Aber wir haben noch gesehen, wie ein LKW von Hand gewaschen wurde und wo sie betankt werden. Am Ende hat jeder eine kleine Mülltonne, mit einem Luftballon drin, geschenkt bekommen.
Als wir anschließend vor dem Gelände standen und auf die Eltern gewartet haben, hat Malte beklagt, dass es schon vorbei war. Es gäbe noch so viel zu sehen, er wollte noch die große LKW-Waage erklärt bekommen, er wollte noch auf das untere Gelände,…
Und am nächsten Tag hat er mich sofort gefragt, wann wir zur Müllverbrennungsanlage fahren. Das wird wohl unser nächster Termin. Seine große Wissbegierde ist noch nicht gestillt!
Ricos Mutter hat bei dem Ausflug geholfen und war ganz fasziniert, wie sich ihr Sohn verhalten hat: Er war die ganze Zeit hoch motiviert, er hat konzentriert zugehört und Fragen gestellt und hat sich nicht gelangweilt! Er ist auch sehr an Technik interessiert und braucht viel „Input“. Den hat er diesmal bekommen.
Naomi war bei diesem Ausflug die Jüngste, hatte aber ihren Vater dabei. Das war schon gut, weil sie Angst vor den vielen Wespen hatte, die durch den Müll angezogen wurden. Sie war einen Tag vorher dreimal gestochen worden. Auch solche Ängste muss man dann berücksichtigen. Aber auch sie erzählte hinterher, dass es ihr gefallen hätte.
Nora hat sich alles interessiert angeschaut aber sonst wenig dazu gesagt. Ich kann nicht einschätzen, was sie von diesem Ausflug für sich mitgenommen hat.
Schade, dass Pascal nicht dabei war. Aber unsere Angebote sind freiwillig und er wollte nicht mit. Er hat noch wenig Selbstvertrauen gegenüber Neuem. Es wären auch durchaus motorische Herausforderungen für ihn dabei gewesen, wie zum Beispiel die steile Treppe zur Sortieranlage.
Den restlichen Vorschulkindern hat es gut gefallen, auch da waren Kinder dabei, die sich besonders für Technik und Fahrzeuge interessieren. So spielt Sarah, als Maltes beste Freundin, schon lange mit ihm Rollenspiele zum Thema Müllabfuhr.

Mir persönlich hat der Ausflug sehr gut gefallen. Ich habe mich gefreut, dass die Mitarbeiter der Firma sich so ernsthaft, geduldig und intensiv, besonders mit Malte,  beschäftigt haben. Sein größter Wunsch ging in Erfüllung und er spielt seitdem seine Rollenspiele zu diesem Thema noch intensiver und detaillierter. Die anderen Kinder können nun vieles besser verstehen und spielen gerne mit.
Am nächsten Tag haben mir die Erzieher der Räubergruppe erzählt, dass die Kinder im Morgenkreis ganz viel von ihrem Ausflug erzählt haben, teilweise bis ins kleinste Detail.

Ich habe dann ganz schnell Fotos ausgedruckt und mit Malte ein Plakat gemacht, um auch den anderen Eltern unsere Arbeit transparent zu machen. Die Fotos kommen außerdem später in die Portfolios der Kinder, nicht nur von diesem Ausflug, sondern von unserem gesamten Projekt. So können sie zeigen, was sie alles geleistet oder erlebt haben.
Malte durfte die Fotos für das Plakat aussuchen und aufkleben, danach hat er noch kleine Texte zu mehreren Bildern geschrieben, zum Beispiel „Das ist der Müllgreifer“. Er schreibt gerne selber und ich habe ihm die Buchstaben genannt oder, wenn er sie nicht kannte, vorgeschrieben und er hat sie abgeschrieben. Als es ihm zu anstrengend wurde, habe ich seine Kommentare geschrieben und er hat sie noch zum passenden Bild geklebt. Er war stolz, schon so gut schreiben zu können. Und er konnte sich an erstaunlich viele Einzelheiten erinnern, besonders Fachausdrücke, wie den Müllgreifer.

Zwischenfazit:

Bis jetzt bin ich mit dem Verlauf meines Projektes ganz zufrieden, auch wenn sich durch die Schließungszeit und die Eingewöhnung der neuen Kinder das ganze etwas in die Länge zieht. Ich hoffe, dass die anderen Kinder an ihren Themen auch noch Interesse haben, wenn wir uns dann damit beschäftigen.

Ich konnte besonders in Maltes Verhalten eine Besserung feststellen, er wirkt ausgeglichener und zufriedener. Die anderen Kinder in seiner Gruppe haben keine Angst vor ihm und haben sein Spiel teilweise schätzen gelernt. Ich konnte beobachten, dass sie ihn sogar als Experten herangezogen haben. Er fällt trotzdem auch oft in alte Muster zurück, indem er Grenzen überschreitet oder bestimmen will. Aber alle bemühen sich, ihm andere Möglichkeiten aufzuzeigen, wenn er etwas erreichen möchte oder sauer ist. Er wird aufgefordert, selber Lösungen zu finden, und das funktioniert.
Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass es ihm zur Zeit etwas besser geht. Ich bin außerdem oft im Austausch mit den Eltern und die schätzen unsere Arbeit sehr. Sie freuen sich, dass wir ihm seine Wünsche erfüllen und ihn ernst nehmen und unterstützen, wie er ist.

Pascal fehlt es nach wie vor an Selbstvertrauen. Seit seinem Wechsel zu den Räubern verweigert er jegliche AGen, Angebote oder Ausflüge. Er muss erst mal in seiner neuen Umgebung ankommen. Damit ist er gefordert genug und außerdem sind unsere Angebote freiwillig. Ich hätte ihn auch selber fragen können, warum er nicht mit möchte, vielleicht hätte er noch eine ganz eigene Antwort gehabt.
Er hat mich aber bei den Rätseln überrascht. Wie weit er schon zählen kann und damit ein Zahlenbild malen kann. In ihm steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Ich hoffe, dass er bei seinem gewählten Angebot, Musik, so richtig aus sich heraus gehen kann.

Rico zeigt sich bei den bisherigen Angeboten immer hoch motiviert und sehr interessiert. Er hat jedes mal begeistert und intensiv mitgemacht, von Langeweile keine Spur. Er möchte gerne viel erleben und lernen, wozu er hier die Gelegenheit bekommt.

Naomi ist ein sehr zurückhaltendes, ruhiges Mädchen. Ich musste sie selber erst mal besser kennen lernen. Bisher ist es mir nicht gelungen, sie als Expertin zu gewinnen, obwohl ihre Ideen, wie man Probleme lösen kann, doch schon beeindruckend waren. Davon haben sich die anderen Kinder hoffentlich etwas abgeschaut. Sie zeigte bisher besonderes Interesse beim Bogenschießen und ist auch dort motorisch schon sehr weit, obwohl sie die jüngste ist. Ihr Wunsch, Seile, folgt am Schluss.

Nora habe ich bisher noch am wenigsten kennen gelernt. Sie ist oft nicht da, so fehlte sie in der gesamten Ferienzeit und hat beim Bogenschießen nicht mitgemacht. Sie ist recht still und gibt wenig von sich preis. Sie beobachtet viel und nimmt dabei offenbar ganz viel auf. Der Ausflug zur Müllabfuhr war bestimmt auch für sie eine große Erfahrung, aber ich kann nur schwer einschätzen, was sie daraus für sich mitgenommen hat. Sie in ihrem Freundeskreis zu unterstützen ist schwierig, wenn sie so viel fehlt. Dafür finden auch die Treffen der „Truppe“ zu unregelmäßig statt. Das muss ich weiter im Auge behalten.

So ist mein Ziel mit den eventuell neuen Freundschaften bisher nicht in Erfüllung gegangen. Sie haben sich bisher nicht näher angefreundet, aber hatten gemeinsam Spaß an unseren Angeboten. Hingegen konnten die anderen Kinder schon von den Bedürfnissen der höher begabten Kinder profitieren:
Die Rätselhefte werden regelmäßig als Kopiervorlagen für Arbeitsblätter genutzt, es gibt einen fest eingerichteten Bogenschießplatz in unserer Einrichtung mit entsprechendem Equipment und der erste Ausflug für alle Vorschulkinder war schon erfolgreich.

Manches gestaltet sich für mich schwierig, da alle Kinder jetzt in der Räubergruppe sind. Ich bin daher auf die Mithilfe und die Rückmeldungen der anderen Erzieherinnen angewiesen, das klappt bisher sehr gut. Ich hoffe, dass ich so das Projekt noch gut zu Ende bringen kann.
Ich würde die verschiedenen Themen gerne noch intensiver bearbeiten, um zu sehen, welche Ideen den Kindern spontan noch kommen und diese verfolgen.

Aussichten:

Ich möchte auf jeden Fall noch mit Malte nach Leverkusen zur Müllverbrennungsanlage, um seinen nach wie vor großen Wissensdrang zu diesem Thema weiter zu befriedigen, und danach noch die Wünsche der anderen Kinder erfüllen.

Als nächstes wäre das Thema Musik dran, das ich mit einer Erzieherin aus der U3-Gruppe  gemeinsam machen möchte. Sie ist unsere Expertin für Musik und vielleicht können wir daraus ein Angebot für die Vorschulkinder oder auch altersgemischt machen, so dass wieder andere davon mit profitieren. Mit Musik kenne ich mich persönlich gar nicht aus und lerne bestimmt selber noch ganz viel. Vielleicht können wir auch zu einer Aufführung gehen.
Am Ende wäre noch Naomis Wunsch: Seile. Ich habe mir schon Seile und Schnürsenkel besorgt, mein Mann hat mir seine Feuerwehrbücher geborgt, in denen verschiedene Knoten gezeigt werden und wofür man sie braucht – und mal sehen, welche Ideen den Kindern zwischendurch noch kommen. Vielleicht ergibt sich auch noch etwas ganz anderes oder Neues. Da bin ich für alles offen.

Siehe auch: Förderung in Kleingruppen – Möglichkeiten und Vorteile

Und wie es weiter ging, lesen Sie hier:

Malte und seine Fünfergruppe machen weiter

 

Datum der Veröffentlichung: März 2021
Copyright © Hanna Vock, siehe Impressum.

Confirm Intellectual Achievements of the Children

by Hanna Vock

 

Who are the heroes and role models for many children and young people these days?

Quite often they are those who score two goals in a soccer match or who post a new „style“ on the internet every day or who race down a snow-covered slope at crazy speeds or who achieve the impossible in video games and fantastic films. Much rarer, unfortunately, are those who achieve an amazing scientific or technical performance. Parents, teachers and the media are largely responsible for choosing the „heroes“ of young children by introducing them to these or those „heroes“.

On public television, there are more and more good, exciting science programmes that many young viewers can also understand and that (could) show them the people who in reality achieve or used to achieve scientific and technical feats. How many parents and teachers make targeted and intensive use of this opportunity for themselves and, above all, for their children or pupils?

For gifted children, such programmes are particularly valuable.

But even in everyday kindergarten life, it is not so much people like the astronaut Alexander Gerst (who can explain things wonderfully), but rather people like soccer goalkeeper Manuel Neuer (whose achievements I also find great) who are present as admired persons.

Gifted children also deduce mentally what is worth a lot and worthy of admiration and what is rather secondary.
Example:
Technicians have developed a solar lamp in a canning jar that makes it possible for many people in remote regions in Africa or India, for example, to study even after sunset (after all the necessary everyday chores have finally been done). Wow! But this news is rather not the talk of the day for the older children in the kindergarten. The gifted child is (once again) left alone with his enthusiasm, i.e. with his insights and feelings. After a few such experiences, they learn in many kindergarten groups that they don’t need to come up with „something like that“ at all.

But it is not only about the appropriate appreciation of the intellectual achievements of possible adult role models. Children often experience first-hand that cognitive achievements are of less value in their environment than, for example, sporting achievements.

Cognitive achievements are seemingly not that important in kindergarten.

A regular „aha“ experience for me occurred in further training courses when the kindergarten teachers were asked: „When you last praised or acknowledged a child because

    • it drew a beautiful picture,
    • it made a clever tinkering,
    • it expressed a clever thought,
    • it drew letters or numbers.

The first two situations were easily remembered and were regularly in the last week before the training.

The latter two situations were not remembered at all by some kindergarten teachers, others with difficulty, and only a few could recall a recent episode.

Children whose strengths lie in sharp and/or creative thinking or whose interests relate to supposedly „school contents“ such as reading, writing, arithmetic rarely or even never receive confirmation for their activities, according to the kindergarten teachers. The activities are, if not criticised or rejected, then largely ignored.

For the children, this sends the message: these things are not so important or they are not worth so much.

These signals reach the whole kindergarten group and slow them down cognitively. For the gifted children, their self-esteem and motivation is exacerbated because it is precisely their particular strengths that are held in low esteem. If, in addition, they do not like to do tinkers, paint and are perhaps not conspicuously athletic, they can easily „sink“ in the group.

The reason for this de facto undervaluation of cognitive abilities is again partly to be found in the training of the kindergarten teachers. Under the correct and important claim of educating and raising children holistically, cognitive promotion has often been neglected.

Children with emphatically cognitive interests, abilities and needs are easily suspected of being too one-sidedly developed and interested, too „cerebral“.

Out of concern not to educate them even more one-sidedly, their cognitive needs are overlooked and put on the back burner. They should „first of all“ develop their fine motor skills in cutting exercises or develop their social behaviour by entering into conflicts they do not want to enter into at all. Or they are supposed to learn discipline and perseverance – on things that do not interest them.

This approach is oriented towards actual or supposed deficits, which promises little success in contrast to an approach based on the strengths of the children.

Another fear behind ignoring, expressed by kindergarten reachers, is the worry that the children might learn too much of what is not „their turn“ until school – and they might learn it in the wrong way. This would exacerbate the expected boredom at school.

Fortunately, however, more and more primary school teachers and headmasters are willing to engage constructively and in a differentiated way with children who enter school already with advanced literacy or numeracy skills. It is to be hoped that more and more teachers will see the problem that arises when a child enters school already fluent in reading, for example, as their problem to solve and not the problem of the child or its parents. They recognise the child’s right to learn anything he or she wants, even at an earlier stage than the school curriculum requires.

Too many negative signals for gifted children

Without specific knowledge on the topic of giftedness, kindergarten teachers intentionally or unintentionally give many negative signals to children. For example, children experience time and again through reactions of kindergarten teachers that their knowledge and also their thirst for knowledge are misplaced.

An example:

In the circle of chairs we talk about animals on the farm. The three to six year old children all want to have a turn and say something about it. Some of the younger children are just learning the names of the farm animals and the corresponding animal sounds. Some children want to tell what they have seen on a farm or on television. Their stories are exhausted after two or three simple sentences. Malte (5;10) has never been on a farm, but he knows a detailed picture book that he has looked at closely.

He wants to discuss the fact that the animals in the picture book run around outside in the meadow, but that most of the eggs you can buy come from battery hens. He engages the kindergarten teacher in a dialogue about this and explains to her what this means for the happiness of the chickens and what „species-appropriate“ means, namely that animals can live according to their instincts. He wants to know how it is with the other farm animals…. He is far from finished presenting his knowledge and asking his questions, but the other children become restless, stop listening and make nonsense. The kindergarten teacher is impressed, but also disgruntled because the circle of chairs is „getting out of hand“ and because she can’t do Malte justice either. She stops him: „Yes, Malte, that’s fine, now we want to sing the song about the chicken yard.“

Malte’s need for longer conversations, which he seeks with the kindergarten teacher because the other children are not listening to him, is enormous, but there is very rarely time for it. He is often „turned away“ or put off.

He gets the message,
that he is being annoying and behaving insubordinately.

Often such a situation of negative signals persists for years without the child receiving any outspoken positive response from the kindergarten teacher.

See: Custom-fit Cognitive Advancement (The examples of Malte and Daniel. There the example is repeated and an approach to pedagogical action – making a contract – is explained in more detail).

See also:
Cultivate Motivation
Checklist: Cognitive Advancement

 

Date of publication in German: 2021, February
Copyright © Hanna Vock, see Imprint.

 

Leaving Traces

by Yvonne Pinter

 

In my group, the children leave many traces. The children are 1 to 4 years old. Especially the younger children often don’t clean up their toys, spill something, run around and lose toys on the way.
They especially like to leave crayon marks on floors, tables, chairs or on other children’s pictures.
If water has been spilled, they paint and smear around in it.

Leaving traces is part of human nature.

I came up with the idea of picking up on this and using it to start the project „Leaving traces“. I would like to pursue this natural passion and give it a framework.
All children who are interested and want to can take part in the project. I know from experience that younger children in particular prefer to watch first and only dare to participate later. These children should also have the chance to join in at any time.

Even during my preparations, for example when I was reading books or trying out a technique, my two oldest girls stood by me with curious eyes. Anna 4;2 and Maria 4;1 (names changed) are two very helpful and always interested children. It is in the artistic field that they have their greatest interest.

I see a striking artistic talent in Anna. Overall, her interests are very broad. She can be found wherever there is something going on. For her age, she is also amazing in the linguistic area. She has a very distinctive vocabulary.

I am in discussion with her parents, also with regard to her brother’s giftedness. Anna’s brother had also been in my group. He was diagnosed with giftedness through a test and his interests also lie in the artistic field. He painted, did handicrafts, designed and invented with incredible perseverance and passion. Anna learns a lot from him, but also develops her own ideas and puts them into practice. She loves to paint and do handicrafts and shows a lot of imagination.

Maria’s older sister was also in my group. She also stood out early on because of her artistic streak. With Maria, I recognise that she has many interests, but that artistically she tends to adopt her sister’s style and has not yet found her own.

In my planned project, it is not possible to imitate anyone because of the methods used. Often there are random results here, as for example with the
the clapping technique, the marble technique or the string technique.
My aim is to provide all children with alternatives to daily handicrafts and painting, to stimulate and challenge their imagination and creativity. A sense of achievement and fun must be part of the process. I also think it is important that the children gain experience with the different materials and learn how to use them.

I myself want to take the necessary time for the whole project and the individual children, to inspire and observe the children.
I set out the rough framework of the project, but leave room for experimentation and want to provide assistance.

I involved Anna and Maria in the project from the beginning because they kept asking me, „What are you doing? Can we join in? Can we help you?“ So they became my assistants.

Through our regular morning circles, the children are always informed about activities and events in the group and the kindergarten. I always take a look around to see who is interested.

Marble pictures

We started with marble pictures. A sheet of paper is placed in a suitable box. Paint is dripped or poured onto the sheet, then 2 to 3 marbles are placed inside. By moving the box back and forth, the marbles are rolled through the paint and beautiful results are created.
I chose normal finger paints in red, blue and yellow. By moving the marbles, the colours are mixed and other colours are created. The children observed this with great interest.

With the older children, i.e. the three to four year olds, I went into more detail about the newly created colours. Which mixed colours they recognise and through which mixtures they were created. Even Maria got to know a new colour: Turquoise.

For the younger children, the focus was on getting to know and naming the colours.
in the foreground.

Maria and Anna experimented much more than the other children. They came up with the idea of using only two colours, they varied on their own initiative with the marbles, using up to 5 of them, and with the amount of paint. I stood back and watched their goings-on. They talked about it very intensely and were completely on the job.

Each painting became unique.
We used the cloakroom as a small gallery. The children presented their pictures to their parents.

Inspired by the great interest in colour mixing, I spontaneously took out the book
„Die wahre Geschichten von allen Farben“ 〈The true story of all colours〉 by Eva Heller.
(See: Picture Books, Non-Fiction Books and Stories.)
In this book, each colour has its own character. They argue, fight and make up again.
The colour battle and the realisation that each colour has its own beauty are exciting.
Although the book is very long, many children listened intently, laughed at the quarrels of the colours and were excited about the colour mixes. Anna and Maria in particular were very persistent.

They realised:

„Aha, when all the colours mix together, everything turns brown.“ They didn’t like that at all. They tried it out immediately and found that this mixing was not worth it.

Making chalk

In the next activity, we made our own chalk to paint with. For the moulds, we used the plastic insides of packaging, for example boxes of chocolates. I wrote a notice to the parents, and they gave us hearts and various round and square shapes.

To mix the chalk, we needed plaster, water, Easter egg colours, a stick for stirring and small cups. Together with Maria and Anna, I gathered all the materials. Anna said:

„The plaster looks like grey flour and also feels like flour.“

After we had put on our gowns, we each took a small mug, put some water in it, chose a colour and dissolved it. That was exciting for the two of them. Little by little, plaster was added with a spoon and stirred. Plaster has to be stirred constantly until it binds and starts to harden.

At this point we poured the coloured plaster into the moulds. Actually
I wanted to mix the plaster with other children, but Maria and Anna had so much fun and patience. So I decided against it. The two of them had so much stamina and verve that we used up all the colours and there was no mould left.

Amazed, they both felt how the plaster became really warm after pouring. Anna said, „It feels like a warm stone.“

Now it took two days for the chalk to dry. Anna and Maria kept coming up to me, „How much longer, when can we finally paint?“
When the time came, they carefully squeezed the chalk out of the moulds and turned all the pieces with great dedication so that they could dry on all sides. I was very happy about their enthusiasm.

On the second day, the three of us brought all the materials to the morning circle. Together we told them exactly what we had done and how we had done it and that today we wanted to paint with the chalk we had made ourselves.

We set up two easels and stuck large white sheets of paper to the board with crepe.
Actually I wanted to use coloured paper, but the chalk shone better on the white.

Maria and Anna wanted to start, of course. Even when the chalk was still drying, they kept reassuring me that they would be allowed to paint with the chalk first and only then the other children. Of course I promised them that, because they had put a lot of work and care into making the chalk.

But first we took a look at the colours that had emerged after drying: Yellow, blue, green, red, pink, turquoise and purple. Every colour was sometimes paler, sometimes more intense.
At first, the two of them tried out the chalk rather timidly. But then it was turned and scraped on the paper, sometimes with the flat side, sometimes with the edges.
They painted very intensively and persistently.

Beautiful traces and patterns were created and, by rubbing the paint, also surfaces. It was not, as so often, the princess-or-flower-meadow-pictures.

Little by little, the other children (also from other groups) painted as well. Even the very young ones, not yet two years old, tried out the chalk. They pushed, pressed, painted and hacked on the paper. However, I also had to be very careful that no child put the chalk in its mouth.

Although a lot was painted with the chalk, there was still a lot left over. The homemade chalk proved to be more productive than the bought street chalk. Now we can fall back on it whenever we feel like it.

More traces

In everyday life, we printed the window panes with the children’s hands. This is how a hedgehog came into being, for example. The spines are the children’s fingers. We also printed sunflowers with our hands.

I put a long flat wooden box in our washroom. It has a glass bottom. I filled it with fine sand. At first with brief instructions and now independently, the children paint their pictures in the sand. They paint with a lot of calm, almost meditatively. My fear of having to constantly sweep up the sand was hardly confirmed at all.

The project „Leaving Traces“ took several months. Among other things, we offered the folding technique. In this technique, finger or water paint is applied to a sheet
or dripped onto a sheet of paper. Then the sheet is folded in the middle and prints are made. There are several variations.

We painted with a mixture of finger paint and paste. This is a nice sensory experience, especially for the little ones. This can also be varied by adding sand.

Then came the string technique. A piece of thread or wool is dipped in paint.
dipped in paint. The thread is then placed on a leaf and a pattern is created.
The thread can also be placed between two leaves and then pulled out on one side.

Anna and Maria were my dedicated and reliable assistants the whole time. But they also experimented and learned a lot themselves.

Both of them were tremendously dedicated to their work, they accompanied their work with talk, they talked intensively about their work, their observations, their ideas and opinions – and about nothing else.

Working like this makes you want to do more.

 

Date of publication in German: January 2013
Copyright © Hanna Vock, see Imprint.

 

 

 

A Gifted Child „Crashes“

by Brigitte Gudat

 

Years ago, Joshua visited our kindergarten. When he was inspired about something – and he was inspired about a lot of things – he spoke so fast that you had to concentrate to understand everything exactly. If he was occupied with something and wanted to share it, you had to listen to him, otherwise he would react angrily or become whine. I learned to respond to this, also in order to be able to work calmly again afterwards.

At first, colleagues had no understanding for this, but saw it as a preference for the boy. These colleagues did not play any role for him, he sometimes did not pay any attention to them, he hardly showed any respect towards them and also expressed this.

Later, when he was an after-school child in our centre, conflicts often arose because he thought he had to take care of everything. In doing so, he imposed his views or ways of acting on the other children.

Joshua was never a particularly sporty child. It was bad for him that a girl from our group was far superior to him physically, although she was far inferior to him mentally. There were always conflicts between the two of them, which often ended in physical altercations. Most of the time, the argument was preceded by remarks from him like „You don’t understand all this because you can’t think as well as I can“.

Joshua studied dinosaurs intensively for a while. He knew all the Latin names and characteristics of the animals. He liked to pass on his knowledge to other children. He could also depict the animals very well. Since he could not yet read at the age of five, but he needed information, his mother read to him from books. After that, he occupied himself with inventions for a long time. He invented all kinds of things and drew plans. He hardly needed any time for his drawings because he had already thought about them. For his drawing of a paper diaper changing and recycling machine, he received a grand prize in a competition organised by GEOLINO magazine.

See: Joshua, the Inventor

Joshua was a very impulsive boy. He could be happy about a lot of things, but also reacted with tantrums in situations he couldn’t cope with. Often, too, when someone disagreed with him.

Joshua only really developed an intense bond with me and two other children during the whole kindergarten time. Mainly because we accepted him for who he was. He once said about my colleague: „She wasn’t so good“.

At that time, Joshua lovingly took care of a three-year-old boy who had a metabolic disorder and was not allowed to eat everything. He was very careful that other children did not give him the wrong food.

For me at that time, without my current background knowledge (about giftedness), it was only important that he did not become an outsider and felt comfortable. There was a lot of discussion about views and conflicts with him, which did not always lead to a positive outcome for him.

Unfortunately, children like Joshua find little support in our schools so far. Inquisitiveness and divergent thinking are not desired; instead, a lot of emphasis is still placed on conformity.

Joshua is an example of how this can play out. He is currently attending grammar school and has often heard his teachers say, „That’s enough now, the rest of the class isn’t ready yet.“ He has been slowed down again and again. At the beginning, he also had a lot of trouble finding his way around the class and accepting the rules of the school.

Joshua failed in all subjects. He skips classes, writes off homework and no longer participates in lessons.

He tells a classmate he still knows from kindergarten that he has decided „not to be smart anymore“. He is now with young people who are far inferior to him mentally. However, he plays a follower role in this.
His classmate is worried about him.

Joshua is the classic example of the problems and difficulties a highly gifted child can have. In kindergarten, we were very responsive to him, accepted him as he was. His single mother was responsive to him wherever she could and tried to make many things possible for him. But she always blocked me when I wanted to talk to her about giftedness. She never had him tested, perhaps out of fear of possible consequences.

At primary school, he met a young, very committed teacher who made her lessons interesting, showed a lot of understanding, but also consistency. Then came the break-in at the grammar school.

At this point I ask myself whether I am achieving anything at all with my work if the school system is often unable to continue the work.

What I have learned

With and from my three observation children Joshua, Tamara and Leon I have experienced and learned many things in the IHVO Certificate Course, for example:

Re: friends

For all children, including the gifted, friends are very important. However, the highly gifted child realises very quickly that he or she does not think, feel and act like other children. Even at preschool age, he or she may feel excluded, but does not understand what is wrong. He is ahead of children of the same age in his intellectual maturity and interests. At the same time, his manual dexterity may well lag behind his level of knowledge. Here again, the gifted child needs peers of different kinds as companions: for play and sports, for the intellectual sphere or else for emotional friendships.

One should not try to pressure children to participate in group activities in order to possibly initiate friendships. If you try to force them to join other children at the expense of their personal interests, it is possible that they will rebel, even though they would certainly like to have friends. Here they need the prudent support of their parents to build relationships with other children or adults.

Re: Interests

Gifted children often have a current focus of interest. They then do not understand why others do not share these interests. Sometimes, however, they change their main interests abruptly. However, they devote themselves intensively to the topic that has priority for them at the time.

Re: Communication partners

Many gifted children show an early mastery of language. Their vocabulary is many times larger than that of their peers. Chances are that these children often join older children or adults in order to be able to exchange thoughts. Then there is the danger that they will hardly form friendships with children of the same age and will be increasingly isolated.

Many adults forget that mental development and emotional maturity are rarely developed in the same way in the gifted child. They are confused when the child behaves age-appropriately in certain situations.

Re: lack of understanding

Gifted children are generally still neglected in our society. Families who have a gifted child still find it difficult to admit it. On the one hand, they are proud of their child, but have to struggle with prejudice and lack of understanding from teachers and other parents.

Gifted children show great sensitivity, intuition, but also vulnerability. They want to be loved and accepted like other children.

Re: Vulnerability

At the age of five, six or seven, many gifted children begin to seriously consider moral, social, humanitarian and religious issues. Primary school children are already thinking about how to maintain world peace. The gifted child appreciates logic and rational approaches. However, he discovers that many traditions, customs, rules and boundaries are often illogical, irrational or at least arbitrarily set and therefore difficult to accept. This can lead to the child breaking with traditions or doubting values.

Conclusions

For our work in the kindergarten, these findings mean that we have to create the conditions to promote individual abilities of the children within the group. We make sure that the children feel comfortable, that they are integrated into the group and that we recognise and respond to their needs. In this way, we can recognise and support their existing abilities and skills.
It is important to give the children the self-confidence to accept their talents and to develop them themselves, possibly with our help.

 

Date of publication in German: June 2016
Copyright © Brigitte Gudat, see Imprint.

 

 

Joshua, the Inventor

by Brigitte Gudat

 

Joshua is a child with many interests. When he was four to five years old, he was very interested in technology books for a long time; he had lots of them at home that his mother read to him. He was interested in all the technical details and was good at remembering the corresponding names.

In the kindergarten group, he pulled the children along, he provided many ideas; he always wanted to explain his inventions very precisely and also demanded recognition for them.

He spent a long time designing machines. He did not claim to tinker the machines, it was enough for him to deal with them theoretically and fantastically.

Examples:

1. aphid search machine

I should write these designations in exactly the same way:

Aphid camera, films through the magnifying glass.
Camera holder.
Film box.
Wheels.
Magnifying glass.
Aphid poison spray.

2. Poligreif

Joshua came up with the names for his inventions himself. The „Poligreif“ is a police robot (so there don’t have to be any more policemen). It has:
– an automatic burglar-gripping arm,
– a prison,
– an alarm system and
– blue light.

3. paper nappy changing and recycling machine

For the following drawing Joshua received a main prize from the children’s magazine „geolino“.

Again, he wanted me to label the individual parts of his machine according to his specifications:

Gripper arm (1) removes the dirty nappy from the baby and places it on a conveyor belt (2) where the nappy is fed into a shredder (3).
Inside the machine is a mini-sewer for nappy dirt (4).
When the components are cleaned, they are turned into a new clean paper nappy. This comes out of the machine at (5), falls into the feed channel (6), which leads up to the baby. There, the gripper arm (7) takes the fresh nappy and wraps it around the baby’s bottom.

To keep the baby still and satisfied, there is the soothing gripper arm (8) with a baby rattle on it. You can also replace the baby rattle with a dummy – for dummy babies.

The highlight is that the machine is sensor-radio-controlled, senses the smell of nappies (pee or poo) and automatically moves on its rollers to the baby…

Invented, painted and described (dictated) by Joshua.

More about Joshua:
A Gifted Child ‚Crashes‘.

 

Date of publication in German: June 2016
Copyright © Brigitte Gudat, see imprint.