Katja, 6;10 Jahre

von Elisabeth Nawroth

 

Ich hatte Gelegenheit, Katja etwa vier Monate lang einmal pro Woche in der Schule zu beobachten. Sie besucht das 1. Schuljahr. Alle 14 Tage sehe ich sie außerdem beim Knobelclub der DGhK. Einige Informationen stammen aus Gesprächen mit Katjas Eltern und ihrer Erzieherin aus der Kindergartenzeit.

Die Beobachtungen und Informationen, die mir im Hinblick auf eine mögliche Hochbegabung bemerkenswert erschienen, habe ich den Punkten im Beobachtungsbogen nach Huser zugeordnet (Ausgabe 2000):

 

Zu A 1  Allgemeiner Entwicklungsvorsprung, großes Interesse an Buchstaben und Zahlen

Katja schrieb mit 3 Jahren ihren Namen, hat im Kindergarten alles mitgemacht, was die Schulanfänger gemacht haben.

 

Zu A 2  Schnelle Auffassungsgabe und Neugierde

Sie interessierte sich sehr früh für die Dinge, die die Mutter tat. Als die Mutter mit der Nähmaschine nähte, wollte sie im Alter von 3 Jahren wissen: “Wie geht das? Mach mal auf! Kann ich auch mal?”

In der Schule erfasst sie blitzschnell die Aufgabenstellung von Arbeitsblättern, löst sie schnell, hilft gleichzeitig anderen.

Sie erkennt bei Einführung neuer Themen schnell und selbstständig, was zu tun ist. Sie meldet sich und kann es so erklären, dass alle begreifen, worum es geht (zum Beispiel bei einem Wortsuchrätsel am Overhead Projector).

 

Zu A 3  Orientierung an älteren Kindern und Erwachsenen

Im Kindergarten hat sie schon als 3-Jährige mit Schulanfängern gespielt, wurde dort auch akzeptiert – auf Grund ihrer guten Spielideen. Das gleiche gilt für das Spielen auf der Straße im häuslichen Umfeld.

 

Zu A 4  Verblüffende Gedächtnisfähigkeit

Sie war mit ihrer Oma im Urlaub gewesen, als sie 4 Jahre alt war.

Als sie nach Hause kam, erzählte sie den detaillierten Tagesablauf des kompletten einwöchigen Urlaubs vom ersten bis zum letzten Tag.

Sie spricht heute noch gerne von den Geschehnissen während der Bauphase des Eigenheimes “bei uns auf der Baustelle”. (Das Haus wurde vor 3 Jahren bezogen.)

Sie erzählt mir auf Nachfrage vom Besuch des “Sealife” vor einem Jahr genau die Einzelheiten.

 

Zu A 5  Lange Aufmerksamkeitsdauer und starke Eigenmotivation

Katja sitzt stundenlang (2 bis 3 Stunden) an einem Thema.

Zum Thema “Titanic” beispielsweiswe schaut sie auf dem Globus, im Atlas und im Buch nach, wo genau das Schiff untergegangen ist und wo sich das Schiffswrack nun befindet. Seitdem fährt sie nicht mehr so gerne mit dem Ausflugsschiff auf dem Dortmund-Ems-Kanal.

 

Zu A 6  Kritische Einstellung zur eigenen Leistung – hohe Ansprüche an sich selbst

Beim Malen und Schreiben der Buchstaben oder Zahlen radiert Katja sehr viel, wenn sie meint, dass die Zahlen und Buchstaben nicht gut genug geschrieben wurden. Im Vergleich zu den Klassenkameraden schreibt sie alleerdings auch auf Anhieb sehr ordentlich.

Trotzdem höre ich des öfteren:

“lch kann das nicht so gut.”

 

Zu A 7  Vorliebe für Komplexität, Schwierigkeitsgrad bei neuen Aufgaben

Katja befasst sich gern mit naturwissenschaftlichen Themen. Diese verfolgt sie so intensiv, dass sie nicht nur Bücher und Filme dazu sehen will, sondern mit ihrer Oma sämtliche Museen dazu besichtigt und dort vor Ort ihre Fragen und Bemerkungen zu den einzelnen Themen verkündet.

 

Zu A 9  Beschäftigung mit sozialen, philosophischen, politischen und ökologischen Themen

Katja beschäftigte sich schon im Alter von 2 Jahren mit dem Leben nach dem Tod.

“Was passiert mit uns, wenn wir tot sind? Wie groß ist der Himmel?”

“Warum vertragen sich die Menschen nicht? Warum bringen die sich selbst um?”

waren Fragen der 3-Jährigen zu den Schlagzeilen des Irak-Krieges.

 

Zu A 10  Wunsch nach früihzeitiger Einschulung oder nach anspruchsvollen Arbeitsblättern

Katja machte immer die Hausaufgaben ihres vier Jahre älteren Bruders mit und hatte wenig Verständnis dafür, dass sie nicht zur Schule durfte.

Der Bruder bezieht sie weiterhin selbstverständlich in seine Gedankenwelt ein. So “muss” Katja zum Beispiel Englisch lernen, da der Bruder mit dieser Fremdsprache auf dem Gymnasium angefangen hat. Er spielt mit ihr Schule und fragt die Vokabeln ab.

Seit einem Jahr besucht sie gerne den Knobelclub der DGhK, wo neben Denkspielen auch diverse Knobel- und Rätselaufgaben gelöst werden. Hier entwickelt sie eine große Vorliebe für verzwickte Labyrinthe.

 

Zu A 11  Qualität der Fragen und Beispiele

In der Schule wird “Stationenbetrieb” angeboten. Die Kinder dürfen unter 6 Schwierigkeitsgraden Arbeitsblätter aussuchen. Katja sucht sich zueerts die schwierigsten heraus. Das “babyleichte” Arbeitsblatt schafft sie zeitlich nicht mehr.

Im Stuhlkreis stellt die Lehrerin die Frage, warum die Kinder sich gerade für dieses Arbeitsblatt entschieden haben. Während einige Kinder zum Beispiel antworten: “Die Fische sind so lustig.“ oder: „Ich mag die Sonne.“ oder: „Ich hatte Lust dazu.” antwortete Katja:

“Weil es so schwierig war.”

 

Zu A 12  Das “Wörtlich-nehmen” und die Forderung nach Erklärungen

Katja richtet sich strikt nach den Anweisungen der Lehrkraft. Beispiel: Alle Kinder sollen den Zahlenstrahl aus der Tasche holen und – wenn sie ihn brauchen – auch damit rechnen. Katja braucht ihn eigentlich nicht, rechnet aber damit, weil die Lehrerin nicht ausdrücklich gesagt hat, sie kann auch ohne Zahlenstrahl rechnen.

 

Zu A 13  Innovativer Gebrauch von Materialien – kiinstlerische Originalität

Katja bastelt gern mit Materialien in unterschiedlichster Form und setzt diese auch nicht immer zu den gedachten Zwecken ein.

 

Zu A 14  Sinn für Humor und Wortspiele

Katja hat viel Sinn für Humor, aber es fällt schwer, dieses in Worte zu fassen, da dann aus dem Zusammenhang losgelöst erzählt wird.

 

Bereich B

Aus dem Bereich B (Merkmale von unterforderten Kindern) trifft auf Katja nichts zu, da sie das Glück hatte, von ihrem 4 Jahre älteren Bruder als vollwertige Spielpartnerin akzeptiert zu werden. Er nahm sie überall mit hin und traute ihr alles zu. Auch von seinen Freunden wurde sie stets akzeptiert.

 

Zu C 1 / C 3  Großer Wortschatz / Gute Ausdrucksfähigkeit

Als Katja nach der ersten Schulwoche eine Kindergartenfreundin und deren Mutter traf und diese Katja einlud, doch mal wieder zum Spie1en zu kommen, erwiderte Katja: “Nein, das möchte ich nicht, ich orientiere mich gerade neu.” Auf Nachfrage der Mutter erklärte Katja ihr, dass sie nun alle Mädchen der Klasse nacheinander einladen möchte, um zu sehen, mit wem sie spielen möchte.

Nach einem halben Jahr hat sich herauskristallisiert, dass Katja sich nun regelmäßig mit einem hoch begabten Mädchen aus ihrer Klasse trifft, da die beiden Mädchen gut harmonieren.

 

Zu C 2  Schneller Fremdsprachenerwerb

Katja lernt innerhalb der DGhK in einer Kindergruppe Italienisch. Sie lernt gut und schnell und setzt das Gelernte zu Hause und teilweise in der Schule um. (So rechnet sie zum Beispiel auf Italienisch.)

Die Chinesisch-Fähigkeiten, die sie vor einem Jahr in einem Crashkurs (1 Nachmittag am Familienwochenende) erworbenen hat, zitiert sie auch heute noch.

 

Zu C 3  Gute Ausdrucksfähigkeit

Katja liest viel Fachliteratur zu Themen aus den Naturwissenschaften. Sie weiß, wenn sie diese Bücher mit zur Schule nimmt, genau, auf welcher Seite das entsprechende Tier oder die Blume zu finden sind. Sie nimmt bei Spaziergängen gerne den Kosmos Naturführer mit, um gleich vor Ort zu klären, um welchen Käfer oder um welche Pflanze es sich hier handelt. Sie setzt eben gelernte Fachbegriffe richtig ein.

 

Zu  D 1  Quantitative Aussagen sowie quantitatives Denken

Katja ist in der Lage abstrakt zu denken, sie weiß zum Beispiel, was ½, 1/3 oder ¼ ist, kann es jedoch nicht in Zahlen umsetzen. Wenn sie aber einen Raum betritt, erfasst sie sofort, dass 1/3 der Personen eine Brille trägt.

 

Zu D 2  Vorliebe für ordnende und zählende Tätigkeiten

Katja ordnet und sortiert alles in ihrem Zimmer: Bücher und Bilder nach Themen, Tonkassetten nach Vorliebe, Stifte nach Farbe, Spiele nach Größe.

 

Zu D 3  Gutes Abstraktionsvermögen – räumliches Denkvermögen

Katja ist sicher im Wiedererkennen von Wegen, Straßen, Städten. “Hier war ich schon einmal und jetzt müssen wir rechts gehen, um zu … zu kommen.”

Sie erkennt die Plätze auch noch nach einem Jahr wieder und orientiert sich schnell (zum Beispiel: “Jetzt noch 5 Windräder auf der rechten Seite und 3 auf der linken, dann links ab.

 

Zu E 1  Besonders gute Beobachtungs- und Wahrnehmungsfähigkeit

Katja beobachtet oft Kleinigkeiten und erzählt später davon. Sie weiß zum Beispiel später noch genau, wer welchen Ohr- oder Fingerring trug, wer “bei der Sache” war und wer nicht.

Sie ist in der Lage, inhaltlich zu analysieren. Sie merkt sofort, wenn sich jemand widerspricht:

“Das hast du aber eben anders gesagt!”

Katja hat ein gutes Einfühlungsvermögen, ob ein Gespräch ironisch oder ernst verläuft. Beispielsweise tröstete sie die Mutter, als diese den Anruf erhielt, dass es ihrer Mutter schlecht geht und sie eine schwere Operation zu erwarten habe.

 

Zu E 2  Hohe Fähigkeit zur sozialen Anpassung

Katja spielt mit Kindern jeder Altersgruppe engagiert und niveaugerecht. Nur ganz selten streitet sie mit ihren Spielkameraden. Sie passt sich den anderen an, versucht aber trotzdem ihre Meinung durchzusetzen.

 

Zu E 4  Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn – hohe Sensibilität

Sie zeigt einen sehr hohen Gerechtigkeitsanspruch und verteidigt oft Schwächere, wenn sie im Spiel nicht zum Zug kommen.

 

Zu F 1  Informationstiefe und Informationsbreite

Frühes Interesse an Themen wie “Schiffe, Umwelt, Pflanzen, Pferde, Ballett”. Sie sucht sich speziell zu diesen Themen Bücher und beschäftigt sich dann stundenlang in ihrem Zimmer damit.

 

Zu F 2  Grosses Wissen über naturkundliche Themen

Katja zeigt großes Interesse an Naturereignissen wie Stürme, Erdbeben, Vulkane. Sie züchtet im Garten ihre eigenen Pflanzen aus Samen, sie kümmert sich um die Pflege selbst und fachsimpelt mit den Erwachsenen, was wo gut wächst und gedeiht.

Sie beobachtet genau das Wachstum, immer unter Heranziehen von Fachliteratur.

 

Zu F 3  Grosses Wissen über und Interesse an physikalischen, technischen und chemischen Abläufen

Mit vier Jahren hatte Katja bereits ein großes Interesse am Fotografieren. Die Motivauswahl erfolgte nach verschiedenen Kriterien. Mal musste der Hintergrund gut aussehen, mal das eigentliche Motiv.

Zum sechsten Geburtstag wünschte sie sich von ihren Freundinnen ein Buch über das Weltall.
 

Datum der Veröffentlichung: Dezember 2011
Copyright © Hanna Vock 2011, siehe Impressum.

 

Expertise anerkennen

von Hanna Vock und IHVO-Absolventinnen

 

Die hoch begabten und besonders begabten Kinder spüren es sehr schnell, wenn in der Kita eine Fachkraft für Hochbegabtenförderung arbeitet und schließen sich ihr an. Es entstehen besonders vertrauensvolle Beziehungen (Frau Soundso versteht mich).

Die Eltern hoch begabter Kindergartenkinder sind oft sehr froh und dankbar, wenn sie in ihrer Kita auf Kenntnisse zum Phänomen Hochbegabung treffen, wenn sie offen sprechen können und fundierten Rat erhalten.

In vielen Beiträgen dieses Handbuchs ist dargestellt, was Fachkräfte für Hochbegabtenförderung bereits geleistet haben. Es handelt sich in jedem Fall um hoch motivierte Erzieherinnen und Erzieher, die ihre erarbeiteten und erwiesenen Kompetenzen nicht nur ab und zu, sondern möglichst täglich zum Tragen bringen möchten.

Sie treffen dabei aber auf zwei Hindernisse.

Das erste Hindernis sind die oft unzureichenden räumlichen und personellen Bedingungen sowie zu große Gruppen.

Siehe hierzu: Arbeitsbedingungen verbessern.

Das zweite Hindernis ist die mangelhafte Anerkennung der Expertise auf verschiedenen Ebenen: Kita, Träger, Bildungspolitik.

Was den Kolleginnen und Kollegen, die eine umfangreiche Fortbildung zur Hochbegabtenförderung absolviert haben, oft fehlt, ist die Anerkennung durch den Träger der Kita. Manche Träger stufen diese Kompetenzen als irrelevant und uninteressant, ab und zu auch als irritierend ein. Und auch wenn die ideelle Unterstützung vorhanden ist, geben die Träger für die Förderung besonders und hoch begabter Kinder keine besonderen Mittel frei.

Ein deutliches Interesse und die Anerkennung der Expertise „von oben“ (also von den Trägern, den Jugendämtern, den Fachberatungen, den Gremien der Bildungspolitik) würden helfen, dass die wertvollen Kompetenzen und Erfahrungen in vollem Umfang wirksam werden können.

…kurz gefasst…

Hoch begabten Kinder und ihren Eltern hilft es sehr, wenn in der Kita eine oder mehrere Fachkräfte für Hochbegabtenförderung arbeiten.

Diese zertifizierten Fachkräfte haben sich zwei Jahre lang in das Thema Hochbegabung eingearbeitet und zwei Jahre lang (oder auch inzwischen über einen viel längeren Zeitraum) wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Was noch weitgehend fehlt, ist die Anerkennung der Expertise und die Schaffung entsprechender Wirkungsmöglichkeiten in den Kitas – auch durch Finanzmittel – damit die Kompetenzen voll zum Wohle der Kinder ausgeschöpft werden können.

Allein das IHVO hat in den vergangenen Jahren knapp 180 Erzieherinnen und Erzieher zu „Fachkräften für Hochbegabtenförderung in der Tageseinrichtung für Kinder“ fortgebildet und zwölf Kitas zu „Integrativen Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung“ zertifiziert.

Die Weiterbildungen laufen über zwei Jahre und stellen an die Teilnehmerinnen hohe Anforderungen. (Siehe  IHVO-Zertifikatskurse Hochbegabtenförderung und  Kriterien zur Beurteilung der Praxisaufgaben.)

Wie könnte eine Anerkennung der Expertise aussehen?

Sie könnte sich ideell und materiell zeigen.

Die ideelle Anerkennung könnte darin bestehen, dass die Expertise wahrgenommen wird und zu fachlichem Austausch führt.

Positive Beispiele aus der Praxis:

  1. Das Jugendamt stellt die zertifizierte Kita-Leiterin während ihrer Arbeitszeit für kollegiale Beratung und Vorträge frei.
  2. Fachkräfte erhalten die Gelegenheit, in bildungspolitischen Gremien vorzutragen.
  3. Weitere Erzieherinnen und Erzieher werden ermutigt und unterstützt, sich einschlägig fortzubilden.
  4. Die Expertise der Kita wird in der (Fach-) Öffentlichkeit positiv dargestellt.

Die materielle Anerkennung der Expertise könnte sich darin äußern, dass die Mehrarbeit und die Mehrleistung, die eine gute Hochbegabtenförderung bedeuten, durch zusätzliche Personalstunden gefördert werden.

Kolleginnen sind verständlicherweise beruflich frustriert, wenn sie sich zwei Jahre lang intensiv in das Thema Hochbegabtenförderung eingearbeitet haben und dann ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre kreativen Ideen nicht auf Dauer in der täglichen Arbeit mit den Kindern umsetzen können.

Andere, ebenfalls aufwändige Weiterbildungen (wie zum Beispiel Psychomotorik) können vielleicht im gegebenen Zeitrahmen umgesetzt werden. Aber gute Hochbegabtenförderung erfordert zusätzliche Zeit. Hoch begabte Kinder weichen ähnlich stark vom Durchschnitt ab wie geistig behinderte Kinder.

  Siehe: Normalverteilung der Intelligenz.

Auch hoch begabte Kinder brauchen eine (integrative) Intensivförderung, um sich auf Dauer wohl zu fühlen und um sich angemessen entwickeln zu können.

Es gibt Hochbegabtenförderung in der Kita nicht zum zeitlichen Nulltarif.

Das bedeutet, dass es bildungspolitisch unumgänglich ist, dass Kitas zusätzliche Fachkraftstunden für die (Hoch-) Begabtenförderung zur Verfügung erhalten.

Wie könnte eine sinnvolle finanzielle Förderung aussehen? Es wäre aus unserer Sicht eine gute Lösung, den Kitas, in denen eine zertifizierte Fachkraft für Hochbegabtenförderung arbeitet, zusätzliche zweckgebundene Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Mit diesen Mitteln beschäftigt die Kita eine zusätzliche Fachkraft (stundenweise auf Honorar- oder Minijob-Basis), damit die Fachkraft für Hochbegabtenförderung zeitweise freie Hand und freien Kopf für den Förderbedarf der besonders und hoch begabten Kinder bekommt.

Lesen Sie hierzu den Beitrag, der ein positives Beispiel der Förderung durch Stiftungsmittel beschreibt: Bessere Möglichkeiten für Kitas durch Stiftungsgelder.

 Siehe auch: Feststellen von Hochbegabung

Welche zusätzlichen Leistungen werden von einer Fachkraft für Hochbegabtenförderung erbracht?

Oder andersherum gefragt: Wofür brauchen die Schwerpunktkitas zusätzliche Zeit (zusätzliche Fachkraftstunden)?

Die Auflistung bezieht sich in einigen Punkten auf 1 hoch begabtes Kind; natürlich erhöht sich der Zeitaufwand, wenn mehrere hoch begabte Kinder in der Gruppe sind.

    • Zeit für Gespräche mit dem hoch begabten Kind. Zum Beispiel zur Unterstützung der sozial-emotionalen Entwicklung des Kindes, zur Hilfe bei der Klärung des Selbstkonzepts und der Kommunikation mit den anderen Kindern – und auch um auf besondere Fragen des Kindes einzugehen.

 

    • Zeit für anspruchsvolle Kleingruppenarbeit; dabei gezielte Beobachtung und Erkundung der besonderen Interessen, Fähigkeiten und Begabungen.

 

    • Zeit für zeitweilige 1:1-Förderung, zum Beispiel wenn ein Kind sich ein anspruchsvolles Projekt vorgenommen hat und Hilfe braucht, um es erfolgreich zu Ende zu führen.

 

    • Zeit für die inhaltliche Ausweitung / Vertiefung der laufenden Gruppenprojekte.

 

    • Zeit für die Einarbeitung in anspruchsvolle Themen und die Materialbeschaffung.

 

    • Zeit für die Suche nach und Absprachen mit Experten zu einzelnen Themen im Umfeld der Kita.

 

    • Zeit für die Dokumentation anspruchsvoller Projekte.

 

    • Zeit für das Herstellen von Transparenz:
      Was bedeutet Hochbegabtenförderung für uns, wie gestalten wir sie, wie fügt sie sich in den Kita-Alltag ein, was haben die übrigen Kinder davon?
      Dies muss immer wieder im Team, in der Elternschaft und in der Öffentlichkeit geleistet werden.

 

    • Zeit für Elterninformation und gründliche Elterngespräche zum Thema Hochbegabung.

 

    • Zeit für die Zusammenarbeit mit der/den Grundschulen, um gute und rechtzeitige Übergänge für die hoch begabten Kinder zu finden.
      Informationsweitergabe (in Absprache mit den Eltern) zur Begabung des Kindes und Begleitung des Übergangs in die Schule.

 

    • Zeit für spezifischen Erfahrungsaustausch und spezifische Weiterbildung.

 

    • Zeit für kollegiale Beratung über die eigene Kita hinaus. Anbieten von Hospitationen für interessierte oder in Weiterbildung befindliche Kolleginnen.

 

    • Zeit für die Beratung nachfragender Eltern, über die eigene Kita hinaus. Initiierung von Elterngesprächskreisen zum Thema Hochbegabung.

 

Dieser Beitrag wurde erarbeitet in der „AG Integrative Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung“ von

Hanna Vock, Bonn
Beate Kroeger-Müller, Bonn
Silvia Hempler, Remscheid
Sylvie Eikenbusch, Düsseldorf
Hildegard Freitag, Köln
Yvonne Fritz, Köln
Annika Hensel, Köln
Elke Keuler, Bornheim
Alexa Kreitlow, Kürten
Yvonne Pinter, Köln
Ludmilla Savranska, Düsseldorf
Heidi Zimmer, Bergisch Gladbach

Im Folgenden lesen Sie die Argumentation der Leiterin eines zertifizierten „Integrativen Schwerpunktkindergartens für Hochbegabtenförderung“.

Von Beate Kroeger-Müller

In unserem Kindergarten setzen sich meine Kolleginnen und ich für die Integration von besonders begabten Kindergartenkindern ein. Mit unserem Alleinstellungsmerkmal, der (Hoch-) Begabten-Integration, wünschen wir uns eine Anpassung der Rahmenbedingungen und eine befürwortende Zurkenntnisnahme der Erfüllung von Sonderleistungen. Integration bedeutet in dieser Altersstufe das Schaffen von Eigenakzeptanz der besonderen Begabung. Sie bedeutet, das Kind so zu stärken, dass es sich damit in der Gruppe Gleichaltriger angemessen bewegen kann und nicht abtaucht in eine ferne, unerreichbare Beobachterrolle. Wenn Integration in dieser Weise gelingt, erreichen wir die erhoffte Win-Win-Situation – des sich gegenseitigen Befruchtens, der Hilfestellung füreinander in der Gruppe. Denn alle Kinder haben Stärken, die dem Anderen nutzen können. So gestärkt und geübt wird der Eintritt in Schule dann auch gelingen. Dann funktionieren sowohl das Sich-Abfordern besonderer Leistungen, als auch das gemeinsame Lernen.

Natürlich bleibt uns der ganzheitliche Blick auf unsere Kinder erhalten, und damit wird es weiterhin Radfahren, Schwimmen, Klettern und alle möglichen spannenden Abenteuer geben.

Wir wünschen uns einen Sonderstatus, denn diese besonderen Kinder brauchen eine besondere Förderung. Zugleich sind durch dieses neue Konzept die Pflichten an uns, die pädagogischen Fachkräfte, gestiegen.

Augenblicklich besuchen 5 weit überdurchschnittlich begabte Kinder zwischen drei und fünf Jahren unseren Kindergarten. Eltern kommen ganz gezielt, auf Grund unserer Spezialisierung, zu uns ins Haus und erwarten Entlastung und Beratung für sich und Förderung für ihre Kinder.

Uns ist bewusst, dass durch unser neues Konzept die Anforderungen an uns weiter steigen. Als „Integrationseinrichtung“ wollen und müssen wir für unsere Kinder mehr leisten. Dazu wäre eine Reduzierung der Gruppengröße von jetzt 25 Kindern auf dann 22 Kinder wesentlich hilfreich, da jede spezielle und individuelle Förderung auch ein mehr an Zeit und Konzentration erfordert.

Wir setzen unsere spezifische Fachkompetenz dafür ein, dass psychische Narben und das Verstecken der Begabung in der frühen Kindheit vermieden werden. Ein Kindergartenkind, das nicht gut zuhören kann, seine Gefühle nicht steuern kann, das innerlich verunsichert ist, sich ungeliebt und ausgegrenzt fühlt, das mit Ängsten und wenig Selbstvertrauen in die Schule kommt, hat keine Chance, den Anforderungen der Schule zu entsprechen. Es ist von Anfang an auf der Verliererseite – und das trotz hoher Intelligenz.

Ein frühzeitiges Erkennen, ein Stärken und Fördern dieser Kinder, so wie es in unserer Einrichtung geschieht, kann einer solchen Entwicklung entgegen wirken und dem jungen Kind einen erfolgreichen Lebensweg ermöglichen, auch durch eine einrichtungsübergreifende Begleitung in die Grundschule hinein. Diese Aufgaben bearbeiten wir professionell, Hochbegabtenförderung wird von uns erfolgreich gelebt.

Um dieser Verpflichtung qualitativ gut folgen zu können, wünschen wir uns eine neue Obergrenze von 22 Kindern, anstatt wie bisher 25 Kindern zwischen 3 bis6 Jahren. Diese Kindergartengruppe muss auch weiterhin von mindestens zwei ausgebildeten Fachkräften qualifiziert begleitet werden, so dass eine Relation zwischen pädagogischer Fachkraft (plus täglich wechselnden Elterndiensten) und Kind von 1:7 für unsere Einrichtung zum Erhalt des hohen Standards festgelegt ist.

Einrichtungen, die sich nicht auf ein so hohes Elternengagement stützen können, weil natürlich nur die wenigsten berufstätigen Eltern dies kontinuierlich leisten können, brauchen aus meiner Sicht dringend zusätzliches Personal, wie im obigen Beitrag gefordert und begründet.

Unsere Kita richtet Angebote an Kinder aller Altersstufen zwischen drei und sechs Jahren, so dass wir alters- und entwicklungsangemessen Bildungsvorschläge verwirklichen. Unser Kindergarten war von je her eine Bildungseinrichtung und für die Eltern eine zentrale Sozialisationsinstanz. Von daher ist sie qualitativ und konzeptionell beispielhaftes Leitbild für andere Einrichtungen und permanent offener Anlaufpunkt für unsere Eltern beim Sich-Finden in ihrer noch neuen Rolle als Eltern. Das, was heute unter dem Begriff Familienzentrum Einzug findet, ist in unserer Einrichtung seit langem gelebte Qualität und findet oft späteren Widerhall in schulischem Engagement unserer Eltern.

Deswegen brauchen gut funktionierende Einrichtungen, die sich einer solchen zusätzlichen Herausforderung stellen, eine angemessene Förderung.

Beate Kroeger-Müller, Bonn, IHVO-Zertifikat 2005

 

A Vision

by Hanna Vock

 

Since the year 2000 I have been on a quest to contribute to the improvement of the situation of gifted pre-school children in Germany. To this end I have founded the IHVO, developed concepts, trained kindergarten teachers, counselled parents and certified kindergartens as
Integrative Focus Kindergartens for the Advancement of Gifted Children”.


It comes as no surprise that along the way I have developed a vision.

My vision is:

The entire country (more humbly: one federal state) is covered by a network of integrative focus kindergartens.


In detail:

The Demand is Being Met

Some 50.000 residents share such a facility. Of the 50.000 about 2.500 are ages 3 to 6 years. Of these about 75 will be gifted.

Since not all children are recognised gifted right away and not all parents desire to send their children to such a facility or are logistically not able to do so, one may assume a demand of some 25 children (surely with an upward trend as soon as these “beacon”-kindergartens have been enlightening the land for a while). Then the number of focus kindergartens will slowly be raised to meet the rising demand.

From a pedagogue’s view a maximum of 30 per cent gifted children along with 70 per cent non-gifted children make for a good mix in a kindergarten group.

 

… in a nutshell …

Integrative focus kindergartens for the advancement of gifted children are of great value for children and parents alike. Unfortunately there are as of yet too few such facilities.

In order to achieve sufficient accommodation one integrative focus kindergarten per 50.000 residents would be necessary.

It will be interesting to see which federal state will get there first – and when that will be. The IHVO provides the well-proven concept and the experts to further train the kindergarten teachers.

Within Reach:

Any family has this kind of kindergarten within reach; even if there is a kindergarten closer by, many will go the long way because their child will be happier and more balanced – let alone the enhanced advancement.

Admission without Obstacles

Giftedness does not have to be proven by formal testing. When the child reaches the age of five it is recommended to the parents that they have the child tested. This enables the kindergarten to verify their assessments and to determine the exact percentage of gifted children presently registered.

By Public Relations Efforts Those Parents Will Be Addressed…

  • who have noticed, that their child’s developmental state is significantly ahead of that of its peers.
  • who have been given pertinent hints (for example by a paediatrist or an acquaintance who is familiar with the phenomenon).
  • who already have a gifted sibling to the child in the family or who are gifted themselves, which doesn’t make giftedness unlikely for the child.
  • who have found indicators for the possible giftedness of their child.

All public relations efforts make it a point to emphasise that all children at this kindergarten will receive adequate support, the ones who take more time learning none the less.

There also won’t be any “separating” the children, neither will they be publically identified as gifted or assumed gifted.

It is therefore no problem if observations which originally seemed to hint to possible giftedness cannot be verified later on.

By careful observation throughout the entire time at kindergarten the trained staff are able to recognise and respond adequately to the playing and learning needs of the child at any time. In the process of accompanying the child in its development individual interests, talents and skills will emerge more and more.

The Advantages for the Children A Significant:

The child will meet other gifted children in this kindergarten with whom it can share its more complex thoughts and playing ideas. It can exchange knowledge with them, join them in projects and contribute to their successful outcome.

The child meets kindergarten teachers who do not underestimate it but are understanding, who communicate on an appropriate level and are able to support them actively in their learning processes (as they are knowledgeable of gifted children’s learning needs and learning tempo).

Here the child also disposes of playing materials that provide sufficient challenge.

The Advantages for Parents Cannot Be Valued Highly Enough:

The parents find competent advisors at the focus kindergarten. They can speak openly about their observations, assumptions and worries without having to fear rejection, lack of understanding or even the allegation that they be overly ambitious.

They receive valuable advice on the advancement of their child.

Parents, who originally thought their child might be gifted while this couldn’t be confirmed in kindergarten, will still receive valuable pedagogic assistance.

The Advantages for the Primary School Are Self-Evident:

The primary school is informed about the child’s extraordinary talents and gifts right upon registration (the parents’ approval provided). The trained staff of the focus kindergarten are able to report on the state of the accelerated and expanded learning development, so that the primary school can gear its measures of individualised teaching in accordance with the actual developmental state of the child at the time.

This makes misunderstandings between the gifted child and the prospective teachers less likely.

We Also Like The Advantages for the IHVO:

The expertise of the IHVO becomes effective on a much larger scale. The experiences of 15 IHVO-Certificate-Courses completed (as of 2010) are implemented as part of official educational policy.

The thoroughly tested and refined concept of or courses is widely put to use. All talented children benefit from the methodology of advancement of the gifted in the realm of pre-school education, which our courses are based on and which has so far only rudimentarily been laid down in writing in our online manual.

The Advantages for the State are Overwhelming:

The state has a very valuable offer to make to families. This amounts to nothing less than a competitive advantage with regard to skilled labour and an advantageous public image with regard to educational policy.

In addition the state is raising a generation of gifted people, who can be spared the hardships of educational and psychological problems and who can thereby confidently grow up to represent a pool of intelligent, cooperative and creative high performers.

The Costs Are Manageable:

Since the certification of a sufficient number of kindergartens requires the qualification of 3-4 kindergarten teachers for every 50.000 residents the minimum cost lies around 7.200 to 9.000 Euros for these 50.000 residents.

Get More Information Here:

You can find a list of facilities with staff members holding the IHVO-Certificate here. The already existing integrative focus kindergartens are marked in this list.

Further information on the concept of “Integrative Focus Kindergartens for the Advancement of Gifted Children” can be found here.

Notes on the quality of the courses can be found here.

The entire pedagogic contents of the courses are presented at length by this online manual.

The quality criteria for advancement of the gifted at kindergarten can be found here.

The criteria for the evaluation of the practical assignments accompanying our courses – which represent a vital part of the requirements for attaining the certificate – can be found here.

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In the following you see the letter of a mother (name removed) pointing out just how urgent the realisation of this vision appears to be. It is representative of the many letters reaching us from all parts of Germany.

<<Reference: Advancement of the gifted

Dear Madam, Dear Sir


We are faced with the giftedness of our 5 years old son. Alright, we did notice he wasn’t exactly a dimwit.

My problem is, honestly speaking I am rather at a loss…

When he is not being challenged enough he gets incredibly “wild” and he is hard to be calmed down. His thoughts seem to be on a constant “roller coaster ride”. He keeps being haunted by events from the past or present or just general deliberations (it goes from “I’m missing my pacifier” to the question what people do who are blind or deaf and whether this can be helped by surgery and goes on to such considerations as the question why God allows it that people die).


He does like going to kindergarten, yet, just like any other facility ours is not excluded from austerity measures. Targeted measures of advancement are hardly possible. Beginning this August he will be in a group with 6 children under age 3, 6 children age 3, 4 children age 4 plus 4 children in their last year before school. There are presently 2 kindergarten teachers and one intern attending to the children, the intern will leave in August.

Could you recommend some games for 5-year-olds (I bought him “Camelot” by Smart Games last week, but were almost through with this one)? Could you also give me some further hints with regard to advancement measures? We are situated in a rural area and I just don’t know who to turn to for assistance.

I thank you in advance for your effort.

Best wishes

 

The translation of this article was made possible by
Petra Cohnen, Herzogenrath, and Sonja Pastors, Cologne.

Eine Vision

von Hanna Vock

 

Seit dem Jahr 2000 ist es mein Thema und Anliegen, zur Verbesserung der Lage hoch begabter Vorschulkinder in Deutschland beizutragen. Dafür habe ich das IHVO gegründet, Konzepte entwickelt, Erzieherinnen weitergebildet, Eltern beraten und Kitas zu „Integrativen Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung“ zertifiziert.

Dabei bleibt es nicht aus, dass eine Vision entsteht.

Meine Vision ist:

Das ganze Land (bescheidener: ein Bundesland) ist überzogen von einem Netz integrativer Schwerpunktkindergärten.

Und im Einzelnen:

Der Bedarf ist gedeckt

Etwa fünfzigtausend Einwohner teilen sich eine solche Einrichtung. Von den 50.000 sind etwa 2.500 im Alter von 3 bis 6 Jahren. Davon sind etwa 75 Kinder hoch begabt.

Da nicht alle Kinder früh entdeckt werden und nicht alle Eltern ihr Kind in eine solche Einrichtung bringen wollen und auch nicht alle logistisch dazu in der Lage sein werden, kann man von einem Bedarf von vielleicht 25 Kindern ausgehen (sicher mit steigender Tendenz, sobald diese „Leuchtturmkitas“ eine Weile Gelegenheit hatten, das Land zu erhellen). Dann wird die Zahl der Integrativen Schwerpunktkitas allmählich, dem Bedarf entsprechend, erhöht.

Maximal 30 Prozent hoch begabte Kinde und mindestens 70 Prozent nicht hoch begabte Kinder ergeben aus pädagogischer Sicht eine gute Mischung in einer Kitagruppe.

…kurz gefasst…

Integrative Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung sind für hoch begabte Kinder und ihre Eltern eine gute und wertvolle Adresse. Leider gibt es in der Realität bisher viel zu wenige dieser Einrichtungen.

Um eine hinreichende Flächendeckung zu erreichen, wäre ein Integrativer Schwerpunktkindergarten für je 50.000 Einwohner nötig.

Es wird interessant sein, welches der Bundesländer dieses Problem zuerst lösen wird – und wann das sein wird. Das IHVO bietet das erprobte Konzept und die Experten, die die Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher leisten können.

Die Erreichbarkeit ist gegeben:

Jede Familie kann einen solchen Kindergarten erreichen; denn auch wenn das Kind und seine Eltern einen weiteren Weg zu ihrer Kita haben als bis zur nächstgelegenen Kita, werden viele ihn auf sich nehmen, da ihr Kind im Ganzen zufriedener und ausgeglichener sein wird – von der Förderung gar nicht zu reden.

Die Auswahl der Kinder ist unspektakulär:

Die Hochbegabung muss vor der Aufnahme nicht durch einen Test nachgewiesen werden. Wenn das Kind dann 5 Jahre alt ist, wird den Eltern eine Testung empfohlen. Dadurch wird es für die Kita möglich, ihre Annahmen zu überprüfen und den Anteil der hoch begabten Kinder an der Gesamtbelegung der Kita zu bestimmen.

Durch die Öffentlichkeitsarbeit der Kita werden diejenigen Eltern angesprochen,

  • die bemerkt haben, dass ihr Kind wesentlich weiter entwickelt ist als Gleichaltrige,
  • die (zum Beispiel durch die Kinderärztin oder Bekannte, die sich mit dem Phänomen Hochbegabung auskennen) entsprechende Hinweise erhalten haben,
  • die bereits ein hoch begabtes Geschwisterkind in der Familie haben oder selbst hoch begabt sind, wodurch eine Hochbegabung des Kindes nicht unwahrscheinlich ist,
  • die bei ihrem Kind Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung gefunden haben.

Gleichzeitig wird in der Öffentlichkeitsarbeit betont, dass in der Kita alle Kinder – auch Kinder, die langsam lernen – sorgfältig und angemessen gefördert werden.

Auch werden die Kinder nicht „aufgeteilt“ oder in die eine oder andere Richtung „geoutet“.

Insofern ist es unproblematisch, wenn die zunächst gesehenen Anzeichen sich schließlich nicht als Hochbegabung herausstellen.

Durch die sorgfältige Entwicklungsbeobachtung über die gesamte Kita-Zeit des Kindes können die Fachkräfte jederzeit die Spiel- und Lernbedürfnisse der Kinder einschätzen und beantworten. In diesem Prozess der Entwicklungsbegleitung treten auch besondere Interessen, Fähigkeiten und Begabungen immer klarer hervor.

Die Vorteile für die Kinder sind riesig:

Das Kind findet im Schwerpunktkindergarten andere hoch begabte Kinder vor, mit denen es seine komplexeren Gedanken und Spielideen teilen kann. Mit ihnen kann es Wissen austauschen und gemeinsam anspruchsvolle Projekte zum Erfolg führen.

Das Kind findet Erzieherinnen vor, die es nicht unterschätzen, sondern es verstehen, mit ihm auf der passenden Ebene kommunizieren und es bei seinen Lernprozessen (mit dem nötigen Wissen über die Lernbedürfnisse und das Lerntempo hoch begabter Kinder) aktiv unterstützen.

Das Kind findet Spielmaterial vor, das ihm genügend Anreize bietet.

Die Vorteile für die Eltern können nicht hoch genug geschätzt werden:

Die Eltern finden im Schwerpunktkindergarten kompetente Ansprechpartner. Sie können offen über ihre Beobachtungen, Vermutungen und Sorgen sprechen, ohne Abwehr und Unverständnis oder gar die Unterstellung ungesunden Ehrgeizes befürchten zu müssen.

Sie erhalten wertvolle Ratschläge zur Förderung ihres Kindes.

Eltern, die angenommen haben, ihr Kind sei hoch begabt, was sich aber in der Kita nicht bestätigen lässt, erhalten ebenfalls wertvolle pädagogische Begleitung.

Die Vorteile für die Grundschule springen ins Auge:

Die Grundschule erfährt (in Absprache mit den Eltern) schon bei der Aufnahme, dass das Kind besondere, möglicherweise auch hohe Begabungen hat. Die Fachkräfte des Schwerpunktkindergartens können über die beschleunigte und erweiterte Lernentwicklung Auskunft geben, so dass die Grundschule mit ihrer individualisierten Förderung dort ansetzen kann, wo das Kind zu dem Zeitpunkt (schon) steht.

So wird die Gefahr von Missverständnissen zwischen dem hoch begabten Kind und den Lehrkräften wird minimiert.

Die Vorteile für das IHVO gefallen uns auch:

Die Expertise des IHVO wird in größerem Rahmen wirksam. Die Erfahrungen aus (2010) 15 IHVO-Zertifikatskursen werden bildungspolitisch eingesetzt.

Das sorgfältig erprobte und weiter entwickelte Kurskonzept wird breit genutzt. Die entwickelte, den Kursen zugrunde liegende und bisher erst ansatzweise im Online-Handbuch schriftlich dargelegte Methodik der Hochbegabtenförderung im Elementarbereich kann allen hoch begabten Kindern des Landes zugute kommen.

Die Vorteile für das Land sind unermesslich:

Das Land hat ein sehr wertvolles Angebot für Familien vorzuweisen. Daraus ergeben sich ein Wettbewerbsvorteil im Hinblick auf qualifizierte Arbeitskräfte sowie ein Imagevorteil für die Bildungspolitik.

Außerdem wächst im Land eine Generation Hochbegabter heran, der etliche Lernschwierigkeiten und psychische Probleme erspart werden können und die sich überwiegend frohgemut und selbstbewusst zu einem großen Pool intelligenter, kooperativer und kreativer Leistungsträger entwickelt.

Die Kosten sind tragbar:

Da die Zertifizierung genügender Kitas die Qualifizierung von 3-4 Erzieherinnen pro 50.000 Einwohner voraussetzt, liegen die Minimalkosten bei 7.200 bis 9.000 € pro 50.000 Einwohner.

Hier können Sie sich weiter informieren:

Sie finden eine Liste von Kitas, in denen IHVO-zertifizierte Erzieherinnen arbeiten, hier. Die bisher bestehenden Integrativen Schwerpunktkindergärten sind darin gekennzeichnet.

Weitere Informationen zum Konzept „ Integrative Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung“ finden Sie hier .

Hinweise auf die Qualität der IHVO-Zertifikatskurse können Sie hier finden.

Für die pädagogischen Inhalte der Kurse steht der gesamte Inhalt dieses Online-Handbuchs.

Die vom IHVO aufgestellten Gütekriterien für Hochbegabtenförderung in der Kita finden Sie hier .

Die Kriterien zur Beurteilung der Praxisaufgaben – die einen wesentlichen Teil der Prüfungsleistung zum IHVO-Zertifikat darstellen – finden Sie hier .

****

Im Folgenden lesen Sie den anonymisierten Brief einer Mutter, der aufzeigt, wie dringend die Verwirklichung der Vision erscheint. Er steht stellvertretend für die vielen Briefe, die uns aus allen Teilen Deutschlands erreichen:

<<Betreff: Hochbegabtenförderung

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind mit der Hochbegabung unseres 5-jährigen Sohnes konfrontiert worden. Gut, dass er nicht ganz dumm ist, war uns auch schon aufgefallen.

Mein Problem ist, dass ich ehrlich gesagt dem ganzen ziemlich hilflos gegenüberstehe. …

Wenn er unterfordert ist, wird er unglaublich “wild” und lässt sich dann auch nur noch schwer “zurückholen”. Die Gedanken in seinem Kopf scheinen andauernd “Karussell” zu fahren. Er ruft ständig Geschehnisse aus der Vergangenheit, der Gegenwart und irgendwelche generellen Gedanken ab (das geht von “ich vermisse meinen Schnuller”, über was er mal mit Oma im Fernsehen gesehen hat, über die Frage was Menschen machen, wenn sie blind und taub sind und ob man das operieren kann, bis warum Gott die Menschen sterben lässt).

Er geht zwar gerne in den Kindergarten. Allerdings ist auch unsere Einrichtung von Sparmaßnahmen nicht ausgeschlossen. Förderung ist eigentlich kaum möglich, da er sich in einer Gruppe mit (ab August) 6 Kindern unter drei Jahren, 6 Kinder von drei Jahren, 4 Kindern mit vier Jahren und 4 Vorschulkindern befindet. Das Ganze wird zwar zurzeit von 2 Erzieherinnen und 1 Praktikantin versorgt, allerdings fällt die Praktikantin ab August weg.

Können Sie mir Spiele für 5-Jährige empfehlen (ich habe ihm letzte Woche Camelot von Smart Games gekauft – damit sind wir allerdings schon fast durch)? Können Sie mir evtl. Tipps zu weiteren Fördermöglichkeiten geben? Wir wohnen hier absolut ländlich und ich weiß nicht, wohin ich mich wenden soll.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir etwas weiterhelfen könnten.

Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich bereits im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

 

Die Übersetzung dieses Beitrags ins Englische wurde gesponsert von
Petra Cohnen aus Herzogenrath und Sonja Pastors aus Köln.

Integrative Focus Kindergartens for the Advancement of Gifted Children

by Hanna Vock


Between the fall of 2005 and the fall of 2011 thirteen integrative focus kindergartens for the advancement of the gifted have been certified by the IHVO. There will be more.

Expansion of Expertise and New Structures:

The paths to certification as focus kindergarten were different.
Seven of the ten focus kindergartens evolved in the course of a targeted project lasting two-and-a-half years.
The remaining three have had their staff take IHVO-Certificate Courses and completed a half-year long project.

At the heart of this project lay:

  • The introduction of advancement of gifted children to the existing concept of the facility
  • Informing the parents of the facility about the new concept
  • Public relations

See also: The Municipal Kindergarten Sedanstraße …

Prerequisites for the IHVO-Certificate for Kindergartens


The prerequisites for the IHVO-Certificate for kindergartens are standardised and ambitious:

  • The team of the kindergarten has become open and sensitive towards the issue of advancement of gifted children.
  • The administration of the facility supports the setting of this new focus.
  • The head of the facility or his/her substitute have attained the personal IHVO-Certificate.
    See
    IHVO-Certificate-Courses.
  • In each group there is at least one staff member holding a personal IHVO-Certificate.
  • The focus on integrative advancement of the gifted is laid down in writing in a pedagogic concept and well publicised throughout the area around of the facility.
  • The team collaborates constructively, persistently and with great professional exchange among the team to recognize higher abilities in newly accepted children and to advance them adequately.
  • All children are subject to targeted observation with regard to special, possibly higher talents and abilities at the beginning of their time at kindergarten and when they are five years old. These observations are taken down in writing and discussed among the staff and with the parents of the respective children. All this is confidential.
  • The entire team is in a continuous, critical and constructive endeavour to assess the learning and playing resources of the facility. Communication is being enhanced continuously among the staff. Targeted work in small groups and projects aiming to further the extraordinarily talented or interested children are offered on a regular basis.
  • The management and the administration support the team in the development of contents and the implementation of measures of advancement.

In order to renew the Certificate these prerequisites are to be accounted for in writing on the standardised questionnaire “In-House Assessment of Quality of Advancement of the Gifted” on a regular basis.

Prospects Provided by Focus Kindergartens:

At the heart of the concept is the idea of integrative groups which will form gradually and should have no more than 50 per cent gifted or assumed gifted children. This form of integration provides for three things:

Families with gifted or assumed gifted children are offered adequate child-care, upbringing and education for their children.

The kindergarten teacher can (once further trained) develop projects and small group activities with more complex demands without neglecting the group as a whole. Experience has shown that the non-gifted children profit from this, too.

The gifted children get a chance to also interact with “the likes of them”, in other words, they get to recognise their uncommon characteristics in others. This enables them to live out their need for playing complex games, having complex communication and collaboration and develop team spirit. The “castaway”-problem is being alleviated.

See also: Integrative Advancement .

 

The translation of this article was made possible by
Heidi Zimmer, Bergisch Gladbach, Germany.

Integrative Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung

von Hanna Vock

 

Von Herbst 2005 bis Herbst 2011 sind in Deutschland dreizehn Integrative Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung (IHVO-Zertifikat) entstanden, weitere werden folgen.

Kompetenzerweiterung und neue Strukturen:

Die Wege zum Schwerpunktkindergarten waren durchaus unterschiedlich.
Sieben der bisher bestehenden Schwerpunktkindergärten haben sich im Laufe eines zweieinhalbjährigen gezielten Projektes entwickelt.
Die übrigen haben ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach und nach über die IHVO-Zertifikatskurse weitergebildet und zusätzlich eine halbjährige Projektphase durchlaufen.

Während dieser Projektphase standen im Mittelpunkt:

  • die Einarbeitung von Hochbegabtenförderung in das Konzept der Einrichtung,
  • die Information der Eltern in der Einrichtung und
  • die Öffentlichkeitsarbeit.

Siehe auch: Der Weg der Städtischen Kita Sedanstraße…

Voraussetzungen für das Kita-Zertifikat

Die Voraussetzungen für das Kita-Zertifikat sind einheitlich und hoch gesteckt:
  • Das Team der Kita hat Offenheit und Sensibilität für das Thema Hochbegabtenförderung entwickelt.
  • Der Träger der Einrichtung unterstützt die Schwerpunktsetzung.
  • Die Leiterin oder die stellvertretende Leiterin besitzt das IHVO-Zertifikat.
    Siehe
    IHVO-Zertifikatskurse.
  • Pro Gruppe besitzt eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter das IHVO-Zertifikat.
  • Der Schwerpunkt integrative Hochbegabtenförderung ist in der schriftlich niedergelegten pädagogischen Konzeption erkennbar und im Einzugsbereich des Kindergartens öffentlich bekannt.
  • Das Team arbeitet gemeinsam, konstruktiv, beständig und mit hohem fachlichem Austausch daran, hohe Begabungen bei neu aufgenommenen, Kindern zu entdecken und die Kinder angemessen zu fördern.
  • Alle Kinder der Tageseinrichtung werden am Anfang ihrer Kindergartenzeit und ein weiteres Mal, sobald sie fünf Jahre alt werden, gezielt hinsichtlich besonderer und eventuell hoher Begabungen beobachtet. Die Beobachtungen hinsichtlich besonderer oder hoher Begabungen werden notiert, im Team ausgetauscht, mit den Eltern der betreffenden Kinder besprochen und darüber hinaus vertraulich behandelt.
  • Das gesamte Team befasst sich kontinuierlich kritisch und konstruktiv mit den Spiel- und Lernmöglichkeiten für hoch begabte Kinder in der Einrichtung. Der Aufbau von angemessenen Kommunikationsstrukturen wird kontinuierlich beachtet. Gezielte Kleingruppen- und Projektarbeit zur Förderung besonders begabter/besonders interessierter Kinder wird regelmäßig angeboten.
  • Die Leitung und der Träger unterstützen das Team in der inhaltlichen Entwicklung und Umsetzung der Fördermaßnahmen.

Für die Verlängerung des Zertifikats sind diese Voraussetzungen in einem Formular „Interne Qualitätsentwicklung Hochbegabtenförderung“ regelmäßig nachzuweisen.

Möglichkeiten, die die Schwerpunktkindergärten bieten:

Grundlegend für das Konzept ist die Vorstellung von integrativen Gruppen, die sich allmählich aufbauen und höchstens zur Hälfte aus hoch begabten oder vermutet hoch begabten Kindern bestehen. Diese Integrationsform ermöglicht dreierlei:

  • Familien mit hoch begabten oder vermutet hoch begabten Kindern erhalten so ein passendes Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsangebot für ihre Kinder.
  • Die Erzieherin kann (nach entsprechender Fortbildung) Projekte und Kleingruppenarbeit mit komplexeren Anforderungen entwickeln, ohne die Gesamtgruppe zu vernachlässigen. Erfahrungen besagen, dass auch die nicht hoch begabten Kinder davon profitieren.
  • Die hoch begabten Kinder erhalten die Möglichkeit, sich auch zwischen „Ähnlichen“ zu bewegen, also ihre Besonderheiten auch an anderen Kindern wieder zu entdecken. Dies bietet ihnen die Chance, ihre Bedürfnisse nach komplexen Spielideen, nach komplexer Kommunikation und Kooperation auszuleben und Teamgeist zu entwickeln. Die Außenseiterproblematik wird gemildert.

Siehe auch: Integrative Förderung .

Die Übersetzung dieses Beitrags ins Englische wurde gesponsert von
Heidi Zimmer, Bergisch Gladbach.

IHVO-Certificate Courses: Advancement of Gifted Children in Kindergarten for Kindergarten Teachers

 

Since 2003 the IHVO has been providing certificate courses in which professional personnel from kindergartens may acquire expertise and enhance their decision-making and responsibility in their effort to recognize and support gifted children adequately in kindergarten. These trainings are scientifically sound standing and a close interlocking of theory and practical implementation is guaranteed.

Duration: 2 years

Group size: 12-14 participants

This ensures good working conditions.

What will be accomplished in these 2 years?

  • There are six 2-day-seminars, each scheduled for Friday and Saturday.
  • Here we give theoretical input, accommodate for discussions and the exchange of experiences.
  • Participants will sit in at a kindergarten and at an elementary school, one additional day each.
  • Participants will develop projects in accord with the course teachers, conduct these in their kindergarten and reflect upon them in writing and in class.
  • Participants will complete written assignments on required reading.


IHVO-Certificate:

Upon successfully completing the course participants will receive a certificate detailing their newly acquired skills and expertise and certifying them as “Expert on the Advancement of Gifted Children in Kindergarten”.

In addition to the individual IHVO-Certificate granted to the successful graduate of a course the IHVO also issues an IHVO-Certificate for kindergartens which meet the IHVO-standards as an “Integrative Main Focus Kindergarten for the Advancement of the Gifted”

This will be granted to such kindergartens after having successfully completed the 2,5-year IHVO-project “Focus Kindergartens for the Advancement of the Gifted”. Further requirements concerning facilities, expertise and administration must be met in the course of the project for a kindergarten to be granted this certificate. The certificate is granted only on a temporary basis and requirements must be substantiated periodically. (The individual certificates granted to participating personnel in such projects will of course be permanent.)

Requirements for the participation in certificate courses:

Prospective participants should have completed a state-approved formal training as kindergarten teachers (individual exceptions may be made by the course administration)

and they should have worked in a kindergarten for at least two years.


Our fundament of experience:

  • Numerous certificate courses
  • Many, many „basic“ further trainings on the topic of „ Gifted Children in Kindergarten “
  • Many years of practical experience in kindergarten
  • Many years of aptitude- and intelligence-diagnosis
  • Numerous projects for bright and gifted children in and out of kindergarten
  • Many years of guidance for parents of gifted children
  • Sound implementation of quality management techniques


Date of release in German: May 5 th
Translated by Arno Zucknick

Copyright © Hanna Vock, siehe Impressum.

IHVO-Zertifikatskurse

 

>Hochbegabtenförderung im Vorschulbereich

für Erzieherinnen und Erzieher<

Seit 2003 bietet das IHVO Zertifikatskurse an, in denen pädagogische Fachkräfte aus Kindertagesstätten Wissen erwerben und Handlungskompetenzen entwickeln können, um hoch begabte Kinder schon im Kindergarten zu erkennen und angemessen zu fördern. Die Ausbildung ist wissenschaftlich fundiert, eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis ist garantiert.

Dauer: 2 Jahre

Kursgröße: 12 bis 14 Teilnehmerinnen

Das ermöglicht gute Arbeitsbedingungen.

Was geschieht in den 2 Kursjahren?

  • Es finden 6 Zwei-Tages-Seminare statt, jeweils Freitag bis Samstag.
    Dort gibt es theoretischen Input, Diskussion und Erfahrungsaustausch.
  • Sie hospitieren (an je einem zusätzlichen Tag) in einem Kindergarten und in einer Grundschule.
  • Sie entwickeln in Absprache und mit Unterstützung der Kursleitung Projekte, die Sie in Ihrer Kindertagesstätte durchführen und reflektieren.
  • Sie erstellen zur Kita-Hospitation und zur Pflichtlektüre kleinere schriftliche Hausaufgaben.

IHVO-Zertifikat:

Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten Sie ein detailliertes Zertifikat, das Ihre neu erworbenen Kompetenzen darstellt und Sie als
„Fachkraft für Hochbegabtenförderung im Vorschulbereich“ ausweist.

Neben dem persönlichen IHVO-Zertifikat, das die einzelne Erzieherin oder der einzelne Erzieher nach erfolgreicher Teilnahme erhält, gibt es auch noch das IHVO-Zertifikat für Kitas “Integrativer Schwerpunktkindergarten für Hochbegabtenförderung”.

Dieses erhalten Kindertagesstätten nach erfolgreicher Teilnahme am zweieinhalb Jahre umfassenden IHVO-Projekt “Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung”. Um das Kita-Zertifikat zu erlangen, muss eine Kindertagesstätte im Rahmen des Projekts weitere Voraussetzungen erfüllen. Das Kita-Zertifikat wird befristet vergeben und kann bei weiterem Vorliegen der Voraussetzungen verlängert werden.

(Die teilnehmenden Erzieherinnen erhalten ihr persönliches Zertifikat auch im Projekt nach zwei Jahren, natürlich „lebenslänglich“.)

Voraussetzungen für die Teilnahme an den Zertifikatskursen:

Sie sollten über eine abgeschlossene Ausbildung zur Staatlich anerkannten Erzieherin oder zum Staatlich anerkannten Erzieher verfügen (im Einzelfall entscheidet die Kursleitung)

und mindestens zwei Jahre in einer Tageseinrichtung für Kinder gearbeitet haben.

Die Voraussetzungen für Kita-Projekte „Integrative Schwerpunktkindergärten für Hochbegabtenförderung“ können Sie hier nachlesen.

Unsere Erfahrungsbasis:

  • Zahlreiche abgeschlossene Zertifikatskurse (2011: 14)
  • Viele, viele “kleine” Fortbildungen zum Thema „Hoch begabte Kinder im Kindergarten“
  • Viele Jahre eigene praktische Arbeit im Kindergarten
  • Viele Jahre Begabungs- und Intelligenzdiagnostik, besonders auch junger Kinder
  • Zahlreiche Projekte für hoch und besonders begabte Kinder in und außerhalb des Kindergartens
  • Viele Jahre Beratung von Eltern hoch begabter Kinder
  • Qualitätsmanagement-Erfahrungen

Um Informationen zu den Inhalten und den Startterminen der Kurse, zu den Tagungsorten sowie zu den Kosten zu erhalten, schreiben Sie bitte an:

Kontakt : hannavock@ihvo.de

Bei Interesse können Sie sich auf die Warteliste für einen der nächsten Zertifikatskurse setzen lassen.

Datum der Veröffentlichung 5.5.07 /Version 15.7.10

The Municipal Kindergarten “Sedanstraße” and Its Becoming an Integrative Focus Kindergarten for the Advancement of Gifted Pre-School Children

 

Lecture held at the 4 th IHVO-Symposium on May 7 th , 2007

by Kerstin Biedebach

How it all began

In January 2002 we had an inspection of the facility I was managing at the time, which was conducted by the state’s youth social services. One subject we discussed on this occasion was our pedagogic concept and the way it reflected our attitude towards the children. This concept also comprises our pedagogic routines which adhere to the individual situation and needs of the children. The concept also states our methodology. In the course of this professional discourse I was confronted with the question whether I could imagine accepting a gifted child to our kindergarten.

As far as my own attitude is concerned – I respect and have regard for every child and its right to receive education and care. The pedagogic framework of the kindergarten is to make possible the development and advancement of the child’s potentials. Therefore I could well imagine accepting a gifted child to our kindergarten and I was rather curious and anxious to see what this would mean for us.

Craving for information I started my research and gathered as much as I could on the topic of “giftedness”.

In March 2002, with perfect timing, a conference on the topic “Advancement of Gifted Children” took place in Bensberg. So the team leaders of the “Sedanstraße” and I went to Bensberg. We met experts on the matter and were astonished by their accounts of all the specific characteristics of gifted children. Our heads were spinning and since our school days we hadn’t been taking so many notes in one day.

There we also met Hanna Vock who introduced her concept of the pilot scheme “Focus Kindergarten for the Advancement of Gifted Children”, which was about to be launched for the first time.

I discussed this one-time opportunity with the management.
For one thing we were rather struck by the many lectures pointing out that these children hardly ever found any educational programs which would cater to their specific needs and talents and which downturns their development may take if they do not receive adequate support. Another thing was the opportunity and challenge for our facility to develop an out-of-the-ordinary profile.

The team and the administration equally profit

Our next deliberations pertained to the question of how to convince our team and successively our administration.

Together we decided to first sort all the information and become more knowledgeable about the matter and carefully introduce the topic to the team.

In April 2002 we accepted the first (tested) gifted child (Lena 3;2 years – name changed) to our facility and carefully got on our way together with the family. We conferred a lot with the family and had a joint learning experience.

At the end of 2002 we invited Hanna Vock to hold a lecture for all members of staff of the kindergartens in Remscheid who were interested to listen. Certainly it was also our aim to have the colleagues belonging to our Kindergarten inspired by a competent professional speaker.

In January 2003 we then invited Hanna Vock to attend a team conference at our kindergarten. We had a highly concentrated session discussing the possibilities of further training on the topic of focus kindergartens. Concerns and fears were brought up. How much more work is it going to be? What are the costs for the training? How are we going to manage in terms of personnel and time spent?

Some colleagues had minor concerns, still the scheme was not inconceivable. To give our facility a special profile was an aim everybody could subscribe to, even though there were still inhibitions towards the subject-matter of giftedness.

We contacted the head of the social services department and our superintendent in order to discuss our plans, make them transparent and consider possibilities to realise them.

That was easier than we had expected.

Both superiors said they welcomed our initiative and would support us any which way they could. I wrote an application for funding.

In March 2003 there was another workshop on the topic of “Gifted Problem Children” which our managing team attended. After this seminar we were just the more convinced to specialise in the advancement of gifted pre-school children.

Meanwhile our operating department was able to solve some mathematical puzzles, conferred with Hanna and finally we were able to register for the further training.

We are launching the project

In October 2003 we got started with the further training for our team. All team leaders and I myself as the facility manager attended.

In December 2003 we had to submit our first assignment in writing. I have to say, we were a little nervous and never before had we been entertaining such intense communication over an issue. We discussed our observations, supported each other in questions of adequate phrasing and everybody proofread everybody else’s work.

In March and April 2004 a great number of public media approached us. Radio, newspapers and TV-stations wanted to know about our kindergarten with its focus on the advancement of gifted children.

We decided to talk to the local media. That was how we were visited by journalists from Remscheid as well as by the WDR [Westdeutscher Rundfunk = West German Broadcasting Company]. Hanna, too, was quite surprised and supported us as much as she could as we just weren’t prepared for such media attention, yet we did manage this, too.

In May 2004 we went to Hannover to sit in at a kindergarten already specialising on the diagnosis and advancement of gifted children. We came back with a lot of impressions yet couldn’t identify with their approach and work. Self-confidently we followed our own path and created info leaflets and a concept for the integration of gifted children.

In September 2004 the IHVO staged its first expert conference in Cologne. We participated exhibiting the projects we had conducted so far.

In October 2004 my assignment for the course was to draft an article for a newspaper. At the same time the editorial department of the monthly “Kita Aktuell” approached me and asked for a contribution for their upcoming issue.

Great – that assignment was thereby taken care of.

You can read the published article here.

We also created a flyer focussing on giftedness to be handed out to the public.

In January 2005 we gave a press conference together with Hanna. We invited the WDR, the local radio station “Radio RSG” [Radio Remscheid-Solingen] and the local representatives of the print media. We also hosted an evening reception for parents and anybody else who was interested and introduced our work. There were over 100 visitors.

In April 2005 we were invited to an expert conference hosted by the Landschaftsverband Rheinland [Regional Authority Rhineland] to report on our work and present some of our projects by a photo exhibition.

In September 2005 we received our personal certificates and were now entitled to call ourselves “Expert on the Advancement of Gifted Children in Kindergarten”.

In October 2005 I was invited to the board of the youth welfare service to introduce our pedagogic work with gifted pre-school children. Our facility received excellent feed-back.

In November 2005 the VHS [Volkshochschule = Adult Education Centre] in Wiehl invited me to speak at their symposium titled “Is early enrolment [at school] the only solution?”. The event drew 120 visitors and they were mainly pedagogues, then some parents and also some school teachers.

The year is 2006, the year of our certification!

January 2006, the management changes, the advancement of the gifted remains.
A manager of a day care centre of long standing I moved on to the position of advisor for the youth welfare service and my very treasured assistant manager took over at the kindergarten.

Certification of our facility

In March 2006 the certification of our facility, the “Municipal Kindergarten Sedanstraße” was conducted in a public ceremony and in the presence of the mayor.

At this time we assessed for ourselves that we did not only respond more adequately to the gifted children in our kindergarten but that our pedagogic work as a whole had been enhanced.

Looking back I would like to say that we were rather successful in pursuing our goal, and this was made possible only with the active support by all our devoted personnel, by the operating department and, needless to say, by Hanna and Barbara.

What has happened since

Foremost we have continuously become more secure and experienced in dealing with gifted children and their parents, many ideas for advancement measures have been realised successfully.

What’s more, the Municipal Kindergarten Sedanstraße has been radiating way beyond its own premises. Much has happened in the meantime the issue has been brought to public awareness, to the effect that surely the gifted children and their parents experience more appreciation – and hopefully more support.

Some of what happened in the year 2006 is worth mentioning:

  • Increased enrolment of gifted children (word of mouth).
  • Numerous consultations and sit-in visitations by other kindergartens at our facility.
  • Visitations and consultations for interested parents.
  • Increased communication with the adjacent primary school.
  • Report on our advancement agenda at the first district conference of the newly founded District 06, which was attended by all facilities of the youth welfare service planning the future development.
  • Visitation by a Member of the Bundestag [German Parliament] at our facility.
  • Visitation of a delegate of our state parliament at our facility.
  • Lecture held by our management at the VHS Wiehl.
  • Further qualification of another one of our staff members to attain the personal IHVO-Certificate.

Why did we decide in favour of the focus kindergarten?

 

 

Upper left:2,2 % of an age group show developmental deficits or are disabled Upper right:2,2 % of an age group show advanced development or are diagnosed gifted
Lower left: Available aid and advancement measures: Early aid facilities, various therapies, integrative facilities Lower right: Available aid and advancement measures: Hardly any courses/activities within reach, hardly any aid or consultation available, hardly any integrative facilities existing, few qualified schools

The diagram shows the original situation in 2002 when we first confronted the topic and we soon realised that we wanted to help the respective families.

By the same token we intended to give our day care centre an exceptional profile and specialise by setting a focus.

The GTK-NW [Gesetz über Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen = Day Care Legislation of the Federal State of Northrhine-Westphalia] as well as the prospective legislation on children’s education lay down a principal mandate to educate and advance all children individually, this includes among others the gifted. Another regulatory requirement is the integration of children with unusual biographies.

The domestic situation of families with gifted children is by no means any less difficult than that of families with disabled children, even children with severe, multiple disabilities.

Pedagogues must be willing to constantly deal with ever changing life situations of children. This requires further education and training as every child and every family have their own individual story.

How did we manage the further training for the team?

An indispensable prerequisite is the approval of all team members and sufficient funding. These two were secured in our case.

Great support and not to be underestimated was the contribution by substitute nurses who would take over the groups on training days. They in turn were supplemented by “runners” (full-time pedagogues who work for several facilities substituting in cases of illness).

The trainings took place on site in Remscheid over a period of 2 ½ years on 7 Friday-Saturday sessions with the substitute nurses attending two half-days for pedagogic guidance. In addition there were two days of sit-in sessions at other facilities.

The required reading and the theoretical as well as practical assignments were completed predominantly outside of working hours. On some occasions we were able to allow for the exception to work on a more comprehensive assignment within working hours.

The practical assignments were individually set with regard to the present situation of each course participant at the seminars. For me, the manager, being released from working directly with the children, the assignments took on a different shape as I was more apt to work on public relations.

Together we planned and conducted events to present our facility.

Not everything went smoothly and unobstructed since life at the kindergarten daily presents many problems and challenges which have to be met. Every so often we were under extreme time pressure – be it that the child we were working with for the assignment left our kindergarten to go to another one or the project we had planned for the present assignment didn’t fit the situation any more. Festivities and events planned throughout the year had to be organised and carried through, too.

Our trainer, who herself had working experience in day care, was so understanding as to work out flexible solutions with us.

In conclusion I would like to say that this further training was not only great fun for me but also strengthened the (already great) team as a whole.

I thank everybody who was involved for their support and companionship and I would like to encourage others to pursue this inspiring path.

You can read a lecture by the present manager of the Municipal Kindergarten Sedanstraße, Silvia Hempler, here: Reading and Writing in Kindergarten.
 

Kerstin Biedebach is a kindergarten teacher and has managed the Municipal Kindergarten Sedanstraße in Remscheid for 14 years. Since January 2006 she has been an advisor for the youth welfare service in Remscheid.
IHVO-Certificate 2005
e-mail: K-Biedebach@web.de

Date of publication in German: May 5 th, 2007
Translated by Arno Zucknick

Copyright © Kerstin Biedebach, see Imprint.

Der Weg der Städtischen Kindertageseinrichtung Sedanstraße in Remscheid zur Integrativen Kita für Hochbegabtenförderung

Vortrag bei der 4. IHVO-Fachtagung am 7. 5. 07

von Kerstin Biedebach

 

Wie alles begann

Im Januar 2002 fand in unserer Einrichtung, die ich damals leitete, eine Begehung der Heimaufsicht des Landesjugendamtes statt. Dabei sprachen wir auch über unsere pädagogische Konzeption, in der sich unsere Haltung zum Kind spiegelt. Unsere Konzeption beschreibt auch unseren pädagogischen Alltag, der sich an den Situationen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientiert. Die Konzeption stellt auch unsere methodische Umsetzung dar. Im fachlichen Austausch darüber wurde ich mit der Frage konfrontiert, ob ich mir vorstellen könnte, ein hoch begabtes Kind in die Einrichtung aufzunehmen.

In meiner eigenen Einstellung respektiere und achte ich jedes Kind mit seinem Recht auf Bildung und Betreuung. Der pädagogische Rahmen der Kita soll eine Entwicklung und Förderung seiner Kräfte ermöglichen.
Sicherlich konnte ich mir die Aufnahme eines hoch begabten Kindes vorstellen und war sehr neugierig und gespannt, was das nun für uns heißen würde.

Hungrig nach Informationen, begann ich die Recherche und sammelte möglichst viel zu dem Thema „Hochbegabung“.

Im März 2002, wunderbar zeitnah, fand in Bensberg eine Tagung zum Thema „Förderung hochbegabter Kinder“ statt. So machte sich das Leitungsteam der „Sedanstraße“ auf den Weg nach Bensberg. Wir lernten Kapazitäten auf diesem Gebiet kennen und staunten über ihre Darstellungen darüber, was für Besonderheiten diese Kinder mitbringen. Der Kopf rauchte wirklich, und so viel haben wir, glaube ich, in unserer Schulzeit nicht ein einziges Mal am Stück mitgeschrieben.

Wir lernten dort auch Hanna Vock kennen, die das Konzept eines Pilotprojekts „Schwerpunktkindergarten für hoch begabte Vorschulkinder“ vorstellte, was erstmalig starten sollte.

Mit meiner stellvertretenden Leiterin diskutierte ich diese einmalige Möglichkeit.
Zum einen waren wir von den vielen Vorträgen ein ganzes Stück betroffen, dass diese Kinder mit besonderen Begabungen kaum Angebote vorfinden und welche Entwicklung sie durchlaufen können, wenn sie nicht richtig unterstütz werden. Zum anderen zeigte sich auch die Chance und Herausforderung für die Einrichtung, ein eigenes besonderes Profil zu erlangen.

Team und Träger gewinnen

Unsere nächsten Überlegungen gingen in die Richtung „Wie sag ich´s meinem Kinde?“ Wie überzeugen wir das Team und anschließend den Träger?

Gemeinsam entschieden wir erst einmal, die ganzen Informationen zu sortieren, uns weiterhin zu belesen und kundig zu machen und dieses Thema behutsam in das Team zu tragen.

Im April 2002 nahmen wir das an uns vermittelte erste (von dem wir es ja nun wussten) hoch begabte Kind (Lena 3;2 Jahre – Name geändert) auf und begaben uns behutsam mit Kind und Familie auf den Weg. Mit der Familie haben wir uns viel ausgetauscht und lernten miteinander.

Ende 2002 luden wir Hanna Vock zu einer Fortbildung für alle interessierten Mitarbeiterinnen der städtischen Kindertageseinrichtungen nach Remscheid ein. Sicherlich war hier auch unser Ziel, Mitarbeiterinnen aus unserer Einrichtung für dieses Thema zu begeistern und dies durch eine fachkompetente Dozentin.

Im Januar 2003 luden wir Hanna Vock dann zu einer Teambesprechung in unseren Kindergarten ein. Wir setzten uns ganz intensiv mit der Weiterbildungsmöglichkeit zum Schwerpunktkindergarten auseinander. Bedenken und Ängste wurden geäußert. Was kommt an Mehrbelastung auf uns zu, was würde diese Weiterbildung kosten, und wie könnten wir das zeitlich und personell leisten?

Bei einigen Kolleginnen gab es noch kleinere Bedenken, dennoch war unser Vorhaben nicht unvorstellbar. Unserer Einrichtung ein besonderes Profil zu geben, war das Anliegen aller Mitarbeiterinnen, wobei es immer noch „Berührungsängste“ mit dem Thema Hochbegabung gab.

Wir nahmen nun Kontakt zu unserem Sozialdezernenten und zu unserem Abteilungsleiter auf, um unser Vorhaben transparent zu machen und Umsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Das war einfacher als gedacht.

Beide Vorgesetzte würden unsere Absicht begrüßen und nach ihren Möglichkeiten unterstützen. Ich formulierte einen entsprechenden Antrag auf Kostenübernahme.

Im März 2003 fand abermals in Bergisch Gladbach ein Seminar zum Thema „Hochbegabte Problemkinder“ statt, das das Leitungsteam besuchte. Nach diesem Seminar waren wir noch entschlossener, uns auf die Förderung von hoch begabten Vorschulkindern zu spezialisieren.

Zwischenzeitig hat unsere Fachabteilung geniale mathematische Rätsel lösen können, sind mit Hanna in Absprachen gegangen, und wir konnten uns für die Weiterbildung anmelden.

Wir starten ins Pilotprojekt

Im Oktober 2003 starteten wir unsere Teamweiterbildung. Es nahmen alle 4 Gruppenleiterinnen und ich als Einrichtungsleiterin teil.

Im Dezember 2003 mussten wir unsere erste schriftliche „Hausaufgabe“ abgeben. Ich kann nur sagen, dass wir doch ein wenig aufgeregt und mehr in einem gegenseitigen Austausch über ein Thema waren, als je zuvor. Wir diskutierten über unsere einzelnen Kinderbeobachtungen, unterstützten uns in Formulierungen und lasen alle Arbeiten gegen.

Im März und April 2004 traten überaus viele Medien an uns heran. Hörfunk, Zeitungen und Fernsehen wollten über unseren Kindergarten mit dem besonderen Schwerpunkt der Hochbegabtenförderung informieren.

Schreck, lass nach!

Wir entschieden uns für die örtlichen regionalen Medien. So besuchten uns die Journalisten aus Remscheid sowie der WDR (Hörfunk und Fernsehen). Auch Hanna war überrascht, gab uns Sicherheit und unterstützte uns nach Leibeskräften, denn darauf waren wir überhaupt nicht eingestellt, haben aber auch das bewältigt.

Im Mai 2004 sind wir gemeinsam nach Hannover gefahren, um dort in einem Kindergarten, der sich auf die Diagnostik und Förderung von hoch begabten Kindern spezialisiert hat, zu hospitieren. Wir nahmen viele Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause und konnten uns mit der dortigen pädagogischen Arbeit nicht identifizieren. Selbstsicher verfolgten wir weiter unseren Weg und erstellten einen Kindergartenflyer sowie ein Konzept zur Integration von hoch begabten Kindern.

Im September 2004 veranstaltete das Institut die erste Fachtagung in Köln. Hier beteiligten wir uns als Aussteller mit den Projekten, die wir bisher durchgeführt hatten.

Im Oktober 2004 bestand meine Hausaufgabe darin, einen Fachartikel für eine Zeitung zu formulieren. Zeitgleich trat die Redaktion der Zeitschrift „Kita aktuell“ an mich heran und fragte nach einem Beitrag von mir.

Wunderbar, da wäre diese Aufgabe dann auch gelöst.
Hier können Sie den veröffentlichten Zeitschriftenartikel lesen
Ebenfalls erstellten wir einen Flyer mit dem Schwerpunkt Hochbegabung für die breite Öffentlichkeit.

Im Januar 2005 folgte in Zusammenarbeit mit Hanna eine Pressekonferenz. Wir luden den WDR, den örtlichen Radiosender RSG und die örtlichen Vertreter der Zeitungen ein.

Zeitgleich veranstalteten wir gemeinsam mit Hanna eine Abendveranstaltung für Eltern und Interessierte, um unsere Arbeit vorzustellen. Es kamen über 100 Interessierte.

Im April 2005 wurden wir vom Landschaftsverband Rheinland als Aussteller zu einer Fachtagung eingeladen und konnten dort aus unserer Arbeit berichten und mit einer Fotodokumentation Projekte vorstellen.

Im September 2005 erhielten wir die persönlichen Zertifikate und durften uns fortan „Fachkraft für Hochbegabtenförderung in der Tageseinrichtung für Kinder“ nennen.

Im Oktober 2005 wurde ich in den Jugendhilfeausschuss eingeladen, um die pädagogische Arbeit mit hoch begabten Vorschulkindern vorzustellen. Die Einrichtung erhielt eine sehr positive Rückmeldung.

Im November 2005 erfolgte an mich eine Einladung der VHS in Whiel, dort als Referentin zum Thema „Ist vorzeitiges Einschulen die einzige Lösung?“ Die Veranstaltung war mit 120 Teilnehmern überaus gut besucht, vorrangig waren pädagogische Mitarbeiterinnen anwesend, aber auch Lehrer und Eltern.

Wir schreiben das Jahr 2006, das Jahr der Zertifizierung!

Januar 2006 , die Leitung geht, die Hochbegabtenförderung bleibt.
Als langjährige Leiterin wechselte ich als Fachberaterin in die Fachabteilung des Jugendamtes, und meine sehr geschätzte stellvertretende Leiterin übernahm die Kindergartenleitung.

Zertifizierung der Kita

Im März 2006 fand in einer öffentlichen Feier im Beisein der Bürgermeisterin die Zertifizierung der Kindertageseinrichtung „Sedanstraße“ statt.

Zu diesem Zeitpunkt stellten wir für uns fest, dass wir nicht nur den hoch und besonders begabten Kindern in der Kita besser gerecht wurden, sondern dass unsere gesamte pädagogische Arbeit noch einmal eine Weiterentwicklung erfahren hat.

Rückblickend möchte ich sagen, dass wir sehr erfolgreich unser Ziel verfolgt haben, und dies konnte nur mit tatkräftiger Unterstützung unserer Ergänzungskräfte, aller sehr engagierten Kolleginnen der Einrichtung, unserer Fachabteilung und natürlich mit Hanna Vock und Barbara Teeke gelingen.

Was seitdem passierte

Vor allem sind wir in und nach dem Projekt immer sicherer und erfahrener im Umgang mit hoch begabten Kindern und ihren Eltern geworden, viele Förderideen wurden erfolgreich umgesetzt.

Aber die Kita Sedanstraße hatte auch weiterhin eine positive Ausstrahlung über den eigenen Kindergarten hinaus. Viele Dinge sind in dieser Hinsicht auch im Jahre 2006 passiert, die das Thema weiter in die Öffentlichkeit gebracht haben, wodurch sicherlich hoch begabten Kindern und ihren Familien mehr Verständnis – und hoffentlich auch mehr Unterstützung – entgegengebracht wird.

Ich möchte Einiges aus dem Jahr 2006 kurz aufzeigen:

  • Vermehrte Aufnahme von hoch begabten Kindern (Mundpropaganda).
  • Diverse Beratungsgespräche und Hospitationen anderer Kitas bei uns.
  • Besichtigungsbesuche und Beratungen interessierter Eltern.
  • Wiederholte Kontakte zur anliegenden Grundschule.
  • Bericht über unsere Hochbegabtenförderung bei der ersten Stadtteilkonferenz des neu gebildeten Stadtteils 06, bei der alle Jugendhilfeeinrichtungen zusammen saßen, um die weitere Entwicklung zu planen.
  • Besuch eines Bundestagsabgeordneten in unserer Kita.
  • Besuch eines Landtagsabgeordneten in unserer Kita.
  • Vortrag der Leitung bei der Volkshochschule Whiel.
  • Weitere Qualifikation einer Mitarbeiterin mit dem Ziel: IHVO-Zertifikat.

Warum haben wir uns für den Schwerpunktkindergarten entschieden?

Die Darstellung zeigt die Ausgangssituation 2002, als wir mit diesem Thema konfrontiert wurden, und wir erkannten schnell, dass wir betroffenen Familien helfen und Angebote vorhalten wollten.

(Zum Vergrößern bitte in das Bild klicken.)

Ebenso war es unsere Absicht, der Tageseinrichtung mit einem gezielten Schwerpunkt ein besonderes Profil zu verleihen und uns zu spezialisieren.

Das GTK-NW, wie auch das zukünftige Kinderbildungsgesetz, geben den grundsätzlichen Auftrag zur individuellen Bildung und Förderung aller Kinder, angeknüpft an der Lebenssituation jedes einzelnen Kindes, und hierzu zählt unter anderem auch das hoch begabte Kind. Eine weitere Aufforderung besteht auch in der Integration von Kindern mit besonderer Lebensgeschichte.

Familiäre Situationen hoch begabter Kinder sind nicht annähernd weniger schwierig, als die der Familien mit behinderten oder schwerst mehrfach behinderten Kindern.

Pädagogische Kräfte müssen motiviert sein, sich stetig mit „neuen“ Lebenssituationen von Kindern auseinander zu setzen. Dies beinhaltet, sich fort und weiter zu bilden, weil jedes Kind und jede Familie ihre individuelle Geschichte mitbringen.

Wie haben wir die Teamweiterbildung bewältigt?

Voraussetzung ist, dass alle Teammitglieder der Weiterbildung zustimmen und die Finanzierung geklärt ist. Das war bei uns gegeben.

Eine große und nicht zu unterschätzende Unterstützung sind die Ergänzungskräfte, da sie an den Fortbildungstagen zuverlässig die Gruppenarbeit übernehmen. Ergänzt wurden sie durch den Einsatz von Springkräften (pädagogische Fachkräfte, die in der Regel als Krankheitsvertretungen eingestellt sind und in mehreren Kindertageseinrichtungen aushelfen oder unterstützen).

Die Fortbildungstage fanden vor Ort in Remscheid statt, und zwar über den Zeitraum von 2 ½ Jahren 7x freitags und samstags, wobei an zwei halben Tagen die Ergänzungskräfte teil genommen haben, um ebenfalls fachlich begleitet zu werden. Zudem gehörten 2 Hospitationstage zur Weiterbildung.

Die Auseinandersetzung mit Literatur und die theoretischen so wie praktischen Hausaufgaben wurden überwiegend in der Freizeit erledigt. In wenigen Ausnahmen konnten wir für nicht so umfangreiche Aufgaben auch Zeiten in der Einrichtung zur Verfügung stellen.

Die praktischen Aufgaben wurden in den einzelnen Seminarphasen für jede Teilnehmerin individuell abgestimmt, damit aktuelle Situationen berücksichtigt werden konnten. Für mich als freigestellte Leitung strukturierten sich die Aufgaben anders, da ich eher öffentlichkeitswirksam tätig werden konnte.

Gemeinsam planten wir Veranstaltungen und präsentierten unsere Einrichtung.

Nicht alles verlief absolut reibungslos, denn der Alltag einer Kindertageseinrichtung hat vielfältige Aufgaben und Herausforderungen, die fortgeführt werden müssen. Das ein oder anderen Mal standen wir auch unter extremem Zeitdruck – oder das einzelne Kind, dem wir während der ersten Ausbildungsphase unsere besondere Aufmerksamkeit schenkten, kam auf einmal nicht mehr in die Einrichtung, oder unser Hausaufgabenthema passte nicht mehr zur Situation. Feste und Aktivitäten, die in der Jahresplanung festgelegt wurden, mussten ebenfalls geplant und durchgeführt werden.

Bei der Fortbildungsleiterin, die selbst Arbeitserfahrungen im Kindergarten hatte, stießen wir dabei auf Verständnis und kamen gemeinsam auf flexible Lösungen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass mir diese Weiterbildung sehr viel Spaß gemacht hat und das (vorher schon gute) Teamgefühl weiter gestärkt hat.

Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement, für die Unterstützung und Begleitung und möchte Andere ermutigen, sich ebenfalls auf diesen spannenden Weg zu begeben.

 

Hier können Sie den Vortrag der jetzigen Leiterin der Kita Sedanstraße, Silvia Hempler, lesen: Lesen und Schreiben in der Kita.

Kerstin Biedebach ist Erzieherin und leitete 14 Jahre lang die Kita Sedanstr.
in Remscheid. Seit Januar 06 ist sie Fachberaterin im Jugendamt Remscheid.
IHVO-Zertifikat 2005
E-Mail: K-Biedebach@web.de

Copyright © Kerstin Biedebach 2006, siehe Impressum.
Datum der Veröffentlichung 5.5.07