Die Kindernamen wurden verändert.

Beispiel von Birgit Walk, Mechernich

Jonathan (4;9) holt sich aus dem Nikitin-Material (siehe auch: Interessante Spiele) erstmals die Tangrams.

Er experimentiert mit dem Material und legt kreative Formen aus den einzelnen Gruppen.

Nach einer Weile gebe ich ihm den Impuls, nach Vorlage zu arbeiten. Anfangs bereitet ihm die räumliche Zuordnung etwas Schwierigkeiten. Ich lasse ihn ausprobieren und frage ihn etwas später, ob er Hilfe braucht, oder ob er es alleine schaffen möchte. Er möchte alleine arbeiten.

Mit Konzentration und guter Körperspannung gelingt die erste Formation. Man kann sehen, dass der Funke überspringt, und sogleich holt er sich die nächste Gruppe und hört nicht auf, bis er jedes der 16 Tangrams einmal gelegt hat. Es genügt ihm, dass ich ab und zu mal nach ihm sehe, er kommt immer schneller zum richtigen Ergebnis.

Aus dem experimentellen Spiel gestaltet sich rasch ein ergebnisorientiertes Legen der vorgegebenen Formen. Jonathan zeigte ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Erstaunlich finde ich die lange Aufmerksamkeit, die Neugier am Material, sowie die schnelle Auffassungsgabe.

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Mara (2;6), anonym

Mara hat neulich 1,5 Stunden lang (!!!) an einem 120-Teile-Puzzle gesessen. Es war zwar insofern recht einfach, dass es dazu ein Vorlagenblatt gab, auf das man das Puzzle drauf gelegt hat – aber es war dennoch anspruchsvoll. Manchmal kam sie nicht mehr weiter und wollte meine mütterliche Hilfe. Ich habe ihr dann einige Teile gezeigt oder schon vorsortiert (Himmel, Biene Maja, usw.) und sie musste sie nur noch zusammensetzen, aber sie saß bis auf zwei-, dreimal kurz Aufstehen tatsächlich 120 Minuten am Tisch für ihr Puzzle…

Puzzle ziehen sie zurzeit total in den Bann, und ich komme kaum hinterher mit dem Kaufen (Flohmarkt und second hand vornehmlich); denn nach dem ersten Durchgang wird sie beim zweiten Durchgang sehr schnell fertig ist. Sie merkt sich alles und findet sofort den richtigen Platz für jedes Puzzleteil, das ICH noch überhaupt nicht einordnen könnte….

Auch kann sie locker 2 Stunden am Stück das Piraten-ABC von Haba spielen, legt zusammen mit meinem Mann ein Wort nach dem anderen und findet es wahnsinnig interessant. Wenn wir merken, dass es genug ist, müssen wir richtig BESTIMMEN, dass es jetzt genug ist.

Wenn das Spiel vorbei ist, merkt man ihr an, dass sie richtig müde ist und dass es richtig ARBEIT für sie war, aber eher würde sie vom Stuhl fallen als von selber aufzuhören…

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Beispiel von Petra Cohnen, Herzogenrath

Bei dem Theaterstück im Rahmen unserer „Erlebnistage“ übernimmt Can (5;4) mit Begeisterung eine Rolle, hat viele Ideen die Rollen zu gestalten und ebenso gute Ideen zur Gestaltung von Bühnenbild und Kostümen.

Auch hier fällt Can deutlich „aus dem Rahmen“ der restlichen Vorschulkinder. Seine Kreativität und seine Ausdauer sind bemerkenswert. Dies ist umso erfreulicher, als er bei „Standardanforderungen“ schon mal eher unkonzentriert und fahrig wirkt. Also beruhigend für Eltern und uns zu wissen, dass es nur die passende Anforderung mit entsprechend freier Aufgabenstellung sein muss, um ihn zu begeistern…

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Beispiel Pete (anonym)

Der kleine Junge Pete zeigte im Alter von 3 Monaten und 11 Tagen folgendes Verhalten:

Innerhalb von 24 Stunden fixierte er über seinem Bettchen / seiner Strampeldecke aufgehängtes Spielzeug (leicht bis heftig strampelnd, hochkonzentriert, freudig, ohne zusätzliche, extrinsische Motivation) über große Zeitabstände:

  • von 3.10 Uhr bis 4.07 Uhr (57 Minuten),
  • von 9.12 Uhr bis 9.38 Uhr (26 Minuten),
  • von 15.06 Uhr bis 16.21 Uhr (75 Minuten),
  • von 21.33 Uhr bis 22.18 Uhr (45 Minuten).

Das ergibt eine selbst gewählte „Arbeitszeit“ von 3 Stunden, 23 Minuten – nicht eingerechnet die Arbeitszeit „Trinken“.

Während dieser Zeiten, in denen er Sehen übte, fixierte er das Spielzeug fast durchgängig, nur unterbrochen durch kurzes, konzentriertes Rundumblicken mit Drehen des Kopfes. Die Hände zuckten immer wieder leicht in Richtung des Spielzeugs, ohne es zu erreichen.

Es entstand bei der Beobachterin der Eindruck, dass etwas gewollt wurde, was motorisch noch nicht gelang. (Und im Gehirn bahnten sich vermutlich die notwendigen neuen Nervenbahnen.)

Einen Tag später war erstes gezieltes Greifen (mit einer Hand) zu beobachten.

Datum der Veröffentlichung: April 2011

Beispiel von Sabine Handke, Frankfurt/M.

Johannes (4;5) begleitet mich in den Spielebereich und möchte ein Dinosaurier-Puzzle,
das 300 Teile hat, mit mir gemeinsam anfangen. Johannes arbeitet konzentriert und zielgerichtet, lässt sich nicht von anderen Kindern ablenken, fordert die
Aufmerksamkeit von mir ein. Johannes formuliert das Ziel, bis zum Beginn des Osterurlaubs mindesten einen der abgebildeten Dinosaurier fertig zu haben.
Er schafft es.

Datum der Veröffentlichung: 2.2.10

Beispiel von Hanna Vock, Bonn

Bei einem Wochenendprojekt mit 3- bis 6-jährigen hoch begabten und vermutet hoch begabten Kindern wurde noch am Freitagabend gearbeitet. Eine Geschichte wurde erzählt und diskutiert. Mögliche Änderungen der Geschichte wurden ausgedacht, diskutiert, wieder verworfen und neu überlegt…

Es wurde ein auffälliger Unterschied zu gleichaltrigen nicht hoch begabten Kindern deutlich:

Die meisten Kinder blieben – trotz der betonten Freiwilligkeit – von 17.45 bis 18.30 Uhr und dann noch einmal von 19.15 bis 20.45 Uhr, das heißt insgesamt zwei ein viertel Stunden, konzentriert am Platz.

Das ist um so bemerkenswerter, als an diesem Abend schönes Sommerwetter war und wir uns draußen in einem Park mit Spielplatz niedergelassen hatten, der reichlich Anreiz und Ablenkung bot (und in den Freizeiten dann auch ausgiebig genutzt wurde).

Die hohe Konzentrations- und Ausdauer-Leistung, die sich hier schon andeutete, zog sich durch das ganze Wochenende.

Daraus ziehe ich den Schluss, dass die Kinder sehr dazu neigten, alle Angebote zur geistigen Beschäftigung und Anstrengung freudig anzunehmen, und dass sie trotzdem außerhalb der Kindergruppenzeit noch viel Zeit und Kraft für freies und bewegungsbetontes Spiel fanden. Der Aktivitätsgrad war insgesamt hoch, so dass sie in ihrem Kinderalltag sowohl konzentrierte intellektuelle Betätigung, als auch freies Spielen und Toben unterbrachten.

Das zeigte sich vor allem am Nachmittag und Abend des Samstags und am frühen Sonntagmorgen. Zu diesen Zeiten konnten wir beobachten, dass sich etliche Kinder, die sich vor dem Wochenende noch nicht gekannt hatten, zu kleinen Spielgrüppchen zusammengefunden hatten. Sie waren intensiv mit der selbstständigen Erkundung des Geländes beschäftigt oder in Spiele und Gespräche vertieft.

Datum der Veröffentlichung: 3.12.09